{"id":927,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T19:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=927"},"modified":"2011-04-24T17:29:15","modified_gmt":"2011-04-24T16:29:15","slug":"das-babysitter-der-doktor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/das-babysitter-der-doktor\/","title":{"rendered":"Das Babysitter (Der Doktor)"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\">\n<h1>Das Babysitter <\/h1>\n<\/div>\n<p align=\"justify\">Es<br \/>\n  ist allgemein bekannt, dass transdimensionale Reisen ganz allt&auml;gliche Ph&auml;nomene<br \/>\n  sind.<\/p>\n<p>  Doch&#8230; woher ist es bekannt?<br \/>\n  Wesen im gesamten Universum reisen nahezu t&auml;glich durch Zeit und Raum &#8211;<br \/>\n  die meisten von ihnen sind nat&uuml;rlich nicht besonders gl&uuml;cklich dar&uuml;ber,<br \/>\n  weil sie dann immer mit irgendwelchen Weltenrettungsaktionen beauftragt werden,<br \/>\n  die zwar eh gut ausgehen, aber dennoch eine Menge unn&ouml;tigen Stress bereiten<br \/>\n  und gr&ouml;&szlig;tenteils auch noch schlecht geschrieben sind.<br \/>\n  Und das beantwortet auch gleich unsere Frage, woher denn das Wissen um transdimensionale<br \/>\n  Reisen als allt&auml;gliches Ph&auml;nomen stammt &#8211; wenn so viele Leute<br \/>\n  B&uuml;cher und Romane &uuml;ber etwas wie transdimensionale Reisen schreiben,<br \/>\n  dann muss doch an der Sache etwas dran sein, nicht wahr?<\/p>\n<p>  Fakt ist, dass nur ein Bruchteil der Autoren wirklich an das Ph&auml;nomen der<br \/>\n  allt&auml;glichen transdimensionalen Reise glaubt.<br \/>\n  Fakt ist, transdimensionale Reisen <em>sind<\/em> ein allt&auml;gliches Ph&auml;nomen.<br \/>\n  Man k&ouml;nnte nun fragen, was zuerst dagewesen sei &#8211; die transdimensionalen<br \/>\n  Reisen oder die Geschichten &uuml;ber sie, aber das w&auml;re dann doch zu sehr<br \/>\n  an den Vorg&auml;nger dieser Geschichte angelehnt und sowieso eigentlich nur<br \/>\n  vollkommen langweilig.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die<br \/>\n  Person, von der jetzt hier die Rede sein soll, k&uuml;mmerte sich nat&uuml;rlich<br \/>\n  ebenfalls nicht um solche Fragen.<br \/>\n  Dennoch war sie sich nicht dessen bewusst, dass sie sich gerade auf einer transdimensionalen<br \/>\n  Reise befand, denn diese beginnen meistens in einem Wald, in einem See oder<br \/>\n  an irgendeiner anderen aus der Heimatwelt des Reisenden bekannten landschaftlichen<br \/>\n  Gegend.<br \/>\n  Als der anfangs erw&auml;hnte Herr durch den f&uuml;r ihn ganz normal erscheinenden<br \/>\n  Wald wanderte, traf er sogar auf ihm bekannte Tiere, also Viehzeugs wie Rehkitze,<br \/>\n  Hoppelh&auml;schen und eine Horde ausgehungerter, blutr&uuml;nstiger W&ouml;lfe.<br \/>\n  Jene war auch der Grund, warum unser Reisender sein Gehtempo etwas beschleunigte<br \/>\n  &#8211; ob nun Heimatwelt oder nicht, niemand landet gerne in den M&auml;gen<br \/>\n  von sieben ausgehungerten W&ouml;lfen.<\/p>\n<p>  Diese Geschichte soll nat&uuml;rlich nicht zu einem vorzeitigen Ende kommen,<br \/>\n  von daher wurde unser Dimensionsreisender auch auf wundersame Weise im letzten<br \/>\n  Moment gerettet. Der letzte Moment markierte die Stelle, an der der Fliehende<br \/>\n  mitten auf einer Lichtung stolperte, sich flach auf den Boden legte und sich<br \/>\n  in panischer Angst umdrehte, um seinem unausweichlichen Schicksal in die Augen,<br \/>\n  beziehungsweise in die M&auml;uler zu schauen.<br \/>\n  Ihm er&ouml;ffnete sich das Bild des Wolfsrudels, wie es genau am Rande der<br \/>\n  Lichtung zum Stehen kam, w&uuml;tend &uuml;ber die anscheinend verloren gegangene<br \/>\n  Mahlzeit entt&auml;uschtes Geheul anstimmte und nicht minder entt&auml;uscht<br \/>\n  umdrehte, um abzuziehen.<br \/>\n  Unser Protagonist konnte sein Gl&uuml;ck nat&uuml;rlich nicht fassen und drehte<br \/>\n  sich dann um, um sich &uuml;ber die Ursache dieser so &uuml;berraschenden Wendung<br \/>\n  seines kleinen Abenteuers zu erkundigen.<\/p>\n<p>  Hinter ihm auf der Lichtung stand eine Person, die in ihm erstmals Zweifel dar&uuml;ber<br \/>\n  aufkommen lie&szlig;en, sich noch auf der richtigen Welt zu befinden. Andererseits<br \/>\n  gibt es selbst auf den am h&ouml;chsten entwickelten Welten immer noch Leute,<br \/>\n  die sich in lange, schwere, bunte Roben kleiden und als halbverr&uuml;ckte Einsiedler<br \/>\n  mit langen B&auml;rten in von hungrigen W&ouml;lfen verseuchten W&auml;ldern<br \/>\n  abseits der Zivilisation leben, um allen Vorbeikommenden doppeldeutige Spr&uuml;che<br \/>\n  unterzujubeln, die eigentlich nur gut klingen, die Betroffenen jedoch meist<br \/>\n  stundenlang &uuml;ber das eben Gesagte nachgr&uuml;beln lassen. Meistens finden<br \/>\n  sie dann sogar einen Sinn in diesen Spr&uuml;chen, worauf die Einsiedler dann<br \/>\n  immer sehr stolz sind.<br \/>\n  Solch ein Exemplar der Rasse, die wir normalerweise als &#8222;Mensch&#8220;<br \/>\n  bezeichnen, stand jedenfalls hinter unserem Reisenden und schaute ihn weise,<br \/>\n  beziehungsweise halbverr&uuml;ckt an, das ist ja auch eine Sache des Standpunktes.<\/p>\n<p>  Unser Reisender kann nat&uuml;rlich auch sprechen, und da jetzt ein guter Zeitpunkt<br \/>\n  war, um den ersten Dialog dieser Geschichte zu beginnen, sagte er:<br \/>\n  &#8222;Wie haben sie&#8230; warum&#8230; &auml;hm&#8230; danke!&#8220;<br \/>\n  Auch der Einsiedler konnte anscheinend sprechen, und er erwiderte in derselben<br \/>\n  Sprache und in sanftem, zumindest weise klingenden Tonfall schlicht:<br \/>\n  &#8222;Folge mir!&#8220;<br \/>\n  Der Reisende sah sich in seinen Handlungsm&ouml;glichkeiten daraufhin sehr beschr&auml;nkt<br \/>\n  und beschloss weiserweise, sich aufzurappeln und dem Einsiedler zu folgen.<\/p>\n<p>  &#8222;Wie haben sie das gemacht? Das mit den W&ouml;lfen&#8230;&#8220;, fragte<br \/>\n  er.<br \/>\n  &#8222;Das tut nichts zur Sache. Viel wichtiger ist doch die Frage: Warum bist<br \/>\n  du hier? Und vor allem: Wo bist du?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nun, die erste Frage ist einfach zu beantworten. Ich wollte eigentlich<br \/>\n  nur kurz in den Wald gehen, um mal zu pinkeln. Wo ich jetzt bin, kann ich mir<br \/>\n  ehrlich gesagt nicht vorstellen, aber ich w&auml;re ihnen ganz dankbar, wenn<br \/>\n  sie mich zur Stra&szlig;e zur&uuml;ckf&uuml;hren w&uuml;rden, damit ich mein<br \/>\n  Auto suchen gehen kann.&#8220;<br \/>\n  Der Einsiedler sah ihn mit einer Mischung aus milder Belustigung und einer Prise<br \/>\n  Traurigkeit an.<\/p>\n<p>  &#8222;Ich f&uuml;rchte, wir werden dein&#8230; &auml;hm&#8230; Au-to hier in der Gegend<br \/>\n  nicht finden. Ich f&uuml;rchte au&szlig;erdem, dass du dich gar nicht mehr auf<br \/>\n  der Welt befindet, die du als deine Heimatwelt bezeichnet.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Einen Moment, was wollen sie damit sagen? Meinen sie etwa, dass mein<br \/>\n  Auto hier gar nicht mehr in der N&auml;he ist?&#8220;<br \/>\n  Der Alte nickte.<br \/>\n  &#8222;Und sie wollen mir allen ernstes verklickern, dass ich mich auf einer<br \/>\n  fremden Welt in einer fremden Dimension oder so befinde?&#8220;<\/p>\n<p>  Der Alte nickte.<br \/>\n  &#8222;Und sie denken wirklich, dass ich ihnen diesen Schwachsinn abkaufe?&#8220;<br \/>\n  Der Alte nickte.<br \/>\n  Unser Reisender sch&uuml;ttelte ungl&auml;ubig den Kopf und schaute sich den<br \/>\n  Einsiedler noch mal von oben bis unten an. Dann kam er zu einem Entschluss und<br \/>\n  sagte:<br \/>\n  &#8222;Oh, kacke Mann!&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Dies<br \/>\n  ist ein wunderbarer Zeitpunkt, um all die faszinierenden Ph&auml;nomene einer<br \/>\n  transdimensionalen Reise einmal kurz zusammenzufassen.<br \/>\n  Zun&auml;chst ist es erstaunlich, dass die Welt, in die ein transdimensional<br \/>\n  Reisender versetzt wird, immer dieselben Klimabedingungen vorweist wie die Heimatwelt<br \/>\n  des Betroffenen. Bisher ist jedenfalls noch niemand bei solch einer Reise durch<br \/>\n  beispielsweise akuten Mangel an Sauerstoff in der Atmosph&auml;re umgekommen.<br \/>\n  Ebenfalls auff&auml;llig ist das Existieren gewisser, anscheinend universell<br \/>\n  g&uuml;ltiger Tier- und Pflanzenarten. So wird man in jedem Wald jeder Parallelwelt<br \/>\n  Kiefern und Tannen sowie die bereits erw&auml;hnten Rehe, Hasen und nat&uuml;rlich<br \/>\n  die ausgehungerten W&ouml;lfe antreffen&#8230; wenn man Pech hat.<br \/>\n  Viel interessanter und vor allem viel erstaunlicher als diese beiden Tatsachen<br \/>\n  ist jedoch die ebenfalls universelle Existenz einer Lebensform, die wir als<br \/>\n  &#8222;Mensch&#8220; bezeichnen. Die meisten Parallelwelten haben au&szlig;erdem<br \/>\n  noch dem Menschen sehr &auml;hnliche Lebensformen vorzuweisen, die dann meistens<br \/>\n  &#8222;Zwerge&#8220; oder &#8222;Elfen&#8220; genannt werden.<\/p>\n<p>  Am erstaunlichsten mag einem jedoch die Tatsache erscheinen, dass die sprachbegabten<br \/>\n  Wesen dort, wohin man durch eine transdimensionale Reise hinversetzt wird, immer<br \/>\n  die eigene Sprache sprechen!<br \/>\n  Wissenschaftler einer hochentwickelten Welt versuchten einst, dieses Ph&auml;nomen<br \/>\n  zu erkl&auml;ren, scheiterten jedoch daran, einen Namen daf&uuml;r zu finden<br \/>\n  und gingen, f&uuml;r immer zerstritten, auseinander.<br \/>\n  Ein Dimensionsreisender gelangte einmal aufgrund all dieser Tatsachen zu folgendem<br \/>\n  Ergebnis:<br \/>\n  Wenn die Umgebung, die Wesen, die Sprache und sonst auch alles andere dem Reisenden<br \/>\n  bereits vertraut ist, so kann es sich nur um Einbildung handeln, um einen schlechten<br \/>\n  Traum, um eine eingebildete Realit&auml;t, die jedoch niemals stattgefunden<br \/>\n  hat.<\/p>\n<p>  Das erkl&auml;rte zwar nicht, was mit den Leuten geschah, die von ihren Reisen<br \/>\n  nicht zur&uuml;ckkehrten (wor&uuml;ber es auch wieder Theorien wie &#8222;Der<br \/>\n  K&ouml;rper kann ohne den Schwei&szlig; nicht leben&#8230; nein, es war nicht der<br \/>\n  Schwei&szlig;, Moment&#8230;&#8220;), in der Heimatwelt dieses Menschen wurde diese<br \/>\n  Theorie dennoch zu einem gigantischen Erfolg, als der Reisende zusammen mit<br \/>\n  seinem Bruder eine Dokumentation &uuml;ber diese Reise in die fremde Welt drehte,<br \/>\n  die von den meisten Leuten, die sie sahen, jedoch f&uuml;r einen Unterhaltungsfilm<br \/>\n  missverstanden wurde.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nun,<br \/>\n  dieser Reisende hat nichts mit unser momentanen Hauptfigur zu tun, zu der wir<br \/>\n  nun nach diesem kleinen Exkurs wieder zur&uuml;ckkommen m&ouml;chten.<\/p>\n<p>  Er war nun schon eine ganze Weile neben dem Einsiedler nebenher gelaufen und<br \/>\n  stellte, halb ihm, halb sich selbst, folgende Fragen:<br \/>\n  &#8222;Wie bin ich hier hergekommen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Die Antwort wirst du bei Ihm erfahren.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wie komme ich wieder zur&uuml;ck?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Die Antwort wirst du bei Ihm erfahren.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Warum gerade ich?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Die Antwort wirst du bei Ihm erfahren.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wer ist dieser Ihm eigentlich?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Die Antwort wirst du bei Ihm erfahren.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Fischers Fritz fischt frische Fische!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Die Antwort wirst&#8230; bitte, was?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wollte nur mal sehn, ob sie mir auch zuh&ouml;ren&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  Mit diesen Antworten musste sich unsere Hauptfigur zun&auml;chst mal zufrieden<br \/>\n  stellen und nun der Dinge harren, die da noch kommen mochten. Es dauerte zum<br \/>\n  Gl&uuml;ck nicht lange, bis der Alte mit ihm vor einem gro&szlig;en Loch in<br \/>\n  einer mitten im Wald liegenden Felswand ankam, welches so dunkel und finster<br \/>\n  war, wie es eben nur gro&szlig;e H&ouml;hleneing&auml;nge mitten im Wald sein<br \/>\n  k&ouml;nnen. Von dem Eingang weg f&uuml;hrte eine Art breiter Trampelpfad, der<br \/>\n  darauf schlie&szlig;en lie&szlig;, dass &ouml;fter in diese H&ouml;hle hinein<br \/>\n  und aus ihr hinaus gegangen wurde.<br \/>\n  &#8222;Dort drinnen wird Er auf dich warten und dir deine Bestimmung in dieser<br \/>\n  Welt mitteilen.&#8220;, sprach der Alte mit theatralisch ausgestrecktem Arm.<\/p>\n<p>  &#8222;Sie meinen, dort drinnen wird mir erz&auml;hlt werden, dass ich so ein<br \/>\n  seit langer Zeit erwarteter Mann-zwischen-den-Welten bin, der jetzt seine Bestimmung<br \/>\n  ergreifen und gegen das &Uuml;bel k&auml;mpfen soll, dass diese Welt befallen<br \/>\n  hat und sie vermutlich vernichten wird, sollte ich nicht einschreiten? So was<br \/>\n  in der Richtung?&#8220;<br \/>\n  Der Alte sah ihn milde l&auml;chelnd an und sprach dann:<br \/>\n  &#8222;Nun, vielleicht wird es nicht ganz so schlimm&#8230;&#8220;<br \/>\n  Der Reisende drehte sich zu dem H&ouml;hleneingang um, atmete einmal tief ein<br \/>\n  und aus und setzte sich dann mangels sinnvoller alternativer M&ouml;glichkeiten<br \/>\n  in Bewegung, um diesen Er mal aufzusuchen.<\/p>\n<p>  Die dunkle H&ouml;hle zeichnete sich durch k&uuml;hle Feuchtigkeit aus, die<br \/>\n  normalerweise dunkle H&ouml;hlen auszeichnet, die sehr k&uuml;hl und feucht<br \/>\n  sind. Dennoch war sie nicht vollkommen finster &#8211; der Reisende konnte einen<br \/>\n  Lichtschimmer am Ende des Ganges, in dem er sich gerade befand, ausmachen. Wie<br \/>\n  er bald herausfinden sollte, stellte dieser Lichtschimmer den Fackelschein dar,<br \/>\n  der eine H&ouml;hle von riesigen Ausma&szlig;en gleichm&auml;&szlig;ig erhellte.<br \/>\n  Und in dieser H&ouml;hle lag Er &#8211; ein Anblick, der unseren Reisenden verbl&uuml;fft<br \/>\n  stehen lie&szlig;, da es sich hierbei um etwas handelte, was l&auml;ngst nicht<br \/>\n  auf allen Welten des interdimensionalen Reiseverkehrs vorzufinden ist. Er &ouml;ffnete<br \/>\n  die Augen und starrte den Reisenden mit einem Blick an, der wahrscheinlich Stahl<br \/>\n  h&auml;tte zum Schmelzen bringen k&ouml;nnen &#8211; zum Gl&uuml;ck war keiner<br \/>\n  in der N&auml;he. Unser Protagonist machte sich lediglich in die Hosen.<\/p>\n<p>  Dann fing Er an zu sprechen. Es war laut. Sehr laut. Doch irgendwas, was das<br \/>\n  folgende Klingeln in seinen Ohren nur schwach &uuml;bert&ouml;nte, sagte dem<br \/>\n  Reisenden, dass Er es auch <em>wesentlich lauter<\/em> h&auml;tte sagen k&ouml;nnen.<br \/>\n  Er sagte:<br \/>\n  &#8222;Komm n&auml;her!&#8220;<br \/>\n  Solch einer Stimme verweigert man keinen Gehorsam. Das begriffen die Beine unseres<br \/>\n  Reisenden schneller als sein Kopf und setzten sich in Bewegung, um in geringerem,<br \/>\n  aber dennoch nicht respektlosen Abstand vor Ihm stehen zu bleiben.<\/p>\n<p>  Dann fing Er erneut an zu sprechen:<br \/>\n  &#8222;Lass mich raten: Du bist ein Reisender aus einer fremden Dimension von<br \/>\n  einer anderen Welt. Du bist in dieser Welt gelandet und wurdest von einem Rudel<br \/>\n  hungriger W&ouml;lfe durch den Wald verfolgt. Dann wurdest du von einem alten<br \/>\n  Einsiedler gefunden, der dich zu mir gef&uuml;hrt hat.&#8220;<br \/>\n  Es sah so aus, als m&uuml;sste unser Reisende trotz schmerzhaft pulsierender<br \/>\n  Trommelfelle nun irgendwas sagen. Folgender Satz erschien ihm recht angemessen:<br \/>\n  &#8222;Woher&#8230; k&ouml;nnt ihr all das wissen?&#8220;<br \/>\n  Der Kopf von Ihm setzte sich in Bewegung, um kurz vor unserem Reisenden zum<br \/>\n  Stillstand zu kommen, worauf dieser sehr erstaunt gewesen w&auml;re, wie viel<br \/>\n  Stoff sich noch in seiner Blase befand, w&auml;re er nicht viel zu sehr damit<br \/>\n  besch&auml;ftigt gewesen, seine K&ouml;rperfunktionen am Laufen zu halten, damit<br \/>\n  er nicht einfach vor Angst wegstarb.<\/p>\n<p>  Und Er sprach ein weiteres mal:<br \/>\n  &#8222;Dieser Einsiedler hat sich zu mir gef&uuml;hrt. Warum? Weil ich ihn daf&uuml;r<br \/>\n  bezahle!&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Kalessan<br \/>\n  mochte transdimensional Reisende.<br \/>\n  Sie schmeckten wie die Menschen seiner eigenen Welt und ihr Tod zog keinerlei<br \/>\n  nervende Konsequenzen wie r&auml;uberische Racheritter mit sich. Au&szlig;erdem<br \/>\n  wurden dadurch die D&ouml;rfer seiner Umgebung ein wenig entlastet.<br \/>\n  Nachdem er fertig war, erinnerte er sich daran, dass er den Alten wohl demn&auml;chst<br \/>\n  f&uuml;r seine Dienste einmal mehr bezahlen musste. Vielleicht sollte er die<br \/>\n  W&ouml;lfe f&uuml;r ihre gute Arbeit auch mal wieder belohnen&#8230;<\/p>\n<p>  Er beschloss, diese Angelegenheiten auf sp&auml;ter zu verschieben und legte<br \/>\n  sich wieder hin. Kurz bevor er einschlief, lobte er sich selbst einmal mehr<br \/>\n  f&uuml;r die sehr gute Investition in das Dimensionsportal direkt im benachbarten<br \/>\n  Wald.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dies<br \/>\n  ist im &uuml;brigen keine Geschichte &uuml;ber das transdimensionale Reisen.<br \/>\n  Oh nein, es ist viel schlimmer!<\/p>\n<p align=\"justify\">Es<br \/>\n  ist eine Eigenart der Menschen, selbst die positivste und friedlichste revolution&auml;re<br \/>\n  wissenschaftliche oder soziologische These, Theorie, Erkenntnis oder Abhandlung<br \/>\n  zu kriegerischen Zwecken zu missbrauchen. Seit jemandem mal ein Apfel auf den<br \/>\n  Kopf fiel und der Betroffene sich dachte &#8222;Ui! Schwerkraft!&#8220;, fingen<br \/>\n  Menschen sofort damit an, Menschen von Burgmauern aus Steine auf die R&uuml;be<br \/>\n  zu werfen (wobei erw&auml;hnt werden sollte, dass die Menschen, die sich der<br \/>\n  jeweiligen Burgmauer n&auml;herten meistens ebenso wenig friedliche Absichten<br \/>\n  im bald etwas flacher aussehenden Kopf hatten&#8230; mit einigen tragischen Ausnahmen<br \/>\n  nat&uuml;rlich) &#8211; oder, noch schlimmer, goldene M&uuml;nzen von hohen<br \/>\n  T&uuml;rmen, nur um zu sehen, was passiert&#8230;<\/p>\n<p>  Karlmax&#8216; revolution&auml;re These war von diesem Schicksal bisher verschont<br \/>\n  geblieben &#8211; wobei sie den Frieden zwischen den Menschen ja nicht gerade<br \/>\n  predigte&#8230; Vielleicht hing es damit zusammen, dass die Menschen es langweilig<br \/>\n  fanden, sich an die Regeln einer bereits kriegerischen These zu halten &#8211;<br \/>\n  wo blieb denn da der Spa&szlig;? So kam es, dass Karlmax durch seine Theorie<br \/>\n  weltber&uuml;hmt wurde und viele Tourneen veranstaltete, um Vortr&auml;ge &uuml;ber<br \/>\n  seine revolution&auml;ren, die Gesellschaft der Menschen verbessernden Gedanken<br \/>\n  zu halten. Die Menschen h&ouml;rten dabei immer interessiert zu, waren begeistert<br \/>\n  und honorierten jeden von Karlmax&#8216; Auftritten mit donnerndem Applaus &#8211;<br \/>\n  nur hatte anscheinend niemand so richtig Lust dazu, der erste zu sein, der diese<br \/>\n  revolution&auml;ren Ideen auch umsetzte.<\/p>\n<p>  Um jene Ideen soll es in dieser Geschichte jedenfalls ebenfalls nicht gehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Karlmax<br \/>\n  befand sich jedoch gerade kurz vor einer Tournee in entfernte L&auml;nder, um<br \/>\n  viele, schon jetzt vollkommen ausverkaufte Vortr&auml;ge zu halten. Dabei hatte<br \/>\n  er jedoch zwei Probleme:<br \/>\n  Seine Frau und seinen Sohn.<br \/>\n  Rita, die St&auml;hlerne, wie sie sich selbst nannte, war die perfekte Erg&auml;nzung<br \/>\n  zu Karlmax&#8216; Charakter: Impulsiv, aggressiv, stark, direkt und dickk&ouml;pfig<br \/>\n  dominierte sie ihren Mann vollst&auml;ndig, was diesem aber nicht viel ausmachte,<br \/>\n  da er sich selbst nicht gerade zur F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit geboren<br \/>\n  sah und beruhigt war, wenn es eine Instanz &uuml;ber ihm gab, die die ganze<br \/>\n  Verantwortung trug und nicht ihn damit belastete.<\/p>\n<p>  Dies war jedoch noch nicht das Problem. Karlmax bestand n&auml;mlich darauf,<br \/>\n  seine Frau Rita auf der Tournee bei sich zu haben &#8211; und das nur teilweise<br \/>\n  aus Liebe zu seiner Gef&auml;hrtin. Als pers&ouml;nliche Besch&uuml;tzerin machte<br \/>\n  sie sich dank ihrer selbst gegen&uuml;ber vielen M&auml;nnern &uuml;berlegenen<br \/>\n  Muskelkraft n&auml;mlich gar nicht schlecht.<br \/>\n  Nur leider bestand sie darauf, dass ihr gemeinsamer Sohn Ninnel nicht auf die<br \/>\n  Reise mitkommen d&uuml;rfe, wodurch sich das eigentliche und damit gr&ouml;&szlig;te<br \/>\n  Problem ergab:<\/p>\n<p>  Wohin mit dem Jungen?<br \/>\n  Der achtj&auml;hrige Ninnel war schon mehrfach durch sein&#8230; nun, rebellisches<br \/>\n  Verhalten aufgefallen und gegen&uuml;ber zahlreichen Verwandten durfte man seinen<br \/>\n  Namen noch nicht mal erw&auml;hnen, wollte man nicht riskieren, sofort aus dem<br \/>\n  Haus geworfen zu werden&#8230; wom&ouml;glich noch aus einem Fenster im vierten<br \/>\n  Stock&#8230;<br \/>\n  &#8222;Was ist mit den Dusseleys?&#8220;, fragte Karlmax.<br \/>\n  &#8222;Ich f&uuml;rchte, die sind nach unserem Besuch letzten Sommer nicht mehr<br \/>\n  so gut auf unseren Kleinen zu sprechen, Schatz. Au&szlig;erdem ist der Angriff<br \/>\n  durch diesen Assassinen kurz nach unserem Aufenthalt dort erfolgt, wei&szlig;t<br \/>\n  du noch?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Hast Recht, mein Haselschn&auml;uzchen&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;NENN mich nicht Haselschn&auml;uzchen!&#8220;, giftete seine Frau ihn<br \/>\n  an.<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; ja, Rita&#8230;&#8220;, Karlmax senkte dem&uuml;tig den Blick,<br \/>\n  als ihm ein Einfall kam:<br \/>\n  &#8222;Was ist mit Sally? Du kennst sie ja&#8230; &auml;hm&#8230; ein bisschen&#8230; sie<br \/>\n  k&ouml;nnte mit Ninnels&#8230; Eigenarten sicherlich fertig werden.&#8220;<\/p>\n<p>  Ritas Stimme schnitt so scharf durch die Luft, dass sich Karlmax damit seinen<br \/>\n  Bart h&auml;tte abrasieren k&ouml;nnen:<br \/>\n  &#8222;Ich lasse nicht zu, dass MEIN SOHN bei einer so unfl&auml;tlichen Frau<br \/>\n  einquartiert wird! Sie mag noch so nett sein, aber ihr Berufsstand &uuml;bt<br \/>\n  blo&szlig; einen sch&auml;ndlichen Einfluss auf unseren s&uuml;&szlig;en Kleinen<br \/>\n  aus!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Aber ich habe dich doch bei ihr kennen gelernt, Liebste!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Das &auml;ndert nichts daran, dass es ein f&uuml;r unseren Jungen sch&auml;ndliches<br \/>\n  und unmoralisches Etablissement ist! Weitere Vorschl&auml;ge?&#8220;<br \/>\n  Karlmax wusste, dass die Diskussion um das Thema Sally beendet war und kramte<br \/>\n  in seinem Ged&auml;chtnis weiter nach M&ouml;glichkeiten zur Unterbringung seines<br \/>\n  Sohnes&#8230; jedoch gingen ihm so langsam die Ideen aus. Einen Namen hatte er noch:<br \/>\n  &#8222;Was ist mit Tante Peggy? Hat sie unseren Kleinen schon mal kennen gelernt?<br \/>\n  Bei ihr w&auml;re es doch au&szlig;erdem gar nicht so schlimm, wenn wir es uns<br \/>\n  mit ihr verderben w&uuml;rden&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Peggy? Nein, die kommt nicht in Frage. Sie ist doch tagt&auml;glich so<br \/>\n  sehr mit dem Schmachten &uuml;ber diesen Schauspieler&#8230; wie hie&szlig; er noch<br \/>\n  mal? Genau, dieser Schauspieler Droca&#8230;&#8220; &#8211; *pling* &#8211; &#8222;Sie ist doch<br \/>\n  so sehr mit ihm besch&auml;ftigt und deswegen immer so neben sich, dass unser<br \/>\n  Kleiner bei ihr wahrscheinlich verwahrlosen und verhungern w&uuml;rde&#8230; Sag<br \/>\n  mal, ist was mit dir?&#8220;<br \/>\n  Karlmax starrte ins Leere. In seinem Kopf machte es immer *pling*, wenn sich<br \/>\n  eine neue, bahnbrechende Idee anbahnte.<br \/>\n  &#8222;Welchen Namen hast du gerade noch mal genannt?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Droca, der Schauspieler&#8230; Kennst du ihn nicht?&#8220;<br \/>\n  Karlmax wusste zwar nicht, wo Droca lebte und wie er ihn erreichen konnte. Doch<br \/>\n  daf&uuml;r kannte er jemand anders&#8230; *pling*<br \/>\n  &#8222;Hast du dieses Ger&auml;usch gerade auch geh&ouml;rt?&#8220;, fragte<br \/>\n  Rita.<br \/>\n  Eigentlich war der Gedanke vollkommen wahnsinnig. Er war sogar so wahnsinnig,<br \/>\n  dass sich Karlmax fragen musste, ob er selbst nicht bereits wahnsinnig war,<br \/>\n  wenn er auf solch wahnsinnige Gedanken kam. Konnte er seinen Sohn wirklich diesem<br \/>\n  alten Freund anvertrauen? Wobei sich die Frage stellte, ob er noch sein Freund<br \/>\n  war&#8230; beziehungsweise, ob er wirklich jemals wirklich sein Freund gewesen war&#8230;<br \/>\n  Nun, eigentlich hatte er sich gegen&uuml;ber Karlmax bei seinem Besuch immer<br \/>\n  ganz nett benommen&#8230; aber w&uuml;rde das auch f&uuml;r seinen Sohn gelten?<\/p>\n<p>  Die Schw&auml;rze von Karlmax&#8216; Gedankenwelt wurde j&auml;h von einem lautstarken<br \/>\n  Rufen unterbrochen:<br \/>\n  &#8222;Paaaapaaaaa, bin wieder Zuhaaaaauuuseeeee!&#8220;<br \/>\n  Das Rufen ert&ouml;nte direkt neben Karlmax Ohr, worauf dieser nicht vorbereitet<br \/>\n  war, erschrocken umkippte und mit dem Hinterkopf schmerzhaft auf dem Boden aufschlug.<br \/>\n  Sekunden sp&auml;ter traf eine gigantische Faust auf seinen Unterleib und nagelte<br \/>\n  ihn fest.<br \/>\n  Als Karlmax wieder Luft bekam und er statt vollkommenster Schw&auml;rze wieder<br \/>\n  zumindest verschwommene Bilder sehen konnte, er&ouml;ffnete sich ihm das Bild<br \/>\n  seines Sohnes Ninnel, wie dieser auf seinem Unterleib sa&szlig;.<\/p>\n<p>  W&auml;hrend Karlmax nur schmerzhaft und leise aufst&ouml;hnen konnte, l&auml;chelte<br \/>\n  Rita die beiden liebevoll an und sagte:<br \/>\n  &#8222;Na, ich lasse euch beiden dann mal alleine und bereite das Abendbrot<br \/>\n  vor &#8211; so lange d&uuml;rft ihr dann noch miteinander spielen. Und Karli<br \/>\n  &#8211; &uuml;berlege dir dann bitte noch schleunigst eine L&ouml;sung f&uuml;r<br \/>\n  unser kleines Problem, ja?&#8220;<br \/>\n  Mit diesen Worten drehte sie sich um und ging aus dem Raum hinaus in Richtung<br \/>\n  K&uuml;che.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh toll, Papa, wir spielen! Du bist das Pferd und ich bin der Reiter,<br \/>\n  ja?&#8220;, rief der Junge &uuml;berschw&auml;nglich in unertr&auml;glicher<br \/>\n  Lautst&auml;rke.<br \/>\n  Karlmax sah auf die Schuhe seines Sohnes &#8211; er hatte wieder die Stiefel<br \/>\n  mit den echten Sporen angezogen&#8230;<br \/>\n  &#8222;Ja, Ninnel!&#8220;, st&ouml;hnte er auf &#8211; Sohn hin oder her, dachte<br \/>\n  er, dieser Junge sollte seine Eltern doch mal wieder sch&auml;tzen lernen! Vielleicht<br \/>\n  w&auml;re die Methode ein wenig radikal und riskant, doch sicherlich nicht unwirksam&#8230;<\/p>\n<p>  Als er sich umgedreht hatte, rief sein Sohn &#8222;H&uuml;-hott!&#8220; und<br \/>\n  trat mit den Sporen zu.