{"id":926,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T19:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=926"},"modified":"2011-04-24T17:28:50","modified_gmt":"2011-04-24T16:28:50","slug":"drachentraene-der-doktor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/drachentraene-der-doktor\/","title":{"rendered":"Drachentr\u00e4ne (Der Doktor)"},"content":{"rendered":"<h1 align=\"center\">Drachentr&auml;ne<\/h1>\n<p align=\"justify\">Sie kamen bei Nacht&#8230;<br \/>\n  <br \/> Sie st&uuml;rmten ihr Haus&#8230;<br \/>\n  <br \/> Und sie nahmen sie mit&#8230;<br \/>\n  <br \/> Elyssa hatte gerade noch bei sich im Bett gelegen und friedlich geschlafen, als sich eine stinkende, dreckige Orkhand auf ihren Mund legte. Im n&auml;chsten Moment war sie geknebelt und ihr wurde ein Sack &uuml;ber den Kopf gest&uuml;lpt. Dann wurde sie aus dem Bett gerissen und weggetragen. Sie zappelte mit den Beinen und versuchte den Knebel irgendwie los zu werden, doch alles war nutzlos. Sie konnte durch ihren Sack nur mehrere orkische Stimmen ausmachen, die sich in einer ihr unbekannten Sprache unterhielten, w&auml;hrend sie durch die Nacht getragen wurde. Da es keinen Sinn hatte, weiter seine Kr&auml;fte damit zu vergeuden, sich zu wehren, dachte sie lieber &uuml;ber ihre Situation nach &#8211; denn sie wusste ziemlich genau, wer hinter ihrer Entf&uuml;hrung steckte&#8230; <\/p>\n<p align=\"justify\">Es war nun ein halbes Jahr her, seitdem Saladrex gekommen war. Sie wusste noch genau, dass die Nacht vor seiner Ankunft eine bedrohliche Atmosph&auml;re hatte. Die Hunde hatten verr&uuml;ckt gespielt und die ganze Nacht hindurch gebellt. Immer wenn sie zum Fenster ging, hatte sie ein Gef&uuml;hl, als ob sie beobachtet werden w&uuml;rde. Und dann, am n&auml;chsten Morgen, stand er einfach so vor der Haust&uuml;r: Ein schlanker, junger Mann, hoch gewachsen, mit kantigem Gesicht und braunem, kurzem Haar. Eigentlich war er ziemlich h&uuml;bsch, doch in seinen Augen lag ein Funkeln und st&auml;ndig umspielte ein angedeutetes L&auml;cheln seine Lippen, was sie von Anfang an misstrauisch machte. Er hatte mit heller, aalglatter Stimme gesagt:<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh, &auml;h, hier wohnt doch der Protektor dieses Landstrichs, Edmund Schneedolch, oder?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Euch auch einen guten Morgen! Ja, der wohnt hier.&quot;<br \/>\n  <br \/> Ihr Haus war das Einzige im Umkreis von 2 Meilen &#8211; der Mann konnte sich schlecht im Haus get&auml;uscht haben.<br \/>\n  <br \/> &quot;Wen soll ich melden?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Gut, mein Name ist Saladrex, ich m&ouml;chte ihn sprechen!&quot;, war die relativ barsche Antwort.<br \/>\n  <br \/> Sie sah ihn erst einmal an und fragte sich, ob sie ihn ob seines r&uuml;den Verhaltens zurechtweisen sollte, lie&szlig; es aber dann und ging zu ihrem Vater in die K&uuml;che &#8211; der Mann war ihr irgendwie unheimlich&#8230;<br \/>\n  <br \/> &quot;Vater? Da ist ein gewisser Saladrex vor unserem Haus. Er m&ouml;chte dich sprechen.&quot;<br \/>\n  <br \/> Ihr Vater war nun schon in die Jahre gekommen, aber immer noch ein relativ kr&auml;ftiger und st&auml;mmiger Kerl.<br \/>\n  <br \/> &quot;Hm, Saladrex? Noch nie geh&ouml;rt, den Namen&#8230; Warte hier, ich werde mit ihm reden.&quot;<br \/>\n  <br \/> Edmund ging in Richtung Haust&uuml;r. Danach konnte sie die beiden M&auml;nner miteinander reden h&ouml;ren &#8211; doch wor&uuml;ber sie genau sprachen, verstand sie nicht. Nach einer Weile kam ihr Vater mit einem Stirnrunzeln auf dem Gesicht zur&uuml;ck in die K&uuml;che.<br \/>\n  <br \/> &quot;Und, was wollte er von dir?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ein seltsamer Mensch&#8230; Er scheint hier neu zugezogen zu sein und wollte alles &uuml;ber die L&auml;ndereien und die D&ouml;rfer hier wissen. Besonders interessiert war er an meiner Position als Protektor. Er hat mich alles dar&uuml;ber gefragt: Was der Protektor zu tun hat, wann er gew&auml;hlt wird, wie das mit den Steuern ist&#8230; Und dabei hat er mich dann die ganze Zeit ganz komisch angesehen. Irgendwie unheimlich, dieser Mann, findest du nicht?&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie nickte nur. Der Mann war ihr nicht unheimlich &#8211; sie hatte Angst vor ihm!<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein paar Wochen sp&auml;ter verschwanden dann die ersten Kinder aus Valyris, dem gr&ouml;&szlig;ten Dorf in der Umgebung. Besorgte Eltern kamen zu ihnen nach Hause und baten ihren Vater um Hilfe. Als Protektor war es schlie&szlig;lich seine Aufgabe, die L&auml;ndereien vor R&auml;ubern, Orks und sonstigen &Uuml;beln zu sch&uuml;tzen. Trotz seines fortgeschrittenen Alters erledigte er seine Aufgabe immer noch auf eigene Faust und das nicht einmal schlecht. Er war nun schon seit 14 Jahren im Amt, da es noch nie ernsthafte Konkurrenten f&uuml;r diesen Posten gab. Das sollte sich in den n&auml;chsten Monaten jedoch &auml;ndern&#8230;<br \/>\n  <br \/> Ihr Vater zog also los, um die verschwundenen Kinder zu suchen, doch alles, was er herausfand, war, dass sie anscheinend von Orks verschleppt worden waren. Und obwohl er das gesamte Land zur Suche nach den Kindern mobilisierte, war das Versteck der Monster nicht auszumachen. Als man dann die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, kam Saladrex mit den verlorenen Kindern im Schlepptau nach Valyris. Und alle Kinder erz&auml;hlten ungef&auml;hr dieselbe Geschichte: Dass sie von den Orks verschleppt und in ein geheimes Lager gebracht worden waren und dass sie in abgedunkelten K&auml;figen lange eingesperrt waren, bis sie schlie&szlig;lich eines Tages Kampfschreie im Lager der Orks h&ouml;rten und sie dann von dem netten Saladrex gerettet wurden. Die Eltern der verlorenen Kinder waren nat&uuml;rlich allesamt &uuml;bergl&uuml;cklich und bedankten sich viele Male bei Saladrex. Dies sollte sein erster Schlag gegen die Autorit&auml;t ihres Vaters gewesen sein.<br \/>\n  <br \/> In den n&auml;chsten Wochen und Monaten gab es dann immer wieder Probleme mit Orks, R&auml;ubern, Monstern, Krankheiten und anderen &Uuml;beln, gegen die Elyssas Vater nichts, sondern anscheinend nur Saladrex etwas ausrichten konnte. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass ihr Vater in der Gunst des Volkes immer mehr sank und Saladrex die folgenden Wahlen zum neuen Protektor haushoch gewann. Ihr Vater war besiegt. Doch, wie es so seine Art war, nahm er es auf die leichte Schulter und sagte: &quot;Lass mal gut sein, Elyssa! Ich bin bereits alt und schwach &#8211; es wird Zeit, dass jemand anders diesen Job &uuml;bernimmt.&quot; Sie dagegen nahm es &uuml;berhaupt nicht auf die leichte Schulter. Saladrex hatte ihnen alles genommen: Geld, Arbeit, Freunde&#8230; Das einzige, was blieb war ihre Hoffnung, irgendwie neu anfangen zu k&ouml;nnen. Doch Saladrex schien noch nicht genug zu haben, wie ihre Entf&uuml;hrung vermuten lie&szlig; &#8211; und sie war sich absolut sicher, dass Saladrex mit den Orks im Bunde stand.<\/p>\n<p align=\"justify\">&quot;Wie lange wollt ihr mich denn noch hier im Nachthemd durch die K&auml;lte tragen, ihr Drecks&auml;cke? Und w&auml;ret ihr auch mal so freundlich, mir diese Kapuze ab zu nehmen?&quot;, fragte sie frierend. Die Orks gaben ihr keine Antwort. Entweder verstanden sie ihre Sprache nicht oder sie wollten ihr nicht antworten&#8230; Egal, es kam auf das Gleiche hinaus.<br \/>\n  <br \/> Nach einer kalten Ewigkeit, wie es ihr erschien, erzeugten die Schritte auf dem Boden pl&ouml;tzlich einen Hall. Sie hatten also irgendein gro&szlig;es Geb&auml;ude oder eine H&ouml;hle betreten. Es kam ihr auch vor, als w&auml;ren sie durch eine unsichtbare Barriere geschritten und die kalte Luft der Nacht verwandelte sich in eine wohlige W&auml;rme. Kurz darauf ging es eine Treppe hinunter, immer weiter abw&auml;rts. Elyssa fragte sich schon, ob dies die Treppe direkt in die H&ouml;lle sei, da ging es waagerecht weiter. Nach kurzer Zeit hielt der Ork, der sie trug, an. Die Kapuze wurde ihr abgenommen und sie wurde auf den Boden gestellt. Es war ein verdammt gutes Gef&uuml;hl, wieder festen Boden unter den F&uuml;&szlig;en zu haben und nicht die ganze Zeit auf einem schwankenden Orkr&uuml;cken durch die Landschaft transportiert zu werden.<br \/>\n  <br \/> Sie stand nun in einer kleinen Zelle und die Orks machten sich gerade daran, den kleinen Raum zu verlassen und die vergitterte T&uuml;r, die ihn von dem Gang dahinter abtrennte, zu zu schlie&szlig;en. Bevor Elyssa etwas sagen konnte, waren sie au&szlig;er Sicht. <em>Na toll!<\/em>, dachte sie sich und sah sich in ihrer Gef&auml;ngniszelle um. Die einzige Einrichtung, die es hier gab, war eine kleine Pritsche und ein dreckiger, stinkender Nachttopf. <em>Machen wir das Beste draus!<\/em><br \/>\n  <br \/> Sie legte sich hin &#8211; die Nacht war f&uuml;r sie schlie&szlig;lich sehr kurz gewesen &#8211; und schlief, trotz der mehr als ungem&uuml;tlichen Pritsche, wieder ein. Sie wachte auf, als ein Ork ihre Zelle aufschloss. Sie kam schnell aus ihrem ungem&uuml;tlichen Bett und stellte sich an die Wand. Der Ork betrachtete sie seltsam. Er hielt ein Tuch in der Hand &#8211; es war eine Augenbinde.<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh nein! Keine Augenbinden mehr! Hat Saladrex Angst, dass ich mich &uuml;ber seine l&auml;cherliche Gestalt lustig mache oder warum muss er mir unbedingt die Augen verbinden?&quot;, fragte sie trotzig.<br \/>\n  <br \/> &quot;Saladrex hat befohlen und Befehl muss ausgef&uuml;hrt werden, ansonsten Saladrex b&ouml;se. Nicht gut, wenn Saladrex b&ouml;se sein, er dann schlimm Ding tun!&quot;, war die gebrochen gesprochene Antwort des Orks.<br \/>\n  <br \/> Sie hatte also Recht gehabt. Saladrex steckte hinter ihrer Entf&uuml;hrung.<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh, was macht er denn Schlimmes? L&auml;uft er rot an und schreit herum?&quot;, fragte sie schnippisch.<br \/>\n  <br \/> Der Ork lachte auf: &quot;Haha! Guter Witz! Rot anlaufen! Haha!&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa verstand nicht, was daran so lustig war. <em>Vielleicht laufen Orks nicht rot an?<\/em><br \/>\n  <br \/> Der Ork sprach weiter: &quot;Nein, Meister hat befohlen! Du kriegen Augenbinde!&quot;<br \/>\n  <br \/> Er kam auf sie zu und machte Anstalten, ihr die Augenbinde umzulegen, doch sie wehrte seinen Arm ab. Er schaute sie mit seinen Schweins&auml;uglein nur schief an &#8211; und schlug ihr dann ins Gesicht, so heftig, dass sie durch den Raum stolperte und auf ihre Pritsche fiel. Noch w&auml;hrend sie benommen war, legte der Ork ihr schnell die Augenbinde um und zurrte sie fest. Dann zog er sie brutal hoch und zerrte sie aus ihrer Zelle hinaus und den Gang herunter. Nachdem sie um mehrere Kurven und durch mehrere G&auml;nge oder R&auml;ume gegangen waren, sagte der Ork: &quot;Achtung, Treppe!&quot;<br \/>\n  <br \/> Dann nahm er sie dichter an seinen stinkenden K&ouml;rper. Jeder Versuch, sich zu wehren, war vergeblich, der Griff des Orks war hart wie Stahl. Schritt f&uuml;r Schritt ging es also die Treppe hinunter. Die Stufen erschienen ihr unnat&uuml;rlich gro&szlig; und diese Treppe kam ihr fast genauso lang vor, wie die erste. <em>Irgendwann m&uuml;sste ich aber wirklich in der H&ouml;lle angekommen sein&#8230; <\/em><br \/>\n  <br \/> Aber auch diese Treppe hatte irgendwann ein Ende. Ihre Schritte erzeugten nun wieder einen Hall, sie befanden sich also in einer gro&szlig;en Halle. Eine Stimme ert&ouml;nte: &quot;Ah! Da ist die Kleine ja!