Fantasy

Aufenthalt im Wasserreich (Ciruelo Cabral)

Durch Weingärten und Olivenhaine im Süden Frankreichs, vorbei an den bernsteinfarbenen Schlössern der Herren der Provence und an den rotgedeckten Häusern ihrer Untertanen entlang, floss die Rhone. Der stetige Strom ihres Wassers verriet nicht, dass sie Drachen beherbergte. Einer jedoch hauste in ihren Tiefen: Nahe der Stadt Beaucaire, wo die Rhone in Biegungen dem Meer zustrebte, war die Lagerstatt des Drac verborgen, eines riesigen, uralten Wesens; er verstand sich auf Zauberei, die er für seine eigenen blutigen Zwecke einsetzte.

Der Drac besaß eine Vorliebe für Menschenfleisch und machte sich ein Vergnügen daraus, Sterbliche zu jagen. Von Zeit zu Zeit verließ er den Fluss und begab sich zum Marktplatz von Beaucaire, wo er, für die geschäftigen Stadtbewohner unsichtbar, im Schatten der Platanen herumstrich, ein wachsamer Schatten zwischen Körben voller Fische und Bergen von Obst. Mit kalten, blassen Augen beobachtete der Drache die Hausfrauen, die mit den Händlern schwatzten; mit gekrümmten Klauen schnappte er sich dann geschwind ein unbeaufsichtigtes Kind.

Zum Zeitvertreib lockte der Drac manchmal auch Menschen in seinen Fluss. Einmal tat er dies zu einem seltsamen Zweck, und das geschah so:

An einem Sommernachmittag, als die Sonne unbarmherzig auf Stadt und Felder niederbrannte, ging eine junge Frau aus der Stadt zum Fluss, um die Kleider ihres Kindes zu waschen. Wie sie so ihrer Arbeit nachging, blickte die Frau über das glitzernde Wasser – und dann machte sie große Augen. Auf dem Wasser, nicht weit vom Ufer, schwamm ein goldener Becher. In dem prachtvollen Gefäß schimmerte eine Perle.

Ohne zu überlegen nahm sie den Köder an. Sie streckte die Hand nach dem hübschen Zierat aus, der Becher aber glitt außer Reichweite und glitzerte verführerisch im Sonnenlicht. Die Frau versuchte ihn abermals zu greifen; sie beugte sich über den Uferrand und verlor dabei das Gleichgewicht. Als sie fiel, griff eine Klaue nach ihr; wie eine Fessel schloss sie sich fest um die Taille der jungen Frau. Sie stöhnte und zappelte, aber gegen den Griff war sie machtlos. Sie fühlte, wie sie nach unten gezogen wurde. Während ihre Röcke sich mit Wasser vollsogen, warf sie einen letzten, verzweifelten Blick zum Ufer – sie sah, wie kleine Kleidungsstücke auf dem Gras am Fluss trockneten und das Kind, ganz allein, dasaß und wimmerte. Dann schlugen die Wasser der Rhone über ihrem Kopf zusammen.

Unerbittlich wurde sie in die kalten Tiefen des Flusses hinabgezogen, bis sie nichts wahrnahm als nasse Schwärze, durchbrochen von winzigen Lichtern, strahlend und glitzernd wie die Sterne am nächtlichen Himmel. Sie wurde ohnmächtig.

Als sie die Augen wieder aufschlug, befand sie sich in einer kristallenen Höhle. Vor den durchsichtigen Wänden wogten Wasserpflanzen, als wehe ein Landwind darüber hin. Fische schnellten vorbei. Neben ihr lag der goldene Becher, der sie verlockt hatte, und die Perle, die darin war. Und dann sah sie, wer sie gefangen genommen hatte. Riesenhaft und schimmernd hockte der Drache reglos neben dem Becher und betrachtete sie. Von seinem grünen, starren Blick gebannt, stand die Frau auf, und während sie dies tat, verblasste die Erinnerung an ihr Leben: Ihr kleiner Sohn, ihr Mann, ihr Haus im sonnigen Beaucaire, die Felder und Olivenhaine und die Stadt, das alles wurde zu winzigen Bildern, zu Miniaturen, an die sie sich undeutlich erinnerte, wie an Träume. Nur die Worte des Drachen ertönten in ihrem Kopf. Der Drac sprach mit einer Stimme, die wie ein Gong wiederhallte, und die Sterbliche gehorchte. Der Drache hatte der Frau aufgelauert, weil sie jung und gesund war – und weil sie ihren Sohn stillte. Der Drache brauchte Menschenmilch, um sein eigenes Gezücht, ein schwaches Drachenjunges, zu nähren. So wurde die junge Frau, in einem Zaubergespinst gefangen, die Sklavin des Drac und die Amme eines Drachen. Die Tage vergingen friedlich, und für die menschliche Gefangene in dem trüben Zwielicht der kristallenen Höhle unter dem Fluss war ein Tag wie der andere. Eingelullt von der Bewegung des Wassers draußen und vom Bann des Drachen, lebte sie wie in Trance. Sie säugte das Gezücht des Drac und hegte es, als sei es ihr eigener Sohn. Sie schlief, wann es der Drache gebot, und aß, was er ihr gab. Sie beobachtete die Bewegungen des Wassers durch die durchscheinenden Wände der Höhle, und mit der Zeit wurden ihr die Lebewesen der Rhone – der grün-gold gestreifte Hecht, der schlängelnde Aal, die flinke Forelle – vertraut wie einst die Bewohner von Beaucaire. Mit jedem Tag wurde ihr die Wasserwelt, die sie umgab,verständlicher und bekannter, als seien die Steine und Wasserpflanzen die Felder und Wälder ihrer vergessenen Heimat.

Ihre Sehkraft erhielt sie vom Zauber des Drachen, aber das wusste sie nicht. Jeden Abend rieb sie, wie ihr befohlen war, die Augen des Drachenjungen mit einer Salbe ein, die der Drac ihr gab. Die Salbe verlieh dem Kleinen den durchdringenden Drachenblick, und immer wenn die Frau sich ein Auge rieb, blieb etwas von der Salbe dort hängen, sodass sie ein wenig von der Zauberkraft des Geschöpfes empfing.

Sieben Jahre vergingen. Das Junge wurde groß und stark, und es kam der Tag, an dem der Drac keine Verwendung mehr für seine Gefangene hatte. Er tötete sie nicht, was er durchaus hätte tun können; aber sie hatte seinen Nachkommen genährt, und deshalb ließ er sie frei. Er belegte sie mit einem Bann des Vergessens und versenkte sie in Schlaf, bevor er sie durch den Fluss ans Tageslicht trug.

Die Frau wachte am Ufer in der Nähe ihres Hauses auf. Ein wenig verwirrt sah sie sich um, denn sie erinnerte sich an einen heißen, sonnigen Tag, als sie ihre Wäsche gewaschen und mit ihrem Kind gelacht hatte, das im Gras spielte. Jetzt aber war die Sonne untergegangen, und eines nach dem anderen flammten die Lichter der Stadt auf. Weder die Wäsche auf dem Rasen noch ihr Kind waren irgendwo zu sehen. Sie eilte über die Felder und durch die Straßen der Stadt.

Die Tür ihres Hauses stand offen, um die Abendkühle hereinzulassen, und die Frau ging hinein. Zwei Gesichter wandten sich ihr zu – das eines bärtigen Mannes und eines Knaben, der ihrem Mann glich, als dieser jung gewesen war. Einen Moment starrten sie sich gegenseitig an. Dann sprang der Mann mit einem gellenden Schrei auf. Während der Knabe mit geweiteten Augen zusah, umarmte der Mann die Frau. Er war ihr Ehemann, der sie ertrunken geglaubt und getreu sieben Jahre betrauert hatte. Er überschüttete sie mit Fragen, aber sie konnte keine Antwort geben, denn sie besaß keine Erinnerung an die Welt des Drachen. Der Knabe war ihr Sohn, aber er sprach nicht mit der bleichen, zerlumpten Fremden, ihre Schweigsamkeit schreckte ihn. Aber die Liebe des Vaters zu seiner Frau war so stark und seine Freude über ihre Wiederkehr so groß, dass der Knabe die Fremde allmählich als Mutter annahm. Und in den Wochen ihrer rätselhaften Wiederkehr gewöhnten sich auch die Nachbarn an sie. Ihre siebenjährige Abwesenheit blieb ihnen ein Geheimnis, und ihre Reden schreckten sie zuweilen. Sie träumte von Drachen, erzählte sie oft. Doch ihre Nachbarn waren liebenswürdige Menschen und ließen die Frau gewähren. Sie nahm ihr früheres geordnetes, friedliches Leben wieder auf, kochte und sorgte für den Mann und den Knaben und arbeitete mit den Leuten auf den Feldern. So hätte sie fortleben können, wäre nicht der Drachenblick gewesen. Eines Tages ging sie wie gewohnt auf den Markt, und dort, zwischen den Gemüseverkäufern und Fischhändlern, sah sie den Drac. Schuppig und schimmernd ragte er über den Stadtleuten auf. Sein Haupt reichte fast bis zu den Dachfirsten hinauf, und seine Augen schillerten grün, aber die geschäftigen Händler und ihre Kunden gingen nichtsahnend ihren Geschäften nach. Nur die Frau sah ihn. Als sie aufschrie, blickte er sie scharf an. "Siehst du mich, Sterbliche?", fragte eine Stimme in ihrem Kopf.

"Ich sehe dich, Drache", sagte sie laut, und in diesem Augenblick fielen ihr die ganzen verlorenen sieben Jahre wieder ein. Sie stand regungslos, als die Drachenklaue sich senkte und ihr das linke Auge zuhielt.

"Siehst du mich jetzt?", sagte die Drachenstimme. Sie sah ihn noch. Die Klaue wanderte zu ihrem rechten Auge,und wo der Drache gestanden hatte, sah sie nur den Marktplatz und ihre Mitmenschen. Folgsam sagte sie dem Drachen, dass sie ihn nicht mehr sehe. Sogleich durchfuhr ein blendender Schmerz ihren Kopf. Die Klaue hatte das Auge entfernt, das den Drachenblick besaß.

Halbblind lebte die Frau noch viele Jahre, und wieder und wieder erzählte sie ihre Drachengeschichte. Die Leute hielten sie für verrückt und schlugen ihre traurigen Warnungen in den Wind. So verschwanden Jahr für Jahr Kinder vom Marktplatz von Beaucaire und niemand wußte warum.