<br \/>\n  Mit einem ged&auml;mpften Schmerzensschrei trat Karlmax seinen allabendlichen<br \/>\n  Leidensweg an und hielt sich nur mit dem Gedanken am Bewusstsein, wie er seinen<br \/>\n  Plan seiner Frau verklickern sollte&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Zur<br \/>\n  gleichen Zeit machten sich die ber&uuml;hmten Helden Rimorob, der Krieger, Fladnag,<br \/>\n  der Magier, Oblib, der Halbling und Salogel, der Elf daran, ein Land von der<br \/>\n  schrecklichen Kreatur zu befreien, die man nur den &#8222;roten Schrecken&#8220;<br \/>\n  nannte. Dass es sich hierbei um eine sehr klassische Gruppe aus hochstufigen<br \/>\n  Abenteurern handelte, konnte man daran erkennen, dass sie mehr Wert auf Stil<br \/>\n  als auf Effektivit&auml;t bei der Arbeit legten. So gl&auml;nzte Rimorobs R&uuml;stung<br \/>\n  selbst bei absoluter Dunkelheit in einem funkelnden Licht, was einem eher sinnlosen<br \/>\n  elfischen Zauber zu verdanken war, aber mehrere 1000 Orks beim Bergen jenes<br \/>\n  Artefakts das Leben gekostet hatte. Und Salogel glich mehr einer wandelnden<br \/>\n  Frisur als einem todesmutigen Helden, der mal eben nebenbei mit einem Langbogen<br \/>\n  einer Fliege ein Auge ausschie&szlig;t. Was Salogel an Haaren hinten hatte,<br \/>\n  besa&szlig; Fladnag vorne am Kinn, hierbei sei jedoch erw&auml;hnt, dass es<br \/>\n  sich um ein gewaltiges Haartransplantat handelte, da der Magier erst 32 Jahre<br \/>\n  alt war. Oblib war leider zu klein f&uuml;r jegliche Art von Haaren an anderen<br \/>\n  Stellen au&szlig;er auf seinem Kopf und vor allem an seinen F&uuml;&szlig;en,<br \/>\n  erwies sich im Kampf dennoch sehr n&uuml;tzlich darin, Gegnern in Stellen zu<br \/>\n  bei&szlig;en, wo es <em>wirklich<\/em> weh tat&#8230;<\/p>\n<p>  So exzentrisch sie auch erscheinen m&ouml;gen, viele solcher Heldengruppen bringen<br \/>\n  es merkw&uuml;rdigerweise immer wieder zu gro&szlig;en Erfolgen, viel Geld und<br \/>\n  einem Ma&szlig; an Arroganz, das jeden Adligen als bescheiden und sch&uuml;chtern<br \/>\n  darstellt.<br \/>\n  Und jene ber&uuml;hmte Runde war nun daran, ihren Ruhm und vor allem ihren Reichtum<br \/>\n  betr&auml;chtlich zu vermehren.<br \/>\n  &#8222;Eeeyy, du bist mir auf meine Haare getreten!&#8220;, beschwerte sich<br \/>\n  Salogel.<\/p>\n<p>  &#8222;Und du mir auf meine &#8211; ausgleichende Gerechtigkeit!&#8220;, erwiderte<br \/>\n  Fladnag, &#8222;Warum ist es hier auch so dunkel drinnen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ruhe!&#8220;, rief Rimorob dazwischen, &#8222;Wir m&uuml;ssten gleich<br \/>\n  in der Haupth&ouml;hle sein! Bleibt dicht zusammen &#8211; hast du geh&ouml;rt,<br \/>\n  Oblib?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ja, Papa!&#8220;, kam die piepsige Antwort in spottendem Tonfall.<br \/>\n  Rimorob blieb stehen.<br \/>\n  &#8222;Das hier ist kein Zuckerschlecken, das ist vielleicht die gr&ouml;&szlig;te<br \/>\n  Herausforderung unserer Heldenkarriere, ich verlange also absolute Konzentration<br \/>\n  von euch allen!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Hatten wir denn je eine richtige Herausforderung?&#8220;, t&ouml;nte<br \/>\n  es aus Salogels Richtung, &#8222;Von den Viechern haben wir doch auch schon<br \/>\n  ein halbes Dutzend umgebracht.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ja, aber der hier soll ein bisschen gr&ouml;&szlig;er sein als die anderen&#8230;<br \/>\n  zumindest hat das die Olle gesagt, die uns diesen Auftrag gegeben hat.&#8220;<br \/>\n  Darauf entgegnete Oblib:<br \/>\n  &#8222;He he, Frauen, die &uuml;bertreiben es doch immer, wenn es um M&auml;nnerangelegenheiten<br \/>\n  wie das Bek&auml;mpfen von Dr&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Halt den Mund&#8220;<br \/>\n  &#8222;Kommt es nur mir so vor, oder stinkt es hier wirklich ganz gewaltig?&#8220;,<br \/>\n  fragte Fladnag.<\/p>\n<p>  &#8222;Scheint an diesem merkw&uuml;rdigen Luftzug zu liegen&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Das h&auml;lt ja kein Mensch aus!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Oder Elf&#8230;&#8220;, meldete sich Salogel zu Wort.<br \/>\n  &#8222;Ja ja oder Elf&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und was ist mit mir?&#8220;, fragte Oblib.<\/p>\n<p>  &#8222;Halt den Mund!&#8220;, entgegnete Fladnag und f&uuml;gte hinzu:<br \/>\n  &#8222;Hm, das scheint eine Tropfsteinh&ouml;hle zu sein, seht euch mal diese<br \/>\n  ganzen Stalagmiten und Stalaktiten an!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Welche waren denn noch mal welche?&#8220;, fragte Oblib.<br \/>\n  &#8222;Klappe! Hier scheint auch irgendwo die Quelle dieses Luftzugs zu sein&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;U&auml;&auml;&auml;hhh, diesen Gestank ertrage ich nicht l&auml;nger!&#8220;,<br \/>\n  st&ouml;hnte Salogel herum.<\/p>\n<p>  &#8222;Aber warum haben diese Stalaktiten so eine seltsame Anordnung&#8230;? Die<br \/>\n  Farbe scheint auch nicht zu stimmen, soweit man das in diesem diffusen Licht<br \/>\n  sagen kann.&#8220;<br \/>\n  Rimorob meldete sich zu Wort:<br \/>\n  &#8222;Ist euch eigentlich schon aufgefallen, wie weich der Boden auf einmal<br \/>\n  geworden ist?&#8220;<br \/>\n  Die Gef&auml;hrten sahen sich in dem diffusen Licht unsicher an. Der &uuml;bel<br \/>\n  riechende Luftzug umwehte sie in gleichm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden dr&ouml;hnend<br \/>\n  in dieser unheimlichen Stille.<\/p>\n<p>  &#8222;Lasst uns ein wenig mehr Licht riskieren!&#8220;, sprach Fladnag und<br \/>\n  lie&szlig; den Kristall am Ende seines Zauberstabs erleuchten. &Uuml;ber den<br \/>\n  folgenden, einmaligen Anblick verlor er nur ein Wort:<br \/>\n  &#8222;Oh!&#8220;<br \/>\n  Kalessan schluckte.<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8222;Und<br \/>\n  du bist dir sicher, dass dieser Herr&#8230; wie hie&szlig; er noch mal, Schatz?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Kalessan&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;&#8230;dass dieser Kalessan unseren Liebling auch annehmen wird?&#8220;,<br \/>\n  erkundigte sich Rita bei ihrem Mann und versuchte, das laute Quietschen der<br \/>\n  Kutschenr&auml;der und das Hufgetrappel der Pferde zu &uuml;bert&ouml;nen.<br \/>\n  &#8222;Nein, ich bin mir ganz und gar nicht sicher &#8211; aber er ist unsere<br \/>\n  einzige Chance&#8230; Ninnel, h&ouml;r bitte damit auf, mit deinem Messer die Kutsche<br \/>\n  zu zerkratzen! Au&szlig;erdem ist er der einzige, der es mit dem&#8230; impulsiven<br \/>\n  Charakter unseres Sohnes aufnehmen kann.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Und warum wohnt er mitten im Wald?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nun&#8230; er ist ein Einsiedler?&#8220;, entgegnete Karlmax vorsichtig.<br \/>\n  &#8222;Ein <em>Einsiedler<\/em>? Unser Sohn soll bei einem <em>Einsiedler<\/em><br \/>\n  wohnen? Bist du denn von allen Sinnen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Schatz, ich habe dir gesagt, er ist unsere einzige Chance. Wir k&ouml;nnen<br \/>\n  jetzt nicht mehr zur&uuml;ck &#8211; wir haben eh schon Gl&uuml;ck, dass seine<br \/>\n  Behausung ungef&auml;hr auf dem Weg liegt. Und sieh es doch mal von der positiven<br \/>\n  Seite: Unser Sohn lernt die Natur kennen, lernt, wie er alleine in der Wildnis<br \/>\n  &uuml;berleben kann und verbringt ein paar wildromantische Wochen &#8211; nicht<br \/>\n  wahr, Ninnel?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ich will nicht zu so einem doofen Einsiedler!&#8220;, sagte Ninnel und<br \/>\n  begann wieder, mit seinem Messer obsz&ouml;ne Muster in das Holz der Kutsche<br \/>\n  zu gravieren.<br \/>\n  &#8222;Ninnel, ich habe gesagt, du sollst damit aufh&ouml;ren! Sag du doch auch<br \/>\n  mal was, Rita!&#8220;, wandte sich Karlmax verzweifelt an seine Frau, als sein<br \/>\n  Sohn keine Anstalten machte, den Befehl des Vaters zu befolgen.<br \/>\n  &#8222;Schatz, h&ouml;r bitte auf damit!&#8220;, sagte Rita, woraufhin Ninnel<br \/>\n  sie kurz anglotzte, um dann das Messer in seine Tasche zu stecken und seinen<br \/>\n  Vater durchdringend anzustarren.<br \/>\n  Pl&ouml;tzlich kam die Kutsche abrupt zum Stehen und das andauernde Quietschen<br \/>\n  und Hufgetrappel wurde durch lautes, panisches Wiehern ersetzt.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh, ich f&uuml;rchte, wir sind bald da!&#8220;, lie&szlig; sich Karlmax<br \/>\n  vernehmen und stieg aus dem Gef&auml;hrt aus.<br \/>\n  Um ihn herum erstreckte sich der d&uuml;stere, verlassene und erschreckend ruhige<br \/>\n  Wald. Jedenfalls hatte Karlmax das Gef&uuml;hl, dass er erschreckend ruhig werden<br \/>\n  w&uuml;rde, wenn die Pferde mit ihrem Gewieher aufh&ouml;rten.<br \/>\n  &#8222;Die Pferde wolln nich weiter, Sir, wei&szlig; auch nich, warum.&#8220;,<br \/>\n  sagte der Kutscher, ein dreckiger, abgetakelter Unhold mit grauenhaftem Akzent,<br \/>\n  der f&uuml;r s&auml;mtliche Neudorfer, die beruflich in irgendeiner Form mit<br \/>\n  Pferden zu tun hatten, absolut typisch war.<\/p>\n<p>  &#8222;&Auml;hm, das geht schon in Ordnung, Herr Kutscher, wir gehen ab hier<br \/>\n  zu Fu&szlig; weiter. Fahrt ihr doch einfach ein wenig zur&uuml;ck, bis die Pferde<br \/>\n  sich wieder beruhigt haben und wartet dort auf uns. Sollten wir in&#8230; einer<br \/>\n  Stunde noch nicht wieder zur&uuml;ck sein, dann fahrt einfach wieder zur&uuml;ck<br \/>\n  nach Neudorf und behaltet das Geld &#8211; und, wenn ich euch einen Rat geben<br \/>\n  darf, fahrt schnell!&#8220;, mit diesen Worten warf Karlmax dem Kutscher ein<br \/>\n  Beutel mit Gold zu, was normalerweise ein todsicheres Mittel ist, um einen Neudorfer<br \/>\n  Kutscher seltsame Befehle ohne Fragen ausf&uuml;hren zu lassen&#8230; normalerweise&#8230;<br \/>\n  &#8222;Hoi&#8230; und warum so viel, Sir?&#8220;, erkundigte sich der Kutscher.<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; Gefahrenzulage!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ah&#8230; Darf man auch erfahrn, warum so viel, Sir?&#8220;<br \/>\n  Karlmax warf einen Blick auf seine Familie, die eben aus der Kutsche ausgestiegen<br \/>\n  war und sagte:<br \/>\n  &#8222;Nein! Deswegen ist es auch so viel.&#8220;<br \/>\n  Das reichte dem Kutscher anscheinend, der mit einem Achselzucken die Kutsche<br \/>\n  mit den scheuenden Pferden auf dem Waldweg (welcher &uuml;brigens merkw&uuml;rdig<br \/>\n  breit war und so aussah, als w&uuml;rde er regelm&auml;&szlig;ig benutzt werden)<br \/>\n  wendete und den Weg zur&uuml;ckfuhr, den sie gekommen waren.<\/p>\n<p>  &#8222;K&ouml;nntest du mir mal <em>bitte<\/em> erkl&auml;ren, was hier los ist?&#8220;,<br \/>\n  giftete Rita ihren Mann mit in die Seiten gestemmten Armen an.<br \/>\n  &#8222;Nein, kann ich nicht, aber eine andere M&ouml;glichkeit, Ninnel unterzubringen,<br \/>\n  gibt es jetzt auch nicht mehr &#8211; oder willst du etwa doch, dass er uns<br \/>\n  auf dieser interessanten Reise begleitet?&#8220;<br \/>\n  Karlmax hoffte, dass seine Frau sich noch an den einen Auftritt von ihm erinnerte,<br \/>\n  wo Ninnel die &#8222;Hoppe Hoppe Reiter mit Sporenstiefeln&#8220;-Nummer auf<br \/>\n  der B&uuml;hne vor dem Publikum mit seinem Vater abgezogen hatte, ohne dass<br \/>\n  sich Karlmax dagegen h&auml;tte wehren k&ouml;nnen..<\/p>\n<p>  Gl&uuml;cklicherweise war Rita jener Auftritt ebenso peinlich gewesen und noch<br \/>\n  immer sehr gut in Erinnerung. Deswegen war nun einer der wenigen Momente gekommen,<br \/>\n  in dem sie sich ihrem Mann unterordnete, wenn auch nicht ohne die Arme zu verschr&auml;nken<br \/>\n  und s&auml;uerlich vor sich hin zu grummeln.<br \/>\n  Nach einigen Minuten Fu&szlig;marsch endete der Weg an jenem dunklen, finstren<br \/>\n  H&ouml;hleneingang mitten im Wald, an den Karlmax nur zu gute Erinnerungen hatte.<br \/>\n  Momentan fragte er sich, wie er es damals geschafft hatte, jene H&ouml;hle lebendig<br \/>\n  zu verlassen und ob ihm das noch ein zweites Mal gelingen w&uuml;rde, von seiner<br \/>\n  Familie ganz abgesehen&#8230;<br \/>\n  &#8222;Eine H&Ouml;HLE? Eine H&Ouml;HLE! Unser Sohn kann nicht mal mehr in einem<br \/>\n  richtigen Haus mit einem ordentlichen Bett schlafen? Bist du jetzt vollkommen<br \/>\n  &uuml;bergeschnappt, Karlmax?&#8220;, fuhr Rita auf.<\/p>\n<p>  &#8222;Schatz, er wird es &uuml;berleben! Nicht wahr, Ninnel?&#8220;, entgegnete<br \/>\n  Karlmax hilflos.<br \/>\n  &#8222;Ich will nicht in diese doofe H&ouml;hle!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Da siehst du&#8217;s! Er will nicht da rein!&#8220;, sagte Rita.<br \/>\n  &#8222;Er wollte auch nie zu den Dusseleys&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Aber die kannte ich wenigstens.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nun, ICH kenne Kalessan da drinnen &#8211; oh bitte, Rita, kannst du<br \/>\n  mir nicht ein einziges Mal vertrauen?&#8220; <br \/>\n  Mittlerweile war Karlmax der Verzweiflung nahe und sich nicht mehr sicher, ob<br \/>\n  er die Konfrontation mit Karlmax oder die mit seiner Frau mehr scheute.<br \/>\n  &#8222;Ich will nicht in diese doofe H&ouml;hle!&#8220;<br \/>\n  Rita schaute ihren Gatten an, zuckte kurz nerv&ouml;s mit den Augenlidern und<br \/>\n  sagte dann:<\/p>\n<p>  &#8222;Halt den Mund und tu, was dein Vater dir sagt!&#8220;<br \/>\n  Karlmax atmete erleichtert auf &#8211; er hatte sie!<br \/>\n  &#8222;In Ordnung, ich gehe dann jetzt erst mal alleine da rein und rede mit<br \/>\n  ihm &#8211; ihr wartet solange hier drau&szlig;en!&#8220;<br \/>\n  Er traf auf keinen Widerstand mehr und machte sich daran, die H&ouml;hle zu<br \/>\n  betreten, als er sich wieder fragte, ob die Konfrontation mit Rita vielleicht<br \/>\n  doch dem vorzuziehen war, was ihm nun bevorstand&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Die<br \/>\n  paar Meter vom H&ouml;hleneingang zur Haupthalle &uuml;berlegte Karlmax verzweifelt,<br \/>\n  wie er die Konversation mit seinem &#8222;Freund&#8220; denn beginnen sollte,<br \/>\n  ohne dessen Launen gleich zum Opfer zu fallen.<br \/>\n  &#8222;Mensch, Kalessan, lange nicht gesehen! Wie geht&#8217;s, wie steht&#8217;s?&#8220;<br \/>\n  Nein&#8230;<br \/>\n  &#8222;Hi Kal, alte Schuppe!&#8220;<\/p>\n<p>  Nein&#8230;<br \/>\n  &#8222;Hallo Kalessan, ich wollte nur mal wieder bei dir vorbeischauen!&#8220;<br \/>\n  Nein&#8230;<br \/>\n  &#8222;Fischers Fritz fischt frische Fische!&#8220;<br \/>\n  Nein&#8230; obwohl das Kalessan zun&auml;chst vielleicht verwirren und Karlmax mehr<br \/>\n  Zeit geben k&ouml;nnte&#8230;<\/p>\n<p>  Als er die H&ouml;hle betrat und Kalessan erblickte, fiel ihm dann eine passende<br \/>\n  Begr&uuml;&szlig;ung ein:<br \/>\n  &#8222;Bevor du einen Laut machst &#8211; versuche bitte so zu sprechen, dass<br \/>\n  meine Trommelfelle nicht gleich platzen, ja?&#8220;<br \/>\n  Der ihm gegen&uuml;ber liegende alte, rote Drache schnaubte ver&auml;chtlich.<br \/>\n  Faul zusammengerollt lag er auf dem Boden seiner H&ouml;hle, welcher von alten<br \/>\n  R&uuml;stungsteilen, Knochen und kleinen, gelben Pf&uuml;tzen bedeckt war.<\/p>\n<p>  Seine Gestalt w&uuml;rden einige als &#8222;imposant&#8220;, andere als &#8222;majest&auml;tisch&#8220;,<br \/>\n  die meisten jedoch nur als &#8222;be&auml;ngstigend gro&szlig;&#8220; beschreiben,<br \/>\n  wobei die Betonung sehr stark auf &#8222;be&auml;ngstigend&#8220; liegen w&uuml;rde.<br \/>\n  Doch auch dies taten nur wenige &#8211; alle anderen beschrieben ihn als &#8222;AAAAAHHHHHH!&#8220;<br \/>\n  und liefen vor ihm weg, griffen ihn an oder fielen tot um, was allerdings keinen<br \/>\n  Unterschied machte, da eh alles auf dasselbe Ergebnis hinauskam&#8230;<\/p>\n<p>  Aufgrund der vielen verd&auml;chtig gelben Pf&uuml;tzen k&ouml;nnte man nun<br \/>\n  vermuten, dass der H&ouml;hle ein gar gr&auml;sslicher Gestank anhaftete. Doch<br \/>\n  wenn man es schaffte, seinen Blick mal von dem riesigen, roten Besitzer jener<br \/>\n  Hallen abzuwenden, fielen einem recht bald ein paar gro&szlig;e Tannenb&auml;ume<br \/>\n  auf, die von der Decke hingen. Beanspruchte man nun noch sein Riechorgan, so<br \/>\n  konnte man feststellen, dass der H&ouml;hle ein stechend-harziger Nadelwaldgeruch<br \/>\n  anhaftete, der dem Gestank von Verwesung und Exkrementen in der Nase fast keinen<br \/>\n  Platz mehr lie&szlig;.<br \/>\n  &#8222;Wer bist du, dass du mir Befehle erteilst, Wicht?&#8220;, meldete sich<br \/>\n  der Drache nun mit einer Stimme zu Wort, die zwar nicht seiner vollen Lautst&auml;rke<br \/>\n  entsprach, in den Ohren eines nicht-tauben Menschen aber immer noch ziemlich<br \/>\n  schmerzte, &#8222;Und vor allem: Was duzt du mich?&#8220;<\/p>\n<p>  Karlmax rutschte das Herz fast in die Hose &#8211; nicht nur von der Lautst&auml;rke.<br \/>\n  Wenn der Drache ihn nicht erkennen sollte, sah es, gelinde gesagt, schlecht<br \/>\n  um ihn aus.<br \/>\n  &#8222;Erkennt ihr mich denn nicht wieder, Kalessan? Ich bin es, Karlmax!&#8220;<br \/>\n  Er grinste ihn nerv&ouml;s an. Der Drache starrte ver&auml;chtlich zur&uuml;ck,<br \/>\n  schmatzte dann kurz und sagte:<br \/>\n  &#8222;Ach so, du&#8230; Du warst doch gerade erst hier!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Das war vor neun Jahren!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Sag&#8216; ich doch&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Neun Jahre sind f&uuml;r einen Menschen eine halbe Ewigkeit!&#8220;<br \/>\n  Kalessan zog das draconische Ambivalent einer Augenbraue hoch und erwiderte:<br \/>\n  &#8222;Na dann hast du ja noch ein paar Ewigkeiten zu leben, freu dich. Und<br \/>\n  jetzt: Verpiss dich!&#8220;<\/p>\n<p>  Karlmax schluckte und riss sich zusammen. Wozu war er denn hergekommen, wenn<br \/>\n  er genau wusste, was ihn erwarten w&uuml;rde? <br \/>\n  Moment mal, er hatte keine Ahnung gehabt, was ihn erwarten w&uuml;rde&#8230; <br \/>\n  Also half nur eines: Das Vorgehen nach dem &#8222;Augen zu und durch!&#8220;-Prinzip,<br \/>\n  mit der Hoffnung, es m&ouml;ge schnell vorbei gehen &#8211; was auch immer dieses<br \/>\n  Es sein m&ouml;ge&#8230;<\/p>\n<p>  &#8222;Tut mir leid, aber ich bin nicht zum Spa&szlig; hergekommen, oder weil<br \/>\n  ich euch mal wieder sehen wollte. Ehrlich gesagt m&ouml;chte ich euch um einen<br \/>\n  kleinen Gefallen bitten!&#8220;<br \/>\n  Kalessans Miene gefror.<br \/>\n  Leute, die ihn umbringen wollten &#8211; okay!<br \/>\n  Leute, die sein Gold stehlen wollten &#8211; okay!<\/p>\n<p>  Leute, die ihm Opfer darbrachten &#8211; okay!<br \/>\n  Leute, die ihm die neuste Ausgabe von &#8222;Mord ist Sport&#8220; lieferten<br \/>\n  &#8211; okay, das alles konnte man essen!<br \/>\n  Leute, die ihn um einen kleinen Gefallen baten &#8211; und dann auch noch Leute,<br \/>\n  die er kannte und denen er etwas schuldig war&#8230; wie peinlich!<\/p>\n<p>  &#8222;So so, du bittest mich also um einen &#8218;kleinen Gefallen&#8216;.<br \/>\n  Und was bittesch&ouml;n verleitet dich zu der Annahme, dass ich dir diesen &#8218;kleinen<br \/>\n  Gefallen&#8216; auch erf&uuml;lle und dich nicht einfach umbringe?&#8220;, fragte<br \/>\n  er, indem er sich mit seinem massiven Kopf dem kleinen Menschen bedrohlich n&auml;herte.<br \/>\n  Karlmax nahm allen seinen Mut zusammen, holte tief Luft und sagte mit der festesten<br \/>\n  Stimme, die er aufbringen konnte:<br \/>\n  &#8222;Ihr hattet mir vor neun Jahren gesagt, dass ihr mir noch etwas schuldig<br \/>\n  w&auml;ret. Ich bin nun gekommen, um diese Schuld bei euch einzul&ouml;sen!&#8220;<\/p>\n<p>  Soweit sich Karlmax erinnern konnte, hatte Kalessan ein recht ausgepr&auml;gtes<br \/>\n  Ehrgef&uuml;hl, und die Hilfestellung, die er ihm beim Retten seiner Magie und<br \/>\n  seiner Existenzform als Drache damals geleistet hatte, war nicht gerade gering<br \/>\n  gewesen.<br \/>\n  Der Drache schien sich zu erinnern:<br \/>\n  &#8222;Ach ja, dieser kleine, dunkle Fleck in meinem Leben&#8230; ich hatte gehofft,<br \/>\n  dass du dieses Versprechen vergessen w&uuml;rdest oder zumindest vorher stirbst,<br \/>\n  bevor du es einl&ouml;sen konntest.&#8220;, er seufzte tief, &#8222;Also sch&ouml;n,<br \/>\n  was willst du? Soll ich dir in irgendeinem dein Heimatland bedrohenden Krieg<br \/>\n  helfen? Macht euch ein Kollege von mir zu schaffen? Soll ich deinen Leibw&auml;chter<br \/>\n  spielen?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ehrlich gesagt ist meine Bitte nicht ganz so&#8230; umst&auml;ndlich&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Oh, du bist knapp bei Kasse&#8230; na gut, wie viel brauchst du? Meine Zinss&auml;tze<br \/>\n  sind f&uuml;r dich nat&uuml;rlich extra g&uuml;nstig&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Es geht auch nicht um Geld, mehr um&#8230; Betreuung.&#8220;, erwiderte Karlmax.<br \/>\n  &#8222;Oh, ich darf dir irgendein wichtiges Artefakt bewachen? Na, zum Bewachen<br \/>\n  sind wir Drachen ja noch gerade gut genug, nicht wahr?&#8220;, sprach Kalessan<br \/>\n  sarkastisch weiter.<\/p>\n<p>  &#8222;Nein, es geht auch nicht um ein Artefakt, sondern&#8230; um meinen Sohn.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ach so, dein Sohn&#8230; BITTE, WAS?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Esistnichtlange, wirklich! Nur ein paar Wochen, bis ich und meine Frau<br \/>\n  wieder zur&uuml;ck sind, mehr verlange ich nicht.&#8220;<br \/>\n  &#8222;VERLANGST du? Du VERLANGST von mir, dass ich den Kinderh&uuml;ter f&uuml;r<br \/>\n  so einen kleines, widerliches Menschenbalg spiele!?&#8220;, zischte Kalessan<br \/>\n  hitzig, den Hals gebogen wie eine Schlange, die kurz vor dem Zusto&szlig;en<br \/>\n  ist.<\/p>\n<p>  Karlmax war auf dem besten Weg, den Pf&uuml;tzen auf dem Boden eine weitere<br \/>\n  hinzuzuf&uuml;gen.<br \/>\n  &#8222;Dir ist wohl nicht bewusst, dass ihr Menschen auf meinem Speiseplan ganz<br \/>\n  oben steht? Da kommt mir so ein kleiner Wurm, den ich nicht antasten darf, hier<br \/>\n  drin nicht gerade gelegen!&#8220;, fuhr der aufgebrachte Drache fort.<br \/>\n  &#8222;Nun, das w&auml;re ein weiteres Problem&#8230; Solange der Kleine hier ist,<br \/>\n  w&auml;re ich euch auch sehr verbunden, wenn ihr diese&#8230; Eigenarten ein wenig<br \/>\n  zur&uuml;ckschrauben und woanders ausleben k&ouml;nntet. Nur ein paar Wochen?&#8220;,<br \/>\n  f&uuml;gte Karlmax kleinlaut hinzu.<\/p>\n<p>  &#8222;Das ist ganz toll, wirklich. Kannst du dir wirklich nicht etwas anderes<br \/>\n  einfallen lassen, um diese kleine Rechnung zwischen uns zu begleichen? Ich k&ouml;nnte<br \/>\n  dir doch Geld geben, meinetwegen auch ohne Zinsen, damit kannst du dir einen,<br \/>\n  quatsch, ein Dutzend Babysitter leisten!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Das geht nicht, dazu ist es zu sp&auml;t! Ihr seid meine letzte Hoffnung,<br \/>\n  den Jungen irgendwie unterzubringen, denn mitnehmen kann ich ihn auf keinen<br \/>\n  Fall! Wie gesagt, es w&auml;re nur f&uuml;r kurze Zeit&#8230; und wisst ihr was,<br \/>\n  sobald ich ihn dann wieder abgeholt habe, werde ich euch nie wieder bel&auml;stigen,<br \/>\n  das verspreche ich euch! Eure Schuld bei mir ist damit beglichen, und ich werde<br \/>\n  euch nie wieder behelligen. Dieser dunkle Fleck in eurem Leben wird praktisch<br \/>\n  nie existiert haben!&#8220;<br \/>\n  Karlmax kam der Verzweiflung nahe. Der Drache schien ihm gegen&uuml;ber zwar<br \/>\n  nicht mehr wirklich aggressiv eingestellt zu sein, dennoch war es seine letzte<br \/>\n  Chance, den Jungen loszuwerden.<br \/>\n  Kalessan dachte nach &#8211; und kam zu einem Entschluss:<\/p>\n<p>  &#8222;Nur ein paar Wochen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nur ein paar Wochen!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich sehe dich danach nie mehr wieder?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nie wieder!&#8220;<br \/>\n  Der gro&szlig;e Drache seufzte erneut:<br \/>\n  &#8222;Na sch&ouml;n, ich mache es&#8230; ein wenig Abwechslung kann hier drinnen<br \/>\n  wohl nicht schaden&#8230; Also, was muss ich tun?&#8220;<\/p>\n<p>  Karlmax atmete auf &#8211; das war geschafft!<br \/>\n  &#8222;Nun, ihr m&uuml;sst vor allem f&uuml;r Essen, Trinken, f&uuml;r eine<br \/>\n  Schlafstatt und eventuell auch f&uuml;r Kleidung sorgen.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Kleider, das sind diese Dinger, die immer zwischen den Z&auml;hnen h&auml;ngen<br \/>\n  bleiben!?&#8220;, erkundigte sich Kalessan grinsend.<\/p>\n<p>  Karlmax versuchte, ihn zu ignorieren:<br \/>\n  &#8222;Ihr m&uuml;sst ihn einfach nur ein bisschen besch&auml;ftigen. Er kann<br \/>\n  recht anstrengend sein, aber ich bin mir sicher, dass ihr die n&ouml;tige&#8230;<br \/>\n  Autorit&auml;t habt, um damit fertig zu werden.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Darauf kannst du z&auml;hlen, das stimmt. Nun gut, genug geredet, jetzt<br \/>\n  kannst du mir diesen kleinen Wurm auch endlich vorstellen und abzischen, damit<br \/>\n  ich meinen Spa&szlig; mit ihm haben kann!&#8220;<br \/>\n  Karlmax fand das gar nicht komisch.<\/p>\n<p>  &#8222;Ich finde das &uuml;berhaupt nicht komisch, Kalessan. Bitte vermasselt<br \/>\n  es nicht! Betrachtet es als&#8230; andersartige Herausforderung, wenn ihr wollt,<br \/>\n  aber ich m&ouml;chte meinen Jungen in ein paar Wochen in einem St&uuml;ck zur&uuml;ck<br \/>\n  haben, und zwar genau so, wie ich ihn euch &uuml;bergebe. Denkt ihr wirklich,<br \/>\n  dass ihr dieser Aufgabe gewachsen seid?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Die Aufgabe, der ich nicht gewachsen bin, muss erst noch gefunden werden,<br \/>\n  Kleiner. Stellst du uns jetzt endlich mal einander vor?&#8220;, erwiderte der<br \/>\n  Drache ungeduldig.<br \/>\n  &#8222;Nun, da ist noch ein kleines Problem: Meine Frau wei&szlig; noch nicht,<br \/>\n  dass ihr ein Drache seid, und&#8230; mir w&auml;re es auch lieber, wenn sie es jetzt<br \/>\n  noch nicht erf&auml;hrt&#8230; Wenn ihr also mit herauskommen k&ouml;nntet und euch<br \/>\n  vorher&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  Er ruderte mit den Armen, unf&auml;hig, sein Anliegen auszusprechen. Kalessan<br \/>\n  verstand ihn auch so:<br \/>\n  &#8222;Du wei&szlig;t, was du da verlangst?&#8220;<br \/>\n  Karlmax nickte nerv&ouml;s.<br \/>\n  &#8222;Du wei&szlig;t, dass ich mich seit dieser letzten Geschichte nicht mehr<br \/>\n  verwandelt habe?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich&#8230; kann es mir denken&#8230; aber wie gro&szlig; ist wohl die Wahrscheinlichkeit,<br \/>\n  dass irgendein wahnsinniger Magier jetzt gleich vorbeikommt und euch erneut<br \/>\n  eure Magie erneut stiehlt? Ha ha?&#8220;<\/p>\n<p>  Der Drache seufzte:<br \/>\n  &#8222;Nein, du hast wahrscheinlich Recht&#8230; warum mache ich das alles blo&szlig;?&#8220;<br \/>\n  Karlmax hatte ziemliches Gl&uuml;ck, dass Kalessan diesen Gedanken nicht weiter<br \/>\n  verfolgte. Ansonsten w&auml;re der Drache wahrscheinlich darauf gekommen, dass<br \/>\n  er das alles wirklich gar nicht machen m&uuml;sse, h&auml;tte ihn und seine<br \/>\n  Familie auf der Stelle umgebracht und sich den ganzen &Auml;rger erspart. Der<br \/>\n  Drache wusste, dass er mit seinen Gedankeng&auml;ngen dort herauskommen w&uuml;rde<br \/>\n  und verfolgte sie auch Karlmax zuliebe absichtlich nicht weiter, sondern verwandelte<br \/>\n  sich einmal mehr in den &uuml;ber zwei Meter gro&szlig;en H&uuml;nen in roter<br \/>\n  Robe, der sein menschliches Erscheinungsbild war.<\/p>\n<p>  &#8222;Zufrieden?&#8220;, fragte Kalessan lakonisch.<br \/>\n  &#8222;Ihr habt keine Ahnung, wie dankbar ich euch f&uuml;r das bin, was ihr<br \/>\n  hier tut!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ach komm, spar dir den Mist!&#8220;<br \/>\n  Karlmax atmete erneut erleichtert auf. Der Rest sollte ja jetzt ein Kinderspiel<br \/>\n  sein.<\/p>\n<p align=\"justify\">Drau&szlig;en<br \/>\n  warteten eine entnervte Ehefrau mit in die Seiten gestemmten Armen sowie ein<br \/>\n  lautstark quengelnder Junge auf ihn &#8211; die Reihe an stressigen bis lebensgef&auml;hrlichen<br \/>\n  Situationen schien also zun&auml;chst doch noch kein Ende zu haben.<\/p>\n<p>  &#8222;Du hast dir ja ganz sch&ouml;n viel Zeit gelassen, mein Lieber. Ich bin<br \/>\n  hier mit dem Jungen fast wahnsinnig geworden.&#8220; &#8211; Warum &#8222;fast&#8220;?,<br \/>\n  dachte sich Karlmax angesichts der Sch&auml;rfe ihrer Stimme. &#8211; &#8222;Und<br \/>\n  was war das f&uuml;r ein lautes Gebr&uuml;ll, das da aus der H&ouml;hle kam?