&quot;<br \/>\n  <br \/> Es war eindeutig Saladrex&#8216; Stimme. Sie klang jedoch irgendwie unwirklich und fern, wie in einem Traum. Dennoch hatte sie nichts von ihrer eigenen, ruhigen Sch&auml;rfe eingeb&uuml;&szlig;t.<br \/>\n  <br \/> &quot;Sie ist verletzt!&quot;, sagte die Stimme.<br \/>\n  <br \/> Und der Ork neben ihr antwortete, noch w&auml;hrend sie liefen: &quot;Ich sie schlagen musste, Meister, sie nicht bereit, sich Augenbinde anlegen lassen und ihr befohlen hattet&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich wei&szlig;, welchen Befehl ich gegeben habe, und zwar, dass ihr unter <em>keinen Umst&auml;nden<\/em> ein Leid zugef&uuml;gt werden darf!&quot;, unterbrach ihn Saladrex w&uuml;tend. Innerlich war sie schadenfroh. Jetzt hatte der r&uuml;de Ork ihn doch noch w&uuml;tend gemacht! Ihr Peiniger lie&szlig; sie nun los.<br \/>\n  <br \/> &quot;Aber nur wollten&#8230;&quot;, stammelte er.<br \/>\n  <br \/> Saladrex erwiderte nur: &quot;Ich habe keinen Nutzen f&uuml;r Untergebene, die meine Befehle nicht befolgen!&quot;<br \/>\n  <br \/> Irgend jemand holte tief und vor allem laut Luft. Dann gab es ein seltsames, rauschendes Ger&auml;usch, neben ihr ert&ouml;nte der Schrei des Orks und ein Schwall extremer Hitze &uuml;berkam sie. Elyssa schrie ebenfalls auf. So schnell, wie sie gekommen war, war die Hitze auch wieder weg.<br \/>\n  <br \/> &quot;Entschuldige! Diese rohe und ungehobelte Behandlung ist nicht meine Absicht &#8211; jedenfalls noch nicht!&quot;, sagte die Stimme Saladrex&#8216; nun etwas freundlicher.<br \/>\n  <br \/> &quot;Was&#8230;was soll das alles? Warum die Augenbinde? Warum &uuml;berhaupt die ganze Folter f&uuml;r mich und meinen Vater, wir haben euch nichts getan!&quot;, sagte sie, langsam von Angst in Wut &uuml;bergehend.<br \/>\n  <br \/> Saladrex lachte ein b&ouml;ses, kleines Lachen &uuml;ber ihre Eskapaden.<br \/>\n  <br \/> &quot;Tut mir leid, Elyssa, aber das ist alles n&ouml;tig! Jetzt gerade habe ich doch gefallen daran gefunden, deinen Vater ein wenig zu &auml;rgern&#8230;&quot;, w&auml;hrend er dies sagte, schien sich seine Stimme von einem Punkt rechts von ihr sich &uuml;ber ihren Kopf hin&uuml;ber auf ihre linke Seite zu bewegen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ihn &auml;rgern? Ihr habt sein und damit auch mein ganzes Leben zerst&ouml;rt! Ihr findet das wohl witzig?&quot;, sie war v&ouml;llig entr&uuml;stet.<br \/>\n  <br \/> &quot;Irgendwie schon, ja! Aber er war nat&uuml;rlich auch mein Konkurrent &#8211; und nirgendwo steht geschrieben, dass man die Wahl zum Protektor nicht mit ein wenig&#8230;unkonventionellen Mitteln beeinflussen durfte&#8230;&quot;, seine Stimme wanderte nun um sie herum und schien immer woanders her zu kommen, was sie langsam zum Ausrasten brachte: &quot;JETZT H&Ouml;RT AUF MIT DIESEN SPIELCHEN UND NEHMT MIR DIESE AUGENBINDE AB ODER ICH WERDE KEIN WORT MEHR MIT EUCH REDEN, KLAR?&quot;<br \/>\n  <br \/> Ein seltsames Ger&auml;usch, eine Art Schnauben ert&ouml;nte, dann wieder Saladrex&#8216; Stimme, diesmal wieder direkt vor ihr: &quot;Nun gut, ich sehe schon, du meinst es ernst&quot;<br \/>\n  <br \/> Die Augenbinde an ihrem Kopf knotete sich wie von selbst auf und fiel ab, so dass sie Saladrex erblickte.<br \/>\n  <br \/> Nun, Elyssa hatte in ihrem Leben noch nie zuvor einen Drachen gesehen, doch das gigantische Biest, dessen Schnauze sich nur wenige Zentimeter vor ihrem Gesicht befand und das sie mit gro&szlig;en, gelben Augen anstarrte, musste wohl einer sein.<br \/>\n  <br \/> Der Drache sagte: &quot;Buh!&quot;, was seine Wirkung nicht verfehlte &#8211; Elyssa fiel in Ohnmacht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Als sie wieder zu Bewusstsein kam, lag sie in einem Kreis aus roten Schuppen. Wie eine Mauer ragte der mit Stacheln besetzte K&ouml;rper des Tieres um sie herum auf.<br \/>\n  <br \/> <em>Oh Gott, der muss mindestens 30 Meter lang sein!<\/em>, dachte sie. Auf seinem Kopf sa&szlig;en zwei elegant nach hinten geschwungene H&ouml;rner und die beiden gelben Augen darunter schienen sie noch immer belustigt anzustarren. Als sie ihn so betrachtete, fiel ihr eine gewisse &Auml;hnlichkeit mit seiner menschlichen Gestalt auf. Er war zwar in gewisser Weise sch&ouml;n, doch gleichzeitig auch gef&auml;hrlich und zwielichtig.<br \/>\n  <br \/> Nach mehreren Minuten des Anstarrens unterbrach die schneidende Stimme des Drachen die Stille: &quot;Ich finde das immer wieder faszinierend, wie mich die Menschen anstarren, wenn sie mich das erste Mal sehen&#8230; Meistens ist es jedoch auch das Letzte, was sie je sehen.&quot;<br \/>\n  <br \/> Er machte etwas, dass wohl ein L&auml;cheln sein sollte.<br \/>\n  <br \/> Irgendwie schaffte sie es, sich zusammen zu raffen und zu sagen: &quot;Was soll das alles hier? Ihr seid doch Saladrex oder?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Nein, ich bin sein Scho&szlig;tier!&quot;, erwiderte er sarkastisch, &quot;Und was das alles hier soll, fragst du? Nun, ich will es dir erkl&auml;ren: Wenn ein Drache sich irgendwo niederl&auml;sst, nimmt er gleichzeitig Anspruch auf ein gro&szlig;es Gebiet rund um seinen Hort. Sicher w&auml;re es in meiner wahren Gestalt sehr viel einfacher gewesen, dieses Gebiet f&uuml;r mich zu erobern, doch es h&auml;tte nur zu viel Aufmerksamkeit erregt, wenn auf einmal nicht mehr Edmund Schneedolch, sondern der Drache Saladrex die L&auml;ndereien hier beherrscht. Sofort h&auml;tte jeder gewusst: &quot;Oh, im Schneedolch lauert ein garstiger Drachen!&quot; Du wei&szlig;t gar nicht, wie es nervt, st&auml;ndig in Sorge zu sein, dass einem selbst nach kurzzeitigem Verlassen der H&ouml;hle die H&auml;lfte des m&uuml;hsam angesammelten Schatzes fehlt! Nun, die Methode, die ich angewandt habe, um Protektor zu werden, war viel unauff&auml;lliger &#8211; es bleibt nur der eklige Nachgeschmack, dass ich all diese Menschen &quot;retten&quot; musste&#8230; Aber ich habe ihnen ihr Leid ja auch zugef&uuml;gt, das gleicht die ganze Sache auch wieder ein wenig aus. Nun, leider wird es sich nicht sehr lange vermeiden lassen, meine wahre Identit&auml;t vor der &Ouml;ffentlichkeit zu verbergen &#8211; aber dann k&ouml;nnen sie meinetwegen alle ankommen und sterben!&quot;, zum Schluss schien er blo&szlig; noch mit sich selbst zu sprechen. Seine Selbstliebe machte sie schon jetzt krank.<br \/>\n  <br \/> &quot;Und wie wollt ihr das mit eurem Protektor-Job regeln?&quot;, fragte sie ihn, halb aus Neugier, halb, um ihn von sich abzulenken &#8211; wer so lange &uuml;ber sich selbst redet, k&uuml;mmert sich nicht mehr um andere.<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh, nat&uuml;rlich werde ich hier nicht f&uuml;r alle Zeiten unbehelligt leben k&ouml;nnen, aber meine H&ouml;hle ist gut versteckt. Au&szlig;erdem bekomme ich mit meiner &quot;Arbeit&quot; als Protektor, noch nebenbei ein wenig Gold f&uuml;r meinen Hort. Soweit habe ich da alles gekl&auml;rt. Doch eine Sache ist noch zu erledigen&#8230; Dein Vater muss leider aus dem Weg geschafft werden! Es hat macht zwar Spa&szlig;, ihn zu qu&auml;len, doch er &auml;rgert sich ja kaum, was mir den Spa&szlig; auch ein wenig lindert&#8230; Wie auch immer, er wird demn&auml;chst hier aufkreuzen, daf&uuml;r habe ich gesorgt.&quot;, sagte er mit einem bedeutungsschwangeren Blick auf sie.<br \/>\n  <br \/> Entsetzen f&uuml;llte sie. Er wollte mit ihrer Entf&uuml;hrung Edmund hierher locken, um ihn dann umzubringen &#8211; und um wahrscheinlich hinterher mit ihr das Gleiche zu tun.<br \/>\n  <br \/> &quot;Bitte&#8230; Bitte lasst meinen Vater leben! Er hat euch doch nie etwas getan und ich bin sicher, er w&uuml;rde euch auch nie etwas antun! Er h&auml;tte euch hier wahrscheinlich sogar in Frieden leben lassen, unbehelligt von der Au&szlig;enwelt!&quot;, rief sie verzweifelt.<br \/>\n  <br \/> Saladrex lachte auf: &quot;Ha, mir etwas antun! Wei&szlig;t du, es ist mir egal, was dein Vater &uuml;ber mich denkt. Fakt ist: Er ist der Protektor dieses Landes und wir Drachen f&uuml;gen uns <em>niemals<\/em> irgend einem menschlichen Herrscher, und wenn er noch so lieb und nett ist!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Dann&#8230;dann nehmt mich als eure Sklavin und verschont ihn, ich bitte euch&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich sagte nein und es bleibt dabei! Sobald er hier ankommt, wei&szlig; er &uuml;ber meine wahre Natur Bescheid und das kann ich nicht durchgehen lassen! Und wozu sollte ich eine Sklavin ben&ouml;tigen? V&ouml;llig nutzlos!&quot;, sagte er nun etwas &auml;rgerlicher.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich k&ouml;nnte&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;HALT DIE KLAPPE!!!&quot;, br&uuml;llte er. Sie erkannte, dass es besser war, ihn nicht noch weiter zu provozieren. Das h&auml;tte wahrscheinlich ein b&ouml;ses Ende genommen.<br \/>\n  <br \/> Dann h&ouml;rte sie Schritte. Als sie sich umdrehte, sah sie einen Ork die Treppe herunter kommen. Er blieb vor dem Drachen stehen, verbeugte sich und sagte: &quot;Meister! Mensch in unsere H&ouml;hle eingedrungen, wie geplant ihr habt &#8211; einige von uns gegen ihn k&auml;mpfen.&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Sehr gut, doch werft ihm nicht zu viele entgegen, er soll doch bis hier durch kommen!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ja, Meister!&quot;, der Ork verbeugte sich wieder, drehte sich um und ging fort.<br \/>\n  <br \/> Ihr Vater war also auf direktem Kurs ins Verderben&#8230; Mit den Orks wurde er spielend fertig, mit so einer Plage hatte er ja schon mehrmals zu tun. Ein Drache war da ein ganz anderes Problem.<br \/>\n  <br \/> &quot;So, du wirst jetzt brav den Mund halten meine S&uuml;&szlig;e, das ist eine Sache zwischen mir und deinem Vater!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Aber&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich sagte Mund halten!&quot;, er machte eine Bewegung mit seinen messerscharfen Klauen und sie verstummte.<br \/>\n  <br \/> Dann richtete er sich auf und deutete an eine Wand der riesigen Halle.<br \/>\n  <br \/> &quot;Stell dich da hin!&quot;<br \/>\n  <br \/> Wortlos folgte sie seiner Aufforderung. Erst jetzt fiel ihr auf, wie gro&szlig; der Raum war: Von einem Ende zum anderen ma&szlig; er mindestens 100 Meter und die Decke befand sich weit &uuml;ber ihrem Kopf. Wozu dieser Raum einmal gedient haben mochte? Es sah aber so aus, als w&auml;re s&auml;mtliche Einrichtung schon vor Jahren entfernt worden. Im hinteren Teil des Raumes war ein riesiges Loch in der Wand. Vor dem Loch lag ein gro&szlig;er Berg aus Sch&auml;tzen. Goldm&uuml;nzen, Truhen, kostbar aussehende Schwerter, prunkvoll verzierte B&uuml;cher &#8211; sie wagte nicht, abzusch&auml;tzen, wie viel das alles wert sein mochte. Erst das erneute Ger&auml;usch von Schritten lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf die gro&szlig;e Treppe.<br \/>\n  <br \/> Ihr Vater kam mit gezogenem, blutigem Schwert diese Treppe hinunter.<br \/>\n  <br \/> Als er den Drachen sah, erstarrte er in seiner Bewegung. <em>Was er jetzt wohl denkt?<\/em>, fragte sie sich. Dann fiel Edmunds Blick auf sie. Langsam und ohne den Blick von dem Drachen abzuwenden, bewegte er sich langsam in ihre Richtung und sagte: &quot;Geht es dir gut Schatz?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich denke schon&#8230;&quot;, war ihre Antwort.