Erddrachen

Der große Erddrache
Die Spezies des Großen Erddrachen-oder Draco rex cristatus, wie er
gemeinhin bezeichnet wird – stellt die am weitesten verbreitete und
zahlenreichste Drachenart auf unserem Planeten dar. Es handelt sich um
geflügelte Kreaturen von enormer Körpergröße. Sie können eine Länge von
15 bis 30 Metern und eine Spannweite von bis zu 30 Metern erreichen.
Ihre Gesamtfärbung ist normalerweise grünlich-braun, die Schattierung
der einzelnen Schuppen kann von zitronengelb bis smaragdgrün reichen.
Einige der Erddrachen können Feuer speien, auch wenn die Kraft ihrer
Flammen nicht annährend die gewaltige Wirkung wie bei Feuerdrachen
erreicht.
Der Erddrache ist ein ausgezeichneter Flieger und Gleiter. Mag er beim
Start auch noch etwas unbeholfen wirken, so kann er trotz seiner
monumentalen Körpermaße große Höhen erreichen und enorme Entfernungen
im Gleitflug nur unter Ausnutzung der Thermik zurücklegen. Der Draco
rex ist von zurückhaltender Natur und eher introvertiert. Außerhalb der
Paarungszeit schätzt er die Gesellschaft seiner Artgenossen überhaupt
nicht und selbst dann auch nur für eine begrenzte Zeitspanne. Dieses
Verhalten scheint von dem Wunsch gesteuert zu werden, jeden Streit um
Nahrung oder den Besitz eines Weibchens vermeiden zu wollen. Bei der
Kraft und Größe der Drachen könnten selbst Plänkeleien höchst
gefährlich ausfallen. Es ist jedoch interessant, daß sich Erddrachen im
Alter gern von einem jungen Pagen begleiten lassen, den sie in der
Weisheit der Drachen unterrichten und der ihr gesamtes Vermögen erbt.

Das Ei
Erddrachen paaren sich nur während der Regenzeiten, wenn die
afrikanischen und asiatischen Wüsten mit Blumen bedeckt sind. Bei
diesen Gelegenheiten sammeln sich die Männchen um ein Weibchen, das zu
seinem Hochzeitsflug ansetzt. Obwohl die Weibchen immer größer als die
Männchen sind, sind sie in der Luft extrem gewandt. Wenn sich das
Weibchen in die Lüfte erhoben hat, verfolgen es die männlichen Drachen
in einem Ballett auserlesenster Luftakrobatik.
Der agilste Drache schafft es bisweilen, das Weibchen einzuholen. Er
wartet auf den Moment, da es seine Schwingen zur maximalen Spanne
ausbreitet, dann findet ihre Vereinigung in höchsten Höhen statt. Er
schlüpft unter den Bauch der Geliebten und umarmt sie in einer
Verwicklung von Flügeln und Schwänzen. So umeinandergeschlungen
erreicht das Paar seinen Höhepunkt, während es im freien Fall auf die
Erde zurast. Erst im letzten Moment, wenige Meter über dem Erdboden,
trennen sich die Liebenden und breiten ihre Schwingen zur Landung aus.
Nach dem Hochzeitsflug zieht sich das Paar in das Herz der Wüste
zurück, wo das Weibchen im warmen, feuchten Sand ein Nest errichtet, in
das dann ein einzelnes Ei abgelegt wird. Es ist etwa von der Größe
eines Straußeneies und merkwürdig grün und grau gesprenkelt.
Das Weibchen verlässt das Ei, es ist Sache des Vaters, sich um das Nest
zu kümmern. Er hält das Ei warm, um die Aushärtung der Schale
anzuregen. Inzwischen kehrt das Weibchen wieder an den Startplatz
zurück, wo alle anderen Männchen auf sie warten und das Hochzeitsritual
beginnt von neuem. Der Hochzeitsflug wird so oft wiederholt, bis alle
Männchen ein Ei pflegen können. Dennoch wird aus all diesen Paarungen
nur ein einziges neues Weibchen hervorgehen, denn nur das erste Ei
enthält einen weiblichen Embryo. Während die Tage verstreichen, ändert
sich die Feuchtigkeit des Wüstensandes, wodurch es bei den zuletzt
gelegten Eiern zu Schwierigkeiten bei der Aushärtung der Schale kommt.
Durch diese natürliche Auslese wird sichergestellt, daß sich nur
diejenigen Drachen fortpflanzen können, die sich während einem der
frühen Flüge mit dem Weibchen paaren konnten.
Wenn sich die Eischale zufriedenstellend gehärtet hat und der Zeitpunkt
des Schlüpfens naht, zieht der besorgte Vater mit dem Ei in eine Region
um, die für den jungen Drachennachwuchs geeigneter ist- üblicherweise
in die Wälder des Mittelmeerraumes, wo leicht Nahrung zu finden ist.
Das Ei wird dort in einem Loch oder in einer kleinen Höhle außerhalb
der Reichweite von Fressfeinden abgelegt, der Zugang wird bis auf eine
kleine Öffnung verschlossen.
Der Drache kann nun, da er einen sicheren Platz gefunden hat, endlich
das Ei für kurze Zeit verlassen. Er jagd aber niemals in der näheren
Umgebung, um dieses Versteck nicht preiszugeben. Aufmerksam überwacht
er die gesamte Region, wobei er meist in größten Höhen fliegt, um nicht
gesehen zu werden.