<br \/>\n  Ich w&auml;re dir beinahe nachgegangen, wenn da drinnen nicht alles so schmutzig<br \/>\n  w&auml;re und so schrecklich stinken w&uuml;rde!&#8220;<\/p>\n<p>  Karlmax drehte sich erschrocken um, doch Kalessan schien nicht beleidigt, sondern<br \/>\n  eher belustigt, wie er es immer war, wenn Menschen mit ihm umsprangen wie mit<br \/>\n  einem&#8230; Menschen.<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm, Schatz &#8211; das ist Kalessan, er wird die n&auml;chsten<br \/>\n  Wochen auf unseren Sohn aufpassen. Kalessan, meine Frau Rita, mein Sohn Ninnel.&#8220;<br \/>\n  Verbl&uuml;fft beobachtete er, wie Kalessan seine Hand ausstreckte, um sie Rita<br \/>\n  zu geben. Beide Parteien schienen von dem &uuml;beraus heftigen H&auml;ndedruck<br \/>\n  ihres Gegen&uuml;bers ziemlich &uuml;berrascht und konnten sich anscheinend<br \/>\n  nur mit M&uuml;he zur&uuml;ckhalten, keinen pl&ouml;tzlichen Schmerzenslaut<br \/>\n  auszusto&szlig;en.<\/p>\n<p>  &#8222;Bin erfreut.&#8220;, presste Kalessan hervor und begann, Karlmax&#8216;<br \/>\n  Frau abf&auml;llig-interessiert (oder auch interessiert-abf&auml;llig) von oben<br \/>\n  bis unten zu mustern.<br \/>\n  &#8222;Ebenfalls. Ihr seid also dieser omin&ouml;se Kalessan. Wisst ihr denn<br \/>\n  &uuml;berhaupt, wie man mit Kindern umgeht?&#8220;, fragte Rita in bem&uuml;ht<br \/>\n  freundlichem Tonfall.<br \/>\n  &#8222;H&auml;tte mich euer Mann sonst vorgeschlagen?&#8220;, entgegnete der<br \/>\n  Drache.<\/p>\n<p>  &#8222;Also habt ihr schon einmal mit Kindern gearbeitet? Oder hattet ihr selbst<br \/>\n  einmal eine Familie?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;h, Rita, wir m&uuml;ssen jetzt schnell gehen, der Kutscher wartet<br \/>\n  nicht mehr lange auf uns!&#8220;, rief Karlmax hastig dazwischen, der das Thema<br \/>\n  von Kalessans Familie nun als allerletztes angesprochen haben wollte.<br \/>\n  &#8222;Aber Schatz, ich m&ouml;chte schlie&szlig;lich ein wenig &uuml;ber den<br \/>\n  Mann erfahren, dem ich meinen Sohn &uuml;ber die n&auml;chsten Wochen anvertraue.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja genau! Ich k&ouml;nnte euch alle ja noch schnell zum Essen einladen<br \/>\n  und wir besprechen die ganze Angelegenheit!&#8220;, best&auml;tigte Kalessan<br \/>\n  mit einem sadistischen Grinsen in Karlmax&#8216; Richtung.<\/p>\n<p>  &#8222;NEIN!&#8220;, rief Karlmax, lauter, als er eigentlich gewollt hatte,<br \/>\n  was eine dieser kurzen, peinlichen Stillen zur Folge hatte.<br \/>\n  Mit gesenkter Stimme fuhr er fort:<br \/>\n  &#8222;Wir haben nicht mehr viel Zeit, wir m&uuml;ssen schnell zur&uuml;ck,<br \/>\n  Schatz. Bitte vertrau mir in dieser Angelegenheit einfach &#8211; ich vertraue<br \/>\n  ihm ja auch.&#8220;, sagte er mit einem ebenso vielsagenden Blick auf den grinsenden<br \/>\n  Drachen.<br \/>\n  &#8222;Nun gut Ninnel, wir lassen dich jetzt ein paar Wochen mit Onkel Kalessan<br \/>\n  hier alleine. Er wird in dieser Zeit deine Familie f&uuml;r dich sein, also<br \/>\n  benimm dich!&#8220;, und mit leisem Tonfall f&uuml;gte er dann hinzu:<\/p>\n<p>  &#8222;Es ist zu deinem eigenen Besten!&#8220;<br \/>\n  Rita gab zu Karlmax&#8216; Erleichterung klein bei und verabschiedete sich ebenfalls<br \/>\n  von ihrem Sohn mit den &uuml;blichen Ratschl&auml;gen immer brav zu sein, dem<br \/>\n  netten Herrn doch keinen &Auml;rger zu machen und sich vor dem Essen immer die<br \/>\n  H&auml;nde zu waschen.<br \/>\n  An Kalessan gerichtet sagte sie dann noch:<br \/>\n  &#8222;Dass ihr mir ja gut auf meinen Sohn aufpasst, und dass ihm auch ja nichts<br \/>\n  passiert, versteht ihr? Ich kann zu einer wilden Bestie werden, wenn meinem<br \/>\n  kleinen Ninnel etwas zust&ouml;&szlig;t!&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessan beugte sich leicht vor und erwiderte:<br \/>\n  &#8222;Ich doch auch, meine Liebe&#8230;&#8220;<br \/>\n  Karlmax entschied sich, dass es wirklich an der Zeit war, nun zu gehen, nahm<br \/>\n  seine Frau mit sanfter Gewalt beiseite, verabschiedete sich noch mal von seinem<br \/>\n  Sohn und richtete sich noch ein letztes Mal an den Drachen:<br \/>\n  &#8222;Ihr wisst, was ihr zu tun habt?&#8220;<br \/>\n  Kalessan nickte.<br \/>\n  &#8222;Dann auf bald! Und&#8230; vielen Dank nochmals!&#8220;<\/p>\n<p>  Der Drache winkte l&auml;chelnd ab, was Karlmax jedoch nicht unbedingt beruhigte.<br \/>\n  Dennoch verlie&szlig; er mit seiner Frau nahezu fluchtartig das Geschehen.<br \/>\n  Auf dem Weg zur Kutsche fiel ihm ein, was er mit Rita nun w&auml;hrend der Abwesenheit<br \/>\n  seines Sohnes ebenfalls etwas&#8230; ausgiebiger betreiben konnte und l&auml;chelte<br \/>\n  gl&uuml;cklich &#8211; schon bei Sally war Rita wirklich nicht schlecht gewesen&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">F&uuml;r<br \/>\n  Kalessan ging das ganze ein klein bisschen zu schnell. Auf einmal stand er alleine<br \/>\n  vor seiner H&ouml;hle, zusammen mit einem kleinen, ihm v&ouml;llig unbekannten<br \/>\n  Menschenbengel, der ihn mit gro&szlig;en Augen nichtssagend anstarrte. Schlimmer<br \/>\n  noch, er musste sich jetzt pers&ouml;nlich um dieses Ding k&uuml;mmern&#8230; nicht<br \/>\n  morgen, nicht sp&auml;ter, nicht nachher, sondern jetzt, gleich, sofort! Na<br \/>\n  toll&#8230;<\/p>\n<p>  &#8222;Komm mit rein!&#8220;, sagte er. Auf dem Weg in seine Heimst&auml;tte<br \/>\n  w&uuml;rde ihm schon einfallen, wie er mit dieser Situation fertig werden sollte.<br \/>\n  Er lief ein paar Meter, blieb dann stehen und drehte sich noch mal um &#8211;<br \/>\n  der Junge hatte sich nicht vom Fleck bewegt und starrte ihn weiterhin durchdringend<br \/>\n  an. Das konnte ja sogar ihm fast unangenehm werden&#8230;<br \/>\n  &#8222;Was ist, bist du taubstumm oder so?&#8220;<br \/>\n  Der Junge &#8211; Ninnel hie&szlig; er, richtig &#8211; sch&uuml;ttelte den<br \/>\n  Kopf.<\/p>\n<p>  &#8222;Bist du vielleicht nur stumm?&#8220;<br \/>\n  Er sch&uuml;ttelte den Kopf erneut.<br \/>\n  &#8222;Und was ist dann dein Problem?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Meine Mama hat gesagt, ich darf nicht mit Fremden mitgehen.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Bitte, mir soll es nur Recht sein!&#8220;, mit diesen Worten drehte Kalessan<br \/>\n  sich um und betrat seine H&ouml;hle. In seinem Hauptwohnraum angekommen, lehnte<br \/>\n  er sich l&auml;ssig an die Wand und wartete auf den Jungen, der ihm ja nun jeden<br \/>\n  Moment hinterherkommen m&uuml;sste.<\/p>\n<p>  W&auml;hrenddessen blieb Ninnel drau&szlig;en stehen und beobachtete zun&auml;chst<br \/>\n  die Umgebung der H&ouml;hle, ohne sich dabei auch nur einen Millimeter zu r&uuml;hren.<br \/>\n  Nachdem er mit seiner Beobachtung fertig war, entschied er sich dazu, abzuwarten,<br \/>\n  was denn als n&auml;chstes passieren w&uuml;rde. Er wartete ungef&auml;hr eine<br \/>\n  halbe Stunde, dann st&uuml;rmte ein w&uuml;tender, roter H&uuml;ne aus der H&ouml;hle,<br \/>\n  packte ihn am Kragen und schleifte ihn in sein Heim. Ninnel grinste stumm in<br \/>\n  sich hinein.<br \/>\n  Als Kalessan ihn, in seiner H&ouml;hle angekommen, an der Gurgel hochhob, grinste<br \/>\n  er nur noch breiter.<\/p>\n<p>  &#8222;Jetzt h&ouml;r mir mal zu, du Wurm! Solange du bei mir bist, wirst du<br \/>\n  tun, was ich dir sage, nicht das, was deine werte Mutter dir irgendwann mal<br \/>\n  gesagt hat &#8211; denn sie ist nicht hier, um dich zu besch&uuml;tzen, und<br \/>\n  anscheinend soll ich diese Aufgabe &uuml;bernehmen. Aber ich habe nicht die<br \/>\n  geringste Lust, auf so ein kleines Menschlein aufzupassen, das mir keinen Respekt<br \/>\n  zollt!&#8220;<br \/>\n  Dass dem Jungen die Luftzufuhr abgeschnitten war, tat seinem Grinsen anscheinend<br \/>\n  keinen Abbruch. Kalessan lie&szlig; ihn hinunter.<br \/>\n  &#8222;Wenn du das noch mal machst, sage ich es meiner Mutter und die macht<br \/>\n  dich dann zur Schnecke!&#8220;, sagte Ninnel mit einer f&uuml;r das eben Erlebte<br \/>\n  nahezu unnat&uuml;rlichen Ruhe.<\/p>\n<p>  &#8222;Und ich mache sie zu meinem Fr&uuml;hst&uuml;ck, sollte sie es versuchen.<br \/>\n  Nur, weil ich deinem Vater was schuldig bin, hei&szlig;t das nicht, dass ich<br \/>\n  mir von ihm oder seinen Verwandten alles gefallen lassen muss! H&ouml;r also<br \/>\n  gef&auml;lligst auf, mich zu duzen und zoll mir den Respekt, der mir geb&uuml;hrt!&#8220;<br \/>\n  Ninnel fing wieder an, fies zu grinsen und brach daraufhin in folgenden Singsang<br \/>\n  aus:<br \/>\n  &#8222;Dududu duDu duDu duDudeldiDU, DU DU DU DU DU, dudeldudelDUdudu.&#8220;<br \/>\n  Kalessan konnte sich nicht mehr daran erinnern, dass ihn je jemand offener und<br \/>\n  vor allem sorgloser als jetzt verspottet hatte, was nat&uuml;rlich haupts&auml;chlich<br \/>\n  an seiner momentanen, weit weniger eindrucksvollen Gestalt lag.<\/p>\n<p>  &#8222;&#8230;Dududu, DuduDUdududu&#8230;&#8220;<br \/>\n  Es reichte &#8211; jetzt kam die Zeit, um Eindruck zu schinden. Kalessan leitete<br \/>\n  die Verwandlung ein und begann, zu wachsen und sich zu ver&auml;ndern.<br \/>\n  &#8222;Dududu, dududu&#8230; dududu&#8230; &laquo; <br \/>\n  Er wuchs und wuchs und wuchs und wuchs&#8230;<br \/>\n  &#8222;Dudu&#8230; dudu&#8230; du&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  &#8230;und wuchs und wuchs und wuchs und wuchs&#8230;<br \/>\n  &#8222;Du&#8230; du&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8230;und wuchs, bis schlie&szlig;lich nicht mehr Onkel Kalessan, der Zwei-Meter-Mann,<br \/>\n  sondern Kalessan der F&uuml;nfzig-Meter-Drache, die H&ouml;hle ausf&uuml;llte.<br \/>\n  &#8222;&#8230;du&#8230; du?&#8220;<br \/>\n  Kalessan beugte seinen massiven Sch&auml;del hinunter und brachte ihn kurz vor<br \/>\n  dem kleinen Menschenjungen zum Verharren.<\/p>\n<p>  &#8222;Na, was sagst du jetzt, Winzling?&#8220;, brachte er leise, aber bedrohlich<br \/>\n  hervor.<br \/>\n  Ninnel z&ouml;gerte kurz und sah ihn weiterhin ausdruckslos an. Dann sagte er:<br \/>\n  &#8222;Du bist h&auml;sslich und du stinkst!&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Ausatmen!<br \/>\n  Drachen k&ouml;nnen zu einigen der gef&auml;hrlichsten Wesen der gesamten Welt<br \/>\n  heranwachsen. Kalessan ist alt und sein pers&ouml;nlicher Gef&auml;hrlichkeitsgrad<br \/>\n  darf aufgrund seines Temperaments noch potenziert werden. Damit &uuml;berholt<br \/>\n  er sogar die drei schrecklichen Furien Alexzstrzuszszuszia, Chmlech&#8217;krach!clochchmchmrn<br \/>\n  und Karl-Heinz, die vor allem wegen ihrer schrecklichen Namen und ihrer Angewohnheit,<br \/>\n  sich nur mit vollem Namen anreden zu lassen, gef&uuml;rchtet werden. Bei letzterer<br \/>\n  streitet man &uuml;brigens noch um ihr Geschlecht &#8211; nat&uuml;rlich nur<br \/>\n  in ihrer Abwesenheit.<\/p>\n<p>  Und ausatmen!<br \/>\n  Ein Wesen wie Kalessan zu reizen ist also sehr sehr dumm.<br \/>\n  Kalessan war sich dessen vollkommen bewusst, weswegen er, teilweise um sich<br \/>\n  selbst zu beruhigen, diese Kreatur vor ihm einfach nur als &#8222;bemitleidenswert<br \/>\n  dumm&#8220; abtat und sich einredete, dass es doch eine viel gr&ouml;&szlig;ere<br \/>\n  B&ouml;sartigkeit w&auml;re, sie in diesem Zustand vollkommenster Dummheit weiterhin<br \/>\n  existieren zu lassen, anstatt sie von ihrem Leiden zu erl&ouml;sen.<br \/>\n  Und wieder ausatmen!<\/p>\n<p>  &#8222;Na, haben wir uns langsam an diesen &#8218;Gestank&#8216; gew&ouml;hnt?&#8220;,<br \/>\n  sagte er, bevor das groteske Pendel wieder zu ihm zur&uuml;ck schwang und er<br \/>\n  es erneut mit einem kr&auml;ftigen Hauch wieder in die andere Richtung pustete.<br \/>\n  Ninnel hing kopf&uuml;ber an einer langen Kette von einer der geruchsintensiven<br \/>\n  Tannen in Kalessans H&ouml;hle und pendelte, vom Atem des Drachen angetrieben,<br \/>\n  nun schon seit einiger Zeit immer hin und her.<br \/>\n  &#8222;Ich erz&auml;hle meiner Mama davon!&#8220;, sagte er.<\/p>\n<p>  &#8222;Ach, und was will deine Mama gegen einen ausgewachsenen Drachen wie mich<br \/>\n  ausrichten? Mir im Hals stecken bleiben?&#8220;<br \/>\n  &Uuml;berraschenderweise fand Ninnel darauf keine Antwort.<br \/>\n  Mit einer Klaue brachte Kalessan das Ninnel-Pendel zum Anhalten und funkelte<br \/>\n  den Jungen mit seinen gelb gl&uuml;henden Augen an.<br \/>\n  &#8222;Wir werden diese kleine Prozedur ab jetzt immer dann durchf&uuml;hren,<br \/>\n  wenn du dich nicht benimmst, klar?&#8220;<br \/>\n  Ninnel nickte.<\/p>\n<p>  &#8222;Und wenn du deiner Mutter oder deinem Vater davon erz&auml;hlst, dann<br \/>\n  werde ich sie hier auch aufh&auml;ngen &#8211; das willst du doch nicht, oder?&#8220;<br \/>\n  Ninnel sch&uuml;ttelte den Kopf.<br \/>\n  &#8222;Gut, also wenn ich dich jetzt runterlasse, wirst du dich dann benehmen<br \/>\n  und deine Beleidigungen zur&uuml;cknehmen?&#8220;, fragte der Drache ihn mit<br \/>\n  schiefgelegtem Kopf.<br \/>\n  &#8222;Ja.&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessan ber&uuml;hrte die Kette kurz, welche mit einem leisen Klicken aufsprang.<br \/>\n  Ninnel setzte er auf dem Boden vor sich ab und starrte ihn forschend an.<br \/>\n  &#8222;Na&#8230; ich h&ouml;re?&#8220;<br \/>\n  Der durch Kalessans Prozedur sichtlich gr&uuml;n angelaufene Junge schaute ihn<br \/>\n  trotzig an, sagte dann aber mit gesenktem Blick:<br \/>\n  &#8222;Tutmirleid&#8230;&#8220;<br \/>\n  Kalessan knurrte kurz, gab sich aber mit der Antwort zufrieden&#8230; mehr durfte<br \/>\n  man von diesem Balg wohl nicht erwarten.<\/p>\n<p>  Dieser sich von seiner kleinen Folter offenbar sehr schnell erholende Balg sprach<br \/>\n  ihn jedoch erneut an:<br \/>\n  &#8222;Ich hab&#8216; Hunger!&#8220;<br \/>\n  Faszinierend, wie viel Suizidpotential diesem Jungen anhaftete &#8211; jener<br \/>\n  Satz erinnerte Kalessan n&auml;mlich just an seine eigenen, aufgrund dieses<br \/>\n  in Griffweite liegenden, kleinen Snacks selber wieder erwachten Hungergef&uuml;hle.<br \/>\n  Zum Gl&uuml;ck mochte der Drache Herausforderungen &#8211; als gef&auml;hrlichstes<br \/>\n  Wesen der Welt hat man nicht mehr viele. So galt es, die eigene Selbstbeherrschung<br \/>\n  st&auml;rker sein zu lassen als Ninnels Eigenschaft, sich in ungeahnte Gefahrensituationen<br \/>\n  zu bringen.<\/p>\n<p>  Nur fiel Kalessan erst jetzt auf, was f&uuml;r ein Problem die Nahrungsbeschaffung<br \/>\n  f&uuml;r das Kind sein w&uuml;rde. Die &ouml;rtliche Fauna packt n&auml;mlich<br \/>\n  schneller die Koffer als man &#8222;Blaubeerpfannkuchen&#8220; sagen kann, wenn<br \/>\n  sich ein Wesen wie Kalessan in der N&auml;he einnistet und zum Beeren pfl&uuml;cken<br \/>\n  und Brot backen sowie zum Einfach-in-die-n&auml;chste-Stadt-gehen-und-etwas-kaufen<br \/>\n  war der Drache zu stolz.<br \/>\n  Somit blieb nur das einzige Nahrungsmittel &uuml;brig, das dumm genug war, angesichts<br \/>\n  der Pr&auml;senz des Drachen nicht zu fliehen.<\/p>\n<p>  Das einzige Nahrungsmittel, von dem Kalessan ganz genau wusste, wo er es finden<br \/>\n  und einfach bekommen k&ouml;nnte.<br \/>\n  Das einzige Nahrungsmittel, das Kalessan auch auf sehr schmackhafte Art und<br \/>\n  Weise zubereiten konnte.<br \/>\n  Und das war nun mal&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8222;Was<br \/>\n  ist denn das?&#8220;, fragte Ninnel, als er das von Kalessan einige Zeit sp&auml;ter<br \/>\n  zubereitete Gericht sah. Es handelte sich um einen gro&szlig;en, sehr dunkelbraunen<br \/>\n  bzw. bereits schwarz verkohlten, unf&ouml;rmigen Fleischklumpen, dessen Zubereitung<br \/>\n  darin bestand, dass es auf dem Blatt einer gro&szlig;en, gr&uuml;nen Pflanze<br \/>\n  lag. Man beachte, wie das Attribut &#8222;schmackhaft&#8220; von Spezies zu<br \/>\n  Spezies vollkommen unterschiedlich interpretiert wird.<\/p>\n<p>  &#8222;Ist doch egal, wovon das stammt. Das ist Fleisch, das ist nahrhaft, das<br \/>\n  ist gesund &#8211; also iss!&#8220;, erwiderte der sich momentan in seiner menschlichen<br \/>\n  Gestalt befindliche Kalessan.<br \/>\n  &#8222;Das da sieht aber aus wie eine Hand!&#8220;, zeigte Ninnel auf ein aus<br \/>\n  der Masse herausragendes Fleischst&uuml;ck.<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; da spielt dir deine Phantasie wohl einen Streich&#8230; du hast<br \/>\n  doch sicherlich Hunger? Also iss endlich!&#8220;<br \/>\n  Der leichte Anflug von Panik in Kalessans Stimme war sicherlich auch nur ein<br \/>\n  Streich von Ninnels Phantasie&#8230;<\/p>\n<p>  &#8222;Aber an der Hand steckt noch ein Ring dran!&#8220;<br \/>\n  Kalessan erlebte das faszinierende, menschliche Gef&uuml;hl eines spontanen<br \/>\n  Schwei&szlig;ausbruchs, als er n&auml;her hinsah und das gl&auml;nzende St&uuml;ck<br \/>\n  Metall entdeckte, das auf einem der kleinen Ausw&uuml;chse des Fleischklumpens<br \/>\n  steckte. <br \/>\n  Blitzschnell nahm er den Ring und brach dabei das St&uuml;ckchen Fleisch, das<br \/>\n  einem menschlichen Finger wirklich gar nicht mal so un&auml;hnlich war, ab.<\/p>\n<p>  Mit den Worten &#8222;Das ist gar kein Ring, sondern ein&#8230; &auml;hm&#8230; ein<br \/>\n  St&uuml;ck Fett!&#8220; steckte er ihn sich in den Mund und kaute darauf herum<br \/>\n  &#8211; f&uuml;r einen Drachen in Menschengestalt ist das gar nicht mal so schwer,<br \/>\n  da seine nat&uuml;rliche Kraft sich auf andere Erscheinungsformen seiner Wahl<br \/>\n  &uuml;bertr&auml;gt. Bei einem Amok laufenden Drachen in Gestalt eines s&uuml;&szlig;en<br \/>\n  K&auml;tzchens kann das schon mal ganz witzige bzw. blutige Ergebnisse haben,<br \/>\n  was jedoch eine Episode seines Lebens ist, die Kalessan nicht gerne erw&auml;hnt<br \/>\n  haben will. F&uuml;r einen Drachen ist es jedenfalls ungef&auml;hr so anstrengend<br \/>\n  einen soliden Metallgegenstand zu kauen, wie f&uuml;r einen Menschen eine Walnuss<br \/>\n  mit Schale zu essen&#8230; man verzichtet also lieber darauf.<\/p>\n<p>  &#8222;Hmmm&#8230; lecker!&#8220;, w&uuml;rgte der Drache hervor und schluckte den<br \/>\n  Ring hinunter. Leider hatte er ihn noch nicht auf eine f&uuml;r die Speiser&ouml;hre<br \/>\n  seiner menschlichen Form akkurate Gr&ouml;&szlig;e zurechtgekaut, weswegen ihm<br \/>\n  das Metallst&uuml;ck auch wortw&ouml;rtlich im Halse stecken blieb. F&uuml;r<br \/>\n  ein Wesen, das einen ganzen Ritter inklusive R&uuml;stung, Pferd, Lanze und<br \/>\n  allem Zubeh&ouml;r (wenn vorhanden also inklusive Knappen) schon mal im St&uuml;ck<br \/>\n  verschluckt eine entsprechend peinliche Situation. So taumelte Kalessan also<br \/>\n  hustend und w&uuml;rgend durch die Pf&uuml;tzen seiner H&ouml;hle, schaffte<br \/>\n  es dann irgendwie, seinen Hals zu befreien und das stark verformte Metallst&uuml;ck<br \/>\n  wieder auszuspeien. Das laute *pling*, das ert&ouml;nte, als der ehemalige Ring<br \/>\n  auf dem Boden aufschlug, verhallte peinlich im Raum. Kalessan sah Ninnel ersch&ouml;pft<br \/>\n  von der Seite an.<\/p>\n<p>  Der Kommentar des Jungen zu der Situation war:<br \/>\n  &#8222;Ich esse kein Fleisch!&#8220;<br \/>\n  &Uuml;ber diesen Satz verga&szlig; Kalessan sogar das Ersch&ouml;pftsein und<br \/>\n  starrte den Jungen ungl&auml;ubig an.<br \/>\n  &#8222;Du willst mir nicht wirklich erz&auml;hlen, dass du einer von diesen&#8230;<br \/>\n  wie hie&szlig;en sie noch mal&#8230; Vegetierenden bist!?&#8220;<\/p>\n<p>  Ninnel nickte.<br \/>\n  &#8222;Das soll also hei&szlig;en, dass ich diesen sch&ouml;nen Braten hier<br \/>\n  vollkommen umsonst get&ouml;&#8230; gefangen und zubereitet habe und jetzt noch<br \/>\n  mal losziehen darf, um dir&#8230; Beeren oder&#8230; Brot oder so ein Zeug zu besorgen!?&#8220;,<br \/>\n  fragte der Drache mit m&uuml;hsam unterdr&uuml;ckter Wut in der Stimme.<br \/>\n  &#8222;Ich mag auch Kartoffeln!&#8220;, sagte Ninnel fr&ouml;hlich grinsend.<\/p>\n<p>  Kalessan erkannte, dass er um einen Einkauf in der n&auml;chstgelegenen Stadt<br \/>\n  mit zugeh&ouml;riger Beratung wohl nicht herumkommen w&uuml;rde &#8211; doch<br \/>\n  man kannte ihn in dieser Gegend und wusste genau, was f&uuml;r eine Kreatur<br \/>\n  er war, was wohl zu einer weiteren f&uuml;r ihn entsprechend peinlichen Situation<br \/>\n  f&uuml;hren w&uuml;rde.<br \/>\n  Nun war der Moment gekommen, an dem sich Kalessan ernsthaft fragte, warum er<br \/>\n  sich &uuml;berhaupt die M&uuml;he machte. Warum er diesen kleinen Winzling nicht<br \/>\n  einfach umbrachte und auffra&szlig;, wie er es mit so vielen vorher schon getan<br \/>\n  hatte. Und warum er seine Eltern nicht auch gleich beseitigte. Moralische Probleme<br \/>\n  sollte es ihm aufgrund seiner ethischen Einstellung gegen&uuml;ber der Menschheit<br \/>\n  doch eigentlich nicht bereiten!?<\/p>\n<p>  War es die offene Schuld gegen&uuml;ber Karlmax, der ihm schlie&szlig;lich mehrfach<br \/>\n  das Leben gerettet hatte?<br \/>\n  War es die Herausforderung, einmal Selbstbeherrschung und auch Verzichten unter<br \/>\n  Extrembedingungen zu &uuml;ben?<br \/>\n  Oder hatte ihm die Jahrtausende w&auml;hrende Einsamkeit und der Hass ganzer<br \/>\n  V&ouml;lker gegen seine Person doch mehr zugesetzt, als er eigentlich wahrhaben<br \/>\n  wollte?<br \/>\n  Eine genaue Antwort wusste er nicht &#8211; am Ende stand nur die Entscheidung:<\/p>\n<p>  &#8222;Ach, verdammt, na gut!&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Eine<br \/>\n  noch so unangenehme Aufgabe kann ertr&auml;glich werden, wenn man sie richtig<br \/>\n  angeht. Um also vegetarische Nahrungsmittel herbeizuschaffen, von denen er keine<br \/>\n  Ahnung hatte, stattete er der gr&ouml;&szlig;ten Stadt innerhalb seines Reviers<br \/>\n  einen Besuch ab und forderte bei einer schnell organisierten &ouml;ffentlichen<br \/>\n  Kundgebung ein Opfer der Bev&ouml;lkerung in Form von Lebensmitteln, welches<br \/>\n  ihm fortan w&ouml;chentlich in seine H&ouml;hle gebracht werden solle, zahlbar<br \/>\n  mit Abschlie&szlig;en jener Kundgebung.<br \/>\n  Kalessan hatte die menschliche Bev&ouml;lkerung in seiner Umgebung schon oft<br \/>\n  in Abst&auml;nden von ein paar menschlichen Generationen zu kleinen und gro&szlig;en<br \/>\n  Tributen aufgefordert. Zu weit trieb er es dabei jedoch nie, da es doch sehr<br \/>\n  unpraktisch sein kann, wenn einem das letzte verbleibende Nahrungsmittel einfach<br \/>\n  in Scharen wegl&auml;uft und man mit einer insgesamt eher &auml;rmlichen bis<br \/>\n  nicht vorhandenen Tierwelt in der n&auml;chsten Umgebung zur&uuml;ckgelassen<br \/>\n  wird.<\/p>\n<p>  Menschen lassen sich jedenfalls nicht lange bitten, wenn ein roter Drache auf<br \/>\n  ihrem Marktplatz landet und ihnen Forderungen unterbreitet &#8211; seien sie<br \/>\n  noch so seltsam und enthielten Dinge wie &#8222;vegetierende Lebensmittel&#8220;&#8230;<br \/>\n  Kurze Zeit sp&auml;ter flog Kalessan mit mehreren gro&szlig;en Beh&auml;ltern<br \/>\n  voller Getr&auml;nke und dieser Lebensmittel, die Menschen so gerne a&szlig;en,<br \/>\n  ein wenig stolz auf sich, weil er diese prek&auml;re Situation so clever gel&ouml;st<br \/>\n  hatte, zur&uuml;ck zu seiner H&ouml;hle im Wald.<\/p>\n<p>  Ein wenig verwundert dar&uuml;ber, dass Ninnel sich immer noch darin aufhielt<br \/>\n  (heimlich hatte er ja doch gehofft, dass der kleine Qu&auml;lgeist von selbst<br \/>\n  in den Wald laufen und von Kalessans Wolfshorde oder, besser noch, seinem alten<br \/>\n  Gehilfen, gefressen werden w&uuml;rde), pr&auml;sentierte er dem Jungen die<br \/>\n  Lebensmittel, die dieser zu Kalessans noch gr&ouml;&szlig;erer Verwunderung<br \/>\n  annahm und sogar a&szlig;, was aus der Sicht des Drachen durchaus als eine Verbesserung<br \/>\n  der Lage angesehen werden durfte.<br \/>\n  Jedoch waren anscheinend noch l&auml;ngst nicht alle Bed&uuml;rfnisse des kleinen<br \/>\n  Menschen als abgehakt zu betrachten. &Uuml;ber das eine wird weder in der Literatur<br \/>\n  noch in den Medien der unseren Welt gerne gesprochen, die gesamte Problematik<br \/>\n  dieses Bed&uuml;rfnisses sei jedoch mit Ninnels Satz &#8222;Ich muss mal Pipi!&#8220;<br \/>\n  und dem Antwortsatz von Kalessan &#8222;Du musst mal <em>was?<\/em>&#8220; zumindest<br \/>\n  einmal angeschnitten. Zusammenfassend sei berichtet, dass jene Situation auch<br \/>\n  die S&auml;tze &#8222;Ich muss mal gro&szlig;!&#8220; und &#8222;Kannst du mir<br \/>\n  mal abwischen?&#8220; beinhaltete, aber das geh&ouml;rt im Detail nun wirklich<br \/>\n  nicht hierher. Man sollte meinen, dass dies der ohnehin schon angeschlagenen<br \/>\n  Psyche Kalessans den Rest geben m&uuml;sse &#8211; doch ganz im Gegenteil, der<br \/>\n  Drache fand es eher interessant, dieses Grundbed&uuml;rfnis des menschlichen<br \/>\n  K&ouml;rpers n&auml;her zu beobachten, was ausnahmsweise mal Ninnel unangenehm<br \/>\n  war. <\/p>\n<p>  Das Interesse f&uuml;r menschlichen Stoffwechsel l&auml;sst sich am besten erkl&auml;ren,<br \/>\n  wenn man im Gegensatz dazu den eines Drachen mal n&auml;her betrachtet. Drachen<br \/>\n  k&ouml;nnen einen ungeheuer hohen Anteil der Nahrung, die sie aufnehmen, auch<br \/>\n  wirklich in Energie umsetzen &#8211; der geringe Prozentsatz an biologischem<br \/>\n  Abfall, der beim Verdauungsprozess &uuml;brig bleibt, wird &uuml;ber periphere<br \/>\n  Organe der Haut ausgeschieden, was jetzt nat&uuml;rlich h&ouml;chstens f&uuml;r<br \/>\n  einen Biologen von Interesse sein und von diesem wahrscheinlich auch noch aufs<br \/>\n  sch&auml;rfste wissenschaftlich zerpfl&uuml;ckt werden d&uuml;rfte. Dieser au&szlig;ergew&ouml;hnliche<br \/>\n  Metabolismus des Drachen soll jedenfalls so stark sein, dass er es ihnen erm&ouml;glicht,<br \/>\n  sogar Edelsteine zu schlucken und zu verdauen. Jeder Drache, der das einmal<br \/>\n  ausprobierte, merkte jedoch, dass diese Behauptung nur zu 50 % wahr ist. Er<br \/>\n  konnte den Stein schlucken und wurde nicht mal mehr zwingend krank, wiederholte<br \/>\n  diese Tat jedoch nicht wieder &#8211; probieren Sie doch mal, einen 40kar&auml;tigen<br \/>\n  Edelstein auszu<em>schwitzen<\/em>!<\/p>\n<p>  Um auf menschliche Bed&uuml;rfnisse zur&uuml;ck zu kommen &#8211; eines der<br \/>\n  f&uuml;r Kalessan vielleicht angenehmsten stand noch offen. Und auf dieses war<br \/>\n  er indirekt sogar vorbereitet&#8230;<br \/>\n  Es &auml;u&szlig;erte sich in einem ausgedehnten G&auml;hnen von Ninnel, einhergehend<br \/>\n  mit der Frage:<br \/>\n  &#8222;Wo soll ich denn schlafen, Onkel Kalessan?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Nenn mich nicht Onkel!&#8220;, zischte der Drache zur&uuml;ck, bewegte<br \/>\n  sich aber gleichzeitig in die hinteren Bereiche seiner H&ouml;hle &#8211; m&ouml;glichst<br \/>\n  weit weg von diesem kleinen Etwas, das die Frechheit besa&szlig;, ihn &#8222;Onkel&#8220;<br \/>\n  zu nennen, w&auml;hrend der Rest der Menschheit noch nicht mal mehr mit einem<br \/>\n  &#8222;durchlauchtigste Hochw&uuml;rden&#8220; durchkam &#8211; und in Richtung<br \/>\n  seiner pers&ouml;nlichen Schatzkammer. <\/p>\n<p>  Wie bei Drachen nun mal &uuml;blich hatte auch Kalessan im Laufe seines langen<br \/>\n  Lebens eine beachtliche Sammlung an Kostbarkeiten und Sch&auml;tzen zusammengetragen.<br \/>\n  Er war von seinen Reicht&uuml;mern nicht ganz so besessen wie sein mehr oder<br \/>\n  weniger verhasster Kollege Smahug, es reichte ihm also, sich lediglich ein paar<br \/>\n  Stunden t&auml;glich an dem reinen Schein und dem s&uuml;&szlig;en Klang des<br \/>\n  Goldes zu erg&ouml;tzen. In seiner Sammlung befand sich jedoch bereits ein mehrere<br \/>\n  Jahrhunderte altes, rustikales Himmelbett +3, welches nahezu ausschlie&szlig;lich<br \/>\n  aus Gold und Edelsteinen zu bestehen schien, dessen Vorh&auml;nge aus Seide<br \/>\n  und dessen Decke aus Samt gemacht war. <br \/>\n  Das Bett hatte er von einem Herrscher namens Futsch XIII. entwendet, der es<br \/>\n  anscheinend sehr lustig gefunden hatte, Kalessan mit einer ganzen Armee anzugreifen.