<br \/>\n  <br \/> &quot;Gut&#8230;&quot;, sagte er zu ihr, dann zu dem Drachen, &quot;Saladrex, nehme ich an?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Versucht gar nicht erst, sie zu erreichen, das werde ich schon zu verhindern wissen.&quot;, antwortete Saladrex.<br \/>\n  <br \/> Ihr Vater blieb stehen.<br \/>\n  <br \/> Dann sagte er: &quot;H&ouml;rt mal, ich m&ouml;chte keinen &Auml;rger mit euch, ich m&ouml;chte einfach nur meine Tochter zur&uuml;ck haben und in Frieden leben k&ouml;nnen, ist das denn zu viel verlangt?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;In gewisser Weise schon, ja! Ich kann zwar verstehen, dass ihr euch nicht mit mir anlegen wollt, aber durch euer Eindringen hier habt ihr das leider zwangsl&auml;ufig getan. Ihr versteht, dass ich euch nicht in der Weltgeschichte herumlaufen lassen kann, w&auml;hrend ihr &uuml;berall Drachent&ouml;ter anheuert und fr&ouml;hlich heraus posaunt, dass ich hier oben wohne?&quot;, war die Antwort des Drachen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich habe nicht vor, irgend jemandem zu erz&auml;hlen, dass ihr hier haust, noch habe ich vor, eure Sch&auml;tze zu stehlen, noch m&ouml;chte ich euch t&ouml;ten, noch euch sonst irgendwie Schaden zuf&uuml;gen! Ich m&ouml;chte nur Elyssa wieder haben!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh, ihr glaubt doch wohl selber nicht, dass ihr keine Hassgef&uuml;hle f&uuml;r mich hegt! Ich habe euch alles genommen! Alles, au&szlig;er eines: Euer kleines, erb&auml;rmliches Leben! Es liegt in Tr&uuml;mmern, es ist doch sowieso nicht mehr viel wert, oder?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Doch! Solange meine Tochter lebt, hat mein Leben noch einen Sinn! Sogar mein Tod h&auml;tte noch einen Sinn, wenn Elyssa daf&uuml;r leben k&ouml;nnte. Also, stellt mit mir an, was ihr wollt, aber lasst sie frei, ich bitte euch!&quot;, die Stimme ihres Vaters blieb die ganze Zeit &uuml;ber erstaunlich ruhig &#8211; sie bewunderte ihn daf&uuml;r.<br \/>\n  <br \/> Der Drache nahm eine Klaue hoch und rieb sich das Kinn.<br \/>\n  <br \/> &quot;Hmm, nun gut, ich will euch noch eine Chance geben: Wir spielen ein kleines Spiel! Es geht um Alles oder Nichts. Wenn ihr gewinnt, d&uuml;rft ihr gehen und eure Tochter darf euch begleiten &#8211; doch ich warne euch: Wenn ihr auch nur einem anderen Lebewesen von mir erz&auml;hlt, seid ihr tote Menschen! Ich habe Wege und Mittel, dies heraus zu finden.<br \/>\n  <br \/> Solltet ihr verlieren, werdet ihr sterben &#8211; und eure Tochter hier wird euch folgen!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Was ist das f&uuml;r ein Spiel?&quot;, fragte Edmund misstrauisch.<br \/>\n  <br \/> &quot;K&auml;mpft gegen mich! Solltet ihr l&auml;nger als 2 Minuten &uuml;berleben, schenke ich euch eure Freiheit!&quot;, der Drache grinste.<br \/>\n  <br \/> Elyssa fuhr emp&ouml;rt auf: &quot;Das ist doch v&ouml;llig unfair! Er hat &uuml;berhaupt keine Chance gegen euch!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Elyssa, bitte! Misch dich da nicht ein!&quot;, sagte ihr Vater mit einem Seitenblick.<br \/>\n  <br \/> &quot;Aber&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich sagte misch dich nicht ein!&quot;, unterbrach er sie mit Nachdruck und richtete sich wieder an Saladrex, &quot;Ich gehe auf euer Angebot ein, aber nur unter einer Bedingung: Kein Feuer, keine Magie eurerseits! Eure k&ouml;rperlichen Waffen gegen mich und mein Schwert! Zwei Minuten! Keine Sekunde l&auml;nger!&quot;<br \/>\n  <br \/> Saladrex grinste. Dann &ouml;ffnete er eine Klaue und schloss die Augen. Eine kleine Sanduhr erschien. Er stellte sie neben Elyssa ab.<br \/>\n  <br \/> &quot;Du wirst unser Schiedsrichter sein, S&uuml;&szlig;e! Wenn ich Los! sage, drehst du die Sanduhr um, wenn die Sanduhr abgelaufen ist, schreist du Stopp!, alles klar? Und wehe du schummelst!&quot;, richtete er sich an sie, wie an ein kleines Kind, dem man eine simple Aufgabe ganz langsam erkl&auml;ren musste.<br \/>\n  <br \/> &quot;Vater&#8230;&quot;, setzte sie an, doch er unterbrach sie wieder: &quot;Nein Elyssa, bitte, versuch nicht, mich davon abzubringen! Du wei&szlig;t, dass es unsere einzige Chance ist! Und jetzt setz dich dort hinten hin, wo du sicher bist und spiele deine Rolle als Schiedsrichter! Es sind nur zwei Minuten&#8230;und vielleicht bin ich doch nicht so schwach, wie ich immer behaupte&quot;, sagte er mit einem Augenzwinkern. Dann wandte er sich dem Drachen zu, w&auml;hrend sie aufstand und die Sanduhr mit sich nahm. Weiter hinten in der H&ouml;hle nahm sie Platz und stellte die Sanduhr vor sich auf den Boden.<br \/>\n  <br \/> Saladrex richtete sich auf und breitete seine Fl&uuml;gel aus &#8211; es schien, als w&uuml;rde er sich strecken. Dann faltete er sie wieder zusammen und sagte laut: &quot;Los!&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa drehte die Sanduhr um und die winzigen Sandk&ouml;rnchen begannen durch den Hals der Uhr zu rieseln.<br \/>\n  <br \/> Zuerst starrten sich die beiden konzentriert an, der gigantische Drache, der mit seiner Gestalt den Raum in der Breite fast ganz ausf&uuml;llte und der kleine Mann mit seinem treuen Schwert, dass wie eine Stecknadel im Vergleich zu seinem Gegner wirkte.<br \/>\n  <br \/> Pl&ouml;tzlich zuckte der lange Schwanz des Drachen vor, um Edmund von den F&uuml;&szlig;en zu fegen, doch Elyssas Vater sprang geschickt hoch, um sich danach gleich unter einem folgenden Klauenhieb zu ducken. Und schon folgte der n&auml;chste Hieb, dem er sich mit einer gewandten Drehung entzog. Dann kam der riesige Kopf des Ungeheuers herunter geschnellt, um ihn mit seinen riesigen Z&auml;hnen zu zerrei&szlig;en. Edmund warf sich flach auf den Boden und kurz &uuml;ber ihm schnappte das riesige Gebiss zu. Bevor der Drache merkte, dass er ins Leere gebissen hatte, rollte sich ihr Vater unter dem gewaltigen Sch&auml;del hervor und richtete sich genau unter dem Drachen wieder auf. Einen weiteren Klauenhieb lenkte er mit seinem Schwert von sich ab, doch dessen Wucht riss ihn zu Boden. Den Sturz fing er mit einer Vorw&auml;rtsrolle ab und kam auf den R&uuml;cken zu liegen. Schnell richtete er sein Schwert auf und erdolchte damit den auf ihn herunter kommenden Fu&szlig;. Der Drache br&uuml;llte auf vor Schmerz und riss die Klaue wieder nach oben, was Edmund allerdings sein Schwert kostete. Der Drache zog sich abf&auml;llig das Schwert aus dem Fu&szlig;, w&auml;hrend ihr Vater die Zeit nutzte, um Abstand zu gewinnen. Sie konnte ihn nun nicht mehr sehen, da die riesige Gestalt des Drachen die Sicht versperrte. In der Aufregung hatte sie ganz vergessen, auf die Sanduhr zu sehen. Der gesamte Sand war fast durchgerieselt.<br \/>\n  <br \/> &quot;Vater, die Zeit ist gleich um!&quot;, rief sie.<br \/>\n  <br \/> Dass das ihren Vater das Leben kostete, sollte sie nie erfahren. Nach ihrem Ruf war Edmund kurz in seiner Konzentration unterbrochen und wollte zu Elyssa sehen, die durch den riesigen Drachen jedoch verdeckt war.<br \/>\n  <br \/> Er sollte sie nie wieder sehen.<br \/>\n  <br \/> Saladrex nutzte den winzigen Moment der Unachtsamkeit und hieb mit der verletzten Klaue nach Edmund. Er sprang zwar zur&uuml;ck, doch seine Reaktion kam einen Moment zu sp&auml;t. Er wurde mitten im Sprung getroffen und zur Seite geschleudert. In der Luft drehte er eine bizarre Pirouette und blieb dann b&auml;uchlings auf dem Boden liegen. Ein roter Teppich begann sich unter ihm auszubreiten.<br \/>\n  <br \/> Saladrex sagte lakonisch: &quot;Ups!&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa rief: &quot;Die Zeit ist um!&quot;<br \/>\n  <br \/> Der Drache bewegte eine Klaue und drehte Edmunds K&ouml;rper auf den R&uuml;cken. Er hatte ihm die gesamte Bauchdecke weggerissen. Doch der widerw&auml;rtige Anblick k&uuml;mmerte ihn wenig. Viel mehr interessierte er sich f&uuml;r die immer noch offen Augen, die ihn ansahen. Blut lief Edmund aus dem Mund, doch irgendwie konnte er noch folgendes r&ouml;chelnd hervorbringen: &quot;ich&#8230;lebe&#8230;no&#8230;noch&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> Saladrex holte w&uuml;tend Luft und spie einen wei&szlig;gl&uuml;henden Feuerstrahl, der Edmund zu Asche verbrannte.<br \/>\n  <br \/> Elyssa schrie auf und rannte auf den Drachen zu. Dieser sah seine verletzte Klaue an &#8211; es hingen noch immer ein paar von Edmunds Innereien daran. Er sch&uuml;ttelte sie achtlos ab und zog sich das Schwert heraus. Dann kam Elyssa an, sah die &Uuml;berreste ihres Vaters und blieb fassungslos stehen. &quot;Nein!&quot;, fl&uuml;sterte sie. Tr&auml;nen sammelten sich in ihren Augen.<br \/>\n  <br \/> Der Drache sah sie schief an und sagte: &quot;Oh, tut mir leid f&uuml;r dich! Wei&szlig;t du, er war gar kein so schlechter K&auml;mpfer &#8211; der Kampf hat direkt Spa&szlig; gemacht!&quot;<br \/>\n  <br \/> Die Trauer verwandelte sich in blinden Hass. Mit Tr&auml;nen in den Augen begann sie auf den Fu&szlig; des Drachen einzuschlagen und einzutreten und schrie dabei: &quot;Du verdammter Bastard! Schei&szlig;kerl! M&ouml;rder! M&Ouml;RDER!!!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ach halt doch die Klappe, Winzling!&quot;, war seine w&uuml;tende Antwort und er schlug mit der R&uuml;ckhand nach ihr.<br \/>\n  <br \/> Der Schlag war so heftig, dass er sie mehrere Meter weit weg schleuderte, wo sie benommen vor Schmerzen liegen blieb. Der Drache erschien &uuml;ber ihr, mit einem Blick, in dem so viel Wut lag, dass er Eis h&auml;tte schmelzen k&ouml;nnen.<br \/>\n  <br \/> <em>Gleich wird er mich t&ouml;ten<\/em>, dachte sie und schloss die Augen.<br \/>\n  <br \/> Doch der t&ouml;dliche Streich fiel nicht. Irgendwann &ouml;ffnete sie ihre Augen wieder und sah einen sitzenden Drachen vor sich, der laut nachdachte.<br \/>\n  <br \/> &quot;Hm&#8230;hm&#8230;ja&#8230;ja! Ja! Wei&szlig;t du, ich habe dein Angebot noch einmal durchdacht &#8211; vielleicht brauche ich ja doch eine kleine Gehilfin&#8230; Du darfst meinetwegen als meine Sklavin weiterleben. Oder du kannst hier an Ort und Stelle sterben &#8211; die Todesart darfst du frei w&auml;hlen. Deine Entscheidung: Leben? Oder Sterben?&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie richtete sich wieder auf. Der Schmerz war fast unertr&auml;glich, doch sie zwang sich zum Nachdenken.<br \/>\n  <br \/> <em>Lieber w&uuml;rde ich sterben, als diesem Monster als Sklavin zu dienen! Doch andererseits&#8230; Vielleicht bietet sich mir irgendwann eine M&ouml;glichkeit zu entkommen? Ich w&uuml;rde es ihm heimzahlen! Ich w&uuml;rde die besten Drachent&ouml;ter anheuern, die es gibt und dann w&uuml;rde ich ihn leiden lassen. 2 Minuten lang. Oh, es w&uuml;rden die l&auml;ngsten 2 Minuten seines Lebens sein! <\/em><br \/>\n  <br \/> Sie stellte sich vor, wie ihre Drachent&ouml;ter Saladrex langsam folterten, wie sie ihm die ganze Zeit eine seiner bescheuerten Sanduhren vor die Nase hielt und wie sie ihm zum Schluss das Schwert ihres Vaters direkt in den Kopf rammen w&uuml;rde. Ein s&uuml;&szlig;er Gedanke in dieser schrecklichen Situation.<br \/>\n  <br \/> &quot;Wie lautet deine Entscheidung, Elyssa? Sklaverei oder Tod?&quot;, fragte er sie mit einem kalten, durchdringenden Blick.<br \/>\n  <br \/> Sie schaute auf den Boden.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich stehe zu eurer Verf&uuml;gung&#8230;Herr.&quot;, war ihre Antwort.