{"id":843,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=843"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"publius-ovidius-naso-kadmus-von-theben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/publius-ovidius-naso-kadmus-von-theben\/","title":{"rendered":"(Publius Ovidius Naso) Kadmus von Theben"},"content":{"rendered":"<p>Jupiter hatte bereits, die Gestalt ablegend des Stieres,<br \/>Sich der Europa bekannt, im Scho\u00df dikt\u00e4ischer Felder,<br \/>Als die Geraubte zu forschen der Held Agenor dem Kadmus<br \/>Anbefahl, und Strafe, wo nicht er sie f\u00e4nde, hinzuf\u00fcgt,<br \/>Landesflucht: liebreich in der selbigen Handlung und lieblos. <br \/>Als er die Welt durchwandert, (denn wer mag finden, was heimlich<br \/>Jupiter h\u00e4lt?) jetzt meidend des Vaters Zorn und die Heimat,<br \/>Irret Agenors Sohn, und fragt am Orakel des Ph\u00f6bus<br \/>Demutsvoll das Geschick, welch Land zu bewohnen verg\u00f6nnt sei.<br \/>Eine Kuh wird dir im einsamen Felde begegnen,<br \/>Saget der Gott, die nimmer dem Joch und dem Pfluge gefr\u00f6net,<br \/>Eile der F\u00fchrerin nach; und wo im Grase sie ausruht,<br \/>Gr\u00fcnde die Mauern daselbst; und B\u00f6otia nenne die Gegend. <\/p>\n<p>Kaum stieg Kadmus herab von der Kluft des kastalischen Bornes,<br \/>Als er einhergehn sah die ungeh\u00fctete Starke,<br \/>Ruhigen Gangs, kein Zeichen der Dienstbarkeit tragend am Nacken.<br \/>Jener folgt, und beachtet mit dr\u00e4ngendem Schritte die Spuren;<br \/>Und er verehrt in der Stille des Wegs Urheber, den Ph\u00f6bus.<br \/>Schon die Furt des Cephisus, und Panopes Auen durchging er;<br \/>Siehe, da steht die Kuh, und die breitgew\u00f6lbete Stirne<br \/>Hebt sie mit hohem Geh\u00f6rn, und br\u00fcllet empor zu dem Himmel.<br \/>Dann zum Geleit umschauend der nach ihr folgenden M\u00e4nner,<br \/>Lagert sie sich, und streckt im sprie\u00dfenden Grase die Glieder.<br \/>Kadmus ergl\u00fchet von Dank, und k\u00fc\u00dft das fremde Gefilde,<br \/>Segnend die unbekannten Gebirg&#8216;, und die Ebenen gr\u00fc\u00dfend.<br \/>Opfern wollt&#8216; er dem Jupiter nun; und er sendet die Diener,<br \/>Da\u00df sie aus lebendem Born ihm Flut zur Sprenge besorgen. <\/p>\n<p>Dort war ein altender Forst, noch nie vom Beile verletzet.<br \/>Eine H\u00f6hl&#8216; in der Mitte, von Busch umwachsen und Weidicht,<br \/>Bildet&#8216; ein niedres Gew\u00f6lbe mit rauh gef\u00fcgeten Steinen,<br \/>Der stets reichliches Wasser entsprudelte. Drinnen gelagert<br \/>War ein Drache des Mars, mit Kamm vorstrahlend und Golde,<br \/>Zuckendes Feuer im Aug&#8216;, und der Leib vom Gifte geschwollen,<br \/>Mit dreispaltiger Zung&#8216;, und dreifach stehenden Z\u00e4hnen. <\/p>\n<p>Aber nachdem das Geh\u00f6lz die wandelnden M\u00e4nner von Tyrus<br \/>Im unseligen Gange ber\u00fchrt, und die Urn&#8216; in das Wasser<br \/>Niedergesenkt auft\u00f6nte; da streckt&#8216; aus dem langen Gekl\u00fcft her<br \/>Bl\u00e4ulich der Drache das Haupt, und erhob ein entsetzliches Zischen.<br \/>Schnell entsanken die Urnen der Hand, und das Blut aus dem Antlitz<br \/>Floh, und in pl\u00f6tzlicher Angst erzitterten allen die Glieder.<br \/>Jener rollt in behenden Verschlingungen schuppige Ringel<br \/>Schl\u00fcpfrig, und w\u00f6lbt sich empor in unerme\u00dfliche Bogen;<br \/>Und bis \u00fcber die H\u00e4lfte zur wehenden Luft sich erhebend,<br \/>Blickt er herab auf den Wald: so gro\u00df am Leibe, wie gro\u00df er,<br \/>Wenn du ihn ganz anschaust, der die B\u00e4rinnen beide durchschl\u00e4ngelt.