<br \/>\n  Nicht mehr sehr lustig fand er sp&auml;ter, sein ganzes Reich in Flammen zu<br \/>\n  sehen und letztendlich Bekanntschaft mit dem Drachen selbst, beziehungsweise<br \/>\n  mit seinem Verdauungssystem zu schlie&szlig;en. Kalessan erfuhr an Ort und Stelle,<br \/>\n  dass Futsch XIII. aufgrund ernsthafter Schlafst&ouml;rungen das gesamte Verm&ouml;gen<br \/>\n  seiner L&auml;ndereien f&uuml;r die Anfertigung dieses speziellen Bettes ausgegeben<br \/>\n  hatte, was ihn angeblich wieder in Ruhe schlafen lie&szlig;. Dies erkl&auml;rte<br \/>\n  auch die vollkommene Abwesenheit jeglicher sonstigen Wertgegenst&auml;nde auf<br \/>\n  der Burg des Regenten, den Angriff seiner Armee auf Kalessan und dessen Reicht&uuml;mer<br \/>\n  sowie die milit&auml;rische St&auml;rke jener Armee, bestehend aus zehn invaliden<br \/>\n  Greisen, die Futsch XIII. nur noch aus Loyalit&auml;t zu dessen Vater dienten,<br \/>\n  welcher sich &uuml;brigens aus Scham &uuml;ber seinen eigenen Sohn selbst das<br \/>\n  Leben genommen hatte.<\/p>\n<p>  Das Bett war jedenfalls der einzige Gegenstand von Wert, den Kalessan h&auml;tte<br \/>\n  mitnehmen k&ouml;nnen, was er letztendlich dann auch getan hatte. Ninnel w&uuml;rde<br \/>\n  sehr bequem schlafen k&ouml;nnen.<br \/>\n  Die Vorstellung, dass der Junge inmitten seiner Reicht&uuml;mer schlafen w&uuml;rde,<br \/>\n  behagte Kalessan jedoch nicht so recht, daher blieb ihm wohl oder &uuml;bel<br \/>\n  nichts anderes &uuml;brig, als den Jungen mit ihm zusammen in seiner Hauptwohnh&ouml;hle<br \/>\n  schlafen zu lassen. In seiner menschlichen Gestalt brachte er das Bett in die<br \/>\n  gro&szlig;e H&ouml;hle zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>  Ninnel beobachtete Kalessan, als dieser das zu seiner momentanen Gr&ouml;&szlig;e<br \/>\n  &uuml;berproportional riesige, funkelnde Etwas an Bett hinter sich her schleifte<br \/>\n  und bekam handtellergro&szlig;e Augen.<br \/>\n  &#8222;Oah, ist das etwa mein Bett?&#8220;<br \/>\n  Sofort, als das Bett an Ort und Stelle &#8211; n&auml;mlich in der dunkelsten<br \/>\n  Ecke der H&ouml;hle, genau gegen&uuml;ber zu der, wo Kalessan selbst immer schlief<br \/>\n  &#8211; platziert war, sprang Ninnel auf die Matratze und h&uuml;pfte fr&ouml;hlich<br \/>\n  auf und ab, was von einem stetig lauter werdenden Quietschen der bereits etwas<br \/>\n  rustikaleren Federn begleitet wurde.<\/p>\n<p>  Mit Entsetzen beobachtete der Drache, wie sein sch&ouml;nes Bett langsam in<br \/>\n  Grund und Boden geh&uuml;pft wurde. Schnelle Ma&szlig;nahmen mussten ergriffen<br \/>\n  werden:<br \/>\n  &#8222;Wenn du dieses Bett kaputt machst&#8230; dann erz&auml;hle ich das deiner<br \/>\n  Mutter!&#8220;<br \/>\n  Das Quietschen verstoppte abrupt. Kalessan machte anscheinend ernsthafte Fortschritte<br \/>\n  in der Kontrolle dieses kleinen Qu&auml;lgeists. Die Gelegenheit nutzte er aus:<br \/>\n  &#8222;Und jetzt leg dich sofort hin und schlaf!&#8220;<\/p>\n<p>  Tats&auml;chlich verkroch sich Ninnel auch schon unter der Samtbettdecke.<br \/>\n  Doch gerade als Kalessan sich umdrehte und zu seiner eigenen Schlafst&auml;tte<br \/>\n  gehen wollte, ert&ouml;nte es hinter ihm:<br \/>\n  &#8222;Erz&auml;hlst du mir noch eine Gute-Nacht-Geschichte?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Eine was?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Eine Geschichte! Ansonsten kann ich immer so schlecht einschlafen.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Du willst eine langweilige Geschichte h&ouml;ren, von der du einschl&auml;fst?&#8220;,<br \/>\n  fragte der Drache ungl&auml;ubig.<br \/>\n  &#8222;Nein, einfach nur eine Geschichte&#8230; bitte!&#8220;, f&uuml;gte der kleine<br \/>\n  Junge mit Reh&auml;uglein hinzu.<br \/>\n  Drachen sind gute Geschichtenerz&auml;hler, und Kalessan machte da keine Ausnahme.<br \/>\n  Also lie&szlig; er sich nicht mehr lange bitten, setzte sich auf die Ecke vom<br \/>\n  Bett, die am weitesten von Ninnels Kopf entfernt war und begann seine Geschichte,<br \/>\n  die ihm f&uuml;r diesen Anlass angemessen erschien:<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8222;Es<br \/>\n  war einmal ein kleiner, roter Drache. Der konnte nicht verstehen, warum seine<br \/>\n  Br&uuml;der und Schwestern, seine Eltern, ja seine ganze Familie immer so gemein<br \/>\n  zu den Menschen war. Seine Verwandten sagten nur immer:<br \/>\n  &#8218;Von den Menschen halte dich fern, sie sind gemein und b&ouml;sartig und<br \/>\n  m&ouml;chten uns alle umbringen!&#8216;<br \/>\n  Doch der kleine Drache konnte das nicht verstehen. Deswegen hatte er auch keine<br \/>\n  Freunde unter den anderen Drachen und sie lachten ihn immer aus, wenn er bei<br \/>\n  ihnen mitspielen wollte.<br \/>\n  &#8218;Du kannst ja noch nicht mal Feuer speien!&#8216;, riefen sie.<br \/>\n  Also beschloss der kleine Drache eines Tages, in die Welt hinaus zu ziehen und<br \/>\n  sich selbst Freunde zu suchen. Er kam in einen Wald und in diesem Wald traf<br \/>\n  er auf den Hasen. Der kleine Drache fragte den Hasen:<\/p>\n<p>  &#8218;M&ouml;chtest du mein Freund sein?&#8216;<br \/>\n  Doch der Hase antwortete nur:<br \/>\n  &#8218;Ich, dein Freund? Was h&auml;tte ich von einer Freundschaft mit dir?<br \/>\n  Du bist doch viel zu gro&szlig;, um in meinen kleinen Bau zu passen und ich<br \/>\n  habe keine Fl&uuml;gel, um dich in deiner H&ouml;hle in den Bergen zu besuchen<br \/>\n  &#8211; nein danke!&#8216;<br \/>\n  Und der Hase verschwand wieder in seinem Bau und kam nicht mehr hinaus.<\/p>\n<p>  Da wanderte der kleine Drache weiter und traf auf den Fuchs: <br \/>\n  &#8218;Fuchs, m&ouml;chtest du mein Freund sein?&#8216;<br \/>\n  &#8218;Ich, dein Freund? Warum sollte ich dein Freund werden wollen? Du bist<br \/>\n  ein Gesch&ouml;pf der L&uuml;fte und ich lebe am Boden. So gro&szlig; wie du<br \/>\n  bist, w&uuml;rdest du mich hier im Wald auch nur beim Jagen behindern. Geh weg,<br \/>\n  ich brauche keinen Freund wie dich!&#8216;<br \/>\n  Der kleine Drache lief weiter durch den Wald und traf auf den alten B&auml;ren.<\/p>\n<p>  &#8218;B&auml;r, willst du vielleicht mein Freund werden?&#8216;<br \/>\n  &#8218;Ach, junger Drache, meine Knochen sind schon so alt und m&uuml;de, ich<br \/>\n  mache es wohl nicht mehr lange. Au&szlig;erdem beginnt jetzt bald der Winter<br \/>\n  und ich werde mich in meine H&ouml;hle zum Winterschlaf zur&uuml;ckziehen. Und<br \/>\n  in diese kleine H&ouml;hle passt du nie im Leben rein!&#8216;<br \/>\n  Da war der kleine Drache sehr traurig, und er lie&szlig; sich auf einer Lichtung<br \/>\n  nieder und weinte gar bitterlich. Da kamen auf einmal aus dem Wald seltsame<br \/>\n  Gestalten. Sie hatten weder Fell noch Schuppen, sondern nur komische, bunte<br \/>\n  Leiber und rosa K&ouml;pfe mit kleinen Haarb&uuml;scheln darauf.<\/p>\n<p>  &#8218;Das m&uuml;ssen Menschen sein!&#8216;, dachte sich der kleine Drache.<br \/>\n  Die Menschen umkreisten ihn und sahen ihn komisch an, da fragte sie der kleine<br \/>\n  Drache:<br \/>\n  &#8218;Hallo, ihr Menschen! Wollt ihr meine Freunde sein?&#8216;<br \/>\n  Einer der Menschen hatte einen kurzen, gl&auml;nzend silbernen Stab dabei. Mit<br \/>\n  diesem Stab piekte er den kleinen Drachen in die Seite.<br \/>\n  Der kleine Drache versp&uuml;rte auf einmal einen heftigen Schmerz, und als<br \/>\n  er sich umdrehte, floss dunkles, rotes Blut aus einer Wunde an seiner Seite.<\/p>\n<p>  Da wurde der kleine Drache sehr b&ouml;se, er nahm den Menschen der ihn gepiekt<br \/>\n  hatte und riss ihn in zwei Teile, sodass das Blut zu allen Seiten wegspritzte.<br \/>\n  Auf einmal zogen die anderen Menschen auch alle silberne, gl&auml;nzende St&auml;be<br \/>\n  und begannen, auf den kleinen Drachen loszugehen.<br \/>\n  Da wurde der kleine Drache noch viel w&uuml;tender, denn er hatte den Menschen<br \/>\n  ja gar nichts getan. Also schnellte sein Kopf vor und biss dem n&auml;chst besten<br \/>\n  Menschen in den Oberk&ouml;rper, nahm ihn hoch und sch&uuml;ttelte ihn solange,<br \/>\n  bis sein blutiger Unterleib abriss und weggeschleudert wurde. Angefacht durch<br \/>\n  den Geschmack des Blutes, hieb er mit seinen scharfen Krallen nach den kleinen<br \/>\n  Kreaturen links und rechts von ihm, und immer, wenn er sie traf, ert&ouml;nte<br \/>\n  ein matschiges Ger&auml;usch, und die K&ouml;rper der kleinen Menschen wurden<br \/>\n  zerfetzt.<\/p>\n<p>  Nach kurzer Zeit war der kleine Drache von entstellten, menschlichen K&ouml;rperteilen<br \/>\n  umgeben und von seinen scharfen Klauen und spitzen F&auml;ngen tropfte rotes<br \/>\n  Blut. Gerade zerquetschte der kleine Drache einen weiteren Menschen auf dem<br \/>\n  blutgetr&auml;nkten Boden, als die letzte der komischen, kleinen Kreaturen sich<br \/>\n  umdrehte, um zu fliehen.<br \/>\n  Da nahm der kleine Drache all seine Kraft zusammen und spie eine blaue Stichflamme,<br \/>\n  die den Menschen in seinen eigenen K&ouml;rpers&auml;ften langsam kochte.<br \/>\n  Der kleine Drache war sehr stolz auf sich und wollte seine neu entdeckte Kraft<br \/>\n  sofort ausprobieren. Er breitete seine Fl&uuml;gel aus und hob ab.<br \/>\n  Schon bald entdeckte er aus der Luft eine Ansammlung von komischen Holzgebilden,<br \/>\n  die oben mit Stroh bedeckt waren. &Uuml;berall um sie herum wuselten die kleinen<br \/>\n  Kreaturen, die man Menschen nannte. Das war genau das, wonach er gesucht hatte!<\/p>\n<p>  Der kleine Drache landete mitten zwischen den Holzdingern und setzte einige<br \/>\n  von ihnen mit einem m&auml;chtigen Feuerstrahl sofort in Brand. Das machte den<br \/>\n  kleinen Drachen unglaublich stolz &#8211; endlich hatte er etwas gefunden, womit<br \/>\n  er spielen konnte!<br \/>\n  Die Menschen versuchten nat&uuml;rlich sofort allesamt zu fliehen&#8230; doch sie<br \/>\n  w&uuml;rden meinem Zorn niemals entkommen!<br \/>\n  Ich spie Feuerwelle um Feuerwelle, und diese miesen, erb&auml;rmlichen Kreaturen<br \/>\n  vergingen allesamt in dem Flammenmeer, das ich entfachte. Oh, ich hatte Spa&szlig;<br \/>\n  daran, zuzusehen, wie ganze Familien umkamen, wie sie bei lebendigem Leibe verbrannten<br \/>\n  und wie sich mir einige verzweifelte Menschen mit ihren kleinen Werkzeugen entgegenstellten,<br \/>\n  nur um von mir zerfetzt zu werden&#8230;<\/p>\n<p>  Und dann war da dieser kleine Junge, der mich einfach nur anstarrte und sich<br \/>\n  kein bisschen r&uuml;hrte. Er starrte mich sogar immer noch an, r&uuml;hrte<br \/>\n  sich nicht und sagte kein Wort, als ich ihn aufnahm und dann langsam&#8230;&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Drachen<br \/>\n  sind zwar sehr gute Geschichtenerz&auml;hler, aber wahnsinnig schlechte P&auml;dagogen,<br \/>\n  zumindest nach menschlichen Ma&szlig;st&auml;ben.<br \/>\n  Denn auf einmal erreichten die Worte, die Kalessan aussprach, auch den mitdenkenden<br \/>\n  Teil seines Gehirns, und ihm wurde bewusst, was er da eigentlich redete.<br \/>\n  Schockiert wagte der Drache einen Blick in Ninnels Richtung, doch der kleine<br \/>\n  Junge war mit einem friedlichen L&auml;cheln auf dem Gesicht eingeschlafen.<\/p>\n<p>  Es h&auml;tte auch eine von Schrecken verzerrte Grimasse sein k&ouml;nnen &#8211;<br \/>\n  Kalessan hatte noch so seine Probleme mit dem Deuten menschlicher Gesichtsausdr&uuml;cke&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Am<br \/>\n  n&auml;chsten Morgen wachte Kalessan benommen und mit knurrendem Magen auf.<br \/>\n  Der Drache war niemals gerne &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum hungrig<br \/>\n  und machte sich auch sofort auf die Suche nach etwas Essbarem. Seltsamerweise<br \/>\n  wurde er noch in seiner Wohnh&ouml;hle f&uuml;ndig. Geistesabwesend steckte<br \/>\n  er sich den kleinen Leckerbissen in sein Maul und lutschte darauf herum, sich<br \/>\n  dar&uuml;ber wundernd, da er seine Nahrungsmittel doch sonst immer nur frisch<br \/>\n  bezog und nie einlagerte. Da ert&ouml;nten mit einem Mal die Alarmglocken der<br \/>\n  Erkenntnis in Kalessans Kopf und der Drache spie sein Beinahe-Fr&uuml;hst&uuml;ck<br \/>\n  schleunigst in seine Pranke, bevor es sich der vern&uuml;nftigere Teil seines<br \/>\n  Gehirns anders &uuml;berlegte.<\/p>\n<p>  Triefend vor draconischem Speichel sa&szlig; Ninnel in Kalessans Hand und sah<br \/>\n  den Drachen vorwurfsvoll an.<br \/>\n  &#8222;Erz&auml;hl mir nicht, dass dein Mund nicht stinkt!&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wolltest du mich gerade wirklich auffressen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; nein!&#8220;, suchte Kalessan fieberhaft nach einer Ausrede<br \/>\n  f&uuml;r seine morgendlichen Anlaufschwierigkeiten, &#8222;Ich wollte&#8230; dich<br \/>\n  nur waschen! Wir Drachen reinigen uns so, verstehst du?&#8220;<\/p>\n<p>  Ninnels Gesichtsausdruck sagte selbst Kalessan, dass er schon &uuml;ber eine<br \/>\n  normale W&auml;sche nicht sehr erfreut gewesen w&auml;re.<br \/>\n  &#8222;Ihr fresst euch gegenseitig auf, oder wascht ihr euch wirklich so?&#8220;,<br \/>\n  fragte der Junge.<br \/>\n  &#8222;Habe ich dich aufgefressen?&#8220;<br \/>\n  Ninnel &uuml;berlegte kurz:<\/p>\n<p>  &#8222;Nun&#8230; nein?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Also habe ich dich gewaschen, siehst du!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich f&uuml;hl mich aber gar nicht sauber!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Halt den Mund!&#8220;, entgegnete der Drache und setzte Ninnel wieder<br \/>\n  auf den Boden seiner H&ouml;hle, um sich Gedanken dar&uuml;ber zu machen, wo<br \/>\n  er jetzt etwas zu Essen herbekommen k&ouml;nnte, ohne den Jungen zur L&ouml;sung<br \/>\n  dieses Problems verwenden zu m&uuml;ssen. Einige Sekunden lang herrschte Stille,<br \/>\n  bis Ninnel das Schweigen unterbrach:<\/p>\n<p>  &#8222;Du, Onkel Kalessan?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja?&#8220;, antwortete der Drache entnervt.<br \/>\n  &#8222;Das war eine sch&ouml;ne Geschichte gestern Abend!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Halt den&#8230; oh&#8230; danke!&#8220;, sagte Kalessan, sichtlich &uuml;berrascht.<br \/>\n  &#8222;Warst du das in der Geschichte?&#8220;<\/p>\n<p>  Der Drache fuhr zusammen und giftete den Jungen an:<br \/>\n  &#8222;Wie weit hast du mitgeh&ouml;rt?&#8220;<br \/>\n  Ninnel zuckte mit den Schultern.<br \/>\n  Kalessan schnaubte, drehte sich von dem Kind weg und hielt es f&uuml;r besser,<br \/>\n  dessen Frage nicht zu beantworten, als schon die n&auml;chste kam:<br \/>\n  &#8222;Du, Onkel Kalessan?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ja?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Meine Kleider sind ganz nass, ich brauche neue!&#8220;<br \/>\n  Der Drache st&ouml;hnte auf. Wer hatte denn schon mal davon geh&ouml;rt, dass<br \/>\n  einem roten Drachen statt Jungfrauen zus&auml;tzlich zu vegetarischen Nahrungsmitteln<br \/>\n  sogar noch Kleider als Opfergaben dargebracht wurden? Er beschloss, wieder auf<br \/>\n  jene guten, alten Methoden zur&uuml;ckzugreifen, wenn er die ganze Sache hier<br \/>\n  hinter sich gebracht hatte &#8211; es galt, einen Ruf zu wahren!<br \/>\n  Wenigstens musste er beim Besorgen von Kleidung und Nahrungsmitteln nicht mit<br \/>\n  diesem Qu&auml;lgeist zusammen sein&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Als<br \/>\n  die folgenden Tage vergingen, pendelte sich eine gewisse Form der Beziehung<br \/>\n  zwischen Kalessan und Ninnel ein, die am ehesten mit der Beziehung zwischen<br \/>\n  Haustier und Herrchen zu vergleichen ist. Leider konnten sich beide Parteien<br \/>\n  nicht darauf einigen, welcher von ihnen denn nun das Haustier sei.<br \/>\n  Kalessan entdeckte, dass Ninnel durchaus zu ertragen war, wenn der Drache ihm<br \/>\n  Geschichten erz&auml;hlte. Und ein Wesen, das schon mehrere Millennien auf dem<br \/>\n  Buckel hat, kann so einiges an Geschichten erz&auml;hlen, wobei Kalessan jedoch<br \/>\n  darauf achtete, nicht mehr allzu pers&ouml;nlich in seinen Ausf&uuml;hrungen<br \/>\n  zu werden und wichtige Details &uuml;ber seine Rasse und sein Leben wohlweislich<br \/>\n  vorzuenthalten.<br \/>\n  Ninnel wurde einigerma&szlig;en ruhig gehalten, sein Nachschub an Versorgungsmitteln<br \/>\n  und Kleidung war gesichert und Kalessan begann, ein Interesse an dem Jungen<br \/>\n  zu entwickeln, das immerhin dem eines Insektenforschers gegen&uuml;ber einer<br \/>\n  Zecke gleicht, die sich an seinem K&ouml;rper festgesaugt hat.<br \/>\n  Es war eigentlich ein Zustand, der in dieser Form h&auml;tte beibehalten werden<br \/>\n  k&ouml;nnen, h&auml;tten sich nicht die Ereignisse der zweiten Woche auf einmal<br \/>\n  &uuml;berschlagen&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Kalessans<br \/>\n  Geruchsinn und Geh&ouml;r hatten ihm schon einige Zeit vorher die folgende Begegnung<br \/>\n  angek&uuml;ndigt, und normalerweise war er ein wenig Unterhaltung dieser Art<br \/>\n  nicht abgeneigt, dennoch h&auml;tte er es in diesen paar Wochen lieber vorgezogen,<br \/>\n  eine derartige Begegnung zu vermeiden. Sie wurde eingeleitet mit den Worten:<br \/>\n  &#8222;A-HA, &uuml;bles Echsenmonster, euer letztes St&uuml;ndlein geschlagen.<br \/>\n  Flehet um Gnade, und ich verspreche euch, bei meiner Ehre, dass ich es schnell<br \/>\n  machen werde!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Och n&ouml;, einer von denen!&#8220;, dachte sich Kalessan und nahm sich<br \/>\n  den Drachent&ouml;ter mal n&auml;her unter die Lupe. Wie zu erwarten war, trug<br \/>\n  er eine blendend strahlende und aufpolierte Ritterr&uuml;stung, die in goldenen<br \/>\n  Farben leuchtete und einen gleichfarbigen Helm, dessen Visier momentan hochgeklappt<br \/>\n  war und ein babypopoglattes Gesicht mit kantig geschnittenen Z&uuml;gen offenbarte.<br \/>\n  Die Berufung des Drachent&ouml;ters wurde noch von seiner langen Lanze sowie<br \/>\n  seinem Schild, auf dem ein Drache in einem durchgestrichenen, roten Kreis abgebildet<br \/>\n  war, unterst&uuml;tzt. <\/p>\n<p>  Das Pferd, auf dem er sa&szlig;, stand offensichtlich unter Drogen &#8211; ansonsten<br \/>\n  h&auml;tten auch keine 10 Pferde es in Kalessans H&ouml;hle bekommen, was ja<br \/>\n  sowieso schon ein Widerspruch in sich ist. Auf der anderen Seite w&uuml;rde<br \/>\n  ein unter Drogen stehendes Pferd dem Ritter wenig Nutzen im Kampf sein, es musste<br \/>\n  sich also um ein ausgebildetes, erfahrenes Tier handeln, dessen Angstschwei&szlig;<br \/>\n  Kalessan nichtsdestotrotz lieblich duftend in die Nase stieg &#8211; wer konnte<br \/>\n  es dem armen Tier ver&uuml;beln? Ein Reittier verr&auml;t h&auml;ufig eine Menge<br \/>\n  &uuml;ber seinen Reiter &#8211; bei jenem Ritter und seinem Ross handelte es<br \/>\n  sich also um ein eingespieltes, mit Drachen erfahrenes Team, was somit ein wenig<br \/>\n  vorsichtiger zu behandeln war als der ganze restliche Heldenschund.<\/p>\n<p>  Kalessan fand, dass es an der Zeit war, etwas zu sagen:<br \/>\n  &#8222;Oh, bitte nicht heute, k&ouml;nnten wir dieses Treffen nicht ein wenig<br \/>\n  verschieben? Seht ihr denn nicht, dass ich gerade damit besch&auml;ftigt bin,<br \/>\n  dem Kleinen hier eine Geschichte zu erz&auml;hlen?&#8220;<br \/>\n  Ninnel winkte dem Ritter grinsend zu. Dessen Augen weiteten sich vor Schrecken.<br \/>\n  &#8222;Ihr habt einen kleinen Jungen entf&uuml;hrt? Ihr garstiges Monster, daf&uuml;r<br \/>\n  werdet ihr noch heute in der H&ouml;lle schmoren! Seid unbesorgt, kleiner Junge,<br \/>\n  ich werde euch aus den Klauen dieses Drachen befreien!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Wollt ihr mal wissen, wie oft ich diesen Satz in genau demselben Wortlaut<br \/>\n  in meinem Leben schon geh&ouml;rt habe?&#8220;, erwiderte Kalessan, &#8222;Genau<br \/>\n  164mal, diese Begegnung hier mitgerechnet. Und genauso viele kleine Jungen wurden<br \/>\n  <em>nicht <\/em>aus meinen Klauen befreit, also, ihr d&uuml;rft euch jetzt entfernen<br \/>\n  &#8211; heute ist euer Gl&uuml;ckstag!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Faule Reden von gespaltenen Zungen! Ihr k&ouml;nnt mich mit eurer Prahlerei<br \/>\n  nicht &auml;ngstigen! Denn sehet: die Anti-Drachenlanze &#8211; sie hat noch<br \/>\n  jedem eurer Rasse, der sich mir in den Weg gestellt hat, den Garaus gemacht!<br \/>\n  Au&szlig;erdem bin ich in meinem Auftrag nicht alleine: Mein Gott Helmchen ist<br \/>\n  mit mir, er wird mich in diesem Kampf besch&uuml;tzen!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Boah, ein Kampf &#8211; wirst du gegen den Mann da k&auml;mpfen, Onkel<br \/>\n  Kalessan?&#8220;, rief Ninnel freudig aus.<br \/>\n  &#8222;Halt du dich da raus, Junge! H&ouml;rt mal, Ritter, ich will keinen &Auml;rger<br \/>\n  vor dem Kleinen hier. Also, wer hat euch angeheuert und wie hoch ist seine Bezahlung?<br \/>\n  Ich zahle euch das Doppelte!&#8220;, brachte Kalessan m&uuml;hsam hervor, mit<br \/>\n  dem Hintergedanken, sp&auml;ter von Karlmax das Dreifache zur&uuml;ck zu verlangen.<br \/>\n  &#8222;Ihr k&ouml;nnt das schmutzige Geld aus eurem Hort behalten, Drache, ich<br \/>\n  will es nicht! Ich arbeite f&uuml;r die Ehre, f&uuml;r Helmchen und momentan<br \/>\n  f&uuml;r die liebreizende Lady Syrop, die euren Kopf verlangt hat!&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessan seufzte &#8211; diese Konfrontation war also nur auf eine Art und Weise<br \/>\n  zu l&ouml;sen. Den Namen Syrop musste er sich wohl mal merken. Ein Exempel zu<br \/>\n  statuieren w&uuml;rde sicherlich eine spa&szlig;ige Aufgabe werden. Momentan<br \/>\n  erinnerte er sich jedoch an Karlmax&#8216; Bitte, seinen Sohn mit allzu schrecklichen<br \/>\n  Gewaltdarstellungen zu verschonen und wandte sich an den Jungen:<br \/>\n  &#8222;Pass auf, wir spielen mit diesem Herren hier jetzt mal eine Runde Verstecken,<br \/>\n  ja? Du drehst dich gleich um und z&auml;hlst laut bis&#8230; 48, dann darfst du<br \/>\n  den Ritter in dieser H&ouml;hle suchen gehen. Aber du darfst dich kein einziges<br \/>\n  Mal vorher umdrehen, egal was du von uns beiden h&ouml;ren solltest, ansonsten<br \/>\n  ist das ganze Spiel verdorben! Verstanden?&#8220;<br \/>\n  Ninnel nickte aufgeregt.<\/p>\n<p>  Dann sprach Kalessan erneut zum Ritter:<br \/>\n  &#8222;In Ordnung Ritter, wir beide sind bereit, es kann losgehen! Und im &Uuml;brigen<br \/>\n  werdet ihr nach n&auml;herer Untersuchung feststellen k&ouml;nnen, dass meine<br \/>\n  Zunge entgegen aller &ouml;ffentlichen Vorstellungen <em>nicht<\/em> gespalten<br \/>\n  ist.&#8220;<br \/>\n  Damit nickte er Ninnel zu, der sich umdrehte, die Augen zuhielt und mit dem<br \/>\n  Z&auml;hlen begann:<\/p>\n<p>  &#8222;1&#8230;&#8220;<br \/>\n  Gleichzeitig war der Kampfschrei des Ritters sowie das Wiehern seines Pferdes<br \/>\n  und lautes Hufgetrappel zu h&ouml;ren, dann das m&auml;chtige Rauschen eines<br \/>\n  gro&szlig;en, sich schnell bewegenden K&ouml;rpers, das Splittern von Holz,<br \/>\n  ein kurzes &#8222;BUH!&#8220; von einer tiefen, machtvollen Stimme, das erneute,<br \/>\n  diesmal von Angst erf&uuml;llte Aufwiehern des Pferdes, ein dumpfer Aufprall,<br \/>\n  sich rasch entfernendes Hufgetrappel.<br \/>\n  &#8222;Meine Lanze! Mein Pferd!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;20&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Na wartet &#8211; sehet: das Anti-Drachenschwert!&#8220;<br \/>\n  &#8222;24&#8230;&#8220;<br \/>\n  Das Ger&auml;usch schabenden Metalls, Fu&szlig;getrappel, von scharfen Gegenst&auml;nden<br \/>\n  durchschnittene Luft, das Bewegen des gro&szlig;en K&ouml;rpers, das St&ouml;hnen<br \/>\n  und die Rufe des Ritters, der Aufprall von Metall auf einen anderen, harten<br \/>\n  K&ouml;rper.<\/p>\n<p>  &#8222;Aber das Schwert&#8230; warum&#8230; warum wirkt es nicht?&#8220;<br \/>\n  &#8222;37&#8230;&#8220;<br \/>\n  Die blitzartige Bewegung einer gro&szlig;en Masse, ein kurzes *klong*, ein Aufst&ouml;hnen<br \/>\n  des Ritters, das lange Schliddern eines metallischen Gegenstands auf dem Boden.<br \/>\n  &#8222;Nein, nicht auch noch mein Schwert!&#8220;<br \/>\n  &#8222;43&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  Das kurze, unangenehme Ger&auml;usch von spitzen Gegenst&auml;nden auf glatter<br \/>\n  Metalloberfl&auml;che, ein erneuter, panischer Aufschrei des Ritters.<br \/>\n  &#8222;45&#8230;&#8220;<br \/>\n  Ein dumpfes Grollen, das Ger&auml;usch von etwas sehr gro&szlig;em, <em>sich<br \/>\n  &ouml;ffnendem<\/em>.<\/p>\n<p>  &#8222;46&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein, bitte, tut das n&#8230;&#8220;<br \/>\n  Die Stimme des Ritters wurde ged&auml;mpft.<br \/>\n  &#8222;47&#8230;&#8220;<br \/>\n  *GLUCK*<br \/>\n  &#8222;48&#8230; ICH KOMME!&#8220;<\/p>\n<p>  Ninnel machte die Augen auf und drehte sich um. In der H&ouml;hle stand Kalessan,<br \/>\n  als ob nichts geschehen w&auml;re und sah ihn nerv&ouml;s-freundlich an. Der<br \/>\n  Junge begann, die H&ouml;hle nach dem Ritter zu durchsuchen. Es dauerte allerdings<br \/>\n  nicht lange, bis er bemerkte, dass es in Kalessans Wohnraum keinerlei Nischen<br \/>\n  und &uuml;berhaupt jegliche Art von Versteck gab, au&szlig;er vielleicht unter<br \/>\n  Ninnels Bett, aber dort lag der Ritter auch nicht.<br \/>\n  &#8222;Hat er sich vielleicht in deiner Schatzkammer versteckt?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; nein!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und ist er vielleicht nach drau&szlig;en gegangen?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Nein!&#8220;<br \/>\n  Ninnel sah entt&auml;uscht aus.<br \/>\n  &#8222;Dann wei&szlig; ich auch nicht, wo er ist &#8211; kannst du mir nicht<br \/>\n  einen Tipp geben? Bittebittebitte!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Na gut, &auml;hm&#8230; ich habe&#8230; ihn weggezaubert, du kannst ihn gar nicht<br \/>\n  finden! War ein kleiner, fieser Scherz von mir, haha.&#8220;, sagte Kalessan.<\/p>\n<p>  Der Junge machte sofort gro&szlig;e Augen.<br \/>\n  &#8222;Boah, du hast ihn echt weggezaubert? An einen anderen Ort?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; in gewisser Weise, ja&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Kannst du mich auch mal wegzaubern? Bittebittebitte, Onkel Kalessan!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Das w&uuml;rde ich liebend gerne machen, aber ich f&uuml;rchte, deine<br \/>\n  Eltern h&auml;tten etwas dagegen.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Drache hasste es, wenn Ninnel mit seinen gro&szlig;en, flehenden Augen ihn<br \/>\n  so bittend anstarrte, gerade so als ob es ihm gefallen w&uuml;rde, das Schicksal<br \/>\n  jenes Ritters zu teilen&#8230; dass er die gleiche Blutgruppe wie sein Vater hatte,<br \/>\n  machte es f&uuml;r Kalessan auch nicht einfacher.<br \/>\n  &#8222;Kannst du dann den Ritter wieder herholen, ich will noch mal Verstecken<br \/>\n  spielen, diesmal aber ohne Wegzaubern!&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; ich f&uuml;rchte, dieser Ritter ist jetzt leider zu besch&auml;ftigt,<br \/>\n  um noch mit dir spielen zu k&ouml;nnen, tut mir leid.&#8220;, sagte Kalessan<br \/>\n  und r&uuml;lpste laut und volumin&ouml;s.<\/p>\n<p>  Das Kind setzte einen entr&uuml;steten Gesichtsausdruck auf:<br \/>\n  &#8222;Meine Mama hat gesagt, das geh&ouml;rt sich nicht!&#8220;<br \/>\n  Der Drache zog eine Augenbraue hoch:<br \/>\n  &#8222;Pah, das ist mal wieder typisch f&uuml;r eure Spezies, nur aus H&ouml;flichkeitsgr&uuml;nden<br \/>\n  ganz normale K&ouml;rperfunktionen zu unterdr&uuml;cken &#8211; wenn du so etwas<br \/>\n  unterdr&uuml;ckst, dann verleugnest du dich selbst, Kleiner!