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Die Geschichte von Melusine (Ciruelo Cabral)

Diese wunderbare Erzählung von Jean d`Arras berichtet von den Ereignissen im Schloß von Lusignan im französischen Poitou. Eines Tages erblickte der Graf von Lusignan bei einem Ausritt ein wunderschönes Mädchen, ihr Name war Melusine. Er entflammte sofort in leidenschaftlicher Liebe zu diesem unbekannten Mädchen und bat sie, seine Frau zu werden. Melusine hatte nur einen einzigen Vorbehalt:Der Edelmann dürfte niemals versuchen, sie beim Baden zu beobachten. Sie lebten glücklich für viele Jahre und hatten viele Kinder. Obgleich menschlich, zeigten die Kinder aus ihrer Ehe doch einige seltsame Züge, wie große Zähne oder ungewöhnlich leuchtende Augen. Dann geschah es: Angestachelt von einer mißtrauischen Magd brach der Graf sein Versprechen und beobachtete seine Frau im Bade. Er entdeckte, daß Melusine sich in einen Drachen verwandelt hatte, und ließ einen gewaltigen Schrei des Entsetzens erschallen – Der Drache bemerkte den Betrug des Gatten und floh für immer vom Schloß. Von nun an herrschte das Unglück über Lusignan. Die ansässigen Bauern berichteten, daß jedesmal, wenn ein Mitglied von Melusines Familie starb, ein Drache gesichtet wurde, der um das Schloß kreiste und bittere Tränen vergoß. Es wurde auch später noch berichtet, daß ein Drache über dem Poitou gesehen wurde, der die adeligen Opfer der französischen Revolution beweinte.

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Die goldenen Äpfel der Hesperiden (Ciruelo Cabral)

Der kühnste unter allen griechischen Helden war Herakles, Sohn des Zeus und der Alkmene. Der eifersüchtige Eurystheus, König von Mykene, stellte ihm 12 Aufgaben, darunter eine, die unlösbar schien: Herakles sollte die goldenen Äpfel zurückbringen, die in einem der göttlichen Gärten versteckt waren und von dem furchtbaren Drachen Ladon und den Töchtern der Nacht – als Hesperiden bekannt – bewacht wurden. Das erste Problem bestand darin, daß niemand wußte, wo sich dieser Garten befand. Doch Herakles machte sich gehorsam auf die Suche, er war begierig darauf, diese Heldentaten zu vollbringen. Er suchte, er befragte, doch ohne Erfolg. Doch zu guter Letzt konnte ihm Nereus, der Gott des Meeres, weiterhelfen: der Garten der Hesperiden lag an einem verzauberten Platz hinter dem Ende der Welt, wo der Titan Atlas das Dach des Himmels auf seinen Schultern trug. Der Halbgott machte sich sofort auf den Weg. Er reiste durch unbekannte Gebiete voller Gefahren, wurde mit blutrünstigen und monströsen Kreaturen konfrontiert, doch am Ende erreichte er den gesuchten Ort, wo Atlas das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern stützte. Gleich in der Nähe lag der wunderbare Garten, umrankt von Jelängerjelieber und Kletterrosen. Die Luft war erfüllt vom perlenden Lachen der wunderschönen Nymphen, die mit dem Drachen spielten oder einander zwischen den Bäumen haschten. Der Sohn des Zeus, nur in ein Löwenfell gehüllt und mit einer schweren Keule bewaffnet, befürchtete, daß sein Aufzug die Hesperiden verschrecken könnte, und wagte es nicht, sich zu nähern. Er begab sich also hinüber zu dem Giganten und sagte: „Mächtiger Atlas, du kennst die Nymphen. Könntest nicht du in den Garten gehen und für mich die Äpfel holen? Niemand würde sich vor dir erschrecken. In der Zwischenzeit werde ich den Himmel für dich halten.“ Atlas stimmte sofort zu und setzte die unglaubliche Last beinahe hastig auf den Schultern des Halbgottes ab. Mit einem glücklichen Lächeln und einem Winken betrat er den Garten. Von dort, wo er stand, konnte Herakles die Schreie des Entzückens und der Überraschung hören, als die jungen Frauen den Titanen erblickten, aber auch die tiefere Stimme des Drachen, der Atlas willkommen hieß. Für drei Tage hörte Herakles nichts weiter von Atlas als das Gelächter von Freude und Spiel, das aus dem verzauberten Garten zu ihm herüberdrang. Am dritten Tag kam Atlas endlich zurück und legte die Äpfel zu Füßen des Helden. „Herakles, mein Freund“, sagte er, „ich habe mit dem Drachen gesprochen. Er hat mir erklärt, daß die Hesperiden über den Verlust der Äpfel wütend sind – außerdem: Ich bin es leid, immer nur den Himmel hochzuhalten, ohne jemals Spaß zu haben. Ich hatte eine herrliche Zeit mit dem Drachen und den Nymphen“, fügte er mit einem Winken hinzu, „ich verlasse dich jetzt mein Freund, um von nun an im verzauberten Garten zu leben. Doch um dir zu zeigen, daß ich mein Versprechen gehalten habe, habe ich dir die Äpfel mitgebracht. Nimm es mir nicht übel.“ „Ich verstehe es“, versicherte Herakles, „wenn ich du wäre, hätte ich genauso gehandelt. Doch gestatte mir noch eine letzte Bitte.“ „Frage nur, was auch immer es sei.“ „Du magst das Himmelsdach ja ohne Mühen halten können, doch ich bin nicht daran gewöhnt und es beginnt zu rutschen. Ich möchte ein Seil als Kissen auf meinen Kopf legen.“ „Das erscheint mir nur gerecht“, antwortete der Gigant, „ich werde es für dich halten, damit du dir das Kissen auf den Kopf legen kannst.“ Der ahnungslose Gigant übernahm wieder das Himmelszelt, damit Herakles das Kissen zurechtrücken konnte. Doch der Halbgott hatte genau auf diesen Moment gewartet. Blitzschnell duckte er sich, griff nach den Äpfeln und floh. „Drache, Drache, er flieht!“ rief der aufgeregte Atlas, doch der Drache schob nur seinen Kopf aus der Gartenpforte und sprach: „Du bist so dumm, daß du dein Schicksal verdienst. Ich habe dich davor gewarnt, dem Helden zu trauen. Nun kann niemand mehr deinen Platz einnehmen.“ Als die Hesperiden ihn zum Versteckspiel riefen, kehrte der Drache zurück in den Garten und ließ den armen Atlas allein mit seiner Last.

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Jason Medea und der Drache (Ciruelo Cabral)

Jason war der Sohn und legitimer Erbe von Aison, dem König von Iolkos. Doch als Aison starb, bemächtigte sich sein Halbbruder – Pelias – des Thrones. Pelias befürchtete, daß Jason die Macht, die ihm rechtmäßig zustand, doch noch beanspruchen würde, er mußte ihn also auf eine Weise loswerden, die jeglichen Verdacht von ihm selbst ablenken würde. Er stellte also an Jason die Bitte, er möge ihm das goldene Vlies zurückholen, das von einem ungeheuren Drachen bewacht wurde. Das Vlies war das Fell des magischen, geflügelten Widders gewesen, den der Gott Hermes geschickt hatte, um die Geschwister Phrixos und Helle vor dem Tode zu erretten. Als beide auf dem Rücken dieses Wundertieres ritten fiel Helle ins Meer, das von nun an nach ihr den Namen Helles Meer oder Hellespont erhielt. Phrixos erreichte das Land der Kolcher an der Küste des Schwarzen Meeres. Dort opferte er den Widder für Zeus und übergab das Fell an König Aietes als Dank für dessen Gastfreundschaft. Dieser widmete das Vlies dem Gott Ares, hängte es in einem geweihten Garten auf und stellte einen Drachen zur Bewachung ab. Jason versammelte die berühmtesten Männer Griechenlands, um mit einem Schiff namens Argo auf die Fahrt zu gehen – die Männer wurden Argonauten genannt. Nach vielen Abenteuern endlich in Kolcherland angekommen, erklärte Jason dem König, daß er gekommen wäre, um das Vlies zu holen. Aietes fürchtete, seinen kostbaren Schatz zu verlieren, also verlanbgte er von Jason, daß dieser zunächst eine schwierige Aufgabe verrichten müsse:
Er solle ein Feld mit zwei wilden Stieren pflügen, deren Füße aus Eisen waren und denen Flammen aus den Nüstern schlugen. Jason hatte wenig Hoffnung, diese Aufgabe erfüllen zu können, doch Medea, die Königstochter, wollte ihm helfen. Sie hatte sich in Jason verliebt und erbat das Versprechen, daß er sie – wenn er mit ihrer Hilfe die Aufgabe erledigen konnte – heiraten und mit nach Griechenland nehmen müßte. Jason stimmte der Bitte dieser wunderschönen Frau nur allzugerne zu.
Nachdem er mit Medeas Hilfe die geforderte Arbeit erledigt hatte, verlangte Jason wieder bei König Aietes nach dem goldenen Vlies. „Du hast die schwierige Aufgabe mit Bravour gelöst“, sagte der König,“ ich vermute, daß Du es nicht allein geschafft hast, aber Du hast dir auf jeden Fall das Recht erwirkt, das Vlies zu holen. Es hängt von einem Baum und wird von einem Drachen bewacht, der niemanden in die Nähe kommen läßt. Verwunde oder verletzte ihn nicht, denn dieser Drache ist dem Gott Ares geweiht. Du mußt das Vlies also stehlen, während der Drache schläft, daß ist meine letzte Bedingung.“
Der König wußte nur zu gut, daß der schlaue Drache mit offenen Augen schlief, die Augen aber schloß, wenn er wach wahr; er hoffte, daß auch Jason auf diese List hereinfallen würde. Doch Medea belauschte den Vater, als er von diesem Trick erzählte, und gab das Geheimnis an ihrem Geliebten Helden weiter. So warteten Jason und seine Argonauten bis zur Nacht, wo der Drache seine Augen öffnete und einschlief. Heimlich stahlen sie das goldene Vlies und segelten an Bord er Argo zurück nach Iolcos. Mit ihnen kam auch Medea, gemeinesam erlebten sie noch viele Abenteuer.