<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh, eine weise Entscheidung, meine kleine Elyssa, wahrhaft weise! Nun gut! Erst einmal: Solltest du deine Arbeit schlecht machen, werde ich dich bestrafen. Solltest du versuchen zu fliehen, werde ich dich t&ouml;ten. Solltest du versuchen, mir Schaden zuzuf&uuml;gen, werde ich dich langsam t&ouml;ten &#8211; so langsam, dass es dir wie eine Ewigkeit vorkommen wird. Hast du das verstanden?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ja, Herr!&quot;, antwortete sie dem&uuml;tig.<br \/>\n  <br \/> &quot;Gut! Vielleicht werde ich dich ja irgendwann mal freilassen&#8230;vielleicht werde ich dich auch irgendwann t&ouml;ten&#8230;mal sehen. Noch Fragen?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ja Herr! Was soll ich als eure Dienerin machen?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Hm&#8230;du k&ouml;nntest damit anfangen, den Dreck, den dein Vater hier verursacht hat, wegzur&auml;umen.&quot;, sagte er mit b&ouml;sem Unterton.<br \/>\n  <br \/> Die Worte trafen sie wie ein Peitschenschlag. Doch sie zwang sich dazu ein &quot;Ja, Herr!&quot;, hervor zu pressen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Gut! Hol dir von den Orks irgendwas zum Saubermachen!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie &uuml;berlegte: <em>Das ist meine Chance, ich k&ouml;nnte versuchen zu fliehen. Aber wie lange wird er ben&ouml;tigen, um herauszufinden, dass ich weg bin? Wie lange wird er brauchen, um mich zu finden? Nein, jetzt kann ich noch nicht fliehen. Also, spiele den braven Sklaven, Elyssa. Irgendwann kommst du hier raus und zahlst es ihm heim&#8230;irgendwann&#8230;<\/em><br \/>\n  <br \/> Kurze Zeit sp&auml;ter stand sie wieder vor der Asche ihres Vaters. Unter der st&auml;ndigen Aufsicht von Saladrex machte sie sich daran, mit einem Besen die &Uuml;berreste Edmunds auf ein Tuch zu fegen und dachte dabei: <em>Nicht nachdenken, Elyssa, nicht nachdenken! Er will dich nur qu&auml;len, wie er es mit deinem Vater getan hat&#8230; Und hat sich dein Vater davon beirren lassen? Nein, er hat gesagt: Solange es noch Hoffnung gibt, ist das Leben lebenswert.<\/em> Sie wiederholte es immer wieder: <em>Solange es noch Hoffnung gibt&#8230;<\/em> Das gab ihr Kraft mit ihrer schrecklichen Arbeit fertig zu werden. Als sie fertig war, legte sie das Tuch zusammen und fragte den Drachen mit der ruhigsten Stimme, die sie sich aufzwingen konnte:<br \/>\n  <br \/> &quot;Habt ihr noch weitere Aufgaben f&uuml;r mich, Herr?&quot;<br \/>\n  <br \/> Ein Funkeln in seinen Augen verriet ihr, dass Saladrex leicht ver&auml;rgert dar&uuml;ber zu sein schien, dass sie sich so ruhig gab. Doch er antwortete ihr mit der gleichen Ruhe: &quot;Nein, das soll f&uuml;rs erste einmal genug sein. Du bist ja sicherlich ganz fertig! Ich werde jetzt ausfliegen und dir ein wenig Kleidung und was zu essen besorgen &#8211; wir wollen ja nicht, dass du gleich eingehst, nicht wahr?&quot;<br \/>\n  <br \/> Er wusste, wie hart er sie mit diesem v&auml;terlichen Gehabe traf. Doch sie hatte nicht vor, sich davon beeinflussen zu lassen, darum antwortete sie nur mit einem &quot;Danke, Herr!&quot;<br \/>\n  <br \/> Er warf ihr nochmals einen seltsamen Blick zu, drehte sich dann um, ging zu dem gro&szlig;en Loch in seiner H&ouml;hle, breitete die Fl&uuml;gel aus, stie&szlig; sich vom Rand ab und flog weg. Sie stand nun alleine in der gro&szlig;en Halle und nutzte die Zeit, um sich umzusehen. Zuerst ging sie zu dem gro&szlig;en Loch, aus dem eben noch Saladrex&#8216; m&auml;chtiger K&ouml;rper verschwunden war. Die steinernen R&auml;nder des Lochs waren glasiert, wie weggeschmolzen. Anscheinend hatte sich der Drache den Eingang zu seiner neuen Heimat in den Fels gebrannt. Vor ihr breiteten sich die L&auml;ndereien ihres Vaters aus. <em>Ex-L&auml;ndereien<\/em>, verbesserte sie sich in Gedanken. Saladrex&#8216; H&ouml;hle musste im Schneedolch liegen, dem einzigen und damit h&ouml;chsten Berg in der Umgebung. Elyssa stammte aus dem Geschlecht der Schneedolche, welches nach dem Berg benannt war. <em>Ob diese Familie mit mir ihr Ende finden wird?<\/em><br \/>\n  <br \/> Sie sah &uuml;ber den Rand der Klippe. Dahinter ging es relativ steil abw&auml;rts &#8211; f&uuml;r einen Menschen unm&ouml;glich, hier hoch zu kommen. Der Eingang zu dem Komplex &uuml;ber ihr musste weit oben liegen, so gro&szlig;e Treppen, wie sie hierher &uuml;berwunden hatte. Warum wusste niemand von dem Gew&ouml;lbe in diesem Berg? So etwas lie&szlig; sich doch nicht so einfach &uuml;bersehen&#8230; Vielleicht war der Eingang getarnt gewesen? Doch wie hatte dann ihr Vater her gefunden?<br \/>\n  <br \/> Sie lie&szlig; ihren Blick &uuml;ber die Landschaft schweifen und merkte, wie ihr die Tr&auml;nen kamen. All dies stand einst unter dem Schutz ihres Vaters. Jetzt war es der Willk&uuml;r eines roten Drachen ausgeliefert, der mit diesen L&auml;ndereien anstellen konnte, was er wollte&#8230; Und sie wollte sich nicht vorstellen, was Saladrex hier machen w&uuml;rde. Den Anwohnern in den zahlreichen D&ouml;rfern stand eine harte Zeit bevor. Und indem sie Saladrex gew&auml;hlt hatten, brachten sie sich ihr eigenes Verderben&#8230;<br \/>\n  <br \/> Sie lie&szlig; alles raus. Sie schrie w&uuml;tend auf und begann, an die Wand zu treten, immer und immer und immer wieder, bis sie ihren Fu&szlig; vor Schmerzen kaum mehr sp&uuml;ren konnte. Dann setzte sie sich auf den Boden, vergrub die H&auml;nde im Gesicht und weinte. Sie schluchzte und weinte all die Wut und die Trauer aus, die sich in den letzten Stunden angesammelt hatten. Sie weinte und schrie und wand sich auf dem Boden, bis sie keine Kraft mehr hatte und nur noch stumm auf der Seite lag und Tr&auml;nen vergoss.<br \/>\n  <br \/> Sie wusste nicht, wie lange sie dort gelegen hatte, als sie die Fl&uuml;gelschl&auml;ge ihres neuen Herren h&ouml;rte. Schnell richtete sie sich auf, trocknete ihre Augen, so gut es ging und stellte sich neben den gro&szlig;en Eingang. Saladrex landete auf der Klippe und ging dann in seine Halle hinein.<br \/>\n  <br \/> Elyssa stand mit gesenktem Kopf da, um ihm nicht ihre ger&ouml;teten Augen zu zeigen. Der Drache schien kurz zu schnuppern, sah sie abf&auml;llig an und warf ihr dann einen Beutel zu, den er in einer seiner Klauen getragen hatte.<br \/>\n  <br \/> &quot;Hier, das d&uuml;rfte alles sein, was du ben&ouml;tigst!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie ging zu dem Beutel und sah hinein. Sein Inhalt war ein gr&uuml;nes, gar nicht mal so h&auml;ssliches Kleid, ein Brot und ein paar Fr&uuml;chte. Doch damit waren noch nicht alle ihre Bed&uuml;rfnisse gedeckt&#8230;<br \/>\n  <br \/> &quot;Wo soll ich schlafen, Herr?&quot;<br \/>\n  <br \/> Der Drache machte eine Geste, die bei einem Menschen wahrscheinlich ein Hochziehen der Augenbrauen h&auml;tte darstellen sollen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Du schl&auml;fst hier, bei mir!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Aber auf welchem Bett, Herr?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Auf welchem Bett? Was hast du denn f&uuml;r Anspr&uuml;che? Du wirst neben mir auf dem Boden schlafen! Oder ist dir das zu unangenehm?&quot;, fragte er mit Nachdruck.<br \/>\n  <br \/> Sie senkte den Kopf: &quot;Nein, Herr.&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Gut! Du darfst dich dann hinlegen, ich habe f&uuml;r heute keine weiteren Aufgaben f&uuml;r dich.&quot;<br \/>\n  <br \/> Er legte sich vor seinen Schatzhaufen, rollte sich zusammen und legte seinen Kopf auf den Schwanz. Sie nahm sich die Nahrungsmittel, die er mitgebracht hatte und begann mit Hei&szlig;hunger zu essen &#8211; schlie&szlig;lich hatte sie den ganzen Tag &uuml;ber nichts in den Magen bekommen. Die ganze Zeit &uuml;ber wurde sie dabei von dem Drachen beobachtet, f&uuml;r den es ein besonders faszinierender Anblick zu sein schien. Entweder hatte er noch nie einen Menschen essen sehen oder er dachte dabei seine eigene Ern&auml;hrung, so wie er sie ansah. Schnell sch&uuml;ttelte sie den Gedanken ab und sah weg. <em>Solange es keinen Grund gibt, wird er mich nicht t&ouml;ten.<\/em> <em>Und ich werde daf&uuml;r sorgen, dass auch nie einen geben wird!<\/em><br \/>\n  <br \/> Nach einer Weile schloss der Drache seine Augen. Schon bald war er eingeschlafen. Elyssa &uuml;berlegte, was sie jetzt tun sollte. Sollte sie vielleicht doch versuchen zu fliehen? Sie k&ouml;nnte bis ins n&auml;chste Dorf kommen und dort versuchen, sich zu verstecken&#8230; <em>Nein, zu riskant!<\/em> Sie konnte nicht riskieren, dass ihre Rache an Saladrex ausblieb. Ihre Seele w&uuml;rde keine Ruhe bekommen, sollte der Drache ihren Tod &uuml;berleben.<br \/>\n  <br \/> Sie w&uuml;rde sich Zeit lassen.<br \/>\n  <br \/> Sie w&uuml;rde nicht &uuml;berst&uuml;rzt handeln.<br \/>\n  <br \/> Sie w&uuml;rde ihn t&ouml;ten.<br \/>\n  <br \/> Und sie w&uuml;rde sich von nichts und niemand davon abbringen lassen!<br \/>\n  <br \/> Doch das musste warten. Jetzt legte sie sich auf den harten Boden und versuchte zu schlafen. Sie wollte nicht zu nah an dem Drachen liegen und legte sich deswegen mitten in die Halle.<br \/>\n  <br \/> Es war kalt. Sie drehte sich auf dem Boden immer wieder hin und her, in verzweifelter Suche nach einer bequemeren Lage. Sie wusste nicht wie und sie wusste nicht wann, aber nach langer Zeit, wie es ihr schien, gelang es ihr dann, einzuschlafen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und die Zeit vergeht&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Arbeiten, die sie verrichten musste, waren unangenehm und eint&ouml;nig. Sie musste die gesamte gro&szlig;e Halle schrubben, Saladrex&#8216; wertvolle Sch&auml;tze putzen, seine Schuppen reinigen oder ihn mit ihrer blo&szlig;en Anwesenheit unterhalten, was f&uuml;r sie am schlimmsten war, da sie meistens mehrere Stunden lang einfach nur dastehen musste, w&auml;hrend der Drache sie einfach nur betrachtete. Elyssa war froh dar&uuml;ber, dass sie nicht wusste, was er dachte, w&auml;hrend er sie ansah.<br \/>\n  <br \/> Meistens jedoch war er nicht in seiner Halle, sondern flog auf die Spitze des Berges, um seine L&auml;ndereien zu beobachten oder um zu jagen. Und immer, wenn sie alleine war oder von dem Drachen angestarrt wurde und keine Arbeit zu verrichten hatte, erging sie sich in ihren Pl&auml;nen, den Drachen umzubringen. Sie erg&ouml;tzte sich immer und immer wieder an dem Gedanken, ihm den Todessto&szlig; zu geben.<br \/>\n  <br \/> Doch so ablehnend er sich ihr gegen&uuml;ber auch verhielt, er k&uuml;mmerte sich recht gut um sie. Er lie&szlig; sie regelm&auml;&szlig;ig an seiner Jagdausbeute teilhaben und versorgte sie mit allem, was sie ben&ouml;tigte, sei es Wasser, Kleidung oder gar ein wenig Heu, um ein provisorisches Bett zu erstellen. Das machte die N&auml;chte zwar nicht sehr viel w&auml;rmer, aber zumindest ein wenig bequemer.<br \/>\n  <br \/> Sie hatte keine Ahnung, was er mit der Bev&ouml;lkerung in den umliegenden D&ouml;rfern anstellte &#8211; sie wollte es auch nicht wissen. Es war sicherlich nicht sehr angenehm f&uuml;r die Menschen, die einst zufrieden unter der Aufsicht ihres Vaters leben konnten, bis Saladrex ankam.<br \/>\n  <br \/> Die Best&auml;tigung f&uuml;r Saladrex&#8216; Schreckensherrschaft erhielt sie nach mehreren Monaten Sklavenschaft&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Es war wieder eine der Perioden, wo er sie nur anstarrte. Seine gro&szlig;en, gelben Augen schienen sie zu durchdringen, wenn sie ihn ansah. An diesen Blick hatte sie sich nun schon fast gew&ouml;hnt. <em>Ich werde ihn vor seinem Tod auch nochmal eine Stunde lang nur anstarren, dann wei&szlig; er, wie ich mich die ganze Zeit gef&uuml;hlt habe<\/em>, sagte sie sich immer. Doch diesmal sah der Drache pl&ouml;tzlich auf. Ein paar Momente sp&auml;ter kam einer der Orks, die ebenfalls in dem Bergkomplex wohnten, die gro&szlig;e Treppe herunter.