&#8220;<\/p>\n<p>  Er traf auf zwei gro&szlig;e Abgr&uuml;nde der Verst&auml;ndnislosigkeit in<br \/>\n  Form von Ninnels Augen.<br \/>\n  &#8222;Und wo ist das Pferd von dem Ritter?&#8220;, wechselte der Junge schnell<br \/>\n  wieder das Thema.<br \/>\n  Kalessan dachte an sein privates Wolfsrudel im nahe liegenden Wald, das mittlerweile<br \/>\n  ziemlich ausgehungert sein d&uuml;rfte.<br \/>\n  &#8222;Auch weggezaubert.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Och menno, das ist doof, keiner will mit mir spielen!&#8220;, entgegnete<br \/>\n  Ninnel entt&auml;uscht und trat einen kleinen Stein auf dem Boden weg. Sein<br \/>\n  Blick hellte sich jedoch sofort auf, als der Stein beim Aufprall ein kleines<br \/>\n  *klonk* von sich gab und er das Schwert des Ritters in der H&ouml;hle liegen<br \/>\n  sah. Sofort rannte er hin, hob die Waffe unter Aufbietung aller seiner Kr&auml;fte<br \/>\n  auf und richtete sie auf Kalessans Brust.<br \/>\n  &#8222;Ha HA, sieh mal, ich bin ein gef&auml;hrlicher Drachent&ouml;ter!&#8220;,<br \/>\n  rief er freudig aus.<br \/>\n  Kalessan verdrehte die Augen.<br \/>\n  &#8222;F&uuml;hr mich nicht in Versuchung, dich doch noch wegzuzaubern, ja?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;H&auml;?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Gib mir einfach die Waffe, jemand wie du sollte nicht mit so etwas herumspielen.&#8220;,<br \/>\n  seufzte der Drache und nahm Ninnel das Schwert weg, was dieser mit einem beleidigt-entt&auml;uschten<br \/>\n  Blick quittierte. Gl&uuml;cklicherweise wusste er es besser, als jetzt mit einem<br \/>\n  gro&szlig;en Heul- und Schreikrampf anzufangen. Stattdessen fragte er:<br \/>\n  &#8222;Kannst du mir vielleicht beibringen, wie man mit einem Schwert k&auml;mpft?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich k&ouml;nnte es vielleicht, aber ich w&uuml;rde es selbst dann nicht<br \/>\n  tun, wenn ich die Erlaubnis von deinem Vater h&auml;tte. Denn wie du siehst,<br \/>\n  bin ich ein gro&szlig;er, Furcht einfl&ouml;&szlig;ender Drache und habe nicht<br \/>\n  die allergeringste Lust, noch so einen M&ouml;chtegern-Drachent&ouml;ter heranzuz&uuml;chten,<br \/>\n  der nach meinem Blut lechzt und nach dem Kampf mit mir eh nur winselnd und &auml;ngstlich<br \/>\n  am Boden kriecht.&#8220; <\/p>\n<p>  Ninnel reckte trotzig das Kinn in die H&ouml;he.<br \/>\n  &#8222;Ich werde mal Drachent&ouml;ter, wenn ich gro&szlig; bin &#8211; dann<br \/>\n  musst du vor mir Angst haben und mir gehorchen und vor mir auf dem Boden kriechen!<br \/>\n  Dann kann ich machen, was ich will. Und dann habe ich ein eigenes Schwert!&#8220;<br \/>\n  Kalessan hatte schon bef&uuml;rchtet, dass er so etwas sagen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>  &#8222;Meinetwegen. Wenn du mal gro&szlig; bist und das hier immer noch nicht<br \/>\n  verdaut haben solltest &#8211; ich warte auf dich! F&uuml;r heute gibt es jedenfalls<br \/>\n  keine Geschichten mehr &#8211; du kannst ja mal dar&uuml;ber nachdenken, wie<br \/>\n  wichtig es wirklich f&uuml;r dich ist, ein Drachent&ouml;ter zu werden!&#8220;<br \/>\n  Mit diesen Worten wendete er sich von dem Kind ab, legte die Klinge zu den Aberhunderten<br \/>\n  anderer Anti-Drachenschwerter in seiner Schatzkammer und versiegelte den Raum<br \/>\n  wieder.<br \/>\n  Ninnel w&uuml;rde heute unausstehlich werden&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein<br \/>\n  jeder kennt diese Tage, an denen einem hintereinander nur grauenhafte Dinge<br \/>\n  passieren und man sich so vorkommt, als ob ein riesengro&szlig;er Hammer der<br \/>\n  Negativit&auml;t einen langsam und St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck in die Wand<br \/>\n  der vollkommenen Verzweiflung nageln w&uuml;rde. Kurzum, es scheint so, als<br \/>\n  h&auml;tten sich s&auml;mtliche G&ouml;tter gegen einen verschworen.<br \/>\n  Kalessan kannte die G&ouml;tter&#8230; mit einigen von ihnen traf er sich sogar<br \/>\n  mehr oder weniger regelm&auml;&szlig;ig zu einem kleinen Plausch. Ihnen schob<br \/>\n  er also nicht die Schuld in die Schuhe f&uuml;r einen dieser Tage, der in diesem<br \/>\n  Fall schon mit einem besonders miesen Traum begann:<\/p>\n<p>  Ein alter Mann sa&szlig; inmitten von zwei Dutzend schreienden Kindern und l&auml;chelte<br \/>\n  sie an, w&auml;hrend sie fr&ouml;hlich kreischten und in die H&auml;nde klatschten.<br \/>\n  &#8222;Oh bitte, erz&auml;hle uns noch eine Geschichte!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja, erz&auml;hl uns noch eine Geschichte!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Oh ja, bittebittebitte!&#8220;, t&ouml;nte es von allen Seiten her.<br \/>\n  Der alte Mann lachte laut auf und strahlte die Kinder ringsum nur noch freundlicher<br \/>\n  grinsend an.<br \/>\n  &#8222;Aber nat&uuml;rlich, ihr kleinen Racker. Also, passt auf: Es war einmal<br \/>\n  ein kleiner, roter Drache&#8230;&#8220;<br \/>\n  Die Kinder unterbrachen ihn im Chor:<br \/>\n  &#8222;Die Geschichte, wie du von den Menschen grundlos angegriffen wurdest<br \/>\n  und ihr Dorf vernichtet hast, kennen wir aber schon!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Genau, erz&auml;hl lieber noch mal die Geschichte, wie die Menschen deine<br \/>\n  Partnerin und alle deine Jungen umgebracht haben!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja, genau! Bitte, Onkel Kalessan!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja, bitte, Onkel Kalessan!&#8220;<br \/>\n  Onkel Kalessan&#8230;<br \/>\n  Onkel Kalessan&#8230;<br \/>\n  Kalessan&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8222;Onkel<br \/>\n  Kalessan?&#8220;<br \/>\n  Der Drache schreckte hoch. Die zwei Dutzend Kinder verschmolzen zu einem einzigen,<br \/>\n  das direkt vor Kalessans Schnauze stand.<br \/>\n  &#8222;Wasch?&#8220;, murmelte der Drache, vom alleinigen Anblick des Qu&auml;lgeistes<br \/>\n  schon vollkommen entnervt.<br \/>\n  &#8222;Du hattest einen Albtraum und warst sehr laut.&#8220;, sagte Ninnel,<br \/>\n  der anscheinend ebenfalls unfreiwillig geweckt wurde und noch seinen ihm viel<br \/>\n  zu gro&szlig;en, anscheinend s&uuml;ndhaft teuren Schlafanzug trug, den Kalessan<br \/>\n  als &#8222;Geschenk&#8220; aus einer der umliegenden St&auml;dte erhalten hatte.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh&#8230; Habe ich irgendwas verd&auml;chtiges gesagt, wovon du nichts erfahren<br \/>\n  solltest?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein, du hast mich nur geweckt.&#8220;, erwiderte der Junge vorwurfsvoll.<br \/>\n  &#8222;Na dann ist ja alles in Ordnung.&#8220;, entgegnete Kalessan und g&auml;hnte<br \/>\n  herzhaft.<br \/>\n  Ninnel hielt sich die Nase zu und starrte in den Schlund seines Aufpassers.<br \/>\n  &#8222;Du hast da lauter Stofffetzen zwischen den Z&auml;hnen!&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessan schloss seine Kiefer hastig.<br \/>\n  &#8222;Oh&#8230; &auml;hm&#8230; wo kommen die denn her?&#8220;<br \/>\n  So langsam hatte der Drache es satt, seine Vorlieben f&uuml;r fleischliche Gen&uuml;sse<br \/>\n  vor dem Jungen geheim zu halten.<br \/>\n  &#8222;Hast du etwa einen Menschen aufgefressen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;JA, DAS HABE ICH!&#8220;<\/p>\n<p>  So, jetzt war es raus&#8230; eine ehrliche Frage, eine ehrliche Antwort&#8230; da konnte<br \/>\n  er genauso gut weitermachen:<br \/>\n  &#8222;Ich habe schon hunderte Menschen gefressen, ach was, tausende, sogar<br \/>\n  so kleine Gr&uuml;nschn&auml;bel wie dich &#8211; und ich habe dabei nicht mal<br \/>\n  mehr mit der Wimper gezuckt, sondern genossen, wie sie geschrieen und gebettelt<br \/>\n  und gezappelt haben und wie ihre Knochen zwischen meinen Z&auml;hnen knackten.<br \/>\n  Ich mag den Geschmack ihres Fleisches, ihres Blutes und ihre kleinen unbehaarten<br \/>\n  K&ouml;rper, die einem nicht so schwer im Magen liegen wie das ganze andere<br \/>\n  Gewusel auf diesem verdammten Planeten. Na, wirst du nun winselnd auf dem Boden<br \/>\n  kriechen, weil du jetzt wei&szlig;t, dass ich ein &uuml;bler, gewaltt&auml;tiger<br \/>\n  Menschenfresser bin?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Kommt drauf an: Wirst du mich jetzt auch fressen?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;So sehr ich deine kriecherische Rasse und vor allem anderen <em>dich<\/em><br \/>\n  verachte &#8211; nein! Ich habe deinem Vater etwas versprochen und ziehe das<br \/>\n  jetzt auch durch.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Na dann ist ja alles in Ordnung!&#8220;, erwiderte Ninnel fr&ouml;hlich<br \/>\n  und l&ouml;ste seinerseits fast einen Schockzustand bei Kalessan aus.<br \/>\n  &#8222;Was soll das hei&szlig;en&#8230; ich habe dir gerade er&ouml;ffnet, dass<br \/>\n  ich schon unz&auml;hlige Menschen umgebracht habe und du hast immer noch keine<br \/>\n  Angst vor mir?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Nun, von irgendwas musst du ja leben&#8230; au&szlig;erdem hast du gerade<br \/>\n  auch gesagt, dass du mich nicht fressen wirst, warum sollte ich also Angst haben?&#8220;<br \/>\n  <em>Weil ich dich auf hunderte andere Arten umbringen k&ouml;nnte!<\/em>, dachte<br \/>\n  sich der Drache, sprach diesen Gedanken aber nicht laut aus, sondern starrte<br \/>\n  nur verbl&uuml;fft auf den kleinen Jungen, der sich unbesorgt von ihm abwandte<br \/>\n  und mit anderen Dingen besch&auml;ftigte.<br \/>\n  Dies war wohl die ber&uuml;hmte Unbeschwertheit eines Kleinkindes&#8230;<br \/>\n  W&auml;re die Welt doch nur so simpel!<\/p>\n<p>  Nun, anscheinend w&uuml;rde sich der Drache in seinen Eigenarten jetzt doch<br \/>\n  nicht so drastisch zur&uuml;ckhalten m&uuml;ssen, wie er es die ganze zur&uuml;ck<br \/>\n  liegende Zeit zu Ninnels Anwesenheit in seiner Behausung getan hatte&#8230; es sah<br \/>\n  so aus, als w&uuml;rde der folgende Tag doch gar nicht so schlecht werden.<br \/>\n  Doch wie sch&ouml;n w&auml;re das gewesen&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Die<br \/>\n  seltsamsten Ereignisketten werden manchmal durch die unpassensten S&auml;tze<br \/>\n  begonnen. In diesem Fall lautete der Satz: &#8222;Lieferung f&uuml;r Kalessan!&#8220;<\/p>\n<p>  Dies war zun&auml;chst nicht verwunderlich, da an jenem unheilvollen Tag genau<br \/>\n  eine Woche vergangen war, seitdem der Drache auch Doofdorf, eine weitere Siedlung<br \/>\n  in seiner Umgebung, freundlich dazu gebeten hatte, ihm w&ouml;chentlich Opfergaben<br \/>\n  zu bringen. So viel Freundlichkeit kann kein Dorf widerstehen, von daher kam<br \/>\n  die Lieferung der verlangten Nahrungsmittel auch &auml;u&szlig;erst rechtzeitig.<br \/>\n  &#8222;Stellt das Zeug einfach irgendwo hier hin, meidet dabei die Pf&uuml;tzen<br \/>\n  und haut dann wieder ab, ja?&#8220;<br \/>\n  Kalessan sah sich die beiden Herren, die die bunt geschm&uuml;ckten K&ouml;rbe<br \/>\n  voll vegetierender Nahrungsmittel mitbrachten, genau an. Normalerweise wurde<br \/>\n  diese Aufgabe von unbeliebten, dreckigen und vor allem entbehrlichen Dorftrotteln<br \/>\n  erledigt, diese beiden schienen jedoch recht kr&auml;ftig zu sein. Au&szlig;erdem<br \/>\n  hatten sie beide exakt die gleiche, uniform&auml;hnliche Kleidung an, auf die<br \/>\n  gro&szlig; die Buchstaben &#8222;LL&#8220; aufgestickt waren. Kalessan ging<br \/>\n  im Kopf schnell alle bekannten Wappen von Rittern und Drachent&ouml;tern durch<br \/>\n  und untersuchte die Menschen auf Anzeichen von alten Drachent&ouml;tertricks.<br \/>\n  Als er nicht f&uuml;ndig wurde, fragte er nach:<\/p>\n<p>  &#8222;Wof&uuml;r steht das &#8218;LL&#8216; auf eurer Kleidung?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wat? Oh, dat steht f&uuml;r &#8218;Lennys Lieferungen&#8216;, Zustelldienst<br \/>\n  alla ersta J&uuml;te, zu Diensten!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Oh toll, freut mich&#8230; ihr d&uuml;rft euch dann jetzt verpissen!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Eenen Moment noch, Meesta, wat solln wa&#8217;n mit der Jungfroo da machn?&#8220;,<br \/>\n  erkundigte sich der Zusteller.<\/p>\n<p>  Erst jetzt bemerkte Kalessan die an einen Holzpfahl gefesselte Frau, die von<br \/>\n  einem dritten Zusteller auf einem kleinen, rollbaren Gef&auml;hrt herein geschoben<br \/>\n  wurde. Angesichts des offensichtlichen Alters der Frau von &uuml;ber 50 Jahren<br \/>\n  h&auml;tte die Bezeichnung <em>Jung<\/em>frau jedoch unzutreffender nicht sein<br \/>\n  k&ouml;nnen.<br \/>\n  &#8222;Was soll das werden, ich habe gar keine Jungfrau bestellt. Und schon<br \/>\n  gar nicht so eine alte Schrulle wie die da!&#8220;, emp&ouml;rte sich Kalessan<br \/>\n  bei dem obersten Zusteller.<br \/>\n  &#8222;Hey, das habe ich geh&ouml;rt, Sch&auml;tzchen!&#8220;, rief die Jungfrau<br \/>\n  aus.<\/p>\n<p>  &#8222;Ick hab ooch nur meene Anweisungen, weeste, und ick wees ooch nich, wat<br \/>\n  ick mit so ner alten Schraube anfangen soll. Also, wohin mit dem Teil?&#8220;<br \/>\n  Kalessan hatte absolut keine Lust, sich jetzt mit einem derartig grauenhaften<br \/>\n  Akzent weiterhin auseinanderzusetzen und entgegnete:<br \/>\n  &#8222;Na gut, na gut, stellt sie da dr&uuml;ben ab.&#8220;<br \/>\n  Der Zusteller tat, wie ihm gehei&szlig;en ward. Damit war anscheinend schon<br \/>\n  alles in der H&ouml;hle abgeliefert, was die drei Herren dabei hatten. Dennoch<br \/>\n  schienen sie noch nicht zu beabsichtigen, Kalessans Behausung zu verlassen.<br \/>\n  &#8222;Jut, dat macht dann Eensfuffzich Bearbeitungsjeb&uuml;hr biddesehr.&#8220;,<br \/>\n  lie&szlig; sich der oberste Zusteller vernehmen.<\/p>\n<p>  &#8222;Bitte, was?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Na, wir machen unsre Arbeit ja ooch nich umsonst, wa?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja toll, aber von mir werdet ihr kein Geld bekommen, also haut ab!&#8220;,<br \/>\n  giftete Kalessan die Menschen an.<br \/>\n  &#8222;Was wollen die M&auml;nner da von dir?&#8220;, fragte der anscheinend<br \/>\n  gerade erneut aus seinem Bett gekrochene Ninnel.<br \/>\n  &#8222;Gar nichts wollen die. Gar nichts bekommen die!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Jetz h&ouml;r mal zu, Meesta, so wie ick det sehe, is dat hier ne bereits<br \/>\n  bezahlte Nachnahmebestellung, in der aber noch nich die Bearbeitungsjeb&uuml;hr<br \/>\n  f&uuml;r unser Unternehmen enthalten war, und ick werd diese H&ouml;hle hier<br \/>\n  nich verlassen, bis ick die ausjezahlt bekommen hab, klar? Wennde willst, kannste<br \/>\n  det Finanzielle ja jerne mit den Absendan rejeln, ick will jetz jedenfall meen<br \/>\n  Jeld habn!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Sag mal, ist dir eigentlich klar, was du hier vor dir hast und mit wem<br \/>\n  du so unverfroren sprichst?&#8220;, zischte der Drache.<br \/>\n  &#8222;Du kannst mir nat&uuml;rlich jerne drohen, aber ick sach dir, mit den<br \/>\n  Jewerkschaften willste dir ooch nich anlejen! Und vor dem Kleenen da willste<br \/>\n  uns doch sicherlich n&uuml;scht antun, nich oder?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ha, jetzt hat er dich aber dran bekommen, Sch&auml;tzchen!&#8220;, warf<br \/>\n  die Jungfrau ein.<\/p>\n<p>  &#8222;Du da dr&uuml;ben h&auml;ltst mal brav die Klappe, ja?&#8220;<br \/>\n  Eine Stimme ert&ouml;nte:<br \/>\n  &#8222;A-HA, &uuml;bles Echsenmonster, so habe ich euch doch noch gefunden.<br \/>\n  Nun hat euer letztes St&uuml;ndlein geschlagen!&#8220;<br \/>\n  <em>Oh nein!<\/em>, dachte sich Kalessan, als der dazu passende Ritter, der ein<br \/>\n  Zwilling zu dem letzten Eindringling h&auml;tte sein k&ouml;nnen, seine H&ouml;hle<br \/>\n  betrat.<\/p>\n<p>  &#8222;Und was muss ich da sehen! Ihr sch&auml;ndliches Untier haltet eine holde&#8230;<br \/>\n  Jungfrau?&#8230; &auml;hm&#8230; gefangen und dazu noch&#8230; drei Lieferanten von &#8218;Lennys<br \/>\n  Lieferungen&#8217;&#8230;?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Oh, schau mal, Onkel Kalessan, noch ein Ritter zum Webzaubern!&#8220;,<br \/>\n  rief Ninnel freudig aus.<br \/>\n  Der Drachent&ouml;ter keuchte, schien aber angesichts dieser wirklichen Greueltat<br \/>\n  seine Fassung wieder zu gewinnen:<br \/>\n  &#8222;Ihr habt einen kleinen Jungen entf&uuml;hrt? Ihr garstiges Monster, daf&uuml;r<br \/>\n  werdet ihr noch heute in der H&ouml;lle schmoren! Seid unbesorgt, kleiner Junge,<br \/>\n  ich werde euch aus den Klauen dieses Drachen befreien!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;165&#8230;&#8220;, dachte sich der Drache.<br \/>\n  &#8222;Die edle Lady Syrop hat also richtig daran getan, mich mit dieser Aufgabe<br \/>\n  zu betreuen!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wer zur H&ouml;lle ist diese Lady Syrop eigentlich?&#8220;, unterbrach<br \/>\n  Kalessan den Drachent&ouml;ter verwirrt.<br \/>\n  &#8222;Das tut jetzt nichts zur Sache, ihr solltet nur ihren Namen wissen, bevor<br \/>\n  ich euch umbringe!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ey, aber erst will ick meen Jeld haben, damit dat klar is, ja?&#8220;<\/p>\n<p>  Ein weiterer Mensch betrat die H&ouml;hle:<br \/>\n  &#8222;Boah, ein Drache!&#8220;<br \/>\n  Der Kleidung nach zu urteilen, schien es sich um einen jungen Mann aus einer<br \/>\n  anderen Dimension zu handeln &#8211; ganz genau das, was Kalessan jetzt noch<br \/>\n  brauchte!<br \/>\n  &#8222;Wow, ein Drache wird mich auf meine Weltenrettermission schicken, das<br \/>\n  ist ja so cool!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Aber ich war zuerst da, Fremder aus einer anderen Dimension, von daher<br \/>\n  werde ich ihn umbringen, bevor er euch auf so eine unheilige Mission schicken<br \/>\n  kann!&#8220;, erwiderte der Drachent&ouml;ter.<\/p>\n<p>  &#8222;Und was soll ich dann hier?&#8220;, fragte der Reisende.<br \/>\n  &#8222;Hey, ich habe meine besten Kleider extra f&uuml;r diesen Anlass angezogen,<br \/>\n  und ich bin nicht einfach nur zum Spa&szlig; hierher gekommen!&#8220;, rief<br \/>\n  die Jungfrau dazwischen, deren Kleidung sich bei genauerem Betrachten als bemerkenswert<br \/>\n  sch&auml;big entpuppte.<br \/>\n  &#8222;Jenau, und wat is dann mit meenem Jeld, wie soll ick dat dann bitte bekommen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja, und was ist mit <em>meinem<\/em> Geld?&#8220;, erkundigte sich die<br \/>\n  n&auml;chste Gestalt, die die H&ouml;hle betrat und sich als der alte Angestellte<br \/>\n  aus Kalessans Wald entpuppte, der offensichtlich sein Gehalt einfordern wollte.<\/p>\n<p>  Kalessans Augen zuckten nerv&ouml;s von einem Menschen dieser kleinen Ansammlung<br \/>\n  in seiner H&ouml;hle zum anderen &#8211; sein rechtes Augenlid begann, unkontrolliert<br \/>\n  zu zittern.<br \/>\n  &#8222;Oh, ihr seid doch der alte Mann, der mich hier hereingeschickt hat!&#8220;,<br \/>\n  sagte der transdimensional Reisende zum Alten.<br \/>\n  &#8222;Hmja, ich sehe schon, der Drache hatte anscheinend noch keine M&ouml;glichkeit,<br \/>\n  sich mit euch zu&#8230; besch&auml;ftigen&#8230; nun, sieht so aus, als m&uuml;sste<br \/>\n  er mir zuerst meine Bezahlung geben, ansonsten geschieht hier gar nichts!&#8220;,<br \/>\n  gab dieser zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh, er bezahlt euch daf&uuml;r, dass ihr Leute zu ihm schickt? Warum<br \/>\n  denn?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; vergesst es!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Du, Onkel Kalessan, was wollen die denn alle hier?&#8220;<br \/>\n  Kalessans linkes Augenlid begann nun ebenfalls zu zucken.<br \/>\n  &#8222;Kommen wir jetzt langsam mal voran? Ich habe heute noch zwei Duelle zu<br \/>\n  bestreiten und eine b&ouml;sartige R&auml;uberbande auszul&ouml;schen, mein<br \/>\n  Terminkalender l&auml;sst keinen Platz f&uuml;r Versp&auml;tungen!&#8220;, machte<br \/>\n  sich der Ritter lautstark kund.<\/p>\n<p>  &#8222;Und wir ham heute ooch noch die eene oder andre Lieferung zu machen,<br \/>\n  n&auml;ch?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich werde langsam steif an diesem ollen Pfahl hier!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich kann es kaum erwarten, diese Welt vor dem B&ouml;sen zu retten!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und ich kann es kaum erwarten, endlich mal wieder meine wohlverdiente<br \/>\n  Bezahlung zu bekommen!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Du, Onkel Kalessan, ich habe Hunger!&#8220;<\/p>\n<p>  Alle Blicke richteten sich erwartungsvoll auf den Drachen, dessen ganzer Kopf<br \/>\n  nun sichtbar vibrierte.<br \/>\n  Kalessans Ausbruch traf sie schnell, hart und vor allem unerwartet.<\/p>\n<p align=\"justify\">In<br \/>\n  einem Ausbruch verzweifelter Gutm&uuml;tigkeit zahlte er den Alten und die Lieferanten<br \/>\n  aus, vereinbarte einen neuen Termin mit dem Drachent&ouml;ter<br \/>\n  (&#8222;Und was ist, wenn ihr eure Gefangenen in diesem Zeitraum umbringt? Das<br \/>\n  kann ich nicht zulassen!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Aber dann f&auml;llt eure Rache doch nur umso schrecklicher aus, nicht<br \/>\n  wahr?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Oh ja &#8211; also wagt es nicht, Echse!&#8220;)<br \/>\n  und schickte den Fremden aus der anderen Dimension auf eine Reise. Doch diesmal<br \/>\n  war es ausnahmsweise nicht die Reise in Kalessans Magen, sondern wirklich in<br \/>\n  einen anderen Teil des Kontinents:<br \/>\n  &#8222;Also passt auf, ihr nehmt diesen Brief hier und &uuml;bergebt ihm einem<br \/>\n  anderen Vertreter meiner Art namens Morkulebus dem Schwarzen. Ihr findet ihn<br \/>\n  in den finsteren S&uuml;mpfen des Schwarzen Todes.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Boah, das h&ouml;rt sich voll cool an! Und was muss ich dann machen?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Morkulebus wird wissen, was mit euch zu tun ist &#8211; nur d&uuml;rft<br \/>\n  ihr diese wichtige Botschaft niemals verlieren und niemand au&szlig;er Morkulebus<br \/>\n  darf sie lesen, nicht einmal ihr selbst!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Aha, und wo sind diese finsteren S&uuml;mpfe des Schwarzen Todes?&#8220;,<br \/>\n  fragte der Reisende.<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; das herauszufinden ist Bestandteil deiner gefahrvollen Reise.<br \/>\n  Ich kann dir nur die T&uuml;r zeigen, hindurchgehen musst du selbst &#8211;<br \/>\n  sie ist da dr&uuml;ben, und jetzt hau ab!&#8220;, fuhr Kalessan ihn mit den<br \/>\n  letzten Worten an.<\/p>\n<p>  Der Fremde lie&szlig; sich ein letztes &#8222;Cool!&#8220; vernehmen, packte<br \/>\n  den Brief stolz in seine Hosentasche und machte sich frohen Gem&uuml;ts auf<br \/>\n  seine gefahrvolle Reise in die finsteren S&uuml;mpfe des Schwarzen Todes.<br \/>\n  Den Gro&szlig;teil der ungewollten Besucher war Kalessan damit los. So blieb<br \/>\n  nur noch eine Person &uuml;brig:<br \/>\n  &#8222;Finde ich ja ganz toll, wie du die alle abgewimmelt hast, Sch&auml;tzchen.<br \/>\n  Kannst du dich jetzt vielleicht auch mal um mich k&uuml;mmern, ist nicht gerade<br \/>\n  sehr angenehm, wenn man so lange auf seinen Tod warten muss.&#8220;, sagte die<br \/>\n  Jungfrau mit ihrer heiseren, rauchigen Stimme.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh, wirst du sie jetzt fressen, Kalessan?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Sei ruhig, Ninnel! Und du da kannst mir nicht wirklich verklickern, dass<br \/>\n  du noch eine Jungfrau bist.&#8220;, richtete sich der Drache an die immer noch<br \/>\n  an ihren Holzpfahl angebundene, angebliche Jungfrau.<br \/>\n  &#8222;Bin noch so frisch wie am ersten Tag, Sch&auml;tzchen. Rein und unversehrt,<br \/>\n  zart und schmackhaft.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Deine Opferbereitschaft ist wirklich hinrei&szlig;end. Du hast nicht<br \/>\n  zuf&auml;llig s&auml;mtliche Taschen mit Kalk vollgestopft, der sich in meinem<br \/>\n  Magen ausdehnen und mich verrecken lassen sollen?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;&Auml;hm&#8230; nein?&#8220;, antwortete die sichtlich &uuml;berraschte und<br \/>\n  nun nicht mehr ganz so selbstbewusste Jungfrau.<br \/>\n  &#8222;Erstens habe ich schon bessere L&uuml;gner gesehen, zweitens stinkst<br \/>\n  du &uuml;berall nach dem Zeug und drittens funktioniert es sowieso nicht. Au&szlig;erdem<br \/>\n  h&auml;tte ich dich eh nicht gefressen, mit diesem Qu&auml;lgeist in meiner<br \/>\n  N&auml;he&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Och, warum denn Kalessan &#8211; ich will sehen, wie du sie frisst! Och<br \/>\n  bitte, mir zuliebe!&#8220;, bettelte Ninnel lautstark.<\/p>\n<p>  &#8222;Danke f&uuml;r deine Unterst&uuml;tzung, Kleiner!&#8220;, entgegnete<br \/>\n  die Jungfrau s&auml;uerlich.<br \/>\n  &#8222;Ich sagte, dass du den Mund halten sollst, Winzling!&#8220;, brauste<br \/>\n  Kalessan auf, der den Stress von vorhin anscheinend noch nicht ganz verarbeitet<br \/>\n  hatte.<br \/>\n  &#8222;Ich will das jetzt aber sehen! Ich will, ich will, ichwillichwillichwill&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wenn du nicht sofort ruhig bist, dann setzt es was, Kleiner!&#8220;,<br \/>\n  knurrte der Drache drohend.<\/p>\n<p>  &#8222;Ichwillichwillichwillichwillichwill&#8230;&#8220;<br \/>\n  Einer von Kalessans Nervenstr&auml;ngen riss innerlich mit einem lauten Knall.<br \/>\n  <br \/>\n  Der Drache schlug zu. <br \/>\n  Der Junge war still.<br \/>\n  &#8222;Na endlich ist Ruhe!&#8220;, sagte Kalessan, der sich wieder der Jungfrau<br \/>\n  zuwandte, welche schockiert auf den Jungen starrte.<\/p>\n<p>  &#8222;Wie&#8230; wie konntet ihr nur?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Manchmal muss man halt harte Ma&szlig;nahmen ergreifen, wenn man seinen<br \/>\n  Willen durchsetzen will&#8230; Sch&auml;tzchen!&#8220;, f&uuml;gte der Drache in<br \/>\n  spottendem Tonfall hinzu.<br \/>\n  &#8222;Aber&#8230; aber er war doch noch ein kleines Kind!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja, und jetzt gibt er endlich Ruhe!&#8220;<br \/>\n  &#8222;<em>Weil ihr ihn enthauptet habt!<\/em>&#8222;<\/p>\n<p>  Kalessan sah Ninnel an. Der ungew&ouml;hnlich schlaffe K&ouml;rper des Jungen,<br \/>\n  eine sich ausbreitende, rote Pf&uuml;tze und nicht zuletzt der mehrere Meter<br \/>\n  entfernt liegende Kopf des Kindes, welcher noch immer eine sehr erwartungsvolle<br \/>\n  &#8222;Ichwill&#8230;&#8220;-Miene trug, sprachen nicht gerade f&uuml;r Kalessans<br \/>\n  Unschuld.<br \/>\n  Menschen umbringen war ja normalerweise sch&ouml;n und gut, doch diesmal empfand<br \/>\n  er an seiner Tat keine Freude, vielmehr dr&auml;ngte sich ihm die nagende Erkenntnis<br \/>\n  auf, dass er f&uuml;r diesen Mord ernsthafte Konsequenzen w&uuml;rde tragen<br \/>\n  m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>  In einer flie&szlig;enden Kette aus Gedanken wanderten seine Gef&uuml;hle von<br \/>\n  Erschrockenheit &uuml;ber Zufriedenheit, Scham, schlechtes Gewissen und Verzweiflung<br \/>\n  bis hin zu dem letztendlich grausamsten Gef&uuml;hl, bei einer eigentlich simplen<br \/>\n  Aufgabe vollkommen versagt zu haben. Die meisten dieser Gef&uuml;hle hatte er<br \/>\n  seit langer Zeit nicht mehr empfunden, und schon gar nicht aufgrund eines Menschen,<br \/>\n  den er im Grunde genauso sehr wie jeden anderen, wenn nicht sogar noch mehr,<br \/>\n  verachtete &#8211; zumindest versuchte er, sich das einzureden.