<br \/>Ohne Verzug, die Ph\u00f6niker (ob jene zur Wehr sich bereitet,<br \/>Oder zur Flucht; ob selber die Angst sie an beidem gehindert)<br \/>Haschet er, diese mit Bi\u00df, mit langen Umwindungen jene;<br \/>Andre bet\u00e4ubt sein Schlund mit der Pest des vergifteten Hauches. <\/p>\n<p>Schon verk\u00fcrzte die Sonn&#8216; aus der Mittagsh\u00f6he die Schatten.<br \/>Kadmus, verwunderungsvoll, was doch die Genossen verweile,<br \/>Sp\u00e4ht die getretene Spur. Als H\u00fclle bedeckt ihn des L\u00f6wen<br \/>Zottige Haut; und die Lanze mit blinkendem Stahl und der Wurfspie\u00df<br \/>Sind ihm Gewehr, und ein Mut, der mehr als alles Gewehr ist. <\/p>\n<p>Als er, zum Wald eingehend, nunmehr die gemordeten Leiber<br \/>Sah, und den siegenden Feind mit gedehnetem R\u00fccken dar\u00fcber,<br \/>Wie er mit blutiger Zunge die traurigen Wunden umleckte:<br \/>R\u00e4cher will ich entweder, ihr Trautesten, eueres Todes<br \/>Oder Begleiter euch sein! So rief er, und hob in der Rechten<br \/>Einen Fels, und den gro\u00dfen mit gro\u00dfer Beeiferung schwang er.<br \/>Selbst die gewaltige Mauer mit hochaufragenden T\u00fcrmen<br \/>H\u00e4tte gebebt vor dem Sturz: doch das Untier blieb unbesch\u00e4digt;<br \/>Und von den Schuppen gedeckt, und der H\u00e4rte des dunkelen Balges,<br \/>Trieb es, wie unter dem Panzer, den prallenden Wurf von der Haut ab.<br \/>Nicht mit derselbigen H\u00e4rte besiegt auch der Drache den Wurfspie\u00df,<br \/>Welcher, gerad in die Kr\u00fcmmung geschnellt des geschmeidigen R\u00fcckgrats<br \/>Haftete, ganz mit dem Stahle hinab in die Weichen sich tauchend.<br \/>Jener ergrimmte vor Schmerz, und das Haupt auf den R\u00fccken gedrehet,<br \/>Schaut&#8216; er die Wund&#8216;, und nagt an dem Schaft des gehefteten Spie\u00dfes;<br \/>Und nachdem er umher mit gro\u00dfer Gewalt ihn ger\u00fcttelt,<br \/>Ri\u00df er ihn kaum aus dem R\u00fccken; doch bleibt ihm der Stahl im Gebeine.<br \/>Aber da nun zum gew\u00f6hnlichen Zorn sich die frische Verwundung<br \/>F\u00fcgete, schwoll ihm die Kehle von dick aufstrotzenden Adern;<br \/>Und ein wei\u00dflicher Schaum umflie\u00dft den verpesteten Rachen;<br \/>Rasselnd ert\u00f6nt von den Schuppen das Land; und des stygischen Schlundes<br \/>Schwarz ausdampfender Hauch vergiftet die Luft mit Bet\u00e4ubung.<br \/>Bald nunmehr in Geringel von unerme\u00dflichem Umfang<br \/>Rollt er sich ein; halb b\u00e4umt er empor, wie ein ragender Balken;<br \/>Bald im unendlichen Schwung, wie gedr\u00e4ngt vom Regen ein Sturzbach,<br \/>St\u00fcrmt er, und malmt mit der Brust die begegnenden Waldungen nieder.<br \/>Kadmus weicht ein wenig zur\u00fcck; mit der H\u00fclle des L\u00f6wen<br \/>H\u00e4lt er den Anfall auf, und weit vorstreckend die Spitze,<br \/>Hemmt er das nahende Haupt. Doch der Tobende knirscht an dem harten<br \/>Stahle mit eitelem Bi\u00df, und st\u00fcmpfet die Z\u00e4hn&#8216; an der Sch\u00e4rfe.<br \/>Schon zu flie\u00dfen begann aus dem giftigen Gaumen des Scheusals<br \/>Rotes Blut, und f\u00e4rbte das gr\u00fcnende Kraut mit Bespritzung.