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Kadmos und der Drache des Ares (Ciruelo Cabral)

Agenor, der König von Tyrus und Sidon, hatte drei Söhne und eine wunderschöne Tochter namens Europa. Als Zeus, in Gestalt eines Stieres, Europa entführt hatte, schickte der König seine Söhne los, um die verlorene Tochter zu suchen und zurückzubringen. Die drei jungen Männer machten sich auf den Weg, erkannten aber bald die Hoffnungslosigkeit ihrer Suche. Kadmos, einer der Brüder, wandte sich an das Orakel von Delphi. Das Orakel riet ihm, von der Suche nach der Schwester abzulassen und stattdessen eine Stadt zu gründen. Um den rechten Platz dafür zu finden, sollte Kadmos einem Rind folgen; an der Stelle, wo es sich im Gras zur Ruhe legen würde, wäre der richtige Ort. Kadmos zog umher, bis er ein fruchtbares Tal erreichte. Es war entlegen und menschenleer. Er fand das Rind, das noch niemals ein Joch ertragen mußte und folgte ihm. An einem herrlichen Platz nahe eines Flusses ließ sich das Tier nieder; der junge Mann entschied, die Stadt genau an diesem Ort zu gründen. Da sich die Prophezeiung erfüllt hatte, opferte er das Tier für die Göttin Athene und fiel darauf erschöpft in einen tiefen Schlaf. In seinen Träumen erschien ihm eine überaus schöne Frau in weißen Gewändern. Sie trug einen Helm und einen glänzenden Brustpanzer. In ihren Händen hielt sie eine silberne Lanze und einen Schild, auf einer Schulter kauerte eine Eule “ Kadmos erkannte die Göttin Athene.
Die Erscheinung sprach mit sanfter Stimme: „Kadmos, tapferer Recke, du sollst tatsächlich eine Stadt hier gründen. Doch zuvor mußt du einen ungeheuren Drachen töten, der den Quell des Ares bewacht. Dann sollst du seine Zähne in aufgelockertes Erdreich säen.“
Kadmos zog voller Mut in den Kampf gegen die Bestie. Der mächtige Drache versuchte jede erdenkliche List, doch Kadmos kämpfte unerschüttert. Der Boden war über und über mit Blut bedeckt, Felsen flogen durch die Lüfte wie Kieselsteine. Die Schreie des Helden nud das Brüllen des Drachen konnte bis zum Olymp vernommen werden, wo das Kampfgetümmel den Göttervater bei der Ruhe störte. Verdrossen schickte er seine Tochter Athene Kadmos zu Hilfe, damit diese Schlacht ein für allemal beendet würde. Gehorsam erschien die Göttin auf dem Schlachtfeld, doch selbst mit ihrer Unterstützung brauchte Kadmos noch einen weiteren Tag, um den Drachen zu töten. Er brach die Zähne aus dem Rachen der toten Bestie, pflügte ein Feld und säte sie in den mit Blut und Schweiß getränkten Boden. Eine ganze Saat bewaffneter Männer wuchs vor seinen Augen aus dem Boden. Sie bekämpften einander, bis nur noch 5 Männer übrig waren. Diese warfen auf Athenes Geheiß die Waffen zu Boden, erkannten Kadmos als ihren König und erbauten die Mauern der Stadt Theben. Von nun an regierte Kadmos diese Stadt, deren Männer für ihren Mut und ihre Tapferkeit berühmt waren, waren sie doch den Zähnen eines Drachen entsprungen.

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Siegfried und Fafnir (interpretiert) (Ciruelo Cabral)

Göttervater Odin gab den Eisriesen den Auftrag, eine Brücke zu errichten, die Walhalla, das himmlische Paradies, mit der Erde verbinden sollte. Als Entlohnung verlangten die Erbauer Freyja, die Liebesgöttin. Als die Brücke fertiggestellt war, wollten die Götter Freyja wieder befreien, doch die Eisriesen verlangten einen gleichwertigen Ersatz: Sie wollten den Hort des Rheingoldes, der von den Nibelungen bewacht wurde. Die Götter waren also gezwungen, den Schatz zu rauben; sie übergaben ihn an die Eisriesen, die ihn in einer Höhle von dem Drachen Fafnir bewachen ließen. Mimi, einer der Zwerge, war verzweifelt – sie konnten alle zusammen nichts gegen diese Drachen ausrichten. Als er erfuhr, daß Siegmund, König und Held aus dem Geschlecht der Wölsunge, in einer Schlacht gefallen war, entschloß er sich, die Erziehung des nun vaterlosen kleinen Prinzen Siegfried zu übernehmen und ihn zu einem Recken auszubilden, der so mutig und stark wie der gefallene König sein würde. Als Siegfried 18 Jahre alt geworden war, übergab ihm Mimi die zerbrochenen Überreste vom Schwert seines Vater, dem magischen Balmung, und lehrte ihn, das Schwert neu zu schmieden. Nachdem das Schwert gerichtet war, erzählte Mimi vom Drachen Fafnir, erwähnte aber den Schatz nicht. „Es wäre eine große Heldentat, mein junger Siegfried, wenn ein Prinz von deiner Kraft und deinem Mut den Drachen bezwingen könnte.“ Siegfried wollte diese Aufgabe übernehmen. Er verlor keine Zeit und begab sich zur Höhle des Drachen. An der Behausung des Ungeheuers angekommen, stellte er sich auf und rief laut. Fafnir erwachte und kam aus der Höhle, um den gedankenlosen Eindringling zu verschlingen. Ohne Furcht zog der Held sein magisches Schwert und parierte die Attacke. Als der Drache seinen enormen Kopf zurückwarf, stieß er das Schwert tief in den Nacken der Bestie. Tödlich in der Gurgel getroffen, brach das Ungeheuer in einem See von Blut zusammen. Sigurd spottet : Du rietst den Rat doch ich reite dorthin wo der Hort auf der Heide liegt. Du aber lieg Im letzten Kampf, bis Hel du gehörst.“ Der sterbende Fafnir erträgt diesen Spott und versucht sogar, Sigurd vor der drohenden Gefahr zu schützen: Regin verriet mich, er verrät auch Dich. Er will unser beider Blut.“ Einige Tropfen benetzten Siegfrieds Lippen, wodurch ihm die wunderbare Gabe verliehen wurde, die Sprache der Vögel verstehen zu können: „Hier steht der junge Siegfried, der gerade den Drachen getötet hat. Wenn er in dem Blut des Drachen badet, so wird er unverwundbar werden“, sangen einige Vögel. „Er ist bei weitem nicht so gescheit wie er denkt, denn Mimi will nur den Schatz, den der Drache bewacht hat. Nun, wo der Drache tot ist, wird Mimi auch Siegfried töten“, zwitscherten andere. Der junge Held folgte dem Rat der Vögel und nahm ein Bad im Blut des Drachen – von nun an war er unverwundbar. Es war jedoch während des Badens ein Lindenblatt auf seine Schulter gefallen, so daß dieser kleine Fleck seines Körpers nicht vom magischen Blut benetzt werden konnte. Danach tötete Siegfried den hinterlistigen Mimi, der nur hinter dem Schatz hergewesen war, und kehrte zur Drachenhöhle zurück. Noch immer dem Rat der Vögel folgend, nahm sich Siegfried den magischen Helm, der ihn unsichtbar machen konnte, und den Ring der Nibelungen, den er zwischen all den Schätzen in der Höhle entdeckte. Er schob sein mächtiges Schwert Balmung zurück in die Scheide und suchte nach neuen Abenteuern.

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Der äthiopische Drache (Ciruelo Cabral)

Vor langer Zeit wurde Äthiopien von König Cepheus und Königin Cassiopeia regiert, die sich damit rühmte, schöner als alle Nereiden zu sein. Die Töchzter des Meeres beschwerten sich über diese Anschuldigungen bei Poseidon, sie wollten Ihre Ehre wieder hergestellt sehen. Poseidon schickte einen Drachen, der das gesamte Land verwüstete und alle jungen Menschen Äthiopiens verspeiste. Die entsetzte Bevölkerung befragte das Orakel von Ammon; sie erfuhren, daß die einzige Hoffnung auf Erlösung darin bestand, dem Drachen Andromeda, die wunderschöne Königstochter, zu opfern. Cepheus und Cassiopeia wollten ihre Tochter nicht ins Verderben schicken, doch unter dem Druck ihrer Untertanen mußten sie dem Opfer schließlich zustimmen. Soldaten ketteten das Mädchen an einen Felsen im Meer, wo das Ungeheuer lebte. Klagend und weinend warteten die Eltern der Prinzessin am Ufer. Doch Perseus, Sohn des Zeus, kam auf seinem geflügelten Roß Pegasus vorbei und sah das verzweifelte Königspaar. Der Held, der gerade die furchtbare Medusa getötet hatte fragte beide nach ihrem Leid. Schluchzend erzählten König und Königin die ganze Geschichte.
„Wir warten hier auf das Ungeheuer, das unsere Tochter verschlingen wird“, jammerten sie, „falls irgendwer unsere Tochter erretten könnte, so würde er nicht nur unseres ewigen Dankes gewiß, wir gäben ihm Andromeda zur Frau und den Thron als Mitgift.“
Perseus empfand dieses Angebot als sehr verlockend, zumal die Schönheit des Mädchens, das da an den Felsen gekettet stand, mehr als offensichtlich und der König höchst wohlhabend war. Er setzte sich den magischen Helm auf, der ihm von Hades, dem Herrn der Unterwelt gegeben worden war und der ihn unsichtbar machte. Dann faßte er sein glänzendes Schild – ein Geschenk der Göttin Athene (Er war mit beiden Gottheiten verwandt) und das Diamantenschwert, daß er von Merkur erhalten hatte und zog in den Kampf gegen das Ungeheuer. Gegen den unsichtbaren Gegner hatte der Drache keine Chance, auch Andromeda ahnte nicht, wer ihr da zu Hilfe kam. Der Halbgott zerschnitt die Haut des Drachen, bis er an sein Herz kam und riß es heraus. Dann nahm er den Helm ab und zeigte sich der wunderschönen Prinzessin. Mit einem Hieb zertrennte er die Ketten, die sie an den Felsen ketteten, hob die Königstochter auf sein geflügeltes Roß und flog mit ihr zum Königspalast.
Am Palast des Königs wartete allerdings eine unliebsame Überraschung auf den Helden. An der Spitze seiner Armee stand Phineus, früherer Freier und verlangte sie zur Frau. Perseus dachte nicht daran seine wohlverdiente Belohnung aufzugeben. Er zog den Kopf der Medusa aus der Tasche und hielt ihn Empor, worauf alle Anwesenden zu Stein erstarrten. Nun war es ihm vergönnt, die schöne Andromeda zu heiraten; sie hatten viele Kinder. Eines von ihnen war Alkmene, die spätere Mutter des mächtigen Herakles.

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Strahlende Götter des Ostens (Ciruelo Cabral)