<br \/>\n  W&auml;hrend Kalessan jenen Gedanken nachhegte, scheute sich die Jungfrau nicht,<br \/>\n  ihn mit den derbsten Ausdr&uuml;cken zu bekreischen, die sie in ihrem l&auml;ngeren<br \/>\n  Leben selbst als Jungfrau bereits aufschnappen konnte. Irgendwann zwischen den<br \/>\n  &#8222;Mistkerlen&#8220;, &#8222;kaltbl&uuml;tigen Bastarden&#8220; und &#8222;Turnbeutelvergessern&#8220;<br \/>\n  wurde es auch dem erschrockenen Drachen zu bunt:<\/p>\n<p>  &#8222;Kannst du auch mal deine verdammte Klappe halten!?&#8220;, schrie er.<br \/>\n  Die erzeugten Schallwellen alleine reichten bereits aus, um die Jungfrau vor<br \/>\n  Schmerzen aufkreischen zu lassen. Fortan hing sie wimmernd an ihrem Pfahl. Eine<br \/>\n  Beschimpfung f&uuml;gte sie den ganzen &#8222;Kinderm&ouml;rdern&#8220; und<br \/>\n  &#8222;seelenlosen Monstren&#8220; jedoch noch leise hinzu:<br \/>\n  &#8222;Ihr seid schlimmer als der schrecklichste D&auml;mon der H&ouml;lle!&#8220;<\/p>\n<p>  *pling*<br \/>\n  Versagen hatte Kalessan als M&ouml;glichkeit bei allen seinen Handlungen schon<br \/>\n  immer ausgeschlossen. Und auch jetzt war nicht der Zeitpunkt gekommen, dies<br \/>\n  wieder als Option hinzuzuf&uuml;gen.<br \/>\n  Der Drache verwandelte sich, lief in seine Schatzkammer und durchw&uuml;hlte<br \/>\n  s&auml;mtliche Truhen und Ansammlungen von Sch&auml;tzen, die er dort vorfand,<br \/>\n  bis er alle Utensilien beisammen hatte, die er ben&ouml;tigen w&uuml;rde. Er<br \/>\n  lief zur&uuml;ck in seine Wohnh&ouml;hle und zeichnete mit schwarzer Kreide<br \/>\n  sorgf&auml;ltig die erforderlichen Symbole auf eine Stelle des Bodens, die noch<br \/>\n  nicht vollgeblutet oder -gepinkelt worden war. Danach stellte er die Kerzen<br \/>\n  an den entsprechenden Stellen auf und z&uuml;ndete sie mit der Ber&uuml;hrung<br \/>\n  eines Fingers an. Schlie&szlig;lich wischte er, um den Vorbereitungen den letzten<br \/>\n  Schliff zu geben, eine Ecke des gro&szlig;en Drudenfu&szlig;es, den er gemalt<br \/>\n  hatte, weg. Die Jungfrau beobachtete ihn hasserf&uuml;llt und fing wieder an<br \/>\n  zu kreischen:<\/p>\n<p>  &#8222;Was wollt ihr da machen? Schwarze Magie? Eure Hexerei wird die Seele<br \/>\n  dieses armen Jungen auch nicht wieder zur&uuml;ck bringen, nur seine seelenlose<br \/>\n  H&uuml;lle, ihr grausames St&uuml;ck Sch&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;HALT den Mund und sei still. Ich kann seine Seele vielleicht nicht zur&uuml;ck<br \/>\n  bringen, aber ich kenne jemanden, der das kann. Und ich warne dich, sag jetzt<br \/>\n  ja kein Wort &#8211; und wenn, dann sprich nur in der Weise wie ich es tun werde,<br \/>\n  denn er hat so seine Eigenheiten und ist momentan ziemlich schlecht gelaunt.<br \/>\n  Es hat irgendwas mit der&#8230; &#8217;neuen Rechtschreibung&#8216; oder so zu tun,<br \/>\n  die ihm ziemlich zu schaffen macht. Wenn dir deine Seele also lieb ist, dann<br \/>\n  wirst du ruhig bleiben, denn ich kann dir sonst auch nicht weiter helfen! Ganz<br \/>\n  davon abgesehen, dass ich das &uuml;berhaupt nicht will&#8230;&#8220;<br \/>\n  In der Hoffnung, das Richtige zu tun, wendete sich Kalessan von der nun ruhigen<br \/>\n  Jungfrau ab und begann mit der Beschw&ouml;rung seines &#8222;alten Bekannten&#8220;.<br \/>\n  Blitz, Donner, Nebel, ein gro&szlig;er, schwarzer Pudel und eine gewaltige lyrische<br \/>\n  Ver&auml;nderung k&uuml;ndeten die Ankunft des Herren der Unterwelt an&#8230;<\/p>\n<blockquote>\n<blockquote><p>MEFISTOFELES<br \/>\n    <em>tritt, indem der Nebel f&auml;llt, aus dem Pentagramm hervor:<\/em><br \/>\n    Wozu der L&auml;rm? Was steht dem Herrn zu Diensten?<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst<\/p>\n<p>    Und fragst, wie alles sich bei uns befinde,<br \/>\n    Und du mich sonst gew&ouml;hnlich gerne sahst,<br \/>\n    So siehst du mich auch unter dem Gesinde.<br \/>\n    Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,<br \/>\n    Und wenn mich auch der ganze Kreis verh&ouml;hnt;<\/p>\n<p>    Mein Pathos br&auml;chte dich gewiss zum Lachen,<br \/>\n    H&auml;ttst du dir nicht das Lachen abgew&ouml;hnt.<br \/>\n    MEFISTOFELES:<br \/>\n    H&ouml;rt auf mit diesem Redeschwall<br \/>\n    Und sagt mir lieber, alter Freund<\/p>\n<p>    Warum ihr mich mit einem mal<br \/>\n    Zu euch bestellt in dieser Stund!<br \/>\n    Ihr wisst wie ich besch&auml;ftigt bin<br \/>\n    Drum nennt schnell den verqueren Sinn<br \/>\n    Von diesem Anruf &#8211; sprechet rasch!<\/p>\n<p>    KALESSAN:<br \/>\n    Eure Reime sind heut ziemlich lasch&#8230;<br \/>\n    MEFISTOFELES:<br \/>\n    Wer bist du, dass du mich hier tadelst?<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    Nur der, den du mit Freundschaft adelst.<\/p>\n<p>    Doch sag: Kennst du den Faust?<br \/>\n    MEFISTOFELES:<br \/>\n    &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Den<br \/>\n    Doktor? Diesen Wicht?<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    Oh, nein, den Faust, den mein&#8216; ich nicht!<\/p>\n<p>    Der Karlmax ist&#8217;s!<br \/>\n    MEFISTOFELES:<br \/>\n    &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ach<br \/>\n    der, was ist mit dem?<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    F&uuml;rwahr! er diente mir auf gar besondre Weise.<\/p>\n<p>    Und ist nun grad auf einer gro&szlig;en Reise.<br \/>\n    Ihm treibt die G&auml;rung in die Ferne.<br \/>\n    Er ist sich seiner Tollheit halb bewusst;<br \/>\n    Vom Himmel fordert er die sch&ouml;nsten Sterne<br \/>\n    Und von der Erde jede h&ouml;chste Lust,<\/p>\n<p>    Und alle N&auml;h und alle Ferne<br \/>\n    Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.<br \/>\n    MEFISTOFELES:<br \/>\n    Nun kommt zur Sache!<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    Sein Sohn ist&#8217;s, der mein Herz bewegt.<\/p>\n<p>    Verzweiflung die sich in mir regt,<br \/>\n    Denn tot ist er, durch meine Hand<br \/>\n    Starb er, sein K&ouml;rper liegt dort noch<br \/>\n    Doch in mir hab ich anerkannt<br \/>\n    Dass sein Tod wie ein gro&szlig;es Loch<\/p>\n<p>    In meinem Herzen ist, <br \/>\n    Das schnell zu f&uuml;llen ich gedenke<br \/>\n    Indem ich neues Leben schenke.<br \/>\n    Habe nun, ach! Philosophie,<br \/>\n    Juristerei und Medizin,<br \/>\n    Und leider auch Nekromantie!<\/p>\n<p>    Durchaus studiert, mit hei&szlig;em Bem&uuml;hn.<br \/>\n    Da steh ich nun, ich armer Tor!<br \/>\n    Und bin so klug als wie zuvor;<br \/>\n    Denn Leben schenken kann ich nicht,<br \/>\n    Nicht mal mehr diesem kleinen Wicht.<\/p>\n<p>    Drum eurer Hilfe ich bedarf<br \/>\n    Wo ich als Freund stets redlich, brav<br \/>\n    Die Seelen der durch mich Gefallnen<br \/>\n    In euer Reich, die H&ouml;lle, schickte.<br \/>\n    Eure Hilfe, die ich brauch<\/p>\n<p>    Um ihm zu geben Lebenshauch.<br \/>\n    Lange Rede, kurzer Sinn<br \/>\n    Woran ich interessiert nun bin<br \/>\n    Ist, was ihr zu dem Vorschlag meint.<br \/>\n    MEFISTOFELES:<br \/>\n    Ich bin der Geist, der stets verneint!<\/p>\n<p>    Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,<br \/>\n    Ist wert, dass es zugrunde geht;<br \/>\n    Drum besser w&auml;r&#8217;s, dass nichts entst&uuml;nde.<br \/>\n    So ist denn alles, was ihr S&uuml;nde,<br \/>\n    Zerst&ouml;rung, kurz, das B&ouml;se nennt,<\/p>\n<p>    Mein eigentliches Element.<br \/>\n    Nun frag ich dich: was ist der Grund<br \/>\n    Weswegen ich zu dieser Stund<br \/>\n    Den Bengel soll ins Leben rufen<br \/>\n    Ich Teufel mit den Pferdehufen?<br \/>\n    Doch die Seelen vieler Toter<\/p>\n<p>    Gelangten nur durch euch<br \/>\n    Mein lieber Roter<br \/>\n    Schnell und h&auml;ufig in mein Reich<br \/>\n    F&uuml;rwahr!<br \/>\n    Drum sei mein&#8216; einzige Bedingung<\/p>\n<p>    Mit der die Seel des Jungen ich errette:<br \/>\n    Ein andre Seele, rein und jung<br \/>\n    Die ich denn statt des Kindes gerne h&auml;tte.<br \/>\n    KALESSAN <em>auf die Jungfrau zeigend:<\/em><br \/>\n    Nehmt diese dort!<\/p>\n<p>    JUNGFRAU:<br \/>\n    &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wen &#8211; mich?<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    Nun seid jetzt still!<br \/>\n    Denn eure Seele ist&#8217;s, die dieser Teufel gerne will.<\/p>\n<p>    MEFISTOFELES:<br \/>\n    Sch&ouml;n ist sie nicht, das ist wohl wahr<br \/>\n    Doch innen ist sie rein und klar &#8211; <br \/>\n    Ich nehme sie!<br \/>\n    JUNGFRAU:<\/p>\n<p>   &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Er will mich!<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    Und der Junge soll leben!<br \/>\n    JUNGFRAU:<br \/>\n    Zu Hilf! Ich glaub ich muss mich &uuml;bergeben!<\/p>\n<p>    MEFISTOFELES:<br \/>\n    Komm! komm! Ich lasse dich mit ihr im Stich.<br \/>\n    JUNGFRAU:<br \/>\n    So irgendjemand! Rette mich!<br \/>\n    Ihr G&ouml;tter! Ihr heiligen Scharen,<br \/>\n    Lagert euch umher, mich zu bewahren!<\/p>\n<p>    Kalessan! Mir graut&#8217;s vor dir.<br \/>\n    MEFISTOFELES:<br \/>\n    Sie ist gerichtet!<br \/>\n    KALESSAN:<br \/>\n    &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er gerettet!<br \/>\n    MEFISTOFELES <em>zur Jungfrau:<\/em><\/p>\n<p>    &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Her zu mir!<br \/>\n    <em>Verschwindet mit der Jungfrau.<\/em><br \/>\n    STIMME DER JUNGFRAU <em>von innen, verhallend:<\/em><br \/>\n    Kalessan! DU AR&#8230;!<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">Normalit&auml;t<br \/>\n  kehrte wieder ein. Kalessan sah sich wieder dazu in der Lage, in normalen S&auml;tzen<br \/>\n  zu denken. Sein Blick fiel auf Ninnel, der auf dem Boden lag, als w&auml;re<br \/>\n  nichts geschehen. Keine gro&szlig;e Blutlache und kein abgetrennter Kopf sprachen<br \/>\n  mehr f&uuml;r die begangene Untat.<\/p>\n<p>  Ninnel &ouml;ffnete die Augen sah den Drachen an wie jemand, der gerade am Steuer<br \/>\n  in Sekundenschlaf gefallen ist und sich jetzt wundert, dass sein Auto an einem<br \/>\n  Baum klebt. Der Junge rappelte sich auf und sah sich um. Dann fragte er:<br \/>\n  &#8222;Hast du die Jungfrau jetzt aufgefressen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; ja!&#8220;, antwortete der Drache, verwirrt &uuml;ber die<br \/>\n  Frage.<br \/>\n  &#8222;Och menno, ich wollte doch zugucken!&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Entweder<br \/>\n  war es von Mefistofeles beabsichtigt gewesen oder Kalessan hatte den menschlichen<br \/>\n  Verdr&auml;ngungsmechanismus katastrophal untersch&auml;tzt. Jedenfalls hatte<br \/>\n  Ninnel keine Erinnerung mehr an seinen eigenen Tod, geschweige denn die Zeit<br \/>\n  danach. Woran er allerdings noch perfekte Erinnerungen zu haben schien, waren<br \/>\n  die Minuten kurz vor Kalessans kleinem Ausrutscher. Da der Drache laut eigenen<br \/>\n  Aussagen die Jungfrau nach Ninnels Bitten doch noch verspeist hatte, war die<br \/>\n  logische Schlussfolgerung des Jungen gewesen, dass er den Drachen doch nur intensiv<br \/>\n  nerven m&uuml;sse, um seinen eigenen Willen durchsetzen zu k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>  Kalessan auf der anderen Seite fasste das Kind fortan nur noch mit Samthandschuhen<br \/>\n  an und behandelte es wie ein gesprungenes, rohes Ei. Kurzum: jegliche Art der<br \/>\n  Kontrolle, die Kalessan &uuml;ber Ninnel in den letzten Wochen gewonnen hatte,<br \/>\n  wurde durch diesen verh&auml;ngnisvollen Tag zerst&ouml;rt.<br \/>\n  Ninnel konnte somit machen, was er wollte und Kalessans Nerven lagen blank.<br \/>\n  Die Dem&uuml;tigungen, die ihm der Junge in den folgenden Tagen zuf&uuml;gte,<br \/>\n  &uuml;bertrafen beinahe das Gef&uuml;hl des Versagens, dass der Drache nach<br \/>\n  Ninnels Tod empfunden hatte. Doch es waren nun schon einige Wochen verstrichen<br \/>\n  und ein Ende dieser schwarzen Tage war in Sicht.<br \/>\n  Kalessan sah ein Licht am Ende des Tunnels.<br \/>\n  Es entpuppte sich als ein G&uuml;terzug.<\/p>\n<p align=\"justify\">Da<br \/>\n  Kalessan gerade auf dem R&uuml;cken lag, machte Ninnel sich einen Spa&szlig;<br \/>\n  daraus, auf seinem Unterleib auf und ab zu h&uuml;pfen. Dies machte dem Drachen,<br \/>\n  dem nicht einmal ernsthafte Schwerthiebe an dieser Stelle wirklich etwas anhaben<br \/>\n  konnten, rein physisch nichts aus. Dennoch sp&uuml;rte er jeden H&uuml;pfer,<br \/>\n  als w&uuml;rde die Faust eines Gottes unabl&auml;ssig auf ihn einpr&uuml;geln.<br \/>\n  &#8222;Wenn du weitermachst, erz&auml;hl ich das deiner Mutter!&#8220;, sagte<br \/>\n  er, doch es half nichts.<br \/>\n  &#8222;Na und?&#8220;, antwortete das Kind und machte fr&ouml;hlich weiter.<\/p>\n<p>  Kalessan richtete sich auf und bellte in bedrohlichem Tonfall:<br \/>\n  &#8222;Wenn du nicht sofort aufh&ouml;rst, werde ich dich fressen!&#8220;<br \/>\n  Dies bewirkte, dass Ninnel zumindest ein paar Sekunden aufh&ouml;rte, bis er<br \/>\n  schlie&szlig;lich &#8222;Nein, wirst du nicht.&#8220; sagte und einfach weitermachte.<br \/>\n  Auf der einen Seite wirkte da die folgende Erscheinung fast erl&ouml;send, doch<br \/>\n  Kalessan hatte sich bereits damit abgefunden, dass jeder Eindringling wirklich<br \/>\n  nur im allerersten Moment eine willkommene Abwechslung darstellte.<\/p>\n<p>  &#8222;&Auml;hm&#8230; Herr&#8230; Herr Kalessan?&#8220;, ert&ouml;nte eine fiepsige<br \/>\n  Stimme, die Ninnel dazu veranlasste, mit seinem Gehopse aufzuh&ouml;ren und<br \/>\n  Kalessan, in die entsprechende Richtung zu sehen.<br \/>\n  Ein kleines Wesen mit Augenbrauen, die Finanzminister aller Welten vor Neid<br \/>\n  erblassen lassen w&uuml;rden, mit einer Nase, die vom Gurkentisch des n&auml;chst<br \/>\n  besten Gem&uuml;seh&auml;ndlers geklaut zu sein schien, mit Ohren, die es wahrscheinlich<br \/>\n  zum Segelfliegen benutzte und Augen, die gr&ouml;&szlig;er waren als die von<br \/>\n  Spezies, die mehrere Kilometer tief unter der Erde leben, war zun&auml;chst<br \/>\n  mal sein Gesicht eine absolute Katastrophe. Das Wesen war zudem vier Fu&szlig;<br \/>\n  gro&szlig;, hatte eine kr&auml;nklich-braune Hautfarbe, eine ranzige Tunika<br \/>\n  um den Leib gebunden und war so potth&auml;sslich, dass jedes Krebsgeschw&uuml;r<br \/>\n  demgegen&uuml;ber einen Sch&ouml;nheitswettbewerb gewinnen k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>  Kalessan kannte dieses Wesen nur zu gut &#8211; es handelte sich um Deppy, den<br \/>\n  pers&ouml;nlichen Hausw&uuml;rger von Smahug. W&uuml;rger hie&szlig;en diese<br \/>\n  Wesen, weil dies die erste Reaktion sehr treffend umschrieb, die man beim Kontakt<br \/>\n  mit ihnen hatte.<br \/>\n  &#8222;Bitte, Deppy, sage mir nicht, dass ich das tun soll, was ich jetzt denke,<br \/>\n  das k&ouml;nnte b&ouml;se Folgen f&uuml;r dich haben!&#8220;, knurrte Kalessan<br \/>\n  und unterdr&uuml;ckte den W&uuml;rgereiz.<\/p>\n<p>  Ninnel schien angesichts dieser Erscheinung zwischen Interesse und Abscheu sehr<br \/>\n  hin- und her gerissen&#8230; wenigstens hielt er die Klappe.<br \/>\n  &#8222;Aber Meister hat mir gesagen tut, ich sollen euch sagen tun machen!&#8220;<br \/>\n  &#8211; Hatte ich schon erw&auml;hnt, dass die Grammatik der W&uuml;rger ebenfalls<br \/>\n  zum Kotzen ist? &#8211; &#8222;Meister Smahug hat gesagt gemacht, dass ich machen<br \/>\n  sollen tun machen muss, dass&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;SAG es nicht, Deppy, ich warne dich!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Aber dann muss armes Deppy sich wieder selbst machen foltern tun, macht<br \/>\n  armes Deppy keinen Spa&szlig;, nichts nein.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Das ist doch nichts im Gegensatz zu dem, was <em>ich<\/em> dir antun k&ouml;nnte&#8230;&#8220;,<br \/>\n  drohte der Drache.<br \/>\n  &#8222;Oh, ihr sein nie nicht nett zu nettes Deppy, Deppy machen tun tut nur<br \/>\n  seine Aufgabe erf&uuml;llen machen. &#8218;Deppy machen gehen ganz brav zu Herr<br \/>\n  Kalessan!&#8216;, sagen Meister Smahug, &#8218;Und machen sagen Herr Kalessan,<br \/>\n  dass sofort kommen er machen tun soll, jetzt gleich, weil wichtiges Treffen<br \/>\n  sein tut auf dem Berg und&#8230;'&#8220;<br \/>\n  Seinen Satz sollte er nie fertig sprechen, da er in einem Feuerstrahl aus Kalessans<br \/>\n  Maul vergl&uuml;hte.<\/p>\n<p>  Eine mehrere Sekunden lange Stille entstand, bis sich Ninnel dazu durchringen<br \/>\n  konnte, als erster wieder etwas zu sagen:<br \/>\n  &#8222;Danke&#8230; aber musstest du es gleich umbringen?&#8220;<br \/>\n  Der Drache schnaubte:<br \/>\n  &#8222;W&uuml;rger kann man nicht umbringen, das ist ja das Brutale an diesen<br \/>\n  Mistkerlen. Der kehrt jetzt zu seinem Herrn zur&uuml;ck und nimmt erneut diese<br \/>\n  widerw&auml;rtige Gestalt an. Dagegen bist selbst du eine Sch&ouml;nheit.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und was wollte er von dir?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Nichts gutes&#8230;&#8220;<br \/>\n  Smahug hatte also eine Versammlung einberufen.<br \/>\n  Kalessan hasste diese Versammlungen! Die anderen neun Drachenarten verhielten<br \/>\n  sich auf diesen Treffen immer wie die letzten Idioten, f&uuml;hrten kindische<br \/>\n  Debatten aus und verhielten sich generell nicht so, wie es wahre Drachen &#8211;<br \/>\n  Drachen wie Kalessan &#8211; tun sollten. Lediglich Morkulebus war &auml;hnlicher<br \/>\n  Auffassung und daher noch das von Kalessan am meisten respektierte Mitglied,<br \/>\n  wenn er sich auch aus der Sicht des roten Drachen zu passiv verhielt.<br \/>\n  Schlimmer als das Verhalten der Drachen bei jenen Treffen waren jedoch die Anl&auml;sse,<br \/>\n  aus denen Smahug, der Oberhaupt des Rates, sie einberief. Erst beim letzten<br \/>\n  Mal hatte er den gesamten Rat beinahe in sein Verderben gef&uuml;hrt, was zu<br \/>\n  Kalessans Bekanntschaft mit Karlmax und letztendlich auch zur momentanen Misere<br \/>\n  des roten Drachen gef&uuml;hrt hatte.<\/p>\n<p>  Doch wenn man wie Kalessan &auml;ltestes Exemplar der eigenen Spezies war, konnte<br \/>\n  man sich vor diesen Versammlungen leider nicht dr&uuml;cken, wollte man seine<br \/>\n  Position und damit ein ernsthaftes Mitspracherecht bei den Entscheidungen &uuml;ber<br \/>\n  die Geschicke der Welt, zu denen es auch ab und an kam, nicht riskieren.<br \/>\n  Von ihm wurde nun erwartet, dass er sich sofort auf den Weg machte, um an der<br \/>\n  Versammlung teilzunehmen. Ninnel konnte er nat&uuml;rlich nicht in seiner H&ouml;hle<br \/>\n  lassen. Wer wusste schon, wie viele Ritter &#8211; m&ouml;glichst noch Getreue<br \/>\n  dieser omin&ouml;sen Lady Syrop &#8211; sich noch auf den Weg zu Kalessans H&ouml;hle<br \/>\n  machten und den Jungen dann mitnahmen.<\/p>\n<p>  Kalessans Optionen waren also nicht sehr zahlreich &#8211; auch wenn er es hasste,<br \/>\n  den Jungen in die Geheimnisse des Drachenvolkes einzuweihen und, was noch schlimmer<br \/>\n  war, ihn mit dem peinlichen Auftreten seiner Artgenossen konfrontieren zu m&uuml;ssen.<br \/>\n  &#8222;Was wollte er denn nun genau?&#8220;, unterbrach Ninnel Kalessans Gedankeng&auml;nge.<br \/>\n  &#8222;Er hat eine Versammlung einberufen, zu der ich gehen muss. Sieht so aus,<br \/>\n  als m&uuml;sstest du mich begleiten&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Oh toll, dann darf ich endlich mit dir fliegen?&#8220;<\/p>\n<p>  So sehr Kalessan versucht hatte dies zu vermeiden, diesmal hie&szlig; die Antwort<br \/>\n  wohl oder &uuml;bel:<br \/>\n  &#8222;Ja&#8230;&#8220;<br \/>\n  Ninnel klatschte freudig erregt in die H&auml;nde und bedr&auml;ngte den Drachen,<br \/>\n  sogleich loszufliegen. Seufzend begann dieser mit den Vorbereitungen, nur damit<br \/>\n  dieses elende Gequengel endlich aufh&ouml;ren w&uuml;rde.<\/p>\n<p align=\"justify\">W&auml;hrenddessen<br \/>\n  war ein junger Mann aus einer fremden Dimension damit besch&auml;ftigt, die<br \/>\n  finsteren S&uuml;mpfe des Schwarzen Todes zu finden, was sich als nicht besonders<br \/>\n  einfach herausstellen sollte.<\/p>\n<p>  Viele Wochen lang zog er alleine durch die D&ouml;rfer und W&auml;lder, doch<br \/>\n  keiner schien den richtigen Weg zu wissen, und b&ouml;se Menschen hatten die<br \/>\n  Hinweisschilder umgedreht oder mit obsz&ouml;nen Zeichnungen unleserlich gemacht.<br \/>\n  Die W&auml;lder waren auch nicht ungef&auml;hrlich, denn &uuml;berall streunten<br \/>\n  gef&auml;hrliche, wilde Tiere umher. Der Mann aus der fremden Dimension sorgte<br \/>\n  sich aber nicht darum, denn schlie&szlig;lich war er ja auserw&auml;hlt, diese<br \/>\n  Welt zu retten, deswegen konnte ihm nat&uuml;rlich nichts passieren. Eine gro&szlig;e<br \/>\n  Anzahl von Zuf&auml;llen, namentlich zwei W&ouml;lfe, die sich im Streit um<br \/>\n  ihn als Beute selbst zerfleischten, ein B&auml;r, der kurz vor seinem Angriff<br \/>\n  ungl&uuml;cklich stolperte und sich an einem Baum das Genick brach und ein L&ouml;we,<br \/>\n  der sich gerade auf den Reisenden st&uuml;rzen wollte, dem dann aber einfiel,<br \/>\n  dass es im Wald gar keine L&ouml;wen gab, worauf er in einer Rauchwolke verpuffte,<br \/>\n  sorgten dann auch wunderbarerweise daf&uuml;r, dass ihm tats&auml;chlich nichts<br \/>\n  passierte.<\/p>\n<p>  Einmal stie&szlig; der Reisende sogar auf eine R&auml;uberbande, die ihn freundlich<br \/>\n  umzingelte. Diese R&auml;uber entpuppten sich jedoch als hinterh&auml;ltige<br \/>\n  Versicherungsvertreter, worauf selbst der Mann aus der fremden Dimension schleunigst<br \/>\n  die Flucht ergriff.<br \/>\n  Schlie&szlig;lich kam er in eine weitere kleine Stadt und traf dort endlich<br \/>\n  auf einen Menschen, der den Weg in die finsteren S&uuml;mpfe des Schwarzen Todes<br \/>\n  zu kennen schien. Es handelte sich um einen seltsamen, kleinen Kerl in einer<br \/>\n  knallbunten, ledrigen R&uuml;stung, die aus so vielen Einzelteilen bestand,<br \/>\n  dass die gesamte Konstruktion bei der geringsten Bewegung hin und her wackelte.<br \/>\n  Am Bauch war offenbar eine Klappe, die man beliebig &ouml;ffnen und schlie&szlig;en<br \/>\n  konnte. Die Klinge seines Schwertes wies eine leichte Kurve auf und schien die<br \/>\n  gesamte Biographie seines Besitzers zu erz&auml;hlen, so vollgekritzelt mit<br \/>\n  fremdartigen Schriftzeichen wie sie war.<\/p>\n<p>  &#8222;Und du wei&szlig;t, wo es zu den finsteren S&uuml;mpfen des Schwarzen<br \/>\n  Todes geht?&#8220;, fragte der Reisende den Krieger.<br \/>\n  &#8222;Ja, Nagersacki wissen wo ihr finden finstere S&uuml;mpfe,<em> hai<\/em>!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wo?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Was?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;H&auml;h?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein &#8211;<em> hai<\/em>!&#8220;, sagte der Krieger nochmals.<br \/>\n  &#8222;Ach so&#8230; kannst du mich dort hinf&uuml;hren?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Warum sollte Nagersacki das tun? Wo ist die Ehre darin, fragt er den<br \/>\n  Fremden.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Die Ehre?&#8220;, erkundigte sich der Fremde verwirrt.<br \/>\n  &#8222;Nagersacki k&auml;mpfen nur f&uuml;r die Ehre. Wenn Ehre von Nagersacki<br \/>\n  verletzt, Nagersacki bringen sich selbst um mit <em>Kike-Riki<\/em>!&#8220;<br \/>\n  Nagersackie &ouml;ffnete demonstrativ die Klappe an seiner R&uuml;stung und<br \/>\n  zeigte dem Fremden seinen nackten Bauch.<br \/>\n  &#8222;Sag mal, was genau bist du eigentlich?&#8220;<\/p>\n<p>  &quot;Nagersacki sein ehrenhafter Sauriam!&quot;, antwortete der Krieger mit<br \/>\n  stolzgeschwellter Brust.<br \/>\n  &quot;Ich dachte, die Saurier w&auml;ren alle ausgestorben!?&#8220;<br \/>\n  &quot;Wenn alle ausgestorben, warum stehen Nagersacki jetzt vor euch?&quot;<br \/>\n  &#8222;Verstehe&#8230; Meinst du, das es ehrenvoll w&auml;re, wenn du mir bei der<br \/>\n  Rettung der Welt hilfst?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Rettung der Welt? Ist gro&szlig;e Ehre f&uuml;r Nagersacki! Es wird mir<br \/>\n  Freude sein, den Fremden zu begleiten und ehrenhaft zu sterben, <em>hai<\/em>!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Wo?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Was?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ach, vergiss es&#8230;&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Es<br \/>\n  war ein wahrhaft trauriger Punkt erreicht, wenn Kalessan nun schon selbst beim<br \/>\n  Fliegen keine Privatsph&auml;re mehr hatte. Wenigstens hatte er Ninnel so stark<br \/>\n  in alle m&ouml;glichen warm haltenden Kleidungsst&uuml;cke verschn&uuml;rt,<br \/>\n  dass dieser zwar noch atmen, aber keinen artikulierten Laut mehr hervorbringen<br \/>\n  konnte. Dass er ihn fest an seine Brust gepresst hielt, tat sein &uuml;briges,<br \/>\n  um ihn wenigstens den ganzen Flug &uuml;ber still und warm zu halten. Auf Kalessans<br \/>\n  R&uuml;cken h&auml;tte sich der Junge bei den ganzen Stacheln und Zacken die<br \/>\n  dort waren nur irgendwann selbst aufgespie&szlig;t, auch wenn der Drache diesen<br \/>\n  Gedanken mittlerweile mit ungeahnter Genugtuung verfolgte.<\/p>\n<p>  Zum Versammlungsort war es ein halber Tag Flugzeit von Kalessans Behausung aus.<br \/>\n  Den Gro&szlig;teil der Zeit verbrachte der Drache damit, sich besonders blutige<br \/>\n  Todesarten f&uuml;r Ninnel auszudenken, ansonsten fragte er sich, was Smahug<br \/>\n  wohl zu der Einberufung eines Treffens h&auml;tte bewegen k&ouml;nnen.<br \/>\n  Wahrscheinlich wollte er ihnen mal wieder einen neuen Ring in Drachengr&ouml;&szlig;e<br \/>\n  pr&auml;sentieren, den Generationen t&uuml;chtiger Zwerge in Jahrhunderte langer<br \/>\n  Feinarbeit geschmiedet hatten. Oder ein wahnsinniger Mensch hatte mal wieder<br \/>\n  eine todbringende Maschine erfunden, die die Sonne in die Luft sprengen w&uuml;rde,<br \/>\n  wenn ihm nicht die Weltherrschaft zugesprochen w&uuml;rde.<br \/>\n  Kalessan wusste nicht, was davon er mehr verachtete.<\/p>\n<p>  Er wusste ebenfalls nicht, dass er bei seinem Flug sehr aufmerksam beobachtet<br \/>\n  wurde.<br \/>\n  Als er am Versammlungsort ankam, einer konzentrischen Ansammlung von Felsplateaus<br \/>\n  hoch in den Bergen, die vor langer Zeit genauso gut von Drachen- wie von G&ouml;tter-<br \/>\n  oder Zufallshand h&auml;tte geschaffen worden sein k&ouml;nnen, waren alle anderen<br \/>\n  neun Mitglieder des Rates bereits anwesend.<br \/>\n  Kalessan kreiste einmal &uuml;ber der Runde, die in den Farben Gold, Silber,<br \/>\n  Bronze, Kupfer, Messing, Gr&uuml;n, Schwarz, Blau und Wei&szlig; leuchtete,<br \/>\n  landete und mischte der Farbpalette einen aggressiven, roten Ton hinzu.<br \/>\n  Die anderen Drachen waren sehr erstaunt, als sie ihn kommen sahen &#8211; normalerweise<br \/>\n  erschien er immer erst ein oder zwei Tage sp&auml;ter als angek&uuml;ndigt war.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh, der werte Kalessan beehrt unsere illustre Runde ausnahmsweise einmal<br \/>\n  p&uuml;nktlich. Gute Vors&auml;tze f&uuml;rs neue Jahrhundert stehen aber erst<br \/>\n  in ein paar Jahren an, mein bester!&#8220;, sp&ouml;ttelte Smahug, der &Auml;lteste<br \/>\n  der Runde.<br \/>\n  &#8222;Deine d&auml;mlichen Bemerkungen kannst du dir sonstwo hin stecken! Sag<br \/>\n  mir lieber, was so &uuml;beraus wichtig war, damit ich mich hierher qu&auml;len<br \/>\n  musste, die letzten Male hat es nur Ungl&uuml;ck gebracht.&#8220;, kam die gefauchte<br \/>\n  Antwort von Kalessan, der gerade auf seinem Plateau Platz genommen hatte.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh, ich sehe, bei deinen Manieren hat sich wenig ge&auml;ndert&#8230; und<br \/>\n  wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du dir keinen Proviant zu den Treffen<br \/>\n  mitnehmen sollst?&#8220;, merkte der goldene Drache an, als Kalessan das dicke<br \/>\n  Ninnel-B&uuml;ndel ablud, welches sich in der fremdartigen Runde neugierig umsah.<br \/>\n  &#8222;Und dann auch noch ein Kind!