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich hoffe, es gibt einen guten Grund, mich zu unterbrechen!&quot;, sagte Saladrex mit drohender Stimme.<br \/>\n  <br \/> &quot;Es sind Menschen eingedrungen, Meister!&quot;<br \/>\n  <br \/> Saladrex sah auf.<br \/>\n  <br \/> &quot;Wirklich? Wie viele?&quot;, fragte er interessiert.<br \/>\n  <br \/> &quot;So viele, wie Ork Finger an Hand hat.&quot;, antwortete der Ork. Es &uuml;berraschte Elyssa, dass diese Kreaturen &uuml;berhaupt z&auml;hlen konnten, so dumm, wie sie sich sonst anstellten. Wahrscheinlich war der Ork ein Gelehrter in seinem Volk&#8230;<br \/>\n  <br \/> &quot;Schick ihnen ein paar eurer Leute entgegen. Aber nicht zu viele, ich will, dass sie bis hierher durchkommen!&quot;, sagte Saladrex mit einem Grinsen. Das Gleiche hatte er vor Monaten &#8211; oder waren es Jahre gewesen? &#8211; gesagt, als ihr Vater in den Komplex kam. Elyssa sch&uuml;ttelte den Gedanken schnell ab.<br \/>\n  <br \/> Der Ork sagte nur &quot;Ja, Meister!&quot;, drehte sich um und ging die Treppe wieder hoch.<br \/>\n  <br \/> Der Drache wandte sich wieder ihr zu: &quot;Ha, das wird ein Spa&szlig;! Pass auf!&quot;<br \/>\n  <br \/> Auf einmal begann er mit einem inneren Licht zu gl&uuml;hen und gleichzeitig zu schrumpfen. Wenige Sekunden sp&auml;ter hatte er sich in seine menschliche Form verwandelt. Elyssa hatte schon fast vergessen, wie er als Mensch aussah, so lange war es schon her, dass sie ihn das letzte Mal so gesehen hatte.<br \/>\n  <br \/> Die Illusion war perfekt. H&auml;tte sie nichts von seiner wahren Natur gewusst, h&auml;tte sie ihn f&uuml;r einen normalen Menschen gehalten. Einzig das Funkeln in seinen Augen verriet noch ein wenig &uuml;ber seine Absichten.<br \/>\n  <br \/> &quot;Glotz nicht so! Du siehst mich schlie&szlig;lich nicht das erste Mal!&quot;, sagte er mit seiner alten, menschlichen Stimme, die immer noch eine gewisse &Auml;hnlichkeit zu seiner Drachenstimme hatte. Dann drehte er sich um und hob die H&auml;nde. Eine Sekunde sp&auml;ter erschien quasi aus dem Nichts ein solider Stahlk&auml;fig mit eiserner T&uuml;r. Elyssa hatte das Gef&uuml;hl, ihre Kinnlade w&uuml;rde auf den Boden fallen und ihre Augen aus dem Kopf springen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Wie&#8230;wie&#8230;&quot;, wollte sie ansetzten, wurde aber gleich unterbrochen: &quot;Das ist eine Form der Magie, die ihr Menschen nie verstehen, geschweige denn beherrschen werdet, versuch also gar nicht erst, eine Erkl&auml;rung zu bekommen!&quot;<br \/>\n  <br \/> Er &ouml;ffnete die T&uuml;r des K&auml;figs, die mit einem eisernen Schloss versehen war. Und lud sie mit einer Handbewegung ein, hinein zu steigen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Was&#8230;?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Frag nicht, sondern geh hinein!&quot;, sagte er in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Sie leistete auch keinen Widerstand und stieg in das eiserne Gef&auml;ngnis.<br \/>\n  <br \/> Saladrex folgte ihr, schloss die T&uuml;r hinter sich und lie&szlig; das Schloss klickend einrasten.<br \/>\n  <br \/> &quot;So, es w&auml;re besser f&uuml;r dich, wenn du jetzt die Klappe halten w&uuml;rdest!&quot;, sagte er mit einem &uuml;bertrieben freundlichen L&auml;cheln. Und schon war die Abenteurergruppe zu h&ouml;ren, die, sich fr&ouml;hlich unterhaltend und laut polternd die Treppe herunter kam. Am Fu&szlig;e der Treppe jedoch stoppten sie und starrten.<br \/>\n  <br \/> Es waren f&uuml;nf Menschen, drei M&auml;nner, zwei Frauen. Ihnen offenbarte sich folgendes Bild: Eine riesige, lange Halle mit einem gro&szlig;en Loch am anderen Ende, das direkt ans Tageslicht f&uuml;hrte. Mitten in der Halle lag ein riesiger Haufen aus Gold, Sch&auml;tzen und Kostbarkeiten &#8211; und davor stand ein K&auml;fig mit zwei Menschen drin, einer jungen Frau und einem hoch gewachsenen Mann.<br \/>\n  <br \/> Die f&uuml;nf Menschen sahen alle recht unterschiedlich aus. Die eine Frau war relativ sp&auml;rlich bekleidet, hatte nur einen langen Stab in der Hand und lange, schwarze Haare. Die andere Frau war nahezu das Gegenst&uuml;ck zu ihrer Partnerin: Kr&auml;ftig gebaut, kurze Haare, Lederpanzer, Schild und Streitkolben&#8230; Die beiden h&auml;tten unterschiedlicher nicht sein k&ouml;nnen.<br \/>\n  <br \/> Bei den M&auml;nnern waren die Unterschiede nicht ganz so auff&auml;llig. Einer von ihnen hatte eine auf Hochglanz polierte Plattenr&uuml;stung, einen Helm mit einem kleinen roten Federb&uuml;schel auf dem Kopf und war mit Schwert und Schild bewaffnet. Der zweite war nicht ganz so vernarbt im Gesicht, aber von h&uuml;nenhafter Statur und hatte einen gigantischen Zweih&auml;nder in der Hand. Mit seinem langen Bart, in den viele kleine Z&ouml;pfe geflochten waren, sah er aus wie einer der Barbaren aus dem Norden. Der Dritte schien nicht ganz so kr&auml;ftig. Er war in ein unauff&auml;lliges Schwarz gekleidet, hatte eine Kapuze auf, so dass man sein Gesicht nicht sehen konnte und war mit Pfeil und Bogen bewaffnet.<br \/>\n  <br \/> Die wenigen Abenteurergruppen, die Elyssa schon gesehen hatte, sahen fast alle genauso aus, wie diese hier&#8230; Doch das war immer in den D&ouml;rfern gewesen und nie in dunklen Gew&ouml;lben, in der Gefangenschaft eines Drachen. Die f&uuml;nf kamen jetzt schnell auf sie zu. Der Mann in der gl&auml;nzenden R&uuml;stung rief: &quot;Schnell, Freunde, wir m&uuml;ssen sie aus diesem schrecklichen Gef&auml;ngnis befreien, bevor der Drache wiederkommt!&quot;<br \/>\n  <br \/> Als sie am K&auml;fig angekommen waren, sagte Saladrex mit einer &auml;ngstlich-weinerlichen Stimme, die er &uuml;brigens perfekt imitieren konnte: &quot;Beeilt euch, ich glaube der Drache kommt gleich wieder!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Wisst ihr, wo der Schl&uuml;ssel zu diesem K&auml;fig ist?&quot;, fragte die leicht bekleidete Frau.<br \/>\n  <br \/> &quot;Nein, einer der Untergebenen des Drachen besitzt den Schl&uuml;ssel. Gibt es vielleicht einen anderen Weg?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Tretet zur Seite!&quot;, das hatte der Kapuzenmann gesagt. Die anderen gaben das Schloss frei, w&auml;hrend der Mann einen Dolch zog, sich vor das Schloss kniete und darin herum stocherte. Nach ein paar Sekunden klickte es und das Schloss sprang auf. Saladrex stie&szlig; das Tor auf und ging hinaus, wobei er Elyssa mit sich zog.<br \/>\n  <br \/> Der Ritter fragte: &quot;Geht es euch gut?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich denke schon, ja!&quot;, war Saladrex&#8216; Antwort.<br \/>\n  <br \/> &quot;In Ordnung, versucht so schnell wie m&ouml;glich an die Oberfl&auml;che zu kommen, wir werden uns solange den Drachen vorkn&ouml;pfen!&quot;<br \/>\n  <br \/> Dann sagte der Barbar etwas: &quot;Jungs, schaut euch nur diese Sch&auml;tze an!&quot;<br \/>\n  <br \/> Die vier anderen Mensch drehten sich zusammen um und gingen ein paar Schritte auf den gro&szlig;en Schatzhaufen zu.<br \/>\n  <br \/> Sie standen jetzt alle mit dem R&uuml;cken zu Saladrex und Elyssa. Der Drache drehte sich zu ihr um, l&auml;chelte, legte den Finger auf die Lippen und zwinkerte ihr zu. Dann ging er auf die muskul&ouml;se Frau zu, die ihm am n&auml;chsten stand.<br \/>\n  <br \/> Als er direkt hinter ihr war, legte er ihr schnell den einen Arm um den Mund, mit dem anderen Arm umschlang er ihre Brust.<br \/>\n  <br \/> Danach breitete er mit einer schrecklichen, eleganten Bewegung seine beiden Arme aus und riss ihr dabei den Kopf von den Schultern, wozu ein h&auml;ssliches Ger&auml;usch ert&ouml;nte.<br \/>\n  <br \/> Bei diesem Ger&auml;usch fuhren die anderen vier Abenteurer herum und sahen Saladrex, wie er mit ausgebreiteten, blutigen Armen und schief gelegtem Kopf dastand und sie anl&auml;chelte, w&auml;hrend rechts und links neben ihm die enthauptete Leiche der Frau lag.<br \/>\n  <br \/> Der Barbar reagierte zuerst. Er schrie: &quot;DU BASTARD!&quot; und rannte mit weit &uuml;ber den Kopf gehobenem Zweih&auml;nder auf den Drachen zu. Saladrex bewegte sich keinen Zentimeter. Erst, als der H&uuml;ne bei ihm angekommen war und gerade zuschlug, klatschte er blitzschnell seine beiden H&auml;nde seitlich versetzt zusammen und brach die Spitze des Schwertes einfach ab. Der H&uuml;ne starrte nur ungl&auml;ubig auf sein Schwert, doch Saladrex versetzte ihm mit der geballten Faust einen Hieb auf die Wange, der ihn Blut spuckend zu Boden warf. Dann stellte der Drache schnell seinen Fu&szlig; auf die Kehle des H&uuml;nen, da die anderen Abenteurer nun auch reagierten und sich ihm mit gezogenen Waffen n&auml;herten.<br \/>\n  <br \/> &quot;Noch ein Schritt und ich muss ihm leider seine kleine Kehle zerquetschen!&quot;, sagte er fr&ouml;hlich, w&auml;hrend der Barbar r&ouml;chelnd auf dem Boden lag.<br \/>\n  <br \/> &quot;Was wollt ihr von uns? Was zur H&ouml;lle seid ihr eigentlich?&quot;, fragte der Ritter.<br \/>\n  <br \/> &quot;Was ich bin, m&ouml;chtet ihr wissen?&quot;, sagte er und grinste noch breiter.<br \/>\n  <br \/> Dann begann er wieder zu gl&uuml;hen und seine Gestalt ver&auml;nderte sich. Sie wuchs und wuchs, bis wieder die gigantische Statur des Drachen den Raum ausf&uuml;llte. Die drei Abenteurer legten die K&ouml;pfe in den Nacken und staunten.<br \/>\n  <br \/> Saladrex hob den Fu&szlig; an &#8211; die rote Masse darunter war anscheinend mal der Oberk&ouml;rper des H&uuml;nen gewesen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh, Verzeihung! Den hab ich ja ganz vergessen!&quot;, sagte Saladrex sarkastisch.<br \/>\n  <br \/> Elyssa betrachtete dies alles mit Entsetzen, doch erneut zwang sie sich, ruhig zu bleiben. Das Einzige, was sie damit erreichte, war, dass ihr schlecht wurde.<br \/>\n  <br \/> Sie sah nun, wie die andere Frau etwas murmelte, w&auml;hrend der Ritter angespannt und mit dem Schwert auf den Drachen gerichtet, langsam zur&uuml;ck wich.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ihr wurdet also aus einem der D&ouml;rfer geschickt! Was dachtet ihr? Das ihr hier einfach rein spazieren und mal eben einen Drachen umbringen k&ouml;nnt?&quot;, sagte Saladrex mit einem w&uuml;tenden Grollen, &quot;Ich verbrenne euch zu Asche. Ich zermalme euch unter meinen F&uuml;&szlig;en. Ich verschlinge euch bei lebendigem Leibe. Ich l&ouml;sche euer Lebenslicht mit einer Handbewegung aus &#8211; und ihr denkt, ihr k&ouml;nntet mich t&ouml;ten? Ihr seid wahrlich die naivste und d&uuml;mmste Rasse die diese Welt je hervor gebracht hat! Ich frage mich, wie ihr es so weit bringen konntet!&quot;, donnerte die Stimme des Drachen durch die Halle. Dann sch&uuml;ttelte den Kopf, wie ein Vater, der seinen Sohn tadelt und spie einen Feuerstrahl in Richtung der Schatten rechts von ihm. In dem Licht konnte sie noch den vermummten Mann ausmachen, der dort mit Pfeil und Bogen stand und wahrscheinlich gerade auf Saladrex&#8216; Kopf zielte. Danach war da kein Mann mehr.<br \/>\n  <br \/> Als er sich den beiden &uuml;brig gebliebenen Menschen zuwandte, rief der Ritter: &quot;Jetzt reicht es mir! Ihr werdet nicht weiter unschuldige Menschen umbringen, Biest! Ihr werdet hier und jetzt sterben!