Zur Zeit der Tangdynastie, vor mehr als tausend Jahren, war China ein Reich der Wunder, ein Land, wo die Künste eine Vollkommenheit erreicht hatten, von der die Völker des Westens nicht einmal träumen konnten. Die Hauptstadt Tschangan, geschützt durch hohe Mauern mit zahlreichen Toren, war von einem Netz breiter Prachtstraßen durchzogen, und unter den Ziegeldächern der Palastwerkstätten arbeiteten Handwerker, die groben Lehm in allerfeinstes durchscheinendes Porzellan zu verwandeln verstanden und stumpfes Erz in glänzende Skulpturen, so lebensecht, daß sie zu atmen schienen. Aus dem Gespinst der Raupen schufen sie hauchdünne Seidenstoffe, und mit Erde und Bäumen gestalteten sie Gärten von juwelengleicher Vollkommenheit. In einem solchen Garten, geschmückt mit stillen Seen, die angelegt waren, um Mond und Sterne zu spiegeln, mit Brückenbögen und luftigen Aussichtspavillons, lebten einst zwei Drachen. Dieser Garten, den der Eremit Lu Kuei Meng in seiner kunstvollen Handschrift beschrieb, gehörte einem Edelmann, der nicht weit von Tschangan auf dem Land lebte. Er war ein Sammler von Schätzen der Natur. Schwerfällige Pandas aus den Grenzgebieten Tibets verbargen sich scheu zwischen den Bambushalmen des Gartens, goldgefiederte Pfauen und Kicherdrosseln flatterten hinter seinen durchbrochenen Mauern, Yaks und mongolische Dromedare streiften durch seine Glyzinien, ein sibirischer Tiger trottete durch sein Teehaus, und in dem glasklaren, spiegelnden Teich hauste das Drachenpaar. Die Drachen, die mit allen Köstlichkeiten gefüttert wurden, die ein Sterblicher zu bieten vermochte, waren zahme, durch die Gefangenschaft träge gewordene Geschöpfe. Tag für Tag lagen sie regungslos auf einer künstlichen Insel im See in der Sonne, ihre blauen und roten Schuppen schillerten;ihre faltigen Lider waren über gelben Augen halb geschlossen. In kurzen Abständen glitten sie ins kühle Wasser und begaben sich ans Seeufer, wo große Schüsseln aus feinem Porzelan für sie standen, gefüllt mit Kormoran und Gans, gebratenen Schwalben und Haien, mit Ente und Schwein. Drachen, so berichtete Lu Kuei Meng, waren stets gefräßig:“Die großen Wale in allen Meeren reichen nicht aus, um den Appetit der Drachen zu stillen. “ Durch unentwegte Fütterung wurde das in Gefangenschaft gehaltene Paar sanftmütig und etwas von ihrer Drachennatur ging den beiden verloren:Inzwischen ganz und gar erdgebunden, hatten sie kaum noch Ähnlichkeit mit den wilden Geistern von Wind und Wasser, die sie einst gewesen waren. Eines Tages schwebte ein wilder Drache hoch über den Ziegeldächern der Palasthäuser. Als Herr des Windes bewegte er sich kreisend und tänzelnd nach Art des Drachenfluges mit mächtigen Schwingen auf den Luftströmungen. Schließlich erspähten seine weitblickenden Augen den Garten mit den silberblättrigen Weiden und den weißblühenden Pflaumenbäumen, und auf dem glasklaren See sah er zwei Wesen seiner Art, wie sie sich in der Sonne wärmten. Der Drache schwebte in gemächlichen Kreisen herab, bis er sich schließlich auf dem Dach des Teehauses niederließ, dessen First sich unter seinem Gewicht bog. Er beobachtete die gefangenen Drachen, er betrachtete die mit Speisen überhäuften Schüsseln, und mit hallender Donnerstimme begann er in seiner Sprache zu den beiden zu sprechen. „Fliegt mit mir in die Freiheit, Brüder“, sagte er. „Wohnt in den Tiefen der Gewässer und schwebt am Himmel. Rastet in Gefilden jenseits der Grenzen der Lüfte. Wir sind kein Spielzeug für Sterbliche, sondern Geister, die auf den Winden reiten und die Wolken vor sich herblasen. “ Doch die Drachen des Edelmannes waren verdorbene Kreaturen;es ist durchaus möglich, daß ihre erschlafften Schwingen die Fähigkeit zu fliegen verloren hatten. Sie öffneten die Augen, als das wilde Wesen sprach, doch ihre schweren Kiefer blieben auf dem warmen Felsgestein im See liegen. Die goldenen Augen schlossen sich langsam wieder. Die Drachen rührten sich nicht. Abermals sprach die donnernde Stimme:“Wer bei Menschen lebt, wird für Menschen sterben. “ Und mit seinen ausladenden Schwingen die Luft umgreifend, erhob sich der wilde Drache und schwebte kreisend höher und höher in den tiefblauen Himmel hinein, bis er den Blicken entschwand. Drachen besaßen die Gabe der Vorhersehung, und die Prophezeiung erfüllte sich. Lu Kuei Meng schildert in seinem Bericht nicht, wie es dazu kam, aber der Palast des Edelmannes wurde gestürmt und geplündert, die Bewohner wurden hingerichtet, die Menagerie geschlachtet. Nur die kostbaren Drachen ließ man am Leben. Sie wurden in Ketten nach Tschangan geschafft, in einem Triumphzug durch die breiten Prachtstraßen geführt und anschließend zum Palast des Kaisers gebracht, wo man die Wundertiere den gelangweilten Höflingen zur Unterhaltung vorführte. Danach wurden die Drachen geschlachtet und verzehrt.

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Der Bauer und der Drache (Ciruelo Cabral)

Eines Tages wurde ein Drache auf seinem Heimflug von einem schlimmen Sturm überrascht. Der Wind heulte, und der Regen kam mit einer solchen Wucht hernieder, daß selbst die stämmigsten Eichen entwurzelt und wie Strohhalme geknickt wurden. Trotz seiner enormen Größe wurde der Drache in alle Richtungen geschleudert und verlor in der Dunkelheit die Orientierung. Verzweifelt versuchte er immer wieder, gegen den Sturm anzukämpfen, doch zuletzt fiel er erschöpft zu boden.
Während er so bewußtlos im Schlamm lag, kam ein Bauer aus einer kleinen Hütte in der Nähe des Weges. Als der Bauer, der Lukas hieß, das Ungeheuer erblickte, das wie tot am Boden lag, tat es ihm sogar ein wenig leid. Er näherte sich dem bewegungslosen Körper und stellte fest, daß der Drache noch immer am Leben war. Mit der Hilfe seines Pferdes schaffte er den Drachen zu einer alten Scheune. Dort legte er den Drachen vorsichtig nieder und bedeckte ihn mit einem geflickten Laken, dann rannte er nach Hause und bat seine Frau, etwas zu Essen vorzubereiten. Sie war sehr besorgt:“Du bist wohl verrückt, einem solchen Ungeheuer Nahrung und Schutz zu gewähren. Er wäre besser, es zu töten, der König würde uns für seine Haut belohnen.“- „Sei still, Frau“, entgegnete Lukas, „der Drache ist schwach und krank. Es wäre unchristlich, einem Bedürftigen Hilfe zu verweigern, egal welcher Rasse er auch angehören mag.“ „Sei doch nicht dumm, Mann“, rief die Bauersfrau,“ diese Kreatur ist weder Christ noch Mensch, sie wird dich fressen, sobald es ihr besser geht.“ Ohne auf die Warnung seiner Frau zu achten, machte sich der Bauer daran, den Drachen zu pflegen und zu füttern. Seine Bemühungen trugen bald Früchte, der Drache erholte sich und dankte dem Mann für die Rettung. „Es gibt nichts, wofür du dich bedanken müßtest“, sagte der gute Mann, „wir sind alle Gottes Geschöpfe.“ – „Dennoch hätten mich viele Menschen in deiner Lage getötet und meine wertvolle Haut verkauft.“ „Jeder, der aus dem Unglück anderer Vorteile zieht, ist böse. Ein solches Verhalten wäre eines Ritters unwürdig.“
Als die Bauersfrau, die an der Türe gelauscht hatte, die Worte ihres Mannes vernahm, mußte sie laut lachen. „Seht euch diesen Narren an, der sich selbst die Ritterwürde verleiht, obwohl er ein Almosenempfänger ist!“ kicherte sie in ihrem Versteck. „Du wirst anders reden, wenn die Steuereintreiber kommen und dir dein Pferd nehmen, schließlich haben wir unsere Steuern nicht bezahlt.“ „Es ist Ehre und nicht Reichtum, die einen Mann zum Ritter macht“, entgegnete Lukas mit leiser Stimme. Da der Drache das Gespräch mitangehört und die Armut des Bauern erkannt hatte, bot er ihm eine Belohnung für seine Mühen an. „Ich könnte kein Geld ablehnen, denn der Steuereintreiber wird bald erscheinen, und ich habe nichts, womit ich ihn bezahlen könnte. Doch das war nicht der Grund, aus dem ich dir geholfen habe, mein Freund.“ „Das weiß ich wohl, doch ich bin nun kräftig genug, um Heim fliegen zu können. Komm mit in meine Höhle und such dir aus, was immer dir gefallen mag.“ Obwohl ihn seine Frau bat, nicht zu gehen, stieg Lukas furchtlos auf den Rücken des Drachen. „Wenn du mitten im Wald bist, wird er dich fressen, und ich werde hier allein sein!“ jammerte sie.
Der Drache aber schaffte den Bauern in seine Höhle und bewirtete ihn für drei Tage. Als es für den Bauern Zeit zur Heimkehr wurde, lud sich der Drache einen großen Sack voller Gold und Edelsteine auf den Rücken und brachte den Bauern zu seiner Hütte zurück. „Du kannst zu mir kommen, wann immer es dir schlecht geht“, sagte der Drache zum Abschied.
Lukas fand seine Frau klagend und in Trauerkleider vor, sie hielt ihren Mann für tot. Von den Geschenken des Drachen konnten sich die Bauersleute einen schönen Hof mit vielen Tieren leisten, doch die Frau wurde mit der Zeit immer verschwenderischer. Eines Tages sagte sie zu ihrem Mann:“Wenn wir nur etwas mehr Geld hätten, könnten wir gutes Land erwerben und andere darauf arbeiten lassen. Dann könnten wir einen Sohn haben, der Ritter werden könnte. Warum fragst du nicht den Drachen nach etwas mehr Gold?“ Lukas weigerte sich zunächst, doch dann gab er nach und ging zum Drachen. Dieser hielt das Anliegen für berechtigt und war froh, seinem Freund ein weiteres Mal helfen zu können. Doch es verging kaum ein Jahr, da hörte man von der Frau:“Wenn wir uns ein Schloß und ein paar Ortschaften leisten könnten, würde man uns bestimmt zu Grafen ernennen.“ Lukas war das Nörgeln seiner Frau schnell leid und ging wieder zur Höhle des Drachen. Das Paar erhielt eine Grafschaft. Wenig später wünschte sich die Frau, bei Hofe zu leben. Eines Tages sah die neue Herzogin, wie die Königin in ihrer goldenen Kutsche vorfuhr, gekleidet in Samt und Seide und mit den kostbarsten Juwelen geschmückt. Ihre Augen glänzten Vor Neid und Gier, sie sagte:“Mein lieber Lukas, ich habe mir Gedanken gemacht. Wenn wir einen Sohn hätten und es wäre Krieg, dann müßte er als Offizier an die Front und könnte in der Schlacht fallen. Es wäre viel besser, wenn wir Monarchen wären, dann wäre unser Sohn nicht in Gefahr. Dein Freund der Drache wird uns sicher diesen Wunsch erfüllen.“ „Frau, rede keinen Unsinn!“ schimpfte Lukas, doch seine Frau weinte und bedrängte ihn, bis er wieder den Drachen besuchen ging, der ihn freundlich empfing.
„Freund“, sagte der Drache, nachdem er sich die Geschichte angehört hatte, „deine Frau ist zu ehrgeizig. Sie wird niemals genug bekommen und immer noch mehr wünschen. Aber ich weiß eine Lösung, komm in meine Höhle.“ Der Drache führte seinen Gast in einen gemütlichen Raum, wo wunderhübsche junge Frauen tanzten und sangen. „Nun bist du mein Gefangener. Diese Mädchen werden die Gesellschaft leisten und dafür sorgen, daß jeder deiner Wünsche erfüllt wird, denn sie sind meine Sklavinnen. Du wirst aber niemals in der Lage sein, die Höhle anders als in meiner Begleitung zu verlassen, und du wirst nie zu deiner Frau zurückkehren können.“ Von nun an lebte der brave Mann glücklich mit dem Drachen und seinen Gespielinnen. Lukas Frau aber mußte sich in Trauer kleiden, denn sie nahm an, daß ihr Gatte nun doch noch vom Drachen gefressen worden wäre.