<br \/>Aber die Wunde war leicht, weil jener zur\u00fcck vor dem Sto\u00dfe<br \/>Zuckt&#8216;, und den Hals der Verletzung entzog; ausweichend verwehrt&#8216; er<br \/>Festzusitzen dem Streich, und lie\u00df nicht weiter ihn fortgehn;<br \/>Bis der Agenoride den Stahl, in die Kehle geschwungen,<br \/>Tief nachdr\u00e4ngend verfolgte; den r\u00fcckw\u00e4rts schl\u00e4ngelnden hemmte<br \/>Jetzo die Eich&#8216;, und durchbohrt ward samt dem Holze der Nacken.<br \/>Krumm nun bog sich der Baum an der Last des str\u00e4ubenden Untiers,<br \/>Und ihm erseufzte der Stamm, von dem \u00e4u\u00dfersten Schwanze gegei\u00dfelt. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Sieger den Raum des besiegeten Feindes betrachtet,<br \/>Pl\u00f6tzlich ruft ihm die Stimm&#8216;, und nicht von wannen erkennt er;<br \/>Aber sie ruft: Was stehst du, Agenors Sohn, den erlegten<br \/>Drachen zu schaun? Bald wird man dich selbst anschauen als Drachen. <\/p>\n<p>Ihm, dem Zagenden, schwand mit der Farbe zugleich die Besinnung<br \/>Lang&#8216;, und ihm str\u00e4ubte das Haar vor schauderndem Schrecken sich aufw\u00e4rts.<br \/>Siehe, da nahete Pallas, des Manns Schutzg\u00f6ttin, vom Himmel<br \/>Niedergesenkt; und sie hei\u00dft in aufger\u00fcttetes Erdreich<br \/>Streuen die Natternz\u00e4hne zum Anwachs k\u00fcnftigen Volkes.<br \/>Jener gehorcht; und die Erde mit dr\u00e4ngendem Pfluge sich \u00f6ffnend,<br \/>Streuet er Menschensaat, die befohlenen Z\u00e4hn&#8216;, in die Furchen.<br \/>Jetzo (wer glaubt so Gro\u00dfes?) begann sich zu regen die Scholle;<br \/>Und zuerst aus den Furchen erschien die Spitze der Lanze.<br \/>Bald auch gehelmete H\u00e4upter, umnickt von farbigen B\u00fcschen;<br \/>Bald auch Schulter und Brust, und mit Wehr belastete Arme,<br \/>Streben empor; und es w\u00e4chst der geschilderten Saatlinge Heerschar.<br \/>Also, wann sich erhebt dem Festtheater der Vorhang,<br \/>Steigen die Bilder empor, und enth\u00fcllen zuerst die Gesichter,<br \/>Dann allm\u00e4hlich den Leib; und in sanftem Zuge gerichtet,<br \/>Stehen sie ganz, und setzen den Fu\u00df auf die untre Verbr\u00e4mung.<br \/>Kadmus, geschreckt vom befremdenden Feind, will Waffen ergreifen:<br \/>Waffne dich nicht! ruft einer des Volks, das die Erde hervortrug;<br \/>Waffne dich nicht, und meid&#8216; in den heimischen Krieg dich zu mischen!<br \/>Und so hauet er einen der erdgeborenen Br\u00fcder<br \/>Nahe mit starrendem Schwert; selbst t\u00f6tet ihn ferne der Wurfspie\u00df.<br \/>Dieser auch, welcher den Tod ihm sendete, lebet nicht l\u00e4nger,<br \/>Als er selbst, und verhaucht die eben empfangenen L\u00fcfte.<br \/>\u00c4hnliche Wut erf\u00fcllt die Saatlinge rings, und in eigner<br \/>Mordlust fallen sofort durch Wechselwunden die Br\u00fcder.<br \/>Schon die s\u00e4mtliche Jugend, die kurz zu leben bestimmt war,<br \/>Schlug mit zappelnder Brust den blutigen Boden der Mutter;<br \/>F\u00fcnf nur atmeten noch; davon war einer Echion.<br \/>Dieser streckte zur Erde die Wehr auf den Rat der Tritonis,<br \/>Friedlichen Bruderverein verlangend zugleich und gew\u00e4hrend.<br \/>Sie nun wurden Genossen des Werks dem sidonischen Fremdling,<br \/>Als er die thebische Burg aufbauete, nach dem Orakel.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jupiter hatte bereits, die Gestalt ablegend des Stieres,Sich der Europa bekannt, im Scho\u00df dikt\u00e4ischer Felder,Als die Geraubte zu forschen der Held Agenor dem KadmusAnbefahl, und Strafe, wo nicht er sie f\u00e4nde, hinzuf\u00fcgt,Landesflucht: liebreich in der selbigen Handlung und lieblos. 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