&quot;<br \/>\n  <br \/> Der Drache lachte laut auf, so laut, dass der Boden zu erzittern schien.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich habe den Gro&szlig;teil eurer Gruppe vernichtet, als w&auml;ren sie Fliegen! Was wollt ihr jetzt noch gegen mich unternehmen? Mich mit dieser Nadel dort kitzeln? Ah, ich hab es! Ihr wollt mich mit eurer naiv-heroischen Art zu Tode am&uuml;sieren! Gewieft, gewieft, doch eure Rechnung geht nicht ganz auf, Ritterchen!&quot;<br \/>\n  <br \/> Das machte den Menschen so w&uuml;tend, dass er unter seiner R&uuml;stung puterrot anlief und mit einem Kampfschrei und mit vor sich gerichtetem Schwert nach vorne st&uuml;rmte. Der Drache nahm fing ihn einfach mit einer seiner Klauen ab und hob ihn hoch, w&auml;hrend der Ritter nur w&uuml;tend schrie, strampelte und mit dem Schwert nach den gepanzerten Schuppen des Drachen schlug. Dieser nahm die andere Klaue und schnippte ihm das Schwert einfach aus der Hand. Die junge Frau, die die ganze Zeit nur vor sich hin gemurmelt hatte, schrie nun &quot;NEIN!&quot; und streckte die H&auml;nde ruckartig von sich, auf den Drachen zeigend. Aus ihren Fingerspitzen schossen rote Energiekugeln, die Saladrex am gesamten K&ouml;rper trafen. Der Drache sah an sich herab &#8211; kein einziger der Energieb&auml;lle hatte auch nur einen Kratzer hinterlassen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ist das alles, Magierin?&quot;, fragte er ungl&auml;ubig. Dann bewegte er sich auf die junge Frau zu und hielt die Klaue mit dem immer noch zappelnden und schreienden Ritter direkt &uuml;ber sie. Dann presste er seine Krallen zusammen und lie&szlig; einen blutigen Regen auf die Zauberin hinunterprasseln. Der Ritter starb mit einem unmenschlichem Gurgeln.<br \/>\n  <br \/> Elyssa wandte ihren Blick ab.<br \/>\n  <br \/> Die vor Blut triefende Magierin begann jetzt unartikuliert zu schreien und lief los, in Richtung Ausgang. Der Drachenschwanz zuckte blitzschnell hervor, wand sich um ihre F&uuml;&szlig;e und riss sie zu Boden, direkt vor Elyssa.<br \/>\n  <br \/> Die Frau, sie musste genauso alt sein wie Elyssa selbst, sah zu ihr auf und fl&uuml;sterte: &quot;Hilf mir&#8230;bitte! Bitte hilf mir!&quot;<br \/>\n  <br \/> Doch Elyssa neigte nur den Kopf nach unten und schloss die Augen.<br \/>\n  <br \/> Saladrex zog die Zauberin nun zur&uuml;ck und hob sie in die Luft. Dann lie&szlig; er seinen Schwanz mit aller Wucht auf den Boden peitschen.<br \/>\n  <br \/> Das abartige Ger&auml;usch, das es beim Aufprall gab, verdrehte Elyssa den Magen, doch sie unterdr&uuml;ckte den Brechreiz und hielt ihre Augen geschlossen.<br \/>\n  <br \/> Als sie ihren K&ouml;rper wieder einigerma&szlig;en unter Kontrolle hatte, machte sie die Augen wieder auf. Ein Bild des Grauens offenbarte sich ihr: &Uuml;berall war Blut, Blut und nochmals Blut &#8211; die Leichen der Abenteurer waren bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet. Elyssa verlor die Kontrolle &uuml;ber sich selbst. Sie fiel auf die Knie, beugte sich vorn&uuml;ber und &uuml;bergab sich auf den blutigen Boden der Halle.<br \/>\n  <br \/> &quot;Dir ist klar, dass du das alles nachher wegr&auml;umen darfst?&quot;, sagte der Drache Nase r&uuml;mpfend.<br \/>\n  <br \/> Elyssa sah sich nochmals um und sagte leise, mehr zu sich selbst: &quot;Diese Boshaftigkeit&#8230; Diese sinnlose Boshaftigkeit&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> Saladrex hatte es trotzdem geh&ouml;rt.<br \/>\n  <br \/> &quot;Boshaftigkeit? Du bist also der Meinung ich handele so, weil ich von Grund auf b&ouml;se bin!? Wei&szlig;t du was? Ich bin gar nicht der &quot;B&ouml;se&quot;! Diese f&uuml;nf Menschen hier waren es, schlie&szlig;lich wollten sie mich umbringen!&quot;<br \/>\n  <br \/> Wut kochte in ihr hoch. Wut &uuml;ber den Drachen. Wut &uuml;ber seine grausamen Taten. Wut &uuml;ber sich selbst. Sie schrie ihn an: &quot;Aber sie hatten nie eine Chance gegen euch, ihr habt sie abgeschlachtet wie Tiere!&quot;<br \/>\n  <br \/> Zuerst sah er sie nur ungl&auml;ubig an. Dieser kleine Mensch wagte es doch, ihn anzuschreien! Dann lachte er und sagte mit schief gelegtem Kopf: &quot;Sie waren ja auch die B&ouml;sen. Und die B&ouml;sen verdienen deiner Meinung nach doch auch immer einen schrecklichen Tod oder?&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssas Wut war noch immer nicht abgebaut und sie schrie weiter: &quot;Ihr terrorisiert die Bev&ouml;lkerung hier, ihr schlachtet wehrlose B&uuml;rger ab, ihr bringt meinen Vater um und sagt dann noch, dass diese Taten <em>gut <\/em>sind? Seid ihr wahnsinnig?&quot;<br \/>\n  <br \/> Jetzt legte Saladrex den Kopf in den Nacken und lachte so laut, dass die gesamte H&ouml;hle wirklich erbebte: &quot;Ha! Du hast Mut, Winzling! Das gef&auml;llt mir! Noch nie zuvor hat jemand gewagt, mich so anzuschreien und &uuml;berlebt.&quot;<br \/>\n  <br \/> Da wurde Elyssa bewusst, was sie gerade getan hatte. Sie neigte den Kopf und murmelte: &quot;Vezeiht, Herr!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Oh, nein, jetzt fang nicht wieder mit diesem Rumgeschleime an! Das ist so langweilig! Wenn du so offen bist, wie du eben warst, gef&auml;llst du mir gleich viel besser. Das hei&szlig;t jetzt aber bitte nicht, dass du mir ins Gesicht sagen kannst, was du willst!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie konnte es kaum fassen. Indem sie ihre eigenen Gesetze gebrochen hatte, erlangte sie ein wenig Vertrauen von ihm. Er fuhr fort: &quot;Was ich dir gerade versucht habe klar zu machen, war, dass die Handlungen, die ich ausf&uuml;hre, f&uuml;r mich nat&uuml;rlich &quot;gut&quot; sind, w&auml;hrend alle, die mir etwas anhaben wollen, &quot;b&ouml;se&quot; sind. Verstanden?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ja, Herr.&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Und was will ich dir damit sagen? &Uuml;berlege gut!&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa dachte nach.<br \/>\n  <br \/> Was sollte das sein? Eine Pr&uuml;fung? Was w&uuml;rde er machen, wenn sie falsch antwortete?<br \/>\n  <br \/> Schlie&szlig;lich entschied sie sich zu einer Antwort: &quot;Ihr wollt mir damit sagen, dass es kein Gut und kein B&ouml;se gibt. Es gibt nur verschiedene Ansichten einer Sache.&quot;<br \/>\n  <br \/> Der Drache sah ihr direkt in die Augen. Doch diesmal war es nicht das endlose Mustern der letzten Wochen, dieses Mal ging es tiefer. Es war, als suchte er etwas in ihrer Seele, einen Fleck, von dem nicht mal mehr sie etwas wusste. Sie war auch nicht in der Lage, wegzusehen. Sie klebte an seinem Blick, als ob ein magischer Bann diesen Kontakt aufrecht erhalten w&uuml;rde. Irgendwann sagte er dann: &quot;Das war genau die richtige Antwort. Du bist gar nicht mal so dumm, Elyssa. Aus dir l&auml;sst sich noch etwas machen! Lassen wir diese Sklavenarbeit f&uuml;r dich. Du wirst zwar weiter hier bei mir bleiben, aber ich habe etwas anderes mit dir vor&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa schluckte. Was sollte das? Was hatte er vor? Sie fragte ihn.<br \/>\n  <br \/> &quot;Das wirst du schon sehen. Es wird auf jeden Fall besser werden, als dass, was du in der letzten Zeit f&uuml;r mich getan hast.&quot;, war seine Antwort, &quot;Die Putzarbeiten k&ouml;nnen auch die Orks &uuml;bernehmen.&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa sah sich in dem blutigen Raum noch einmal um.<br \/>\n  <br \/> &quot;War das alles n&ouml;tig? Warum mussten sie alle so sinnlos sterben?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Sinnlos? Wieso sinnlos? Und wenn ihr Tod sinnlos war, was f&uuml;r einen Sinn hatte dann ihr Leben?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Auf keinen Fall war der Sinn ihres Lebens von einem vergn&uuml;gungss&uuml;chtigen roten Drachen abgeschlachtet zu werden!&quot;, antwortete sie scharf.<br \/>\n  <br \/> &quot;Woher willst du das wissen, Elyssa? Vielleicht war ja gerade das der Sinn?! Du kannst es nicht sagen, ich kann es nicht sagen, es ist so geschehen und dabei wird es auch bleiben. Und frage nicht mehr nach dem <em>Sinn<\/em>, du wirst ihn n&auml;mlich nie finden! Wir Drachen haben schon vor Jahrtausenden damit aufgeh&ouml;rt. Auch wir sind damals immer wieder gegen die Mauer namens Philosophie gerannt, um den Sinn des Ganzen dahinter zu finden. Glaube mir, diese Mauer steht fest und unzerst&ouml;rbar.&quot;<br \/>\n  <br \/> Saladrex hatte Recht. Es war geschehen und damit hatte es sich. Es w&uuml;rde keinen Sinn machen, nach dem Sinn zu fragen. Wenn sich intelligente Wesen schon seit Jahrtausenden mit dem Problem befassten und noch immer keine Antwort gefunden hatten, wie sollte sie da eine finden?<br \/>\n  <br \/> &quot;Auf jeden Fall zieht diese Aktion nun Konsequenzen f&uuml;r die Bewohner einiger D&ouml;rfer hier mit sich. So etwas darf ich nat&uuml;rlich nicht ungestraft lassen!&quot;, fuhr er fort.<br \/>\n  <br \/> &quot;Lasst die Dorfbewohner aus dem Spiel! Woher wollt ihr wissen, dass sie die Abenteurer angeheuert haben? Ich bitte euch, t&ouml;tet nicht noch mehr unschuldige Menschen!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Unschuldig! Diese 5 hier waren es wohl kaum! Und nenne mir einen Dorfbewohner, der keinen Hass gegen mich empfindet!&quot;, antwortete er ihr.<br \/>\n  <br \/> &quot;Wartet bitte ab! Sollten es wirklich die D&ouml;rfler hier gewesen sein, werden in ein paar Wochen oder Monaten noch weitere Abenteurer kommen. Sollte dies geschehen, habt ihr die Gewissheit, dass die Dorfbewohner es waren &#8211; wenn nicht, hat euch diese Gruppe hier zuf&auml;llig gefunden!&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa sah Saladrex an und hoffte. Saladrex sah zur&uuml;ck und wog pr&uuml;fend seinen Kopf hin und her. Dann sagte er mit v&auml;terlich tadelnder Stimme: &quot;Die Antwort ist nicht ganz logisch, meine kleine Elyssa! Die f&uuml;nf Menschen wussten von mir. Und sie wussten, dass ich hier im Berg wohne. Niemand besteigt einfach so ohne Grund einen Berg &#8211; obwohl, euch Menschen kann man ja alles zutrauen&#8230; Dennoch werde ich die Dorfbewohner nicht bestrafen. Das kostet nur Zeit und Energie! Und au&szlig;erdem hast du Recht, sie werden bald weitere Abenteurer schicken&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> Den letzten Satz sagte er mit einem Unterton, der ihr sagte, dass das hier nicht das letzte Gemetzel gewesen war, was sie mit ansehen musste.<br \/>\n  <br \/> Er rieb sich mit seiner riesigen Hand das Kinn und sah sie weiterhin an. Es kam ihr vor, als w&auml;re er in letzter Zeit nur am Nachdenken &#8211; am Nachdenken &uuml;ber sie!<br \/>\n  <br \/> Jetzt schien er Selbstgespr&auml;che zu f&uuml;hren: &quot;Nein, das geht nicht hier, das muss ich woanders &uuml;berdenken! Elyssa, mach das hier sauber, solange ich weg bin! Ja, ich wei&szlig;, dass ich gesagt habe, du m&uuml;sstest das nicht mehr machen. Es wird auch das letzte Mal sein &#8211; glaube ich&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> So ganz in Gedanken versunken drehte er sich um, flog weg und lie&szlig; sie in der blutigen Halle alleine zur&uuml;ck.