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Sybaris von Cirfis (Ciruelo Cabral)

Nach der Legende kam an den Hängen des Berges Cirfis, nahe der Stadt Delphi, ein ungeheurer Wasserdrache namens Sybaris zu Leben. Sie versetzte die Menschen in Angst und Schrecken, denn jeden Monat verlangte sie einen unschuldigen, schönen, heranwachsenden Knaben, der noch nicht den Nektar der Liebe gekostet haben durfte und verspeiste ihn. Es war die Aufgabe der Priester des Apollo, jeden Monat herauszufinden, welchen Jüngling diesmal das Los treffen würde, dem Drachen geopfert zu werden. So geschah es, daß eines Monats die Wahl auf den schönsten Jüngling der gesamten Region fiel, auf den jungen Alcyoneus. Es fand eine Prozession statt. Der Jüngling wurde mit Rosen gekrönt, was seine Erscheinung noch eindrucksvoller machte, er wirkte wie ein junger Apoll. Jammern und klagen begleitete den Zug zum Opferplatz, so daß die Prozession auch Eurybatus auffiel, einem mutigen jungen Kämpfer, der zufällig des Weges kam. Als er den schönen Alcyneus in seinen weißen Gewändern erblickte, verliebte sich der Soldat sofort in den jungen Mann. Er schloss sich der Prozession an und fragte:“ Wo habt Ihr diesen Jüngling gefunden und wo bringt Ihr ihn hin?“
„Sein Schicksal ist tragisch und seine Zukunft der Tod“, antworteten sie, „er ist das Opfer, das vom Schicksal dazu auserwählt wurde, dem Drachen Sybaris vorgeworfen zu werden.“ Als er daß hörte wurde Eurybatus bleich vor Schrecken. Einem Impuls seines Herzens folgend, bat er darum, Alcyneus befreien und ihn an seiner Stelle zu opfern, da sein Leben bedeutungslos werden würde, wenn der Jüngling sterben müßte. „Opfert mich, ich habe schon viele Jahre gelebt. Dieser Jüngling aber hat das Leben noch nicht einmal geschmeckt. Er soll sich an der Sonne erfreuen und an der Liebe , die er verdient, denn so eine wunderbare Kreatur soll der Liebling Eros und Aphrodites sein, nicht der des finsteren Hades.“
Die Priester wollten diesem Angebot aber nicht entsprechen. Sie fürchteten den Zorn des Drachen, da der Krieger nicht mehr so rein und unbefleckt wie Alcyneus war, sie erlaubten Eurybatus jedoch an der Prozession teilzunehmen. Als sie den Ort erreichten, an dem das Opfer an Sybaris übergeben werden sollte, zogen sich alle vorsichtig zurück. Alcyneus, der in seinem Herzen ebenfalls eine tiefe Liebe für den tapferen Recken empfand, hieß Eurybatus ebenfalls Schutz zu suchen. Doch der Krieger war nicht bereit, den Menschen zu verlassen, der bereits zum Inhalt seines Lebens geworden war. Der ungeheuerliche weibliche Drachen kam aus seiner Höhle und dachte, sie würde nun einen verschreckten, hilflosen Jüngling an der Opferstelle vorfinden. Doch sie traf auf Eurybatus, der- von der Liebe inspiriert, die er in den Augen des Jünglings hatte funkeln sehen- einen Überraschungsangriff gegen die Bestie unternahm und das Ungeheuer tötete. Von einem Drachen war nie wieder etwas zu hören, eine Quelle entsprang an jenem denkwürdigen Ort. Viele Jahre später gründete Eurybatus eine Stadt in Italien, die er Sybaris nannte, als Erinnerung an seine Heldentat.

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Der Drache aus Mont Blanc (Ciruelo Cabral)

Die ruhige kleine Stadt Mont Blanc war ein zufriedenes Plätzchen. Sie wurde von einem gütigen und weisen König regiert und führte einen blühenden Handel. Der König hatte eine wunderschöne Tochter, die von allen geliebt und geachtet wurde. Als einzige Wolke am Horizont wirkte die Tatsache, daß die Einwohner nicht besonders fromm waren und öfter einmal vergaßen, den Göttern zu opfern, wodurch die heidnischen Priester oft verärgert wurden. So berichtet die Legende, daß sich an einem Mittsommertag plötzlich ein gigantischer Drache mit grünlich-blau schimmernden Schuppen aus den Tiefen des Flusses erhob.
Die schreckliche Bestie erschien vor den verängstigten Bewohnern und sprach zu ihnen: „Von nun an verlange ich in jedem Monat von euch eine schöne Jungfrau für mein Mahl“, seine klagende Stimme klang fast wie trauriger Gesang, „sonst werde ich eure Häuser und Felder und euer Vieh zerstören. Wenn ihr mir aber gehorcht, so verspreche ich, niemandem ein Leid zuzufügen und euch in Frieden leben zu lassen.“ Die verstörten Stadtbewohner liefen zum Palast des Königs, um ihm von ihrem Unglück zu berichten. Zu seinem Leidwesen mußte er wohl oder übel die Forderungen des Drachen akzeptieren. Vergeblich versuchten die Einwohner, die Götter um Befreiung von diesem Ungeheuer anzuflehen, selbst die Priester der heidnischen Kultstätten konnten nicht weiterhelfen. Die Monate vergingen, und mit jedem Neumond wurde dem hungrigen Drachen eine neue Jungfrau zugeführt. Die Lage wurde unerträglich. Die Menschen saßen in ihren Häusern, und wenn sie nicht über eine tote Tochter weinten, so waren sie zumindest in größter Sorge um das Schicksal ihrer Kinder. Die Mädchen warfen sich in die Arme des erstbesten Mannes, den sie trafen, auf daß sie ihre Jungfräulichkeit verlieren würden. Diejenigen Mädchen, die als zukünftige Opfer ausgewählt worden waren, mußten eingeschlossen und bewacht werden, damit sie sich nicht selbst töteten, um ihren furchtbaren Los zu entgehen. Nach einiger Zeit gab es keine Jungfrauen mehr. Die einzigen, die aus der Lage noch einen Nutzen ziehen konnten, waren die heidnischen Priester, denn die Menschen kehrten zur Religion zurück und opferten den Göttern.
Der Monat April kam ins Land, beinahe ein Jahr nach dem Erscheinen des Ungeheuers. Das nächste Opfer würde die Tochter des Königs sein, denn sie hatte darauf bestanden, in die Auswahl der Jungfrauen, die dem Drachen geopfert werden sollten, aufgenommen zu werden. Ergeben in ihr Schicksal verbrachte das Mädchen, das kurz zuvor zum Christentum bekehrt worden war, die Nacht in stillem Gebet. Am Morgen, angetan mit weißen Gewändern und gekrönt mit einem Blumenkranz, sagte sie ihren gramgebeugten Eltern und den weinenden Bürgern Lebewohl. Gefestigt in ihrem Glauben und vertrauend auf den Beistand der Jungfrau Maria machte sich die Prinzessin allein auf den Weg zur Drachenhöhle, wo sie ruhig und in Gebete versunken auf ihr Ende wartete. Die Bürger versammelten sich entlang der Stadtmauern und warteten darauf, daß die Bestie aus ihrer Höhle hervorkommen würde – alle wollten Zeuge dieser Tragödie sein. Plötzlich galoppierte ein unbekannter Ritter in wildem Tempo auf einem weißen Roß mit silberner Mähne einher. Es wird berichtet, daß seine Waffen wie reines Silber in der Sonne glänzten, sein Umhang aber war rot wie Feuer. Auf seinem Schild prangte ein rotes Kreuz auf goldenem Grund. Ohne sein Roß zu zügeln, raste der Fremde auf das Ungeheuer zu. Überwältigt von der Kraft des stolzen Ritters zog sich der Drache zurück und legte sich friedlich nieder. „Werte Dame“, sagte der Fremde, „schlingt den Gürtel eueres Gewandes um den Nacken des Drachen, und er wird uns friedsam folgen.“ Ohne Furcht befolgte das Mädchen die Anweisung – der Drache konnte geführt werden und leistete keinen Widerstand. Die seltsame Prozession machte ihren Weg zu den Toren der Stadt, wo die Bürger in ungläubigem Staunen warteten. Das Mädchen lief, um seine Eltern zu umarmen, während sich die heidnischen Priester damit rühmten, das Monster durch ihre Opfergaben und Rituale besiegt zu haben. Der Ritter aber bat um Ruhe, die ganze Stadt lauschte den Worten des geheimnisvollen und mutigen Retters: „Ich bin Georg, ein Soldat Christi“, sagte er, „und reite unter seinem Schutz. Diese junge Christin betete um den Beistand von Maria und ihrem Sohn, dem Erlöser, daher erhielt ich den Auftrag, sie vor dem Tode zu erreten. Möge das Kreuz, welches dich gerettet hat, für immer diese Stadt krönen. Verlaßt eure falschen Götter und ihr werdet niemals mehr einen Drachen fürchten müssen.“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, schlug der junge Ritter das Zeichen des Kreuzes über dem Ungeheuer. Der Drache war in einen Rosenbusch verwandelt, dessen Blüten rot wie Blut leuchteten. Auch heute noch wird in Katalonien der Name des Heiligen Georg mit Rosen in Verbindung gebracht, als Erinnerung an jenen Ritter, der sie für immer vor dem Drachen errettet hat.

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Der verlorene Traum (Karin Roth)