Die Jungen
Erddrachenbabies können leicht mit größeren
Eidechsen wie der Perleidechse, die in Teilen von Europa relativ häufig ist, verwechselt
werden.
Ein frischgeschlüpfter Drache misst etwa 60 cm,
seine Schwingen, die noch in kleinen Säckchen
stecken, wirken auf den ersten Blick wie die typische Eidechsenzeichnung. Der Schwanz des
Babydrachen ist nicht ringförmig, bei Gefahr
kann er ihn nicht wie andere Echsen an einer
präformierten Stelle abstoßen. Doch dank seiner
relativ stattlichen Körpergröße und seiner
unglaublichen
Beweglichkeit kann er dennoch Fressfeinden wie Füchsen, Dachsen und
Greifvögeln entkommen. Mit acht oder neun Monaten
hat er dann die Ausmaße eines großen Hundes
erreicht und ist nun in der Lage, Tiere von der
Größe und Wildheit eines Wolfes zu überwältigen. Erjagt nun selbst nach
Füchsen, Bergziegen
oder verirrten Schafen und Kälbern, wobei er mit –
äußerster Vorsicht vorgeht, um nicht von Menschen entdeckt zu werden.
Dieses Verhalten ist
ein angeborener Instinkt der Jungen, deren
Intelligenz sich noch nicht besonders ausgeprägt
entwickelt hat. Die vorsichtigen, nachtaktiven und
extrem scheuen Tiere sind in dieser Zeit äußerordentlich schwer zu
beobachten. Mit Eintritt in
das Jünglingsalter – mit etwa zwei Jahren – wird die Fürsorge durch den
Vater mehr und mehr
eingeschränkt, der Jungdrache wird langsam sich
selbst überlassen. Der heranwachsende Drache
hat bereits eine recht stattliche Größe erreicht,
was Tarnung zunehmend schwieriger macht.
Doch zu etwa dieser Zeit beginnen sich seine
Flügel zu entfalten, seine Intelligenz prägt sich
deutlicher aus und die sprichwörtliche Listigkeit
der Drachen tritt hervor. Seine angeborenen
Kenntnisse der lateinischen Sprache entwickeln
sich, er erlernt den Dialekt der Region, in der er lebt, und er
beginnt, auf alles Jagd zu machen,
was ihm über den Weg läuft, seien es Schafe oder
aber Männer und Frauen.
In diesen jungen Jahren ist der heranwachsende Drache ein stolzer
Kämpfer mit nur geringem Interesse für die Belange der Poesie öder
Magie – es ist die Zeit, in der er den meisten
Schaden anrichten kann. Er verfügt über keinen festen Wohnsitz" und ist
noch nicht in die Dienste eines anderen Drachen aufgenommen, doch
seine Begeisterung für Juwelen ist ihm bereits
deutlich anzumerken. Er beginnt mit dem Sammeln wertvoller Steine, die
er für seine Bettstatt
lind als Schutz für den empfindlichen Bauchbereich benötigt. Der Drang
nach Wohlstand ist
also jetzt schon spürbar. Im Alter von vier Jahren
macht sich der junge Drache dann auf den Weg
zum Hof des Drachenvaters, wo er die nächsten
Jahre verbringt, die sozialen Gebräuche der
Drachen erlernt und in die Künste der Magie
eingewiesen wird. Wenn diese Phase abgeschlossen ist, erhält er seinen
geheimen Namen. Nun
kann sich der Drache niederlassen, entweder
unabhängig oder als Page eines erwachsenen
Männchens, das ihn im wahrsten Sinne des Wortes unter seine Fittiche
nehmen würde. Während
dieser Periode ist der junge Drache noch nicht
fortpflanzungsfähig.

