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Ursula Dittmer – Keine Zeit für Drachen

Ursula Dittmer - Keine Zeit für DrachenDer wabernde Bodennebel löste sich auf, es wurde unglaublich schnell hell und eine fahle Sonne schien von weit oben durch ein dichtes Blätterdach. Von oben! Mittag? Wie konnte das sein? Hatte ich nicht eben noch die Sonne über dem Nikolausberg untergehen sehen? Wo war ich? Das war nicht das Mainufer in Würzburg … Ein geheimnisvolles Buch wird dem Würzburger Biologiestudenten Alexander Breskow in die Hände gespielt. Unvermittelt gerät er in eine fremde, mittelalterlich anmutende Welt Fasanthiola. Das erste Wesen, dem er dort begegnet, ist Herkon, ein junger Drache, mit dem er in Gedankensprache kommunizieren kann. Drachen und Menschen haben Xander – wie man ihn in Fasanthiola nennt – bereits erwartet. Er gilt als der Ok na Thun , der Geweissagte. Die Zeit fließt dahin, während Alexander versucht, sich in der neuen Welt zurechtzufinden.

Ich hatte Zeit und benötigte rasch einen neuen Drachenbuch-Snack. Irgendwie erschien dann Ursula Dittmers erster Band aus ihrer Fasanthiola-Reihe auf meinem Schirm. Es hatte ~10 sehr gute Bewertungen und schien eine echte Perle zu sein… haben das etwa nur Freunde und Verwandte bewertet?!? Sich bei bekannten Büchern und Serien für die eigenen Werke inspirieren zu lassen ist ja generell keine schlechte Sache. Besser gut geklaut als schlecht selbst ausgedacht. Aber musste es SO deutlich ein Anne McCaffrey-esques Universum werden? Es gibt Gegenüberstellungen bei der sich Menschen mit den Drachenschlüpflingen zeitlebens verbinden, die Drachen können Orte durch ein kaltes Nichts hindurch (hier Niefliem genannt) überbrücken, es wird nur telepathisch kommuniziert…muss man noch deutlicher werden? Da kommt der Held, der aus einer anderen Welt/Dimension/Zeit stammt, gerade recht, um etwas Pepp in die feudalen Herrschaftsstrukturen zu bringen, in der nicht nur religiöse, sondern auch territoriale Konflikte schwelen und viel Potential bieten.

Das Buch hat also eine recht gute Basis, auf deren Fundament sich eine tolle Geschichte hätte ausbreiten können. Mehrere Punkte machen das Lesen aber zu einer Qual.

Der Protagonist (Ale)Xsander ist ein Angstneurotiker mit ausgeprägtem Minderwertigkeitskomplex, der mich beim Lesen einfach nur nervt. Das er anfangs Zweifel an sich selbst hegt ist ja ok und müsste er wenigstens nach ein paar hundert Seiten langsam ablegen, um so halbwegs dem Leser die Chance zu geben, sich mit diesem zu identifizieren. Aber warum muss ein Protagonist alle paar Seiten immer wieder dem Leser unter die Nase reiben wie wenig Wert und wie unpassend und unwichtig und unwürdig er für die ganze Geschichte überhaupt sei? Irgendwann glaubt man das dann auch tatsächlich. Nämlich spätestens am Ende des Buches, wenn im Grunde noch gar nichts den Grund für sein Auftauchen in dieser Welt beleuchtet hat, sich der Protagonist so ein bisschen mit Geplänkel und schüchternen Liebeleien mit gleich drei verschiedenen Frauen, etwa sechs offenen Handlungssträngen in einen Cliffhanger stürzt, der einen zwingt das zweite Buch zu kaufen.

Erst ab etwa 70% des Buches merkt man eine stilistische Verbesserung und erkennt etwas mehr Struktur in der Geschichte. Ab da an sind auch nicht mehr ganz so viele Rechtschreibfehler auszumachen. Ab da an bin ich gewillt dem zweiten Teil noch eine Chance zu geben. Mein Urteil kann ich jedoch leider nur abfällig äußern:

Keine Zeit für Drachen ist ein Buch, das sich das Beste aus vielen anderen Fantasywelten herauspickt, diese Basis aber mit einem Protagonisten bestückt, in den sich wohl selbst nur schwer mit Neurosen geplagte Leute hineinversetzen können, ohne genervt mit den Augen zu rollen. Einen ersten Band so unfertig, unkorrigiert und mit einem solchen Kauf-den-zweiten-Teil Cliffhanger anzubieten ist bei der dünnen Handlung nur noch frech. Immerhin ist das Buch wendungsreich und nicht so vorhersehbar – was wohl daran liegt, dass mich mit dem Protagonisten wohl absolut keine Berührungspunkte oder Sympathie verbinden.

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