&#8220;, fuhr er kopfsch&uuml;ttelnd fort,<br \/>\n  &#8222;Dann friss es wenigstens gleich, damit wir das hinter uns haben!&#8220;<br \/>\n  &#8222;So sehr es mich anwidert das zu sagen, aber dieses Kind wird nicht gefressen.<br \/>\n  Ich habe schon zu viel deswegen durchgemacht.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Oh, Kalessan nimmt sich eines Menschenjungen an? Das kann einem ja fast<br \/>\n  Angst machen!&#8220;, kam der geh&auml;ssige Kommentar von Droca, dem Kupferdrachen.<br \/>\n  Droca glich seinem benachbarten Bronzedrachen, Neidh&ouml;cker, wie ein Ei dem<br \/>\n  anderen und war nur deswegen als er selbst zu identifizieren, weil er ein gro&szlig;es<br \/>\n  Schild um den langen Hals trug, auf dem in gro&szlig;en, gut lesbaren Buchstaben<br \/>\n  sein Name stand. Neidh&ouml;cker trug ein &auml;hnliches Schild, nur dass auf<br \/>\n  diesem sein eigener Name zu lesen war.<\/p>\n<p>  &#8222;Wenigstens brauche ich nicht mehrere Millennien, um mir eine Methode<br \/>\n  auszudenken, mit der man mich einwandfrei identifizieren kann!&#8220;, entgegnete<br \/>\n  der rote Drache, worauf Droca besch&auml;mt den Blick abwendete.<br \/>\n  &#8222;Wer ist das &uuml;berhaupt, dass du dich pl&ouml;tzlich mit Menschen<br \/>\n  abgibst?&#8220;, kam eine weitere Frage von Adorelon, dem Silberdrachen.<br \/>\n  &#8222;Dies ist Ninnel, Karlmax&#8216; Sohn!&#8220;, sagte Kalessan und versuchte,<br \/>\n  wenigstens ein bisschen feierlich zu klingen, erntete aber lediglich verst&auml;ndnislose<br \/>\n  Blicke.<\/p>\n<p>  &#8222;Wessen Sohn?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ihr erinnert euch doch hoffentlich? M&auml;nnlicher Mensch, viele Haare<br \/>\n  im Gesicht, rettete alle unsere Existenzen&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Nein!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Thric!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja&#8230; Moment, nein, doch nicht!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Dann wei&szlig; ich nicht, was peinlicher ist &#8211; dass ich mir als<br \/>\n  einziger in der Runde den Namen eines speziellen Menschen behalten konnte oder<br \/>\n  dass ihr alle den Namen dieses Menschen vergessen konntet, der euch alles bewahrt<br \/>\n  hat, was euch teuer war.&#8220;, brauste Kalessan auf.<\/p>\n<p>  &#8222;Habe ich irgendwas nicht mitbekommen? Woher der pl&ouml;tzliche Seitenwechsel,<br \/>\n  Kalessan?&#8220;, fragte ihn Tjamat, der blaue Drache, der gerade mit einer<br \/>\n  &uuml;berdimensionierten Nagelfeile seine Krallen sch&ouml;nte.<br \/>\n  &#8222;Oh, du meinst den Menschen in dieser Saurudalf-Angelegenheit, nicht wahr?&#8220;,<br \/>\n  merkte Droca an, &#8222;Von dem habe ich noch &ouml;fters geh&ouml;rt, der ist<br \/>\n  jetzt ein ber&uuml;hmter Theoretiker geworden oder so, hat gro&szlig;en Erfolg,<br \/>\n  zieht durch die Lande, gibt Vorlesungen undsoweiter &#8211; in meinen Augen<br \/>\n  ist unsere Schuld an diesen Menschen bezahlt.&#8220;<\/p>\n<p>  Die anderen Drachen stimmten dem kollektiv zu.<br \/>\n  &#8222;Dann habe ich in den letzten Wochen anscheinend die Schuld von uns allen<br \/>\n  zusammen bezahlt.&#8220;, antwortete Kalessan mit einem d&uuml;steren Blick<br \/>\n  auf Ninnel, der gerade einen Stein &uuml;ber den Rand vom Plateau des roten<br \/>\n  Drachen fallen lie&szlig;, um zu h&ouml;ren, wie tief der Abgrund darunter sei.<br \/>\n  &#8222;Und jetzt erz&auml;hlt ihr mir besser, warum ich mit diesem Balg &uuml;berhaupt<br \/>\n  herkommen musste &#8211; und lasst es bitte einen guten Grund sein, denn ich<br \/>\n  bin zu fertig mit den Nerven, um irgendeine idiotische Begr&uuml;ndung f&uuml;r<br \/>\n  diese Zusammenkunft akzeptieren zu k&ouml;nnen!&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessans letztes F&uuml;nkchen Hoffnung verschwand, als alle anderen Drachen<br \/>\n  auf einmal reges Interesse an Steinen, Wolken und intensiver Krallenmanik&uuml;re<br \/>\n  zeigten.<br \/>\n  Smahug r&auml;usperte sich kurz und sagte dann:<br \/>\n  &#8222;Nuntja, &auml;hm, wei&szlig;t du, der Grund f&uuml;r dieses Treffen ist&#8230;<br \/>\n  wie soll ich es sagen, also es ist so&#8230; &auml;hm&#8230; unsere liebe Schneewei&szlig;chen<br \/>\n  hier&#8230;&#8220;, er deutete auf die wei&szlig;e Drachin, die sich konsequent<br \/>\n  weigerte, auch nur ein Wort in der allgemeinen Sprache zu sprechen, &#8222;&#8230;nun,<br \/>\n  sie hat doch morgen ihren 2000. Geburtstag und da wollten wir eine kleine&#8230;<br \/>\n  Feier veranstalten&#8230; hast du meinen Hausw&uuml;rger etwa nicht aussprechen<br \/>\n  lassen?&#8220;<\/p>\n<p>  Aus dem Tal dr&ouml;hnte das donnernde Echo einer Steinlawine hinauf, die durch<br \/>\n  Ninnels Steinwurf ausgel&ouml;st worden war. <br \/>\n  Sie setzte sich in Kalessans Kopf in Form einer Lawine aus Wut fort.<br \/>\n  Er br&uuml;llte laut auf, so laut, dass es selbst den restlichen Drachen in<br \/>\n  den Ohren schmerzte, und schlug mit der geballten Faust auf den Felsboden seines <\/p>\n<p>  Plateaus.<br \/>\n  Kalessans Schrei und das kleine Beben von seinem Schlag reichten aus, um Ninnel<br \/>\n  &uuml;ber den Rand der Klippe, an der er sich immer noch aufhielt, auf einen<br \/>\n  tiefen, t&ouml;dlichen Fall zu schicken.<\/p>\n<p>  Kalessan und die anderen Drachen bemerkten es nicht.<br \/>\n  Aufmerksame Augen beobachteten &#8211; und reagierten.<br \/>\n  Der rote Drache tobte.<br \/>\n  Die restlichen neun Mitglieder des Rates waren schon so einiges an Wutausbr&uuml;chen<br \/>\n  gewohnt, die Kalessan angesichts ihm weniger wichtig erscheinenden Themen der<br \/>\n  Versammlung losgelassen hatte, aber dies &uuml;bertraf alles vorher dagewesene.<br \/>\n  Wochenlang aufgestaute Wut entlud sich in unartikuliertem, lautem Gebr&uuml;ll<br \/>\n  und zahlreichen Gewalttaten gegen&uuml;ber dem Felsen, auf dem der rote Drache<br \/>\n  sa&szlig;. Fr&uuml;her hatte er wenigstens noch den Anstand gehabt, ihnen einzeln<br \/>\n  Beleidigungen zuzuschreien. H&auml;tte ihn diesmal nicht ein letzter Funken<br \/>\n  Vernunft davon abgehalten, er h&auml;tte sich wahrscheinlich auf Smahug gest&uuml;rzt<br \/>\n  und versucht, ihn umzubringen.<\/p>\n<p>  So dauerte es auch mehrere Minuten, bis er sich wieder beruhigt hatte und auf<br \/>\n  dem gro&szlig;en Felsplateau nichts mehr au&szlig;er der rauschende Wind zu<br \/>\n  h&ouml;ren war.<br \/>\n  Die restlichen Drachen des Rates kauerten sich alle eingesch&uuml;chert auf<br \/>\n  ihren Pl&auml;tzen zusammen und wagten es nicht, einen Laut zu machen, der die<br \/>\n  Aufmerksamkeit Kalessans auf sie ziehen k&ouml;nnte.<br \/>\n  Smahug erholte sich als erster:<br \/>\n  &#8222;Bist du jetzt fertig, Kalessan? Gut, dein Mensch ist n&auml;mlich verschwunden.<br \/>\n  Zufrieden?&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessans wahnsinniger Blick kl&auml;rte sich ein wenig auf, als er sich auf<br \/>\n  seinem Plateau umsah und bemerkte, dass Ninnel tats&auml;chlich verschwunden<br \/>\n  war. Er warf einen Blick &uuml;ber die Felskante und suchte den Felsboden weit<br \/>\n  unter sich nach dem Jungen ab, aber da war nichts. Der Drache wandte sich wieder<br \/>\n  Smahug zu:<br \/>\n  &#8222;Na und? Dann ist er endlich tot, und ich habe versagt. Es ist mir egal!<br \/>\n  Und wei&szlig;t du, was mir noch egal ist? Diese Versammlung hier! Wir sollten<br \/>\n  die Welt regieren, und was machen wir stattdessen? Wir feiern Geburtstage, suchen<br \/>\n  nach deinen Sch&auml;tzen und legen uns mit mickrigen Magiern an. Wann haben<br \/>\n  wir f&uuml;r diese Welt in letzter Zeit wirklich etwas wichtiges getan? Nichts!<br \/>\n  Und dann sind wir sogar noch zu arrogant, um eine gute Tat anzuerkennen, die<br \/>\n  mal jemand f&uuml;r uns tut. In dieser Hinsicht habe ich in den letzten Wochen<br \/>\n  mehr im Namen dieses Rates getan als wir alle zusammen in den letzten acht Jahren.<br \/>\n  Ich habe jemandem gezeigt, dass mir das, was er f&uuml;r mich getan hat, nicht<br \/>\n  schei&szlig;egal war. Ja, es war ein Mensch. Ja, ich habe dabei gelitten, und<br \/>\n  ja, ich habe versagt. Das beweist mir nur, wie inkompetent diese gesamte Versammlung<br \/>\n  hier ist &#8211; darum sollte mir mein Versagen wohl doch nicht so egal sein&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Versagen wobei, Onkel Kalessan?&#8220;, ert&ouml;nte eine leise Stimme<br \/>\n  &uuml;ber dem Rauschen des Windes.<br \/>\n  Kalessan dreht sich um.<br \/>\n  &#8222;Oh, Schei&szlig;e!&#8220;<br \/>\n  Ninnel war offensichtlich am Leben. Die Tatsache, dass er sich in den Klauen<br \/>\n  eines fremden, roten Drachen befand, lie&szlig; jedoch nicht daf&uuml;r sprechen,<br \/>\n  dass es noch lange so bleiben w&uuml;rde.<\/p>\n<p>  Gemessen an Kalessan war dieser Drache gerade mal halb so gro&szlig;, aber immer<br \/>\n  noch gro&szlig; genug, um bei den meisten Menschen ernsthafte Blasenschw&auml;che<br \/>\n  zu bewirken. Weitaus eindrucksvoller als seine Gr&ouml;&szlig;e war jedoch sein<br \/>\n  Blick. So ein Blick lie&szlig; nur auf einen Verstand hinter diesen Augen schlie&szlig;en,<br \/>\n  der vollkommen wahnsinnig und zu allem bereit war, dabei noch einen extremen<br \/>\n  Hang zum Sadismus hatte, jedoch alle Handlungen mit kalter Berechnung durchf&uuml;hren<br \/>\n  konnte. Kalessan hatte in seinen besseren Tagen auch nicht anders ausgesehen&#8230;<br \/>\n  Er erholte sich von daher von diesem Anblick daher als erster.<br \/>\n  &#8222;Wer bist du?&#8220;, fragte er.<\/p>\n<p>  &#8222;Oh, wir sind wohl ein ganz st&uuml;rmischer, nicht wahr?&#8220;, sagte<br \/>\n  der Drache, der nach dessen Stimme zu urteilen unmissverst&auml;ndlich weiblich<br \/>\n  war und f&uuml;gte dem bedrohlichen Blick ein &auml;hnlich schockierendes L&auml;cheln<br \/>\n  mit sp&ouml;ttischem Unterton hinzu, w&auml;hrend er mit heftigen, schweren<br \/>\n  Fl&uuml;gelschl&auml;gen versuchte, einigerma&szlig;en seine H&ouml;he zu halten.<br \/>\n  &#8222;Ist euch eigentlich klar, dass jedem Drachen, der unaufgefordert diese<br \/>\n  Versammlung besucht, die Todesstrafe droht?&#8220;, schaltete sich nun Smahug<br \/>\n  an die Drachin gewandt ein.<\/p>\n<p>  Diese riss ihren Blick von Kalessan los und funkelte den Vorstand des Rates<br \/>\n  an:<br \/>\n  &#8222;Nat&uuml;rlich ist mir das klar &#8211; nur frage ich mich, warum das<br \/>\n  ganze? Damit wir anderen Drachen nicht herausbekommen, dass ihr nur Geburtstagspartys<br \/>\n  feiert und Nichtigkeiten besprecht, anstatt die Welt zu beherrschen? Eine hervorragende<br \/>\n  Begr&uuml;ndung, wirklich!&#8220; <br \/>\n  Die Stimme der Drachin troff vor Hohn und lie&szlig; Smahug sichtbar zusammenzucken.<br \/>\n  Sie blickte sich in der Runde um:<br \/>\n  &#8222;Oh, ihr seid wirklich ein wahrer Haufen von Herrschern: verfressen, fett,<br \/>\n  herrschs&uuml;chtig, faul, arrogant und zu nichts nutze!&#8220;<\/p>\n<p>  Ihr Blick kam zu Kalessan zur&uuml;ck.<br \/>\n  &#8222;Was ist mit dir? Du scheinst &auml;hnlicher Meinung zu sein&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Gib mir den Jungen zur&uuml;ck und nenn mir deinen Namen!&#8220;, bellte<br \/>\n  er.<br \/>\n  Die Drachin sah Ninnel kurz an, der die gesamte Szenerie mit anscheinend sehr<br \/>\n  gro&szlig;em Interesse verfolgt hatte und seinen Blick kontinuierlich von Drache<br \/>\n  zu Drache wandern lie&szlig;, um auch ja nichts zu verpassen.<\/p>\n<p>  &#8222;Dir scheint dieser Junge ja sehr viel zu bedeuten&#8230; wenn das so ist,<br \/>\n  dann komm doch und hol ihn dir!&#8220;, antwortete die rote Drachin lachend,<br \/>\n  drehte ab und begann, auf der n&auml;chst besten Luftstr&ouml;mung davon zu<br \/>\n  fliegen.<br \/>\n  Smahug war au&szlig;er sich:<br \/>\n  &#8222;Das&#8230; das&#8230; das ist ein Skandal! Das ist mir vorher noch nie untergekommen.<br \/>\n  Selbst ihr roten Drachen wisst, dass diese Versammlung f&uuml;r euch untersagt<br \/>\n  ist!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich wusste doch, dass ich hier nie erw&uuml;nscht war&#8230;&#8220;, antwortete<br \/>\n  Kalessan abf&auml;llig.<\/p>\n<p>  &#8222;Du wei&szlig;t genau, was ich damit gemeint habe. Dieser Versto&szlig;<br \/>\n  muss geahndet werden! Dem Gesetz muss Folge getragen werden! Sie wird die Konsequenzen<br \/>\n  f&uuml;r diese Untat tragen m&uuml;ssen! Kalessan, da sie Mitglied deiner Rasse<br \/>\n  ist, wirst du das Urteil an ihr vollstrecken!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Du meinst sie umbringen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ganz genau!&#8220;, Smahugs Stimme &uuml;berschlug sich, &#8222;Ich befehle<br \/>\n  es dir!&#8220;<\/p>\n<p>  Die folgende Stille h&auml;tte kein Friedhof besser hinzaubern k&ouml;nnen.<br \/>\n  Als Kalessan das n&auml;chste Mal sprach, war seine Stimme leise und zischend:<br \/>\n  &#8222;Du befiehlst mir gar nichts mehr, Smahug! Diese Zeiten sind vorbei. Ich<br \/>\n  werde diese Drachin verfolgen und t&ouml;ten &#8211; weil sie mich herausgefordert<br \/>\n  hat. Und wenn ich sie umbringe, dann wird das mein letzter Dienst f&uuml;r diesen<br \/>\n  Rat gewesen sein.&#8220;<br \/>\n  Er drehte sich um und breitete seine Fl&uuml;gel aus.<\/p>\n<p>  &#8222;Du kannst nicht austreten!&#8220;, br&uuml;llte Smahug ihn an.<br \/>\n  &#8222;Dann halte mich auf!&#8220;, entgegnete der rote Drache, stie&szlig;<br \/>\n  sich ab und flog der Drachin hinterher, die ihn so frech herausgefordert hatte.<br \/>\n  Schneewei&szlig;chen murmelte etwas auf Draconisch, das ungef&auml;hr mit &#8222;Wirklich,<br \/>\n  ein sch&ouml;ner Geburtstag!&#8220; &uuml;bersetzt werden konnte.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit<br \/>\n  Nagersacki unterwegs zu sein, erwies sich f&uuml;r den Fremden aus einer anderen<br \/>\n  Welt als an sich schon sehr schwere Aufgabe, da man sehr aufpassen musste, die<br \/>\n  Ehre dieses Kriegers nicht zu verletzen. Einmal hatte sich ein Vogel direkt<br \/>\n  &uuml;ber Nagersackis Kopf erleichtert, und nachdem der Krieger sich nicht dazu<br \/>\n  in der Lage sah, das Tier deswegen zu einem fairen Kampf zu stellen, hatte der<br \/>\n  Reisende seine Liebe M&uuml;he, den Sauriam davon abzuhalten, sich selbst das<br \/>\n  Schwert in seine Bauchklappe zu rammen.<br \/>\n  Nichtsdestotrotz f&uuml;hrte ihn Nagersacki in ein Gel&auml;nde, das zumindest<br \/>\n  schon mal die Bezeichnung &#8222;finsterer Sumpf&#8220; verdient hatte.<br \/>\n  &#8222;Sag mal, Nagersacki, warum hei&szlig;en die finsteren S&uuml;mpfe des<br \/>\n  Schwarzen Todes eigentlich so?&#8220;, erkundigte sich der Fremde.<\/p>\n<p>  &#8222;Nun, sie sehr finster seien&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und weiter?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&#8218;Schwarzer Tod&#8216;, so wird genannt Drache, der lebt in Sumpf.<br \/>\n  Seien kein netter Zeitgenosse, ha ha!&#8220;, erkl&auml;rte Nagersacki.<br \/>\n  &#8222;Oh, genau zu dem m&ouml;chte ich aber.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ihr wollen den Schwarzen Tod umbringen? Das werden ein wahrhaft guuuter<br \/>\n  Kampf!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ich will ihn eigentlich nicht umbringen, vielmehr&#8230; mit ihm reden!&#8220;<br \/>\n  Der Fremde achtete darauf, nicht zu viele Details &uuml;ber seinen geheimen<br \/>\n  Auftrag und vor allem &uuml;ber die Schriftrolle mit der wichtigen Nachricht<br \/>\n  zu preiszugeben &#8211; man wusste nie, wem man trauen konnte, dazu hatte er<br \/>\n  schon zu viele B&uuml;cher gelesen.<br \/>\n  &#8222;Oh&#8230; darf Nagersacki ihn umbringen, nachdem ihr geredet habt?&#8220;,<br \/>\n  fragte der Krieger hoffnungsvoll.<br \/>\n  &#8222;Nein!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Oh bitte, nur ein bisschen!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein, und es bleibt dabei!&#8220;<br \/>\n  Der Reisende hoffte stark, dass er den Sauriam nicht zu sehr in seiner Ehre<br \/>\n  verletzt hatte, ansonsten w&uuml;rde dieser Streit noch viel heftigere Ausma&szlig;e<br \/>\n  annehmen. Der Krieger beschr&auml;nkte sich jedoch darauf, lautstark zu schmollen<br \/>\n  und etwas in seiner eigenen, zwitschernden Sprache zu murmeln.<br \/>\n  Die beiden setzten ihre Reise durch den immer finsterer und sumpfiger werdenden<br \/>\n  finsteren Sumpf in verdrossenem Schweigen fort. Obwohl es eigentlich ein heller<br \/>\n  Tag sein sollte, war der Himmel d&uuml;ster und dem Sumpf hing eine niederdr&uuml;ckende<br \/>\n  Stimmung an. Dies lag vor allem an der Vegetation, beziehungsweise den sogenannten<br \/>\n  Gruselb&auml;umen. Diese haben eine sehr bizarre, gekr&uuml;mmte Form mit vielen<br \/>\n  gezackten &Auml;sten und Ausw&uuml;chsen, die jeden phantasievollen Verstand<br \/>\n  geradezu dazu auffordern, sie f&uuml;r gef&auml;hrliche Monster oder ausgestreckte<br \/>\n  Klauen zu halten. Diese spezielle Baumart w&auml;chst besonders inmitten von<br \/>\n  dunklen W&auml;ldern und S&uuml;mpfen. Aufgrund ihrer die Atmosph&auml;re steigernde<br \/>\n  Wirkung wird sie gerne von b&ouml;sen Herrschern und Kreaturen an diesen ihren<br \/>\n  Heimst&auml;tten importiert und verdr&auml;ngt schnell s&auml;mtliche Restvegetation,<br \/>\n  die andere Farben au&szlig;er grau, schwarz und braun aufweist. Alle anderen<br \/>\n  Pflanzen bleiben seltsamerweise unangetastet&#8230;<\/p>\n<p>  Die unheimliche Wirkung des Sumpfes lie&szlig; auch das Gem&uuml;t des Reisenden<br \/>\n  nicht ganz unangetastet. Er war sich zwar immer noch sicher, dass ihm als Weltenretter<br \/>\n  nichts passieren konnte, dennoch hoffte er, dass er den Drachen bald finden<br \/>\n  w&uuml;rde, damit er schnell aus diesem Sumpf heraus kommen und die Welt retten<br \/>\n  k&ouml;nnte.<br \/>\n  Nagersacki bedeutete ihm pl&ouml;tzlich, stehen zu bleiben und sah sich aufmerksam<br \/>\n  um.<br \/>\n  &#8222;Es sehr ruhig geworden ist. Kein gutes Zeichen sein.&#8220;<br \/>\n  Dies wurde darin best&auml;tigt, dass aus den Schatten der Gruselb&auml;ume<br \/>\n  um ihnen herum auf einmal drei schreckliche Kreaturen auftauchten und sie umzingelten.<br \/>\n  Es handelte sich um hoch gewachsene, bucklige Humanoide mit entstellten Gesichtern.<br \/>\n  Sie hatten lange, r&uuml;benartige Nasen, zahnlose H&ouml;hlen als M&uuml;nder,<br \/>\n  das Kinn von jedem von ihnen war mehrere Zentimeter lang und sie waren &uuml;berall<br \/>\n  von pulsierenden Warzen entstellt. Sogar einige der Warzen hatten Warzen und<br \/>\n  aus ihnen wuchsen lange, d&uuml;nne Haare, die wahrscheinlich keine noch so<br \/>\n  scharfe Gartenschere h&auml;tte durchschneiden k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>  Nagersacki z&ouml;gerte nicht lange, zog sein langes Schwert, stie&szlig; einen<br \/>\n  hochfrequenten Kampfschrei aus und st&uuml;rmte auf die n&auml;chst beste der<br \/>\n  drei Kreaturen zu. Diese wich ihm m&uuml;helos aus und stellte ihm ein Bein.<br \/>\n  Nagersacki hatte nicht genug Zeit, um zu reagieren, stolperte und legte sich<br \/>\n  der L&auml;nge nach hin. Leider hielt er dabei sein Schwert so ung&uuml;nstig,<br \/>\n  dass er es sich dabei selbst in den Bauch rammte. Am Boden liegend sah er noch<br \/>\n  einmal zu dem Reisenden hoch und sagte:<br \/>\n  &#8222;Es ist vollbracht.&#8220;<br \/>\n  Dann hauchte er seinen Lebensatem aus.<\/p>\n<p>  <em>Was f&uuml;r ein oberpeinlicher Schlusssatz!<\/em>, dachten sich alle Anwesenden.<br \/>\n  Die drei Kreaturen schlossen nun ihren Kreis um den einsamen Reisenden, der<br \/>\n  heftig zu zittern begann und sich nun doch schon seinem Ende nahe w&auml;hnte.<br \/>\n  Eine letzte Frage wollte er ihnen jedoch noch stellen:<br \/>\n  &#8222;Werwerwer seid ihr?&#8220;<br \/>\n  Sie kreischten laut auf, was anscheinend ihre Art war, zu lachen. Danach antworteten<br \/>\n  sie im Chor:<br \/>\n  &#8222;Wir sind die drei schrecklichen Furien!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Ich bin Alexzstrzuszszuszia!&#8220;, schrie die eine, und der Reisende<br \/>\n  begann noch heftiger zu zittern.<br \/>\n  &#8222;Mein Name ist Chmlech&#8217;krach!clochchmchmrn!&#8220;, kreischte die<br \/>\n  zweite Furie, und der Reisende begann qualvoll zu wimmern.<br \/>\n  Dann stellte sich die dritte vor:<br \/>\n  &#8222;Und ich hei&szlig;e&#8230;&#8220;<br \/>\n  Als die Furie ihren Namen genannt hatte, t&ouml;nten die Schreie des Reisenden<br \/>\n  laut und gellend, aber ungeh&ouml;rt durch den finsteren Sumpf.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die<br \/>\n  Drachin zu verfolgen, war f&uuml;r Kalessan wahrlich kein Zuckerschlecken, da<br \/>\n  diese sich als &auml;u&szlig;erst flink entpuppte und den gr&ouml;&szlig;eren<br \/>\n  Drachen in relativ kurzer Zeit abgeh&auml;ngt hatte.<br \/>\n  Kalessan musste ab und an sogar auf die Hilfe von Menschen am Boden zur&uuml;ckgreifen:<br \/>\n  &#8222;Ist hier ein roter Drache vor&uuml;ber geflogen?&#8220;<br \/>\n  Der Blick des von ihm angesprochenen Bauern machte ihm klar, dass es momentan<br \/>\n  nur <em>einen einzigen<\/em> Drachen in seinem Universum gab. Seine Selbsterhaltungstriebe<br \/>\n  brachten ihn jedoch zumindest so weit, den Arm unter wildem Zittern in die entsprechende<br \/>\n  Richtung auszustrecken.<\/p>\n<p>  Kalessan flog los und brachte ihn nicht um &#8211; sogar dazu war er zu w&uuml;tend.<br \/>\n  Nach etlichen Stunden des Folgens von Spuren in der Luft und Hinweisen vom Boden<br \/>\n  fand er die H&ouml;hle, die den Geruch jener fremden Drachin trug, am Rand einer<br \/>\n  kleinen Gebirgskette. Er zw&auml;ngte sich durch den f&uuml;r ihn viel zu kleinen<br \/>\n  Durchgang und kam alsbald in den Hauptraum der Behausung der fremden Drachin.<br \/>\n  Diese erwartete ihn bereits entspannt auf dem Boden liegend und zufrieden grinsend.<br \/>\n  &Uuml;ber ihr baumelte ein &uuml;berdimensionierter Vogelk&auml;fig, in dem<br \/>\n  Ninnel hockte und Kalessan ebenfalls fr&ouml;hlich grinsend zuwinkte.<br \/>\n  &#8222;Hast ja ziemlich lange gebraucht, mein Bester &#8211; mit diesem Qu&auml;lgeist<br \/>\n  h&auml;tte ich es wohl auch kaum l&auml;nger ausgehalten&#8230;&#8220;, gurrte die<br \/>\n  rote Drachin, stand auf und stupste den K&auml;fig kurz an, worauf Ninnel wild<br \/>\n  hin und hergeschleudert wurde.<\/p>\n<p>  &#8222;H&ouml;r mal zu: Ich bin momentan ziemlich stinkig &#8211; was stressige<br \/>\n  Situationen betrifft, was andere Drachen betrifft und <em>vor allem<\/em> was<br \/>\n  diesen Jungen dort betrifft. Der Rat hat mich beauftragt, dich wegen deines<br \/>\n  Versto&szlig;es gegen unser Gesetz zu t&ouml;ten, aber darauf habe ich jetzt<br \/>\n  ehrlich gesagt keine Lust. Aus diesem Verein bin ich drau&szlig;en. Wenn du<br \/>\n  mir den Jungen also jetzt gibst und dich dann nie wieder blicken l&auml;sst,<br \/>\n  bin ich bereit, dich am Leben zu lassen.&#8220;<br \/>\n  Die gef&auml;hrliche Ruhe von Kalessans Tonfall h&auml;tte selbst einige der<br \/>\n  &auml;lteren Mitglieder im Drachenrat verschreckt, doch diese viel kleinere<br \/>\n  Drachin lachte nur und legte den Kopf schief.<\/p>\n<p>  &#8222;Dir liegt wirklich viel an diesem kleinen Bengel, nicht wahr? Ich frage<br \/>\n  mich, was an ihm so besonders ist&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Das geht dich nichts an! Und jetzt r&uuml;ck ihn raus, das ist meine<br \/>\n  letzte Warnung!&#8220;, grollte Kalessan und nahm einen noch bedrohlicheren<br \/>\n  Tonfall an, wenn das &uuml;berhaupt m&ouml;glich war.<br \/>\n  &#8222;Tut mir leid, aber ich habe ihn nicht entf&uuml;hrt, um ihn dir dann<br \/>\n  einfach wieder zur&uuml;ckzugeben&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und was willst du dann?&#8220;<\/p>\n<p>  Die Augen der Drachin verengten sich zu kleinen Schlitzen, und sie zischte:<br \/>\n  &#8222;Ich <em>will<\/em> k&auml;mpfen!&#8220;<br \/>\n  Kalessan lachte auf:<br \/>\n  &#8222;Pah! Wie alt bist du eigentlich?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Man fragt eine Lady nicht nach ihrem Alter, aber sch&ouml;n: 500 Jahre&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Noch v&ouml;llig gr&uuml;n hinter den Ohren&#8230; Du denkst doch nicht wirklich,<br \/>\n  dass du auch nur den Hauch einer Chance hast!? Was k&ouml;nnte wohl der Grund<br \/>\n  sein, dass du dein Leben so vorzeitig beenden willst?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Das wirst du noch fr&uuml;h genug sehen &#8211; na, was ist?&#8220;,<br \/>\n  fauchte die Drachin und machte herausfordernde Gesten.<br \/>\n  Kalessans Miene gefror.<br \/>\n  &#8222;Du meinst es ernst, hm? &#8230; Nun gut, wie willst du es austragen?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Luftkampf. Kein Feuer, keine Magie &#8211; nur Geschick und St&auml;rke!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Entweder du bist verdammt gut f&uuml;r dein Alter, oder du bist vollkommen<br \/>\n  wahnsinnig.&#8220;, schnaubte Kalessan.<br \/>\n  &#8222;Vielleicht bin ich ja beides &#8211; wollen wir jetzt endlich anfangen?&#8220;<br \/>\n  Eine aufgeregte Kinderstimme mischte sich ein:<\/p>\n<p>  &#8222;Oh toll, ihr werdet gegeneinander k&auml;mpfen! Darf ich zusehen? Bittebittebitte!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Halt die Klappe!&#8220;, br&uuml;llten Kalessan und die Drachin gleichzeitig,<br \/>\n  worauf Ninnel Ruhe gab.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wenige<br \/>\n  Minuten sp&auml;ter umkreisten sich die beiden Drachen &uuml;ber den Bergen.<br \/>\n  Der Himmel hatte sich im Laufe des Tages zugezogen, und die Wolken hingen dicht,<br \/>\n  grau und tief &uuml;ber der Landschaft.<\/p>\n<p>  &#8222;Ich gebe zu, ich bin ein wenig beeindruckt von deinem Mut&#8230; oder von<br \/>\n  deiner Dummheit.&#8220;, sagte Kalessan.<br \/>\n  &#8222;Oh, du wirst noch viel beeindruckter sein, glaube mir!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und du willst das wirklich?&#8220;, fragte Kalessan die fremde Drachin,<br \/>\n  immer noch zweifelnd.<br \/>\n  Diese ignorierte ihn.<br \/>\n  &#8222;Bist du bereit?&#8220;, fragte sie.<\/p>\n<p>  &#8222;Bereit, wenn du es bist.&#8220;, antwortete Kalessan, aber noch w&auml;hrend<br \/>\n  er sprach, hatte sich die Drachin aufgeschwungen und war in den Wolken verschwunden.<br \/>\n  <em>Also wird gespielt&#8230;<\/em>, dachte sich der &auml;ltere Drache und folgte<br \/>\n  ihr in die dichte Wolkendecke.<br \/>\n  Kalessan hatte in seinem Leben schon viele Luftk&auml;mpfe mit anderen Drachen<br \/>\n  ausgetragen und wusste nur zu gut, dass das Antreten gegen einen &auml;lteren,<br \/>\n  st&auml;rkeren und erfahreneren Gegner ein b&ouml;ses Ende haben konnte. Wenn<br \/>\n  man die Wettersituation als Vorteil im Kampf richtig ausnutzte, konnte man auch<br \/>\n  einen st&auml;rkeren Gegner leicht bezwingen. Doch auch Kalessan wusste um den<br \/>\n  Vorteil von Wolken und &Uuml;berraschungsangriffen. Leider hatte es nun schon<br \/>\n  seit geraumer Zeit niemand mehr gewagt, ihn herauszufordern, weswegen er ein<br \/>\n  wenig aus der &Uuml;bung war und den ersten Angriff zu sp&auml;t kommen sah.<\/p>\n<p>  Er drehte schnell ab, und die junge Drachin st&uuml;rzte an ihm vorbei, jedoch<br \/>\n  konnte sie ihm ihre Klauen einmal &uuml;ber die Seite ziehen und lie&szlig;<br \/>\n  ein paar nicht sehr tiefe, aber dennoch sp&uuml;rbare Striemen zur&uuml;ck.<br \/>\n  Danach war sie wieder au&szlig;er Sichtweite.<br \/>\n  <em>Oh, diese Drachin hat ja richtig Schneid!<\/em>, dachte sich Kalessan und<br \/>\n  flog aufw&auml;rts, um in h&ouml;heren Luftschichten aus der Wolkendecke auszubrechen.