Soziale Organisation
Wir betreten den geräumigen Höhlenkomplex, der die Behausung des
Erddrachen
darstellt. Zuerst setzen wir unseren Fuß in die
nur roh ausgestaltete Eingangshöhle, die mit
einem flachen Gang und hochglanzpolierten
Wänden in die innere Höhle übergeht. Der
Schlafraum, wo die Schätze, die als sein Bett dienen, sorgfältig
arrangiert sind, findet sich üblicherweise in der zentralen Höhle.
Dieser Raum,
sozusagen das königliche Appartement, wird
immer gepflegt und sauber gehalten, oft befinden sich dort schöne oder
seltene Objekte, die
von den Dienern geschmackvoll arrangiert
wurden: leuchtende Moose, seltsam geformte
Wurzeln oder Steine, Skulpturen, Gold- und
Silberarbeiten, Ergebnisse der Betrügereien
des Drachen. Hinter diesem Raum befinden
sich die Sklavenquartiere sowie eine wesentlich
kleinere Höhle, die als Schlafplatz für den
Pagen des Drachen dient.
Der allgemeine Glaube, daß Drachen schmutzig und ungepflegt und ihre
Wohnstätten voller
Nahrungsreste wären, ist vollkommen unbegründet. Wie alle Tiere,
die in Höhlen oder Erdbauten leben, lieben sie ein sauberes und
gepflegtes
Heim. Für diese Hausarbeiten sind die Sklaven
zuständig.
Als Sklaven hält sich der Erddrache
Gnome, Elfen und andere Kreaturen des
Waldes, am liebsten aber menschliche
Wesen. Einige wurden vom Drachen selbst
geraubt, zu anderen ist er über den Tausch
mit anderen Drachen gekommen. Zu den
Pflichten dieser Diener gehören nicht nur
die Säuberung und Ausstattung des Heimes, sie bürsten und reinigen auch
die
Schuppen des Meisters und dienen als
Gesellschafter. Die Diener führen kein
bejammernswertes Leben – wie man ja
annehmen könnte – da ihr Meister
sie nicht grausam, sondern mit Sanftmut und Großzügigkeit behandelt.
Der Verdacht, daß Drachen ihre Diener fressen wurden,
wenn diese alt und nutzlos geworden sind, ist
völlig aus der Luft gegriffen. Tatsächlich ist so
ein Vorfall nur zweimal vorgekommen. In beiden
Fällen handelte es sich um sehr alte Drachen, die
bereits unter Seniler Dementia" litten, einer
gehirnzerstörenden Krankheit, die die Mitglieder
dieser Drachenfamilie wegen des enormen
Fleisch- und Fettkonsums befällt. ‚
Normalerweise entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem Drachen
und seinen Sklavinnen, oft begleiten die Diener ihren Meister sogar
zu den Feierlichkeiten, die alle fünf Jahre am
Hof des Drachenvaters abgehalten werden. Das
ist um so erstaunlicher, da ja bekannt ist, wie
schwer Drachen Beziehungen zu anderen
Mitgliedern ihrer Art aufbauen.
Der Drache bevorzugt junge hübsche Sklavinnen mit guten Gesangsstimmen,
seine Liebe zur
Musik ist schließlich fast legendär. Eine Sklavin
mit diesen Attributen wird zur Favoritin des
Drachen, er wird seinen Kopf in ihren weichen
Schoß betten und sie mit Juwelen behängen, bevor er sie am Hof des
Drachenvaters vorstellt,
der gegenüber diesen Vorlieben sehr tolerant ist.
Vieles wurde schon über Drachen niedergeschrieben, die ihren Sklaven
oder auch freien
Menschen ihre Freundschaft angeboten haben.
Es gibt sogar Beispiele für echte und tiefe Zuneigung zwischen Drachen
und Menschen.
Da wäre die Geschichte von Crisofilax, einem
Drachen, der einen Freundschaftspakt mit König
Egidius abschloß und für viele Jahre in der
Hauptstadt des kleinen Staates lebte. Ähnlich
berichten die Cronicas de los nuevos Reinos (Chroniken des neuen
Königreiches) den Fall von Jilocasin, einem Drachen, der nach dem
Verlust des
eigenen Sohnes den Erstgeborenen einer adligen
Dame adoptierte. Er zog den Jungen auf und
unterrichtete ihn wie einen eigenen Sohn. Die
Dame gebar ihm noch einen weiteren Sohn, es
gelang ihm, die beiden Knaben zu Rittern großzuziehen. Der weise und
gerechte Jilocasin starb,
als er seine beiden "Nachkommen" gegen einen
weiblichen Drachen verteidigte, der eifersüchtig
auf den Ruhm der beiden jungen Männer war,
die als die "Ritter des Drachen" berühmt wurden.

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