Er saß alleine in seiner dunklen, kalten und feuchten Höhle.. verzweifelt versuchte er sich zu erinnern wer er war, doch seine Erinnerung war wie ein schwarzes tiefes Loch in dem kein Lichtlein sich regen wollte.
Wenn er sich im Teich vor der Höhle betrachtete, so sah er nur eine dunkle und verkrüppelte Gestalt.. schwarze Haut spannte sich um deformierte Knochen, sein Gesicht.. ja kann man es Gesicht nennen.. war übersät von Pusteln und verschoben in sich selbst, sein hässlicher  Körper kann sich kaum aufrecht halten und seine Hände… ja seine Hände.. waren Klumpen die am Ende seiner Arme fast nutzlos hingen.
Er war ein Gargoyle.. verstümmelte Flügel hingen nutzlos an seinem Rücken und er wusste nicht wer er ist oder wer er war.
Stunden über Stunden saß er da und grübele über sein Leben während um ihn herum das Leben des Waldes seinen Lauf nahm.
Er wusste er war nicht immer so ein Wesen gewesen.. wusste das er einmal etwas anderes war,wusste das einst die Magie sein Leben beherrscht hatte, doch nur wage Erinnerungsfetzen drangen noch in seine Gedanken.
So lebt er er sein tristes Leben fernab von jedweder Behausung.. lebte das Leben eines einsamen Eremitens und trauerte um Dinge die er nicht mehr wusste.
Er sah Jahreszeiten kommen und gehen.. sah wie der Wald um ihn herum wuchs und gedeihte aber er scherte sich nicht um die Belange seiner Welt in der er Lebte.
Eines Tages.. es ward ein schrecklicher Sturm über die Berge hereingebrochen sah er am Rande des Teiches etwas liegen..
Hell glänzend.. filigran und zart.. ein Wesen .. wie er aus den Legenden.. er hatte eine Waldelfe gefunden die durch den Sturm verletzt lag.
Vorsichtig näherte er sich der Elfe.. er hatte furcht vor ihr, denn er wusste um die Blicke anderer Wesen wenn sie ihn erblickten.
Doch als er sah wie hilflos und verletzt sie war, nahm er sie auf und trug sie in seine Höhle.
Das erstemal seit vielen Monden hatte er Kontakt mit einem anderen Wesen. Langsam ließ er sie auf sein Lager sinken und versucht ungeschickt ihre Wunden zu verarzten.
Dann setzte er sich neben sie.. nahm seine Flöte.. das einzige was ihm Freude bereitete und spielte eine sanfte Weise die ihren Schlaf begleiten sollte.
Lange Zeit beobachtete er ihren unruhigen Schlaf.. kühlte mit dem klaren Wasser von Teich ihr erhitzes Gesicht und erfreute sich trotz seiner Furcht an ihrer lieblichen Gestalt.
Irgendwann übermannte ihn jedoch der Schlaf und er glitt hinüber in die Welt der Nacht.
Viele Stunden später wurde er durch eine sanfte Berührung geweckt.
Er schrak hoch und erblickte die Elfe die aufrecht im Bette saß.
Ängstlich zog er sich vor ihr zurück und verbarg sein Gesicht im Schatten der Höhle.
Wer bist du hörte er sie da mit lieblicher Stimme sprechen.. ich wollte dir danken das du mich vor dem Sturm gerettet hast und mit dein Heim als Zuflucht gabst.
Ich bin niemand antwortete er.. niemand
So trete doch heraus aus dem Dunkel sprach die Elfe wieder, ich möchte demjenigen Dank sagen der mich vor dem sicheren Tod gerettet hat.
Zögerlich trat der Gargoyle einen Schritt aus dem dunkel der Höhle.. bereit die Flucht zu ergreifen, falls er wieder den Schrecken und die Angst in den Augen seines Gegenübers erkennen konnte.
Doch.. was war das?
Sie lächelte.. lächelte IHN an..
Ohne Furcht
Ohne Schrecken
Ohne Abscheu in den klaren Augen.
Ich bin Syl sprach sie.. eine Waldelfe und durch dein Handeln hast du mich bewahrt in das Schattenreich einzukehren.
Du hast einen Wunsch frei, denn mein Leben lag in deinen Händen und es ist Sitte bei meinem Volke das ich dir nun einen Wunsch gewähren muss.
Aber ich habe keine Wünsche sprach er.. das einzige was ich möchte kannst du mir nicht geben..
Was ist es, das ich dir nicht geben kann hub die Elfe wieder an.
Meine Erinnerung.. meine Vergangenheit.. Mein damaliges Leben sprach er traurig.
Da stand die Elfe auf, ging auf den Gargoyle zu und nahm sanft sein Gesicht in ihre kleinen Hände.
Höre zu so meinte sie und lass mich dir eine kleine Geschichte erzählen.
Einst lebte hier im Wald ein Wesen… umhüllt von Magie und Zauberei…
 Ein Wesen so schön wie die Morgendämmerung,
 doch hart im Herzen und verschlossen für alle die Hilfe bei ihm suchten.
Als nun einst eine von meinem Volke Hilfe bei ihm zu suchen glaubte.. schickte er sie in den Sturm hinaus und verweigerte ihr jedwede Zusage.
Schwer verletzt fand sie jedoch den Weg in ihr zu Hause und wurde zornig auf das Wesen.. so ging sie zu dem Herrscher des Waldes und bat ihn unter Tränen das Wesen mit einem Fluch zu belegen.
Der Fluch besagte das es dahinvegetieren sollte… als hässliches und verabscheuungswürdiges Geschöpf.. bis.. ja bis es jemanden freiwillig seine Hilfe anbot und selbstlos handeln würde.
Wenn dies geschehen sollte, würde sich das Wesen wieder an sein früheres Leben erinnern und durch einen von den Elfen geschickten Traum zu seinem alten Selbst zurückfinden.
Weißt du von wem ich spreche fragte die Elfe den Gargoyle?
Vollkommen überrascht hatte er der Geschichte der Elfe zugehört und ihn überkam nun eine große Demut und er schämte sich sehr als er in ihr offenes Gesicht blickte.
Du sprichst von mir nicht wahr? Ich war dieser Narr der nur sein eigenes Wohl im Sinne hatte und niemals andere gedachte.
Ja sprach sie.. du warst es, doch durch deine Tat von heute Nacht hast deinen verloren geglaubten Traum wiedererlangt.
Heute Nacht werde ich die Zauber rufen um dich von deinem Fluch zu erlösen, denn du hast dein innerstes überwunden und Mitleid empfunden für ein anderes Lebewesen.
Mit diesem Worte in seinen Gedanken schlief der Gargolye ein und begann zu träumen.
Er träumte von weiten Wäldern.. er träumte vom fliegen und er träumte von der Morgensonne die er so lange gemieden hatte.
Er träumte auch von Magie.. von Zauberwesen und von einer majestätischen Gestalt die über den Lüften zu  schweben schien.
Plötzlich vernahm er ein Brennen in seinen Adern.. ein Spannen in seiner Haut und einen unglaublichen Schmerz in seinen Knochen
Und er erwachte.
Was ihn empfing war ein unsagbarer Schmerz und ein gleißendes Licht das ihn umgab..
Lange dauerte es und er dachte er müsse nun seine Reise zu den Sternen antreten und sein Leben würde nun ein Ende finden.
Doch der Schmerz ließ nach und als er die Augen öffnete sah er die Elfe lächeln vor sich stehen.
Was hast du mit mir gemacht sprach er… warum dieser Schmerz und diese Qual?
So schau in den Teich sprach die Waldelfe und erblicke dein altes Gesicht
Und sage mir was du darin erkennen kannst.
Er schritt langsam aus der Höhle, trat an den Teich und blickte hinein.
Was er dort erkennen konnte, ließ ihn wiederum vor Schreck aber auch Freude erstarren.
Er sah…
Sich selbst…
Majestätisch und groß
Schillernd in Smaragd und Rubintönen
Augen die wie Bernsteine funkelten
Flügel die sich Meterhoch über seinen Schädel erhoben
Klauen so rein und hart wie Diamant
Schuppen die ,die Farben der Morgendämmerung trugen
Ein Drache
Er war ein Drache
Mit seinem Anblick im Teich kehrte auch seine Erinnerung zurück an seine verwerflichen Taten und er schämte sich sehr.
So höre zarte Elfe begann er nun mit mächtiger Stimme zu der Elfe zu sprechen,
ich gebe dir hier nun ein Versprechen
Niemals wieder soll ein Wesen meiner Art Hilfe verweigern
Niemals wieder wird ein Wesen meiner Art das Mitleid vergessen
Niemals wieder wird ein Wesen meiner Art vergessen was mir geschah
Niemals wieder  das schwöre ich dir in Namen aller Drachen auf Erden.
Mitleid und Hilfsbereitschaft sollen nicht in Vergessenheit geraten und ich werde die Kunde verbreiten und mein Bestes dazu tun
Denn wo das Mitleid stirbt, da stirbt auch die Welt
Wo die Hilfe stirbt da stirbt auch das Gewissen
Wo das Verstehen stirbt
Da stirbt auch diese Welt.
Mit diesen Worten erhob sich der Drache und flog hinweg über die Berge um  auszuziehen und sein Versprechen einzuhalten.
Zurück blieb die Elfe mit einem wissenden Lächeln und zufrieden kehrte sie zu ihrem Volke zurück.
Wusste sie doch nun, das alle folgenden Generationen diesem Wort folge leisten würden und die Drachen nun endlich ihrer Bestimmung zukommen würden.
Als Helfer.. Schützer und Bewacher dieser unserer Welt.
Wo Drachen leben…
 sei es in der Phantasie der Menschen oder in den Zauberreichen
wird immer das Verständnis und die Hilfsbereitschaft regieren
So fliegen auch heute noch viele Drachen durch unsere Geister und durch unsere Welt,
denn wahrhafte Güte existiert in vielen von uns

© Aquamarin 2002

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Der Drachenprinz (Ciruelo Cabral)

In der Blütezeit des Mittelalters wurden die angesehensten Poetenwettstreite von Frankreich am Hofe von Eleonore von Aquitanien abgehalten. Alle gefeierten Troubadoure versammelten sich hier, um ihre Künste vorzuführen, und einmal pro Jahr wurde dann der Gewinner dieses Wettkampfes verkündet.
Einmal ging der Gewinn an einen unbekannten edlen jungen Mann, der sich weigerte, seinen Namen oder seine Herkunft preiszugeben, obwohl ihn selbst Eleonore darum bat. Die Aura des Mysteriösen umgab diesen anonymen Troubadour – zusammen mit seiner Schönheit und Sanftheit wurde er schnell zu einem Favoriten der Damen bei Hofe. Griselda, ein junges und sehnsüchtiges Mädchen – sie war die jüngste Tochter des Grafen von Foix – verliebte sich von ganzem Herzen in den Ritter und gestand ihm eines Tages ihre Liebe. Bewegt von der Offenheit der jungen Maid stimmte der Troubadour zu, sie heimlich zu heiraten und in sein Heim mitzunehmen. Er verlangte nur ein Versprechen: Griselda dürfte niemals versuchen, ihn zu anderen als den von ihm erwählten Zeiten zu sehen, und sie dürfte niemals den Versuch unternehmen, sein Geheimnis zu lüften. Die liebeskranke Maid stimmte diesen seltsamen Wünschen zu, war es doch ein geringes Opfer dafür, endlich mit ihrem Geliebten zusammen sein zu können.
Eines Nachts, nachdem die junge Griselda in den Armen ihres Liebsten im Schloß von Eleonore von Aquitanien – wo sie lebte – eingeschlafen war, öffnete sie die Augen und fand sich in einem unbekannten Raum. Es war ein luxuriöser Raum, geschmückt mit edlen Stoffen und kostbaren Steinen. Neben ihr lag ihr Ehemann und lächelte sie gütig an. „Du bist in meinem Haus, das jetzt auch dein Haus ist“, sagte der Troubadour, „du kannst den Dienern Befehle erteilen und tun, was immer du willst. In den Stallungen stehen Pferde zu deiner Verfügung, Jäger und Falken für die Jagd, du kannst kommen und gehen, wann du willst. Du bist meine Frau, alles, was mein ist, ist auch dein. Die Zofen sind bereit, dir zu dienen, und Musiker und Tänzerinnen wollen dich unterhalten; Geschmeide und Stoffe mögen dich umschmeicheln. Wenn du irgendetwas wünschst – sage es mir nur, und ich werde es dir geben.“ „Ich wünsche mir nichts als die Liebe meines Mannes“, antwortete die junge Frau verwirrt. „Das ist gut, meine Liebste, aber vergiß nicht dein Versprechen.“ Griselda war übervoll von Glück, sie flog in die Arme ihres geliebten Gatten. Für eine Weile hielt die Frau ihr Versprechen leicht, fühlte sie sich doch wie im Paradies. Der Troubadour war ein sanfter und liebevoller Gemahl und verbrachte die meiste Zeit mit seiner Gattin. Nur bisweilen verschwand er hinter einer verschlossenen Tür, doch sie stellte – wie versprochen – keine Fragen. Dennoch wuchs mit der Zeit die Neugier in ihr.
Eines Tages entschloß sie sich doch, endlich hinter das Geheimnis ihres Mannes zu kommen. Sie schlich hinauf zu der Tür des verbotenen Zimmers, die unverschlossen geblieben war, und spähte durch einen Spalt in den Raum. Mit Grauen sah sie, daß sich der Troubadour in einen riesigen Drachen mit grünen Schuppen und kräftigen Schwingen verwandelt hatte. Sie konnte nicht verhindern, daß ein Schrei des Entsetzens über ihre Lippen kam. Der Drachenprinz fuhr herum und erblickte sein Weib. Tief enttäuscht von diesem Betrug befahl er seinen Dienern, Griselda unverzüglich zurück zum Hof von Aquitanien zu schaffen, nie wieder ging er zurück, um sie zu sehen. Griselda aber konnte ihren Liebsten nicht vergessen, kein Tag verging, an dem sie sich nicht an die glücklichen Zeiten an der Seite des sanften Drachen erinnerte. Voller Trauer und Wehmut schrieb sie ihre Abenteuer nieder – so konnte die Geschichte des Drachenprinzen ihren Weg auch zu uns finden.