<br \/>\n  <br \/> Sein Verhalten war undurchsichtiger als ein dicker Nebelschleier. Vor ein paar Wochen sah es noch so aus, als w&uuml;rde er sie hassen und jetzt&#8230; Hegte er nun etwa Sympathien f&uuml;r sie? Oder hatte er etwas anderes mit ihr vor? Egal, was es war, es w&uuml;rde sie nicht von ihren Pl&auml;nen abhalten&#8230;<br \/>\n  <br \/> Sie seufzte und machte sich an die Arbeit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und die Zeit vergeht&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Elyssa hatte sich nicht get&auml;uscht. Saladrex verhielt sich besser zu ihr. Sie musste viel seltener anstrengende Arbeiten erledigen und wurde von ihm auch sonst besser behandelt. Er unterhielt sich auch &ouml;fters mit ihr &#8211; meist ging es um die Menschen, ihre Verhaltens- und Lebensweisen. Obwohl er Menschen anscheinend immer noch verabscheute, zeigte er sich doch sehr interessiert dar&uuml;ber, was diese in seinen Augen minderwertige Spezies antrieb, St&auml;dte zu bauen, Handel zu f&uuml;hren und mit einer derartig kurzen Lebensspanne gl&uuml;cklich leben zu k&ouml;nnen.<br \/>\n  <br \/> Elyssa wusste nicht, ob sie nur eine Informationsquelle f&uuml;r ihn und ebenso &quot;minderwertig&quot; war, wie der Rest der Menschheit oder ob sie f&uuml;r den Drachen etwas Besonderes darstellte.<br \/>\n  <br \/> Der Antwort auf diese Frage kam sie ein wenig n&auml;her, als Saladrex sie ein paar Tage sp&auml;ter auf den Gipfel des Schneedolches flog. Sie hatte sich das Fliegen immer als wundersch&ouml;n vorgestellt und als ein Gef&uuml;hl absoluter Freiheit &#8211; es war kalt und unangenehm. W&auml;re Saladrex&#8216; K&ouml;rper nicht so warm gewesen, w&auml;re sie wahrscheinlich erfroren. Dass er einen normalen Menschen niemals auf sich h&auml;tte fliegen lassen, da war sie sich sicher. Irgend etwas unterschied sie also von den anderen&#8230;<br \/>\n  <br \/> Das wurde in den n&auml;chsten Tagen nur noch deutlicher. Nachts durfte sie jetzt sogar an ihn angelehnt schlafen. F&uuml;r seine K&ouml;rperw&auml;rme war sie angesichts der aufkommenden winterlichen K&auml;lte nur dankbar.<br \/>\n  <br \/> Und dann begann er eine Art Unterricht mit ihr. Er nahm sie mit auf den Gipfel des Berges und in die umliegenden W&auml;lder und schulte sie anhand von Konzentrations&uuml;bungen, ihre Sinne besser zu nutzen und ihre Umgebung deutlicher wahrzunehmen. Es war unglaublich: Sie sah, h&ouml;rte und roch viel besser, als es vorher der Fall gewesen war.<br \/>\n  <br \/> Ebenso lehrte er sie den Umgang mit Pfeil und Bogen. Mit ihren neuen Sinnen brauchte sie nur wenige Monate, um so gut zu werden, wie ein Meistersch&uuml;tze, der sein ganzes Leben lang trainiert hatte. Saladrex lie&szlig; sie sogar alleine in die W&auml;lder auf Jagd gehen. Es w&auml;re f&uuml;r sie die perfekte Gelegenheit gewesen, zu fliehen &#8211; doch sie tat es nicht.<br \/>\n  <br \/> Denn ihr Hassgef&uuml;hl gegen den Drachen wurde mit der Zeit von wachsender Zuneigung zu ihm abgel&ouml;st, was in ihr einen Konflikt schaffte, der sie v&ouml;llig verzweifeln lie&szlig;: Sollte sie Saladrex ob der Ermordung ihres Vaters hassen oder ihn wegen den phantastischen F&auml;higkeiten, die er sie lehrte, lieben?<br \/>\n  <br \/> Elyssa hatte noch in einem weiteren Punkt Recht gehabt: Es kamen immer wieder Abenteurer in Saladrex&#8216; H&ouml;hle. Und er t&ouml;tete sie alle. Doch&#8230;Elyssa gew&ouml;hnte sich an die blutigen Gemetzel, die der Drache immer wieder unter den Abenteurern anstellte, was in ihr die Frage aufwarf: <em>Ver&auml;ndert mich Saladrex so sehr, dass auch ich bald zu einem blutr&uuml;nstigen Monster wie er werde?<\/em><br \/>\n  <br \/> Und diese Frage brachte sie auf eine Idee: Wenn er sie ver&auml;ndern konnte, warum sollte es nicht auch anders herum funktionieren? Sie beschloss, ihre Pl&auml;ne f&uuml;r Saladrex zu &auml;ndern&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Eines Tages kam ein weiterer Drachent&ouml;ter &#8211; einer von den Idioten, die sich an die ber&uuml;hmten Sagen hielten und versuchten, den Drachen alleine in einem heldenhaften Kampf umzubringen. Er hatte eine gold schimmernde R&uuml;stung an und eine lange Lanze dabei. Er w&auml;re wahrscheinlich schon an Saladrex&#8216; Orksippe gescheitert, h&auml;tte der Drache nicht den Befehl erteilt, s&auml;mtliche Abenteurer unverletzt zu ihm durchkommen zu lassen.<br \/>\n  <br \/> <em>Er wird ihn in seiner eigenen R&uuml;stung braten<\/em>, war ihr Gedanke, als sie den Mann sah.<br \/>\n  <br \/> Sie hatte richtig gedacht. Saladrex holte wie immer vor dem Feuerspeien tief Luft und spuckte dem armen Mann dann die wei&szlig; gl&uuml;hende Flamme entgegen. Als das helle Licht verschwand, erwartete sie, nur noch ein H&auml;ufchen Asche zu sehen, doch der Mann stand immer noch da, als ob nur ein warmes L&uuml;ftchen ihn gestreift h&auml;tte. Er rief: &quot;Ha, Wurm! So einfach werdet ihr mich nicht besiegen! Eure miesen Drachentricks werden eure schuppige Haut nicht besch&uuml;tzen k&ouml;nnen!&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa kam es vor, als h&auml;tte sie so etwas schon einmal geh&ouml;rt&#8230;richtig, alle Abenteurer lie&szlig;en solche Spr&uuml;che ab &#8211; bevor sie starben.<br \/>\n  <br \/> Saladrex antwortete: &quot;Oh, ihr seid einer von denen, die so magischen Krimskrams mit sich rumschleppen?&quot;, er seufzte, &quot;Das verdient nat&uuml;rlich eine Sonderbehandlung!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sein Schwanz zuckte vor, um sich um die F&uuml;&szlig;e des Mannes zu wickeln, doch dieser sprang schneller, als man es von ihm in dieser schweren R&uuml;stung vermutet h&auml;tte, nach hinten, um dann sofort mit nach vorne gerichteter Lanze auf den Drachen zu zu st&uuml;rmen. Kurz vor dem Aufprall warf er sich jedoch zur Seite &#8211; da, wo er in einer Sekunde gewesen w&auml;re, prallten Saladrex&#8216; Kiefer aufeinander -, zog die Lanze &uuml;ber den K&ouml;rper des Drachen und verursachte eine klaffende Wunde, aus der hei&szlig;es, rotes Drachenblut quoll. Saladrex schrie auf &#8211; so etwas hatte ihm noch keiner der Abenteurer zugef&uuml;gt. In seiner Wut hieb er nun nach dem Menschen und schleuderte seine Lanze beiseite, so dass dieser nun hilflos vor einem vor Zorn kochenden Drachen stand. Saladrex nahm den Mann in eine Klaue und hob ihn an.<br \/>\n  <br \/> Jetzt war der Zeitpunkt gekommen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Saladrex, wartet!&quot;, rief sie.<br \/>\n  <br \/> Der Kopf des Drachen fuhr herum und seine Augen funkelten sie w&uuml;tend an. &quot;Was?&quot;, sagte er knapp.<br \/>\n  <br \/> Die folgenden Worte hatte sie sich gut &uuml;berlegt und lange vorbereitet: &quot;Wisst ihr, was wahre Macht ist, Saladrex?&quot;<br \/>\n  <br \/> Er schien verwirrt: &quot;Was soll das? Worauf willst du hinaus?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich m&ouml;chte, dass ihr diesen Menschen am Leben lasst!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;WAS? Willst du, dass er das Werk, was er hier begonnen hat vollendet?&quot;, er deutete auf seine Wunde, &quot;Und was hat das mit deiner Frage zu tun?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich will nicht, dass er euch t&ouml;tet. Doch beantwortet mir meine Frage doch bitte!&quot;<br \/>\n  <br \/> Saladrex sah sie zuerst mit zusammengekniffenen Augen an. Dann sagte er: &quot;Macht ist, t&ouml;ten zu k&ouml;nnen. Macht ist, Leben nach Belieben nehmen zu k&ouml;nnen.&quot;<br \/>\n  <br \/> Es war genau die Antwort, die sie erwartet hatte.<br \/>\n  <br \/> &quot;Gut, das mag Macht sein. Doch ist diese Macht nicht viel besser eingesetzt, wenn man keinen Gebrauch von ihr macht?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Wie meinst du das?&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Wenn ihr diesen Menschen am Leben lasst, beweist ihr viel mehr Gr&ouml;&szlig;e, als wenn ihr ihn t&ouml;ten w&uuml;rdet. Und nebenbei, ist es nicht viel lustiger, diesen Narren in aller &Ouml;ffentlichkeit zu dem&uuml;tigen? Schlie&szlig;lich sollen die Leute sehen, was ihr machen k&ouml;nntet, dann haben sie viel mehr Angst vor euch!&quot;<br \/>\n  <br \/> Saladrex sah sie schief an. Dann lachte er laut auf, stellte den Mann, der die Unterhaltung mit leichenblassem Gesicht verfolgt hatte, auf die F&uuml;&szlig;e und sagte zu ihm: &quot;Zieh dir die R&uuml;stung aus oder ich vergesse den Ratschlag dieser jungen Lady hier ganz schnell!&quot;<br \/>\n  <br \/> Der Mann tat, wie der Drache ihm gesagt hatte und stand dann in normalen Ledersachen zitternd vor Saladrex, zahlreiche R&uuml;stungsteile um sich herum liegend.<br \/>\n  <br \/> Dann spie der Drache Feuer. Der Mann hatte nicht einmal mehr Zeit zum Schreien gehabt.<br \/>\n  <br \/> Elyssa senkte den Blick &#8211; es hatte also keinen Sinn&#8230;<br \/>\n  <br \/> Als die Flamme aus Saladrex&#8216; Maul vergangen war stand der Mann aber immer noch da &#8211; splitternackt, zitternd und noch bleicher als zuvor! Und Saladrex lachte sich halb tot.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ha! Das wird lustig, Elyssa!&quot;, mit diesen Worten schnappte er sich den nackten Mann und flog aus seiner H&ouml;hle hinaus.<br \/>\n  <br \/> Nach einer Weile kam er wieder, lachend und kichernd wie ein kleines M&auml;dchen.<br \/>\n  <br \/> &quot;Eine gro&szlig;artige Idee, Elyssa! Ich hab den Typen auf dem Marktplatz von Valyris ausgesetzt, so nackt wie er war. Wie die Leute geglotzt haben!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie l&auml;chelte ihn an. Und er l&auml;chelte zur&uuml;ck.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein paar Tage sp&auml;ter durfte sie das erste Mal alleine nach Valyris gehen. Es musste jetzt zwei Jahre her sein, seit sie das letzte Mal in einer gr&ouml;&szlig;eren Menschenansammlung gestanden hatte. Doch das war ein anderes Leben gewesen&#8230; Jetzt stand sie mitten auf dem gro&szlig;en Marktplatz und lie&szlig; die Ger&uuml;che, die Ger&auml;usche und die regen Wortwechsel zwischen H&auml;ndlern und Kunden auf sich einstr&ouml;men. Doch wie sie sich die Waren auf den St&auml;nden der H&auml;ndler ansah, so bemerkte sie auch Gespr&auml;che hinter ihrem R&uuml;cken: &quot;Dieses M&auml;dchen hier hab ich noch nie gesehen!&quot;, &quot;Wer ist sie?&quot;, &quot;Wo kommt sie her?&quot;, &quot;Du, dieses M&auml;dchen ist mir irgendwie unheimlich&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> So, wie sie einst Saladrex&#8216; Menschengestalt als unheimlich empfunden hatte?<br \/>\n  <br \/> Auf einmal ert&ouml;nte neben ihr ein Schrei. Als sie den Kopf drehte, entdeckte sie den Mann, den Saladrex verschont hatte. Auf dem gesamten Marktplatz kehrte Ruhe ein. Alle sahen auf den Mann.<br \/>\n  <br \/> &quot;Sie da! Dieses M&auml;dchen da ist die, von der ich euch erz&auml;hlt habe! Sie steht mit dem Drachen im Bunde, diese Hexe!&quot;, schrie er und deutete mit dem Finger auf sie.<br \/>\n  <br \/> Nun waren alle Blicke auf Elyssa gerichtet &#8211; und nur wenige von ihnen lie&szlig;en Gutes ahnen.<br \/>\n  <br \/> Ein Gemurmel setzte in der Menge ein, welches haupts&auml;chlich aus Worten wie &quot;Hexe!&quot; und &quot;Verr&auml;terin!&quot; bestand. Diese Leute hatten sie noch nie vorher gesehen, was stachelte sie an, so &uuml;ber sie zu denken?<br \/>\n  <br \/> Der Mann schrie weiter: &quot;Ich sage: Lasst uns sie umbringen! Lasst uns Rache &uuml;ben an dem Drachen, der uns schon so lange terrorisiert!&quot;<br \/>\n  <br \/> Das Gemurmel wurde lauter. Einige Leute schrien &quot;Verbrennt sie!&quot; und &quot;T&ouml;tet sie!&quot;.<br \/>\n  <br \/> Kalte Angst kroch Elyssas Nacken hoch. Diese Leute w&uuml;rden sie umbringen, wenn sie nur w&uuml;tend genug waren, daran bestand kein Zweifel &#8211; und die Wut der Menge kochte langsam &uuml;ber.