<br \/>\n  So langsam regte sich in ihm wieder die alte Kampfeslust, und er begann, seine<br \/>\n  alten Taktiken anzuwenden. &Uuml;ber den Wolken kreiste er und behielt die Schatten<br \/>\n  unter sich wachsam nach der geringsten Bewegung im Auge, ohne dabei die restliche<br \/>\n  Umgebung au&szlig;er Acht zu lassen.<\/p>\n<p>  Da! Unten wirbelten die Wolken leicht auseinander, als ob sich etwas gro&szlig;es<br \/>\n  darin bewegen w&uuml;rde. Er legte die Fl&uuml;gel an und begann einen lautlosen<br \/>\n  Sturzflug auf das Bewegungsmuster zu, durchbrach die Wolkendecke und konnte<br \/>\n  die junge Drachin sehen, wie sie, ihn nicht bemerkend, aufmerksam die Wolken<br \/>\n  unter sich absuchte.<br \/>\n  <em>Schade, es war sehr kurz mit dir, aber angenehm!<\/em>, dachte sich Kalessan<br \/>\n  und streckte seine Klauen aus, um die kleinere Drachin in der Luft zu zerrei&szlig;en.<br \/>\n  Den Bruchteil einer Sekunde bevor er auf sie auftraf, drehte sie sich auf einmal<br \/>\n  blitzartig um ihre Achse und wirbelte zur Seite, sodass Kalessan sie knapp verfehlte.<br \/>\n  Dabei gelang es ihr, in die empfindliche, bereits von Narben durchs&auml;te<br \/>\n  Fl&uuml;gelmembran des &auml;lteren Drachen zu bei&szlig;en. Dadurch war sie<br \/>\n  jedoch kurz in Reichweite von Kalessan, der jetzt seinerseits die Gelegenheit<br \/>\n  nutzte, sich geschickt in der Luft drehte und ihr eine Klaue in den Hals rammte.<br \/>\n  Die Drachin l&ouml;ste sich von ihm und br&uuml;llte auf, jedoch klang es mehr<br \/>\n  wie ein lustvolles St&ouml;hnen als ein Schmerzensschrei. Danach verschwand<br \/>\n  sie wieder in den Wolken.<\/p>\n<p>  Kalessan verfluchte sich selbst, dass er auf diese Falle hereingefallen war.<br \/>\n  Er hatte diese junge Drachin anscheinend gewaltig untersch&auml;tzt. Aber man<br \/>\n  wird nicht so alt, wenn man nicht aus seinen Fehlern lernt&#8230;<br \/>\n  Er durchbrach erneut die Wolkendecke auf der oberen Seite. In einiger Entfernung<br \/>\n  flog seine Gegnerin &#8211; auch sie hatte ihn entdeckt und flog direkt auf<br \/>\n  ihn zu. Ein paar Hundert Meter bevor sie aufeinander prallten, tauchte sie in<br \/>\n  die Wolken ab. Doch diesen Trick kannte Kalessan. Als er hinter sich das Rauschen<br \/>\n  h&ouml;rte, drehte er sich blitzartig um und entbl&ouml;&szlig;te seine F&auml;nge.<br \/>\n  Die Drachin, die von unten aus den Wolken hervor kam, einen halben Looping flog,<br \/>\n  um sich dann von oben &uuml;berraschend auf ihren Gegner st&uuml;rzen zu k&ouml;nnen,<br \/>\n  hatte nicht erwartet, direkt in die Klauen ihres Feindes zu fallen. Die beiden<br \/>\n  K&auml;mpfer verkeilten sich kurz ineinander und versuchten, w&auml;hrend des<br \/>\n  freien Falls dem Gegner die Fl&uuml;gel so zu besch&auml;digen, dass dieser<br \/>\n  nicht mehr fliegen und am Boden zerschellen w&uuml;rde. Beide zogen sich schwere<br \/>\n  Wunden zu, bevor sie sich voneinander trennten und wieder in den Wolken verschwanden.<\/p>\n<p>  Kalessan hatte mehrere tiefe Kratzer an seiner Unterseite und einige Bisswunden<br \/>\n  am Hals davongetragen, seiner Gegnerin aber daf&uuml;r ein paar Risse in der<br \/>\n  linken Fl&uuml;gelmembran und eine tiefe Verletzung am Hinterbein beigebracht.<br \/>\n  Doch f&uuml;r ihr Alter war dieses junge Ding erstaunlich erfahren im Kampf.<br \/>\n  Kalessan hatte schon wesentlich &auml;lteren Drachen gegen&uuml;ber gestanden,<br \/>\n  die sich ungeschickter angestellt hatten und nicht so lange durchhielten wie<br \/>\n  diese Drachin. Wirklich schade, dass er sie w&uuml;rde umbringen m&uuml;ssen&#8230;<br \/>\n  Der Kampf tobte noch &uuml;ber eine Stunde lang, und Kalessan musste feststellen,<br \/>\n  dass er zwar wesentlich st&auml;rker als sein junges Gegen&uuml;ber war, jedoch<br \/>\n  bei weitem nicht mehr so agil und schnell. Sein hohes Alter mochte ihm zwar<br \/>\n  mehr Erfahrung und ausgekl&uuml;geltere Kampftaktiken beigebracht haben, doch<br \/>\n  diese waren im Laufe der Jahre so weit eingestaubt, dass er in der jungen Drachin<br \/>\n  einen nahezu ebenb&uuml;rtigen Gegner hatte.<\/p>\n<p>  Die Schlacht h&auml;tte noch viel l&auml;nger dauern k&ouml;nnen, doch Kalessan<br \/>\n  deutete der Drachin bei einer g&uuml;nstigen Gelegenheit eine kurze Auszeit<br \/>\n  an. Kurze Zeit sp&auml;ter umkreisten sich die beiden wieder unter der Wolkendecke.<br \/>\n  &#8222;Was ist, machst du etwa schon schlapp?&#8220;, bellte seine junge Gegnerin<br \/>\n  mit einem teuflischen Grinsen im Gesicht, obwohl sie aus mehreren Wunden heftig<br \/>\n  blutete.<br \/>\n  &#8222;Ich gebe zu, ich <em>bin<\/em> wahrlich beeindruckt von deinen F&auml;higkeiten.<br \/>\n  So einen guten Kampf hatte ich schon lange nicht mehr. Bevor wir weitermachen<br \/>\n  m&ouml;chte ich zumindest noch deinen Namen erfahren!&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Lady Syrop, zu euren Diensten!&#8220;, sprach die Drachin und verneigte<br \/>\n  sich sp&ouml;ttisch in der Luft vor ihrem Gegner.<br \/>\n  &#8222;Syrop? DU hast all diese Drachent&ouml;ter zu mir geschickt?&#8220;<br \/>\n  Die junge Drachin lachte lauthals &uuml;ber die Kalessan offen ins Gesicht geschriebene<br \/>\n  Verbl&uuml;ffung:<br \/>\n  &#8222;Ja, das war ich. Da du noch am Leben bist, scheinen sie ihre Aufgabe<br \/>\n  nicht sehr gut erf&uuml;llt zu haben&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Aber wozu? Ich habe dich vorher noch nie gesehen. Was habe ich dir getan?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nun, gar nichts!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und was willst du dann?&#8220;, fragte der &auml;ltere Drache, dessen<br \/>\n  Verwunderung immer gr&ouml;&szlig;er wurde.<br \/>\n  &#8222;Was ich will? Aufmerksamkeit! Und die bek&auml;me ich wohl kaum, wenn<br \/>\n  ich junges Ding mal eben bei dir angeklopft h&auml;tte, nicht wahr?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Aufmerksamkeit? Das ist alles? Warum das?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Wenn du das bis jetzt noch nicht herausgefunden hast, dann k&ouml;nnen<br \/>\n  wir diese Angelegenheit genauso gut beilegen, mein Liebster&#8230;&#8220;, antwortete<br \/>\n  Syrop sp&ouml;ttisch.<br \/>\n  Doch Kalessan hatte schon begriffen. Er war &uuml;berrascht &uuml;ber die Vorgehensweise<br \/>\n  der jungen Drachin, und er war noch viel mehr &uuml;berrascht &uuml;ber den<br \/>\n  Erfolg, den sie damit hatte. Doch es passte alles zusammen. Kalessan konnte<br \/>\n  nicht umhin, sich selbst den Erfolg ihres Anliegens einzugestehen &#8211; nun<br \/>\n  galt es, entsprechend zu reagieren.<\/p>\n<p>  &#8222;Dir ist klar, was du da willst?&#8220;, sagte er.<br \/>\n  &#8222;Ja!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Dir ist au&szlig;erdem klar, dass ich das schon seit einer Ewigkeit nicht<br \/>\n  mehr getan habe?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Allerdings!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Dann lass es uns beenden!&#8220;<\/p>\n<p>  Syrop nickte zufrieden. Sie beide begannen, sich immer weiter in die H&ouml;he<br \/>\n  zu schrauben und dabei stetig einander zu umkreisen. H&ouml;her und h&ouml;her<br \/>\n  flogen sie, durch die Wolken hindurch und noch viel weiter, bis in obere Schichten,<br \/>\n  wo die Luft schon sehr d&uuml;nn war, sich dabei immer umkreisend, wie in einem<br \/>\n  grotesken Tanz der Sonne entgegen.<br \/>\n  Dort oben trennten sie sich dann voneinander und flogen auseinander, um sich<br \/>\n  dann in angemessenem Abstand voneinander gegen&uuml;ber zu positionieren und<br \/>\n  ein paar Sekunden mit heftigen Fl&uuml;gelschl&auml;gen in der d&uuml;nnen Luft<br \/>\n  zu verharren.<br \/>\n  &#8222;Bist du bereit daf&uuml;r?&#8220;, fragte Kalessan die j&uuml;ngere Drachin,<br \/>\n  die vor Ersch&ouml;pfung zitternd sich m&uuml;hsam ihm gegen&uuml;ber in der<br \/>\n  Luft hielt, aber immer noch die Kraft hatte, keck zu antworten:<\/p>\n<p>  &#8222;Bist du es denn?&#8220;<br \/>\n  Kalessan br&uuml;llte auf und warf sich vorw&auml;rts. Mit kr&auml;ftigen Fl&uuml;gelschl&auml;gen<br \/>\n  steuerte er auf sein Gegen&uuml;ber zu. Syrop tat es ihm gleich, schrie auf<br \/>\n  und brauste ebenfalls auf den viel gr&ouml;&szlig;eren roten Drachen hin.<br \/>\n  Die beiden n&auml;herten sich einander immer schneller und schneller. Keiner<br \/>\n  drosselte seine Geschwindigkeit oder drehte gar ab, als sie auf Konfrontationskurs<br \/>\n  gingen. Lediglich im letzten Moment glaubte Kalessan, eine Spur von Zweifel<br \/>\n  in den Augen Syrops zu sehen, doch da war es bereits zu sp&auml;t.<\/p>\n<p>  Die beiden Kolosse prallten in der Luft wuchtig aufeinander und beschrieben<br \/>\n  eine bizarre Pirouette, als sie sich festhielten und umeinander drehten. Blitzartig<br \/>\n  umwickelte der viel gr&ouml;&szlig;ere Kalessan Syrops Hals und Schwanz mit<br \/>\n  den seinen, krallte sich an ihr fest, hielt ihre Fl&uuml;gel mit seinen Klauen<br \/>\n  an den Seiten, sodass sie v&ouml;llig umklammert war und legte seine eigenen<br \/>\n  Schwingen an. In einer t&ouml;dlichen Umarmung st&uuml;rzten die beiden Drachen<br \/>\n  sich immer noch drehend kopf&uuml;ber den Wolken entgegen. Die gefangene Syrop<br \/>\n  kreischte, riss Kalessans Unterleib mit ihren Klauen auf und biss sich in seinem<br \/>\n  Hals fest, doch dieser hielt sie in seiner erbarmungslosen Umklammerung fest<br \/>\n  und schien den Schmerz gar nicht zu sp&uuml;ren.<br \/>\n  Immer und immer schneller werdend rauschten sie der Wolkendecke und damit dem<br \/>\n  t&ouml;dlichen Boden entgegen, unzertrennlich verbunden.<br \/>\n  Und dann machte Kalessan etwas sehr unartiges&#8230;<\/p>\n<p>  Syrop br&uuml;llte auf.<br \/>\n  In der Ekstase ihrer Vereinigung und ihres freien Falls st&uuml;rzten die beiden<br \/>\n  Drachen durch die Wolkendecke, immer weiter an Geschwindigkeit gewinnend.<br \/>\n  Letztendlich durchbrachen sie auch die Wolken, und der Boden kam wie eine gigantische,<br \/>\n  t&ouml;dliche Fliegenklatsche rasend schnell auf sie zu.<br \/>\n  Man k&ouml;nnte meinen, dass die beiden ewig in dieser Verbindung bis zu ihrem<br \/>\n  Tod zu Boden h&auml;tten st&uuml;rzen k&ouml;nnen, doch wenige Hundert Meter<br \/>\n  &uuml;ber dem Wald, in den sie hineinzust&uuml;rzen drohten, trennte sich Kalessan<br \/>\n  von Syrop und breitete seine Schwingen weit aus, um den Sturzflug anzufangen.<br \/>\n  Selbst unter Einsatz seiner Magie riss die ungeheure Wucht des pl&ouml;tzlichen<br \/>\n  Luftwiderstandes ihm beinahe seine Fl&uuml;gel aus, und fast erschien es, dass<br \/>\n  er doch noch als ein sehr gro&szlig;er, roter Fleck am Boden enden w&uuml;rde.<br \/>\n  Doch kurz vor dem Aufprall bekam er noch seinen n&ouml;tigen Aufwind und schwebte<br \/>\n  in einer weiten Kurve wieder nach oben, wobei er einige Baumkronen mit seinen<br \/>\n  Hinterklauen streifte. Danach vollzog er eine elegante Wendung in der Luft und<br \/>\n  flog in Richtung Syrop.<\/p>\n<p>  Diese konnte den Sturzflug nicht so gut abfangen. Auch sie breitete ihre Schwingen<br \/>\n  aus, ging in einen steilen Sinkflug und hoffte, kurz vor dem Aufprall abdrehen<br \/>\n  zu k&ouml;nnen, doch der wenige Spielraum, den sie hatte, reichte nicht aus.<br \/>\n  Die Drachin rauschte in die Baumkronen hinein, entwurzelte viele B&auml;ume<br \/>\n  und pfl&uuml;gte eine gro&szlig;e Schneise in den Wald, als sie auf dem Boden<br \/>\n  auftraf und mehrere Dutzend Meter weit rutschte, bevor sie zum Stillstand kam.<br \/>\n  Kalessan zerdr&uuml;ckte noch viel mehr B&auml;ume, als er neben der &uuml;bel<br \/>\n  zugerichteten Drachin landete, die sich beim Aufprall wahrscheinlich s&auml;mtliche<br \/>\n  Knochen im Leib gebrochen hatte, aber immer noch am Leben war.<br \/>\n  Die Bewunderung des &auml;lteren Drachen f&uuml;r sie kannte keine Grenzen,<br \/>\n  als Syrop noch die Kraft fand, zu ihm aufzusehen und mit einem matten L&auml;cheln<br \/>\n  hervorzubringen:<\/p>\n<p>  &#8222;Das m&uuml;ssen wir unbedingt noch einmal machen!&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Wenige<br \/>\n  Tage sp&auml;ter&#8230;<br \/>\n  Die Tournee war erfolgreich gewesen. S&auml;mtliche von Karlmax Lesungen waren<br \/>\n  ausverkauft, das Publikum jedes Mal sehr aufmerksam, gebannt von seinen Ausf&uuml;hrungen<br \/>\n  und der Applaus zum Ende jedes Auftritts immer wieder ohrenbet&auml;ubend. Karlmax<br \/>\n  hatte zwar bei keiner der von ihm besuchten St&auml;dte das Gef&uuml;hl, dass<br \/>\n  die dortigen Menschen wirklich den Mut oder die Lust hatten, die von ihm vorgestellten<br \/>\n  Thesen auch tats&auml;chlich umzusetzen, aber das war er mittlerweile gewohnt.<br \/>\n  Immerhin lie&szlig; sich damit ganz gut Geld verdienen.<\/p>\n<p>  Rita war ihm w&auml;hrend seiner Tour wie immer eine gro&szlig;artige Unterst&uuml;tzung<br \/>\n  gewesen, hatte Karlmax&#8216; ideologische Gegner immer wieder h&ouml;flich<br \/>\n  zurecht gewiesen (wobei &#8222;Mit verknoteten Armen und Beinen in einer dunklen<br \/>\n  Gasse landen&#8220; noch als h&ouml;flich gewertet werden durfte) und ihm das<br \/>\n  stressige Leben einer solchen Reise wesentlich einfacher gemacht.<br \/>\n  Karlmax bereute es, die gute Beziehung, die sie in den letzten Wochen gef&uuml;hrt<br \/>\n  hatten, wieder ein wenig tr&uuml;ben zu m&uuml;ssen, als sie sich erneut der<br \/>\n  H&ouml;hle von Kalessan n&auml;herten.<\/p>\n<p>  &#8222;Du Rita, ich f&uuml;rchte, da gibt es etwas, was ich dir &uuml;ber diesen<br \/>\n  Kalessan, der Ninnel betreut hat, erz&auml;hlen muss&#8230;&#8220;, sprach er das<br \/>\n  leidige Thema an.<br \/>\n  &#8222;Er wird unseren Jungen doch auch gut behandelt haben!?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ja, das hoffe ich&#8230; Nun, ich h&auml;tte es dir wahrscheinlich schon<br \/>\n  fr&uuml;her sagen sollen, aber Kalessan ist nicht wirklich ein Mensch, sondern&#8230;<br \/>\n  na ja, ein Drache. Bitte verzeih mir, dass ich dir das nicht schon fr&uuml;her<br \/>\n  anvertraut habe, aber du h&auml;ttest ihm unseren Jungen wohl kaum anvertraut,<br \/>\n  wenn du das gewusst h&auml;ttest&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  Schuldbewusst schaute Karlmax auf den Boden, w&auml;hrend er auf Ritas Reaktion<br \/>\n  wartete, darauf hoffend, nicht selbst mit verknoteten Armen und Beinen im Wald<br \/>\n  zu landen.<br \/>\n  &#8222;Ein Drache? Aber, das ist ja&#8230; perfekt!&#8220;, rief Rita aus, &#8222;Warum<br \/>\n  hast du mir das nie erz&auml;hlt? Einen besseren Besch&uuml;tzer f&uuml;r unser<br \/>\n  Ninnilein als einen Drachen kann ich mir doch gar nicht vorstellen. Und wenn<br \/>\n  er dann noch mit dir befreundet ist, wo liegt das Problem?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nun, <em>darin<\/em> liegt das Problem! Ich war mir gar nicht mal sicher,<br \/>\n  ob er Freunds genug war, diese Aufgabe &uuml;berhaupt anzunehmen und durchzuf&uuml;hren&#8230;&#8220;,<br \/>\n  antwortete Karlmax, der sich von Ritas &uuml;berraschender Reaktion schnell<br \/>\n  erholt hatte, &#8222;Ehrlich gesagt hoffe ich selbst, dass er unseren Jungen<br \/>\n  gut behandelt hat.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Na und wenn nicht, dann bekommt er es eben mit mir zu tun, nicht wahr,<br \/>\n  Schatz?&#8220;<br \/>\n  Karlmax l&auml;chelte matt:<br \/>\n  &#8222;Ja, Liebling&#8230;&#8220;<br \/>\n  Zusammen betraten sie die H&ouml;hle.<br \/>\n  Kalessan erwartete sie bereits, in der Mitte seiner Hauptwohnh&ouml;hle liegend.<br \/>\n  Zu Karlmax&#8216; Erleichterung hatte er den Raum einer gr&uuml;ndlichen Reinigung<br \/>\n  unterzogen, denn s&auml;mtliche der stinkenden, gelben Pf&uuml;tzen waren mittlerweile<br \/>\n  verschwunden. Der Raum sah recht ordentlich aus und roch auch so.<\/p>\n<p>  &#8222;Willkommen zur&uuml;ck!&#8220;, begr&uuml;&szlig;te sie der Drache mit<br \/>\n  gem&auml;&szlig;igter Stimme.<br \/>\n  Rita machte gro&szlig;e Augen.<br \/>\n  &#8222;Ihr seid doch dieser Drache, der vor neun Jahren Rudis Stall zerst&ouml;rt<br \/>\n  hat, oder irre ich mich?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nein, keineswegs. Zu dieser Gelegenheit lernte ich auch&#8230; euren werten<br \/>\n  Mann dort kennen.&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessan l&auml;chelte Karlmax auf eine Weise an, die ihm &uuml;berhaupt nicht<br \/>\n  gefiel&#8230;<br \/>\n  &#8222;Warum hast du mir eigentlich nie davon erz&auml;hlt, dass du mit ihm<br \/>\n  befreundet bist?&#8220;<br \/>\n  Bei diesem Satz leuchteten Kalessans Augen gef&auml;hrlich auf.<br \/>\n  Karlmax wendete sich nur m&uuml;hsam vom Anblick des Drachen ab und an seine<br \/>\n  Frau:<\/p>\n<p>  &#8222;H&auml;ttest du mir geglaubt?&#8220;<br \/>\n  &#8222;&Auml;hm&#8230; nein, du hast Recht, Schatz.&#8220;, antwortete Rita l&auml;chelnd<br \/>\n  und wendete sich ihrerseits wieder an den Drachen:<br \/>\n  &#8222;Na gut, wo ist unser kleiner Junge denn?&#8220;<br \/>\n  Kalessan begann auf eine Weise zu grinsen, die Karlmax kalte Schauer &uuml;ber<br \/>\n  den R&uuml;cken laufen lie&szlig;. Dann deutete er nach oben.<\/p>\n<p>  Ninnel winkte ihnen aus einem an der Decke baumelnden, gro&szlig;en Vogelk&auml;fig<br \/>\n  fr&ouml;hlich grinsend zu.<br \/>\n  Ritas L&auml;cheln gefror auf ihrem Gesicht.<br \/>\n  &#8222;Warum h&auml;ngt mein Sohn in einem K&auml;fig von der Decke?&#8220;,<br \/>\n  fragte sie tonlos.<br \/>\n  &#8222;Oh, versteht mich nicht falsch, es ist nur zu seinem eigenen Schutz.<br \/>\n  Ich mag vielleicht versprochen haben, dass ich eurem Sohn nichts antue, f&uuml;r<br \/>\n  die liebe Syrop hier gilt das jedoch leider nicht&#8230;&#8220;, sagte Kalessan,<br \/>\n  worauf sich hinter ihm etwas regte und der kleinere, aber immer noch imposante<br \/>\n  Kopf der Drachin hinter seinem R&uuml;cken erschien.<\/p>\n<p>  &#8222;Holen sie diesen kleinen Qu&auml;lgeist endlich ab?&#8220;, fragte sie,<br \/>\n  w&auml;hrend Kalessan den K&auml;fig von seiner Kette l&ouml;ste, ihn auf den<br \/>\n  Boden stellte und die Klappe &ouml;ffnete.<br \/>\n  Ninnel rannte sofort freudig kreischend auf seine Mutter zu und umarmte sie<br \/>\n  st&uuml;rmisch.<br \/>\n  Karlmax sah sich immer noch sehr beansprucht darin, die gesamte Szenerie zu<br \/>\n  begreifen.<br \/>\n  Kalessan nahm ihm diese B&uuml;rde ab:<\/p>\n<p>  &#8222;Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir danken oder dich verfluchen soll.<br \/>\n  Einerseits hat dieser Winzling dort mir einige der stressigsten und peinlichsten<br \/>\n  Wochen meines Lebens beschert, auf der anderen Seite h&auml;tte ich ohne ihn<br \/>\n  diese nette, junge Dame hier&#8220;, er deutete kurz auf Syrop, &#8222;wahrscheinlich<br \/>\n  nicht n&auml;her kennen gelernt. Ihm selbst geht es anscheinend recht gut, und<br \/>\n  es ist ihm in meiner Gegenwart nichts schlimmes von&#8230; permanenter Dauer geschehen.<br \/>\n  Nicht wahr, Ninnel?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Onkel Kalessan hat mich von einer Klippe geschubst, aber Tante Syrop<br \/>\n  da dr&uuml;ben hat mich gerettet!&#8220;, rief der Junge fr&ouml;hlich aus.<br \/>\n  Rita und Karlmax starrten die beiden Drachen sprachlos an.<br \/>\n  Kalessan grinste erneut.<\/p>\n<p>  &#8222;Ja, er hatte hier schon viel Spa&szlig; die letzten paar Wochen. Ich<br \/>\n  bin mir sicher, dass er euch das noch alles erz&auml;hlen wird. Euch beiden<br \/>\n  schlage ich jetzt vor, dass ihr meine H&ouml;hle und meinen Wald sofort verlasst<br \/>\n  und euch hier nicht mehr blicken lasst. N&auml;chstes Mal bin ich f&uuml;r den<br \/>\n  Jungen n&auml;mlich nicht mehr Besch&uuml;tzer, sondern Raubtier &#8211; alles<br \/>\n  klar?&#8220;<br \/>\n  Karlmax nickte &#8211; er hatte verstanden.<\/p>\n<p>  &#8222;Lass uns gehen, Rita!&#8220;, sagte er und entfernte sich langsam von<br \/>\n  den beiden Drachen, w&auml;hrend er seine Frau und seinen Sohn mit sich zog.<br \/>\n  Ninnel winkte &#8222;Onkel Kalessan&#8220; noch ein letztes Mal zu, dann verschwanden<br \/>\n  die drei aus der H&ouml;hle.<br \/>\n  Auf dem Heimweg erz&auml;hlte Ninnel seinen geschockten Eltern alles &uuml;ber<br \/>\n  weggezauberte Ritter, gefressene Jungfrauen, Kalessans W&auml;schen und viele,<br \/>\n  bunte Drachen.<\/p>\n<p>  In der H&ouml;hle sahen sich die beiden Drachen an und atmeten erleichtert auf.<br \/>\n  &#8222;Bin ich froh, dass dieser kleine Mistkerl endlich weg ist!&#8220;, sagte<br \/>\n  Syrop, und lehnte sich an Kalessan an.<br \/>\n  Der alte Drache seufzte:<br \/>\n  &#8222;Glaube mir, du bist nicht halb so froh wie ich&#8230; nicht halb so froh&#8230;&#8220;<br \/>\n  &#8222;War das denn wirklich n&ouml;tig? H&auml;ttest du die drei nicht einfach<br \/>\n  umbringen und die Sache vergessen k&ouml;nnen?&#8220;<\/p>\n<p>  Kalessan sch&uuml;ttelte den Kopf.<br \/>\n  &#8222;Nein, dann h&auml;tte ich bei dieser Aufgabe doch noch im letzten Moment<br \/>\n  versagt. Manchmal muss man halt etwas tun, was einem &uuml;berhaupt nicht gef&auml;llt&#8230;<br \/>\n  und wie gesagt, ohne diesen Qu&auml;lgeist h&auml;tte ich dich wohl nicht kennen<br \/>\n  gelernt, insofern hatte diese Sache ja doch etwas gutes.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Och, ich h&auml;tte mir schon etwas einfallen lassen, um deine Aufmerksamkeit<br \/>\n  zu gewinnen, mein Lieber.&#8220;, schnurrte die junge Drachin.<\/p>\n<p>  &#8222;Was h&auml;ttest du eigentlich getan, wenn einer dieser Drachent&ouml;ter<br \/>\n  es geschafft h&auml;tte, mich umzubringen?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Dann w&auml;rst du wohl kaum der w&uuml;rdige Partner f&uuml;r mich gewesen,<br \/>\n  den ich mir gew&uuml;nscht hatte.&#8220;<br \/>\n  &#8222;Hm&#8230; Meinst du wirklich, dass Sex die Grundlage f&uuml;r eine gute Beziehung<br \/>\n  sein kann?&#8220;, fragte Kalessan seine neue Partnerin.<\/p>\n<p>  &#8222;Wir sind <em>Drachen<\/em>, nat&uuml;rlich geht das&#8230; wie war es denn<br \/>\n  bei deiner letzten Gef&auml;hrtin?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Ich&#8230; wei&szlig; es nicht mehr&#8230; es ist schon so lange her&#8230; zu lange!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Und genau deswegen bin ich jetzt da.&#8220;, gurrte Syrop.<br \/>\n  Kalessan l&auml;chelte.<\/p>\n<p>  &#8222;Aber mal was anderes: Wie sieht es eigentlich jetzt mit dir und dem Rat<br \/>\n  aus?&#8220;, fragte sie.<br \/>\n  &#8222;Erz&auml;hl mir nicht, dass du nur aus politischen Gr&uuml;nden eine<br \/>\n  Beziehung mit mir eingegangen bist!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Vielleicht?&#8220;<br \/>\n  Syrop grinste geheimnisvoll.<br \/>\n  &#8222;Nun, ich habe gesagt, dass, wenn ich dich umbringe, dies mein letzter<br \/>\n  Dienst f&uuml;r den Rat gewesen sein wird. Da ich dich nicht umgebracht habe<br \/>\n  und dies in n&auml;chster Zeit auch nicht tun werde, hei&szlig;t das wohl, dass<br \/>\n  ich auch noch nicht ausgestiegen bin&#8230; Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was<br \/>\n  die sagen, wenn wir beide beim n&auml;chsten Treffen dort zusammen aufkreuzen.&#8220;,<br \/>\n  sagte Kalessan.<\/p>\n<p>  &#8222;Und du meinst nicht, dass die etwas dagegen haben werden?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Nat&uuml;rlich! Sie werden sich mit allen Mitteln dagegen str&auml;uben<br \/>\n  &#8211; aber wer wird sich schon mit uns beiden anlegen wollen?&#8220;<br \/>\n  Die beiden Drachen lachten lauthals auf, und irgendwo im Wald wunderte sich<br \/>\n  ein einsamer Einsiedler, weil er diesen Laut noch nie aus der H&ouml;hle seines<br \/>\n  Herren geh&ouml;rt hatte.<br \/>\n  &#8222;Dabei f&auml;llt mir ein&#8230; ich habe ganz vergessen, Morki auf diesen<br \/>\n  Dimensionsreisenden anzusprechen, den ich zu ihm geschickt habe. Was wohl aus<br \/>\n  dem geworden ist?&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Dem<br \/>\n  Fremden war es tats&auml;chlich gelungen, sich aus den Klauen der schrecklichen<br \/>\n  Furien zu befreien. Als er den Namen der letzten Furie vernommen hatte, musste<br \/>\n  er vor Lachen laut aufschreien, denn einer der Freunde seiner Heimatwelt hatte<br \/>\n  den gleichen, d&auml;mlichen Namen, was er pers&ouml;nlich recht l&auml;cherlich<br \/>\n  fand. Dies war den Furien so peinlich gewesen, dass diese sich besch&auml;mt<br \/>\n  ins Unterholz verkrochen.<br \/>\n  So konnte der Reisende weiter ziehen, immer tiefer in die finsteren S&uuml;mpfe<br \/>\n  des Schwarzen Todes hinein.<br \/>\n  Hier, im Herzen des Sumpfes, war es noch dunkler als in seinen Ausl&auml;ufern,<br \/>\n  und der Fremde musste trotz seiner bereits an die Dunkelheit gew&ouml;hnten<br \/>\n  Sicht sehr aufpassen, wohin er trat.<br \/>\n  Es dauerte nicht mehr lange, bis er an seinem Zielort ankam. Die B&auml;ume<br \/>\n  lichteten sich zu einer gro&szlig;en Lichtung, die einen einigerma&szlig;en<br \/>\n  festen Boden zu haben schien.<\/p>\n<p>  In ihrer Mitte lag der schwarze Drache. Er war kleiner als der gro&szlig;e rote,<br \/>\n  den der Fremde vorher getroffen hatte, aber immer noch unheimlich imposant.<br \/>\n  Sein Blick war weniger aggressiv als der des roten Drachen, hatte aber eine<br \/>\n  ebenso beunruhigende Intensit&auml;t, die zusammen mit seinem d&uuml;steren<br \/>\n  Aussehen und der finsteren Umgebung sehr be&auml;ngstigend wirkte.<br \/>\n  Als er sprach, dr&ouml;hnte seine tiefe Stimme &uuml;ber die Lichtung hinweg:<br \/>\n  &#8222;Da kommt man gerade nach Hause und bekommt schon Besuch. Was willst du,<br \/>\n  Winzling?&#8220;<br \/>\n  &#8222;Bist du Morkulebus, der Herr dieses Sumpfes?&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Der bin ich &#8211; es gibt nicht gerade viele Drachen in diesem Sumpf,<br \/>\n  Winzling!&#8220;<br \/>\n  &#8222;Cool! Der gro&szlig;e, rote Drache hat mir diese Botschaft gegeben, die<br \/>\n  ich dir &uuml;bergeben soll. Ich muss diese Welt retten, musst du wissen&#8230;&#8220;<br \/>\n  Der schwarze Drache schien interessiert:<br \/>\n  &#8222;Kalessan hat dir diese Nachricht mitgegeben? Zeig her!&#8220;<br \/>\n  Der Reisende h&auml;ndigte dem Drachen die Botschaft aus und war dann sehr darauf<br \/>\n  bedacht, wieder einen m&ouml;glichst respektvollen Abstand zu ihm zu bekommen.<\/p>\n<p>  Morkulebus brach das Siegel der Botschaft und entrollte sie, so gut es mit seinen<br \/>\n  gro&szlig;en Klauen eben ging. Dann &uuml;berflog er den Inhalt der Schriftrolle<br \/>\n  kurz und schnaubte.<br \/>\n  &#8222;Was steht drin?&#8220;, fragte der Reisende gespannt.<br \/>\n  Morkulebus funkelte ihn ausdruckslos an, grinste dann und winkte ihn zu sich,<br \/>\n  um ihm die Botschaft zu geben.<br \/>\n  Der Fremde war bis zum &Auml;u&szlig;ersten gespannt. Endlich w&uuml;rde er<br \/>\n  erfahren, was der gro&szlig;e, rote Drache seinem schwarzen Kollegen mitgeteilt<br \/>\n  hatte. Endlich w&uuml;rde er seine Bestimmung in dieser Welt mitgeteilt bekommen.<\/p>\n<p>  Er nahm die Schriftrolle von dem schwarzen Drachen entgegen und las sie sich<br \/>\n  durch.<br \/>\n  Die Mitteilung war recht kurz.<br \/>\n  Sie lautete:<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong>Von<br \/>\n  Kalessan an Morki:<br \/>\n  Guten Appetit!<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\">Manchmal<br \/>\n  sollte man nicht wirklich jeden Schei&szlig; annehmen, der einem aufgetragen<br \/>\n  wird&#8230;<\/p>\n<p>Written by Der Doktor <a href=\"http:\/\/www.die-subkultur.net\">http:\/\/www.die-subkultur.net<\/a> <\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Babysitter Es ist allgemein bekannt, dass transdimensionale Reisen ganz allt&auml;gliche Ph&auml;nomene sind. Doch&#8230; woher ist es bekannt? 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