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Drachenflug/Seelenflug (Karin Roth)

Hoch hinauf in den Himmel stieg sie mit starkem schlagen ihrer Blauen Schwingen.
Sie wollte den Wind fangen unter ihrem Körper und die Freiheit im Fluge erreichen.
Doch diesmal war es nicht so wie immer.
Irgendwie erschien ihr der Flug nicht so federleicht wie sonst.. ihre Schwingen taten sich schwer auf den Luftschichten zu tragen und sie mußte sich sehr mühen um in große Höhen zu gelangen.
Warum nur so dachte sie sich.. warum nur ist es so schwer..
Ich lasse doch nur diese Erde hinter mir und versuche den Himmel zu erlangen um meine Freiheit zu finden.

Erschöpft gab sie nach Stunden ihren beschwerlichen Flug auf und kehrte erschöpft vom Kampf mit den Winden zurück in ihre Höhle.
Stille erwartete sie .. Nebel stieg auf aus den Bergen in denen ihr Reich lag und sie lag sinnend auf ihrem Schlafplatz.

Warum nur.. so dachte sie immer wieder.. warum nur kann ich nicht mehr so leicht und schwerelos gleiten..
Warum ist es als ob eine Zentnerlast an meinen Flügeln kleben würde..
Warum nur ist mir die Freiheit des Himmels heute verwehrt geblieben..
So lag sie Stunde um Stunde und dachte nach..

In ihr Nachdenken mischte sich noch ein anderes Gefühl..
Ihr Drachenherz schmerzte sie..
es schmerzte aus Sehnsucht nach ihrem Gefährten der viele Flugstunden von ihr in seinem eigenen Reich lebte, und sie erinnerte sich an ihre Begegnung mit ihm.

Er.. dessen Gestalt in ihr Herz gebrannt war und dessen Wesen sie nicht zur Ruhe kommen ließ.
Lange Jahre war sie alleine auf den Winden geritten.. hatte alleine für sich und ihren Nachwuchs gesorgt .. hatte alleine den Schwierigkeiten des Überlebens getrotzt.

Doch nun… hatte sich ihr Drachenleben geändert.. vor einiger Zeit war sie wieder einmal auf den Winden geritten und erblickte in weiter Ferne ein Wesen wie sie selber eines war.
Einen Drachen im Fluge erblickte sie damals..
Kraftvoll schlug er seine dunklen Schwingen und kämpfte mit den Stürmen die über den Bergen tobten.
Sein Flug bezauberte ihren Freigeist und sie konnte den Blick nicht von ihm wenden.
Dunkle Schuppen glänzten  Malachitähnlich  in der Sonne und ließen seinen Drachenleib schimmern wie Tausende von Edelsteinen.
Der Kampf den er den Wind darbot erfreute ihren eigenen Willen und bestärkte sie in ihrem wollen diesen Drachen entgegen zu fliegen um ihn näher zu betrachten.
All ihren Mut nahm sie zusammen und erhob sich in den Horizont um dieses Exemplar ihrer eigenen Gattung kennenzulernen.

Sie stieg in kreisenden Bewegungen hinauf und lenkte ihren Flug langsam in seine Richtung..
DA..
er hatte sie bemerkt..
sein Flug wurde stockender..
seine Bewegungen langsamer
und er veränderte  seine Flugrichtung und bog ab in ihre Nähe.

Da bemerkte sie ein seltsames Gefühl in ihrem Körper..
Ihr Herz.. ein Drachenherz wohlgemerkt.. es fing an mit einer Macht zu pochen wie sie es niemals vorher bemerkte.
Ihre Schuppen schabten vor Nervosität gegeneinander und aus lauter Angst vor der Begegnung wollte sie schon abdrehen.
Doch nein..
Sie war ein Drache..
Drachen fürchten sich vor nichts versuchte sie sich einzureden und begann so zögerlich in seine Richtung zu fliegen.
Wenige Flügelschläge weiter trafen sich die beiden Wesen inmitten eines Sturmes der über den Bergen tobte.
Ein Blick in seine Drachenaugen.. dunkel.. geheimnisvoll und intelligent..
Und wieder begann ihr dummes Drachenherz laut gegen den starken Rippenbogen zu schlagen…
In diesem Moment wußte sie..
Erkannte sie was ihr hier geschah..
Erinnerte sie sich an ihre vorher gewesenen Leben

Die Legende hatte sie eingeholt..
Verlorene Drachenseelen hieß es da..
Zwei Drachen die verbunden waren durch einen Eid..
getrennt durch Menschenhand bis sie sich durch das Schicksal wieder vereinen ..
Seelen die alleine nicht komplett waren..
Sie hatte ihren Seelengefährten gefunden..

Und in seinen Augen erkannte sie..
Das auch er in diesem Momente sie wiedererkannte..
Er erkannte in ihr die Gefährtin die er einst verlor und glaubte es wäre für immer..

Es gab keine Worte… keine Berührung… kein äußerliches Zeichen..
Nur die Intensität der Blicke die ineinander tauchten..
Drachenauge in Drachenauge
Seele berührte Seele
Herz sah in Herz
und zusammen schwangen sie sich federleicht hinauf in die Lüfte,
tanzten auf den Winden und ließen die pure Lebensfreude des Fluges auf sich wirken.

Lange flogen sie gemeinsam dahin.. schwerelos wie Federn tauchten sie auf den Abwinden hinab.. um schnell wie ein Pfeil wieder auf den warmen Luftströmen hinauf zu steigen, der Sonne entgegen.
Windspielen gleich mit einer Leichtigkeit die aus dem Herzen kam berührten sie sich im Fluge..
Schuppen rieben sich am Horizont aneinander und erneuerten ohne Worte was dereinst zerbrochen wurde.

Stunde um Stunde ging der Tanz..
Stunde um Stunde erneuerten sie durch diesen Flug ihr Versprechen das sie sich einst gaben.
Zu Leben.. zu lieben.. füreinander da zu sein… für immer
Durch alle Leben hindurch und den Zeiten zu trotzen.

Irgendwann .. nach langer Zeit dann.. bog der Drache wieder ab..
Ein letzes Schlagen seiner Flügel.. ein Blick zurück.. und er flog wieder in seine Heimat die in weit entfernten Bergen lag.
Doch er hinterließ ihr ein Versprechen in ihrem Herzen.. das Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen und eine erneute Vereinigung ihrer Seelen und Körper.

An all das dachte sie nun als sie einsam in ihrer Höhle lag und dieses seltsame Gefühl in ihrem Herzen verspürte.
Nun wußte sie auch warum sie heute so schwer gekämpft hatte auf den Winden..
Es fehlte ihr der Gefährte um so schwerelos zu gleiten ..
Mit ihm alleine konnte sie die Freiheit erlangen ..
Mit ihm alleine konnte sie der Kraft des Sturmes trotzen
Mit ihm alleine nur war sie fähig so leicht wie ein Blatt im Winde auf den Lüften zu schweben.

Doch was war das?
In weiter Ferne sah sie einen kleinen Punkt am Abendhimmel erscheinen der stetig größer wurde..
Je deutlicher dieser Fleck am Himmel wurde.. desto lauter schlug ihr Herz..
Jubelnd stieß sie sich vom Rande ihrer Höhle ab und sprang regelrecht den Sturm entgegen..
Und ihm entgegen..
 Leicht.. schwerelos… ohne Mühe erklomm sie die stürmischen Höhen ihrer Berge
Sie tanzte wieder… nutze die Gewalt des Sturmes zu einem wilden Ritt der sie ihm schneller näher brachte.
Im Fluge noch berührten sie sich zärtlich.. umflogen sich mit einer Leidenschaft die nur Drachen eigen war
Und als sie Stunden später wieder landeten..
genügte ein Blick in seine tiefen Augen um Gewißheit zu haben.
Nur durch seine Nähe war ihr alles möglich
Nur durch seine Kraft war sie imstande unmögliches möglich zu machen
Nur durch seinen Willen war sie stark.
Und sie erkannte
Das auch er
Ihr Stärke brauchte
Ihre Kraft zu schätzen wußte
Ihre Liebe brauchte um zu leben

Nun schweben beide in Freiheit über den Winden..
Tanzen den Tanz den Drachen seit Urzeiten auf den Lüften veranstalten
Und teilen der Welt damit mit
Zwei Herzen und Seelen haben sich nicht trennen lassen
Und keiner der beiden.. muß jemals wieder gegen die Winde kämpfen,
denn gemeinsam sind zwei Drachen unschlagbar und trotzen allen Widrigkeiten die die Welt für sie bereithält.
Drachenherzen schlagen heiß und kraftvoll..
für immer

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Der Tarasque (Ciruelo Cabral)