<br \/>\n  <br \/> Verzweifelt sah sie den Mann an und rief: &quot;Aber ich habe euch das Leben gerettet!&quot;<br \/>\n  <br \/> Der Mann kam n&auml;her und blickte ihr mit hasserf&uuml;llten Augen ins Gesicht. Dann sagte er: &quot;Vor allem habt ihr mir eine Schande f&uuml;rs Leben bereitet!&quot;<br \/>\n  <br \/> Und er packte sie, stie&szlig; sie zu Boden und zog ein Messer. Doch auf einmal kehrte Ruhe auf dem Platz ein. Ein gro&szlig;er Schatten legte sich &uuml;ber den Mann. Eine Stimme ert&ouml;nte: &quot;So gehst du also mit meiner Gnade um, Menschlein?&quot;<br \/>\n  <br \/> Die Hand des Mannes begann zu zittern. Er lie&szlig; das Messer fallen und drehte sich langsam um. Hinter ihm stand Saladrex hoch aufgerichtet wie ein Turm und mit einer Wut in den Augen, wie sie es wirklich noch nie gesehen hatte. Sein Zorn schien beinahe Substanz zu gewinnen und die Luft wurde so dick, dass es schwer fiel, sie zu atmen.<br \/>\n  <br \/> Saladrex&#8216; Zorn brauchte ein Ventil.<br \/>\n  <br \/> Und er fand es in dem Drachent&ouml;ter.<br \/>\n  <br \/> Saladrex br&uuml;llte auf, packte ihn mit beiden Klauen und zerriss ihn. Er zerfetzte ihn regelrecht und zerstreute seine Einzelteile &uuml;ber die nun in Panik ausbrechende Menge. Als es nichts mehr von dem Mann gab, was gro&szlig; genug zum Zerfetzen war, fiel sein Blick auf Elyssa. Er senkte seinen Hals.<br \/>\n  <br \/> &quot;Steig auf!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Saladrex&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;STEIG AUF HABE ICH GESAGT!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie setzte sich auf seinen Nacken und hielt sich an seinen beiden H&ouml;rnern fest. Mit einem kr&auml;ftigen Sto&szlig; hob der Drache von der Erde ab und flog weg. Elyssa drehte sich um und sah, wie einige der B&uuml;rger auf dem Marktplatz standen und ihnen nachsahen.<br \/>\n  <br \/> Als das Dorf au&szlig;er Sichtweite war und sich nur noch gr&uuml;ner Wald unter ihnen erstreckte, wollte sie &quot;Danke!&quot; sagen, doch der Drache drehte auf einmal um und glitt dicht &uuml;ber die Baumkronen hinweg in die Richtung aus der sie kamen. Elyssa erkannte, was er vor hatte.<br \/>\n  <br \/> &quot;Saladrex, bitte nicht!&quot;<br \/>\n  <br \/> &quot;Halt die Klappe!&quot;, war seine barsche Antwort.<br \/>\n  <br \/> Die D&ouml;rfler sahen ihn erst, als er schon auf dem Marktplatz landete und einen Teil der Menge unter sich begrub. Und dann verfiel Saladrex in eine blutige Raserei, gegen die seine Gewalttaten von vorher verblassten wie eine Kerze angesichts einer Supernova.<br \/>\n  <br \/> Er hieb mit den Klauen nach rechts und links, sein Schwanz zuckte hin und her und sein Flammenodem fegte durch die Stra&szlig;en. Menschen wurden zerrissen, zertr&uuml;mmert, verbrannt, zertrampelt, zerquetscht. Und Elyssa sa&szlig; auf dem Drachen, wie eine Reiterin auf einem gigantischen Ross und sah alles mit an.<br \/>\n  <br \/> Dabei gelangte sie zu folgender Erkenntnis: <em>Du kannst einen Drachen nicht ver&auml;ndern, Elyssa!<\/em><br \/>\n  <br \/> Zum Schluss war das Dorf nur noch eine Ruine aus Blut, Eingeweiden und Asche gewesen &#8211; das gr&ouml;&szlig;te Dorf im Umkreis, binnen weniger Minuten dem Erdboden gleich gemacht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Sie waren zu seiner H&ouml;hle zur&uuml;ck gekehrt. Saladrex Raserei hatte sich gelegt. Sie sahen sich lange und traurig in die Augen. Saladrex sprach als erster: &quot;Da war ein Fehler in deiner Aussage letztens: Die Menschen sind zu dumm, um zu sehen, was ich machen <em>k&ouml;nnte<\/em>! Sie sehen nur das, was ich tue!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie schwieg &#8211; denn er hatte Recht.<br \/>\n  <br \/> Er fuhr fort: &quot;Du hast mir in den letzten zwei Jahren gut gedient. Ich schenke dir hiermit deine Freiheit. Verlasse mein Reich und lebe wo und wie es dir gef&auml;llt. Solltest du danach je die Grenzen meines Reiches wieder &uuml;berschreiten, werde ich dich t&ouml;ten!&quot;<br \/>\n  <br \/> Elyssa stand da und sah ihn weiterhin an.<br \/>\n  <br \/> &quot;Warum?&quot;, fragte sie ihn wispernd. Ein Warum, dass f&uuml;r alles galt, was er in den letzten zwei Jahren mit ihr getan hatte, nicht nur f&uuml;r das, was er gerade gesagt hatte. Die ultimative Frage, auf die es keine Antwort gab&#8230;<br \/>\n  <br \/> &quot;Geh!&quot;<br \/>\n  <br \/> Sie ging.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und die Zeit vergeht&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">Nachdem sie gegangen war, merkte sie, wie ihr Tr&auml;nen in die Augen stiegen. 2 Jahre lang war sie die Sklavin des Drachen gewesen, der ihren Vater get&ouml;tet hatte. Jetzt hatte er sie frei gelassen und sie <em>weinte<\/em>! Warum hatte er sie so pl&ouml;tzlich entlassen?<br \/>\n  <br \/> Nachdem sie die L&auml;ndereien, die um den Schneedolch lagen, verlassen hatte, streifte sie immer noch lange durch die W&auml;lder und hielt sich mit dem Jagen &uuml;ber Wasser. Saladrex hatte ihr noch ein wenig Gold und ihren Bogen zukommen lassen. Ansonsten w&auml;re sie in der Wildnis wahrscheinlich gestorben. Von Menschensiedlungen hielt sie sich fern. Die Kunde, dass ein junges M&auml;dchen das Drachen beherrschte, auf ihnen ritt und die L&auml;nder terrorisierte, hatte sich bereits weit verbreitet und fremde M&auml;dchen, die alleine durch die umliegenden W&auml;lder streiften wurden sehr misstrauisch beobachtet.<br \/>\n  <br \/> In ihr war eine schwarze, unendlich gro&szlig;e Leere. Sie war von Menschen und Drachen versto&szlig;en worden und wusste nicht, an wen sie sich wenden sollte. Um ihrem Leben wenigstens einen kleinen Sinn zu geben, beschloss sie, einen Plan zu Ende zu f&uuml;hren, den sie schon vor langer Zeit geschmiedet hatte&#8230;<br \/>\n  <br \/> An ein Schwert zu kommen, war kein gro&szlig;es Problem. Die Schmiede verhielt sich zwar ebenso abweisend wie alle anderen, doch wenn man mit klingender M&uuml;nze zahlte, machten sie keine gro&szlig;en Aufst&auml;nde.<br \/>\n  <br \/> Mit Schwert und Bogen machte sie sich auf den Weg&#8230;<\/p>\n<p align=\"justify\">&quot;Du bist zur&uuml;ck gekommen.&quot;, sagte Saladrex, als sie mit gez&uuml;cktem Schwert seine Halle betrat. &quot;Warum? Um mich zu t&ouml;ten? Oder um meine Entscheidung, mich von dir zu trennen, r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen? Wei&szlig;t du, kurz vor unserer Trennung hattest du eine sehr richtige Erkenntnis: <em>Man kann Drachen nicht ver&auml;ndern!<\/em> Denkst du, du kannst meine Entscheidung jetzt noch ver&auml;ndern?&quot;, sagte er.<br \/>\n  <br \/> Sie blieb stehen. Sie hatte diesen Gedanken damals nicht laut ausgesprochen&#8230; Woher wusste er davon?<br \/>\n  <br \/> &quot;Woher ich davon wei&szlig;, fragst du dich? Oh, ich wei&szlig; noch viel mehr, Elyssa&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> Es traf sie wie der Schlag. Eine weitere Erkenntnis bildete sich in ihrem Kopf wie eine dunkle Gewitterwolke, die langsam heranzieht. Sie dachte: <em>Ihr k&ouml;nnt meine Gedanken lesen?<\/em><br \/>\n  <br \/> Saladrex nickte.<br \/>\n  <br \/> &quot;Dann wisst ihr also auch&#8230;&quot;, begann sie, wurde aber von Saladrex unterbrochen: &quot;Ja, seitdem du das erste Mal den Gedanken gefasst hast, mich zu t&ouml;ten, wei&szlig; ich davon, Elyssa. Und ich habe alle deine l&uuml;sternen Visionen, die meinen Tod betrafen, mit angesehen&#8230; Warum ich dich nicht gleich get&ouml;tet habe? Du stelltest keine Bedrohung f&uuml;r mich dar! Au&szlig;erdem verzehrtest du dich so sehr in deinem Hass auf mich, dass ich ein Experiment wagen wollte: Ich wollte versuchen, dir diesen Hass auszutreiben. Zun&auml;chst habe ich dich noch mehr provoziert, den Hass gegen mich gesch&uuml;rt. Doch dann wollte ich versuchen, dich umzustimmen, dir deinen Hass auf mich zu nehmen. Nun, es ist mir gelungen&#8230; Doch ich konnte nicht wissen, dass es so weit kommen w&uuml;rde&#8230;&quot;<br \/>\n  <br \/> Das war es? DAS war der Grund seiner Nettigkeit gewesen? Tr&auml;nen stiegen ihr in die Augen.<br \/>\n  <br \/> Die ganze Zeit &uuml;ber hatte sich etwas in ihr geregt, etwas, was sie zun&auml;chst nicht wahr haben wollte, etwas, was sie nicht glauben konnte. Etwas, was unm&ouml;glich war. Sie sprach es aus: &quot;Ich&#8230;ich liebe euch, Saladrex!&quot;<br \/>\n  <br \/> Stille. Er sah sie mit seinen gelben Drachenaugen lange an. Dann sagte er: &quot;Mir ging es genauso, Elyssa! Mit der Zeit habe auch ich gelernt, dich zu lieben. Ich konnte es nicht fassen, auch ich hielt es nicht f&uuml;r m&ouml;glich. Doch es ist geschehen. Und es ist nicht gut f&uuml;r uns beide! Wir k&ouml;nnen nicht zusammen leben, Elyssa!&quot;<br \/>\n  <br \/> Wie B&auml;che rannen die Tr&auml;nen nun &uuml;ber ihr Gesicht.<br \/>\n  <br \/> &quot;Warum?&quot;, wieder stellte sie die <em>Frage<\/em>.<br \/>\n  <br \/> &quot;Ich habe ein ganzes Dorf aus Liebe zu dir vernichtet Elyssa! Ich will deine Liebe nicht mehr! Und ich will dich nicht mehr lieben! Denn ich bin ein Drache und du bist ein Mensch. Wir passen nicht zusammen. Deshalb bitte ich dich: Geh! Geh, lebe dein eigenes Leben und mach es nicht nur noch schlimmer, Elyssa!&quot;<br \/>\n  <br \/> Diese Worte trafen sie h&auml;rter als alles, was er ihr je angetan hatte. H&auml;rter als der Tod ihres Vaters. H&auml;rter als ihr erster Abschied von ihm. Denn dieses Mal war sie sich ihrer Liebe zu ihm voll bewusst. Und er ebenfalls&#8230;<br \/>\n  <br \/> &quot;Aber&#8230;ich kann so nicht leben!&quot;, schluchzte sie.<br \/>\n  <br \/> &quot;Bitte&#8230;geh! Zwing mich nicht, dich zu zwingen!&quot;, sagte er traurig.<br \/>\n  <br \/> Sie sch&uuml;ttelte den Kopf, weinend und schluchzend.<br \/>\n  <br \/> &quot;Nein!&quot;<br \/>\n  <br \/> Dann nahm sie ihr Schwert, richtete seine Spitze auf ihre Brust und lie&szlig; sich vorn&uuml;ber fallen.<br \/>\n  <br \/> Das Letzte was sie sah, war der Schmerz in Saladrex&#8216; gelben Augen, als sie starb.<\/p>\n<p align=\"justify\">Saladrex stand fassungslos &uuml;ber der Leiche seiner Geliebten. Das Menschen zu so etwas f&auml;hig waren hatte er nicht gewusst &#8211; sich f&uuml;r die Liebe umzubringen&#8230; Er stand einfach nur da.<br \/>\n  <br \/> Minuten.<br \/>\n  <br \/> Stunden.<br \/>\n  <br \/> Eine gro&szlig;e, gl&auml;nzende Tr&auml;ne rann sein schuppiges Gesicht herab.<br \/>\n  <br \/> Er tat etwas, was schon seit Tausenden von Jahren kein roter Drache getan hatte: Er weinte.<br \/>\n  <br \/> Alchimisten, Magier, K&ouml;nige, F&uuml;rsten, H&auml;ndler und viele andere Menschen h&auml;tten sich f&uuml;r ein derartig seltenes magisches Utensil gegenseitig umgebracht.<br \/>\n  <br \/> Kriege und Schlimmeres w&auml;ren um einen solchen Schatz gef&uuml;hrt worden.<br \/>\n  <br \/> Die Tr&auml;ne fiel auf den Boden und zerplatzte.<br \/>\n  <br \/> Der alte, rote Drache weinte.<br \/>\n  <br \/> Denn er suchte nach dem <em>Sinn<\/em>.<br \/>\n  <br \/> Es gab keinen Sinn!<\/p>\n<p align=\"justify\">Written by <a href=\"mailto:doktornumbaone@yahoo.de\">Der Doktor<\/a><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drachentr&auml;ne Sie kamen bei Nacht&#8230; Sie st&uuml;rmten ihr Haus&#8230; Und sie nahmen sie mit&#8230; Elyssa hatte gerade noch bei sich im Bett gelegen und friedlich geschlafen, als sich eine stinkende, dreckige Orkhand auf ihren Mund legte. Im n&auml;chsten Moment war sie geknebelt und ihr wurde ein Sack &uuml;ber den Kopf gest&uuml;lpt. 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