Eine alte Legende aus dem Mittelalter berichtet über einen riesenhaften, blauen Wasserdrachen mit stählernen Schuppen, der im Süden Frankreichs in einem See hauste und Tarasque genannt wurde.
Die Einheimischen lebten in ständiger Furcht, denn von Zeit zu Zeit kam das Ungeheuer aus dem See hervor und verschlang eine Jungfrau- wie es unter Wasserdrachen ja üblich ist. Niemand wußte, was man unternehmen sollte, um sich von dem Tarasque zu befreien. Keiner war mutig genug, gegen das Ungeheuer anzutreten, es wagte niemand auch nur zu der Bestie zu sprechen, um einen Frieden zu schließen. So schickte man endlich einen Hilferuf an den Hof des Königs von Frankreich, doch der König war mit anderen Problemen beschäftigt und nicht an den Schwierigkeiten eines Dorfes interessiert, das so weit weg war von der Hauptstadt. Auch die Ritter am Hof zeigten kein Interesse. Der Drache bewachte keinen Schatz, was eine würdige Entlohnung für ihre Mühen bedeutet hätte, noch hielt er eine Prinzessin gefangen, für deren Befreiung Ruhm und Ehre gewunken hätten. „Der Drache frißt nur dumme, schmutzige und einfältige Bauern, die Turniere und Wettkämpfe bei Hofe bringen wesentlich mehr Ruhm ein“, dachten die „edlen“ Herren. Bei ihrer Verzweiflung sprachen die Bewohner des Dorfes schon davon, ihre Heime zu verlassen, sie fühlten sich außerstande, auch nur das nötigste gegen dieses Ungeheuer zu unternehmen. Die Diskussion wurde gerade richtig hitzig, als die Heilige Martha, eine wunderschöne junge Frau, die in der gesamten Region für ihre Gutherzigkeit bekannt war und verehrt wurde, des Weges kam. Die Alten der Stadt hielten ihre Ankunft für ein Zeichen des Himmels und baten sie inständig um Hilfe. Bedrängt durch die verzweifelten Bewohner bot die junge Frau an, den Drachen zu fangen, hatte allerdings auch eine Bedingung. „Sag uns, was du verlangst“, stimmten die hoffnungslosen Menschen sofort zu. „Ich möchte, daß ihr drei Tage lang zu Gott betet, damit ER mir bei der Überwältigung des Tarasque beisteht“, antwortete Martha. Die Bedingung wurde sofort akzeptiert und voller Hoffnung wartete man auf das Wunder, das endlich das Schicksal des Ortes und seiner Bewohner verbessern würde.
So machte sich die Heilige dann eines Morgens auf den Weg zum See, in dem der Tarasque lebte. Trotz seiner Wildheit war der Drache ein großer Musikliebhaber. Die junge Frau stellte sich an das Ufer auf und stimmte mit ihrer klaren und reinen Stimme Loblieder auf den Herrn und die Jungfrau Maria an. Verzaubert vom Wohlklang der Melodien stieg der Tarasque aus dem Wasser und legte sich Martha zu Füßen. Blitzschnell schlang die Heilige einen Gurt um den Nacken des Drachen, der auch nicht die leiseste Gegenwehr leistete. Der Drache war überwältigt und konnte ohne Schwierigkeiten in die Stadt geführt werden, wo er von den Bauern getötet wurde. Zur Erinnerung an diese Begebenheit nannten sie ihre Stadt von nun an Tarascon.

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Der Zigeuner und der Drache (Ciruelo Cabral)

In den weiten Steppen Rußlands lebte ein Zigeunervolk, das durch die Lande zog, Heilmittel und Schmuck verkaufte und nie lange an einem Ort blieb. Ihr Anführer war Yuri, ein scharfsinniger und gewitzter Mann, der sechs Söhne hatte.
Am Feiertag des heiligen Basil, als das Zigeunervolk nahe einer Stadt lagerte, erfuhr Yuri, daß nur wenige Werst entfernt Fohlen zu einem sehr guten Preis verkauft würden. Der Zigeuner dachte an ein gutes Geschäft – er würde die Tiere mit Gewinn weiterverkaufen. Er packte einen frischen Käse und einen Kanten Roggenbrot in seinen Beutel und machte sich auf den Weg. Seine Leute blieben zurück, um die Waren auf dem Markt zu verkaufen. Als er im Nachbarort ankam, war er sehr erstaunt – alles war still und verlassen. Voller Verwunderung wanderte er durch die leeren Gassen und suchte nach einem Hinweis darüber, was da wohl passiert war. Plötzlich vernahm er eine verängstigte Stimme; „Fliehe von hier, Elender, oder der Drache wird auch dich verspeisen!“ „Wer spricht da?“ fragte Yuri. „Ich bin es, der alte Westija.“ Hinter einigen Weidenkörben tauchte ein alter Mann mit langem Bart auf. Er zitterte ängstlich und war so dünn, daß er nur aus Haut und Knochen zu bestehen schien.
„Hallo Großväterchen“, sagte Yuri freundlich, „was geht hier vor sich?“ „Oh mein Sohn“, seufzte der Alte, „ein furchtbarer Drache hat alle Bewohner dieses Städtchens gefressen … Menschen, Tiere, sogar die Katzen! Ich bin der einzige Überlebende, denn ich bin alt und dem Ungeheuer waren Haut und Knochen wohl zu wenig. Doch heute kehrt es zurück, und da es sonst nichts mehr zu fressen findet, wird es sich wohl über mich hermachen. Also laufe schnell fort von hier, damit du nicht auch dieses Schicksal erleidest!“ „Mach‘ dir keine Sorgen, Väterchen“, sagte Yuri mutig, „ich fürchte mich nicht vor dem Drachen. Wenn du tust, was ich dir sage, dann wird dir kein Leid geschehen. Verstecke dich hinter den Körben und schweig ganz still.“ Schon bald erbebte die Erde unter den Schritten des Drachen. Er war enorm groß und er sah hungrig aus. Yuri wußte, daß Drachen von Natur aus eitel und neugierig sind, und begrüßte ihn wie einen Kaiser: „Guten Tag, Zar aller Drachen!“ Der Drache fühlte sich durch diese Anrede sehr geschmeichelt. Er schlug mit dem Schwanz auf den Boden und spreizte die Schwingen, um die wundervolle juwelenbesetzte Brustplatte zu präsentieren, senkte den Kopf und sagte bescheiden; „Es ist ja gar nicht so, ich bin nur ein ganz gewöhnlicher Drache.“ „Ihr seid nicht gewöhnlich wunderbarer Herr“, protestierte Yuri, „ihr seid der größte und schönste von allen. Ich bin stolz darauf, eure Kraft bewundern zu dürfen.“ „Ja, es ist wahr“, gab das eitle Tier zu, „ich bin sehr stark, und man nennt mich üblicherweise schön. Doch wer bist du, daß du so ohne Furcht vor mir stehst?“ „Ich bin der stärkste Mensch der Welt!“ gab Yuri fröhlich zur Antwort. „Du bist der stärkste? Bring‘ mich nicht zum Lachen!“ „Und doch bin ich es, auch wenn du an meinen Worten zweifelst.“ Der Drache wurde nun doch neugierig auf den Zigeuner. Er hob einen Stein auf und zerdrückte ihn zu Staub. „Vielleicht kannst du das ja auch, wenn du der stärkste Mensch bist.“ „Das wäre nicht besonders schwierig“, antwortete Yuri frech, „aber kannst du Wasser aus einem Stein pressen, so wie ich?“ Ohne dem Drachen zu zeigen, was er da aus seinem Beutel genommen hatte, drückte Yuri den frischen Käse, bis Flüssigkeit zwischen seinen Fingern hervorrann. „Nun gut“, dachte der Drache, „er ist wirklich sehr stark. Es ist wohl besser, ihn nicht zum Feind, sondern zum Freund zu haben.“ Um die Freundschaft des Mannes zu gewinnen, schlug er vor: „Komm‘ mit in meine Behausung und esse mit mir. Du bist ein nettes menschliches Wesen, und ich möchte, daß wir Freunde werden.“ „Sehr gut, Drache, laß uns gehen.“
Das Ungeheuer nahm Yuri mit zu der Höhle, in der es hauste, und bat ihn dann: „Wärest du wohl so nett, in den Wald zu gehen und einen Eichenbaum für das Feuer zu holen?“ Yuri machte sich auf den Weg, fest entschlossen, seinen Trick dem Drachen nicht preiszugeben, doch seine Arme waren bei weitem nicht stark genug, um einen der mächtigen Bäume zu entwurzeln und zur Höhle zurückzuschaffen. Doch da kam ihm eine Idee: er band eine Gruppe stämmiger Eichen mit dem Tau zusammen, das der Drache ihm mitgegeben hatte. Nach einer Weile bemerkte der Drache, daß der Zigeuner noch immer nicht zurückgekehrt war. Er begab sich ebenfalls in den Wald und fand Yuri, der eifrig damit beschäftigt war, die Bäume fest aneinander zu binden. „Was um alles in der Welt machst du da?“ fragte das Reptil erstaunt. „Nun, ich dachte, ich bringe gleich all diese Bäume hier mit, dann haben wir genügend Brennholz für mehrere Tage.“ „Laß es gut sein, wir wollen ja nicht gleich den ganzen Wald fällen“, antwortete der Drache, mehr und mehr von Yuris Kräften überzeugt. „Ich werde einen Stamm nach Hause schaffen, du kannst inzwischen einen Ochsen zum Kochen besorgen. Hinter dem Haus auf dem Feld findest du eine schöne Herde. Suche einfach den feistesten aus.“ Entschlossen schritt Yuri auf das Feld zu. Nach einer Weile fand ihn der Drache dabei, wie er alle Ochsen zusammenband. „Was machst du denn nun?“ „Ich wollte gleich alle Ochsen mitbringen, dann könnten wir einen schönen Eintopf kochen.“ „Freund“, seufzte der Drache, „du hast eine seltsame Methode, die Dinge anzugehen. Ein Ochse wird schon genug sein, ich werde ihn selbst nach Hause schaffen.“ Etwas verwundert über das Verhalten seines Gastes suchte sich der Drache den feistesten Ochsen, tötete ihn, häutete ihn und begann mit dem Kochen. Die beiden Freunde taten sich an dem Mahl gütlich; mit vollem Magen war der Drache dann in einer friedlichen Stimmung und bot dem Zigeuner an, ihn nach Hause zu begleiten. „Vielen Dank“, antwortete Yuri, „doch ich hatte eigentlich daran gedacht, einige Pferde zu kaufen.“ „Mach‘ dir darum keine Sorgen. Ich besitze einen wunderschönen Hengst, den ich dir für 100 Rubel verkaufen werde.“ Yuri stimmte dem Handel zu und machte mit dem Drachen aus, ihn zu bezahlen, sobald sie zurück bei den Zigeunern wären. Da es ein langer Weg werden würde, entschloß sich der Drache, dazu Menschengestalt anzunehmen. Sie nahmen zwei Pferde aus dem Besitz des Drachen und machten sich auf die Reise. Unterwegs warnte Yuri den Freund vor seinen sechs Söhnen, die nicht nur sehr kräftig wären, sondern auch über hellseherische Fähigkeiten verfügen würden. Als sie das Lager erreichten, rannten die Söhne Yuri entgegen. Sie sahen nur den einen Hengst und begannen zu rufen: „Du hast nur einen mitgebracht!“ „Der muß für mich sein!“ rief der Älteste. „Nein, nein, ich möchte ihn haben!“ erwiderte der Kleinste. Yuri sah den Drachen an und sagte: „Diese Spitzbuben. Habe ich dir nicht gesagt, daß sie hellsehen können? Sie haben dich erkannt!“ Der Drache war entsetzt, womöglich wollten sie ihn als Spielzeug behalten oder ihn gar verspeisen. Da sie ja so stark waren wie ihr Vater, gab es wohl kaum Hoffnung auf ein Entkommen. Schnell stieg er vom Pferd ab, nahm wieder Drachengestalt an und flog in wilder Panik davon. Nie wieder dachte er daran, auch nur in die Nähe der russischen Steppen zu kommen, wo Zigeuner so stark sind, daß sie sich über Drachen streiten.

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