{"id":841,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=841"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"der-dachenstich-zu-furth-im-wald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/der-dachenstich-zu-furth-im-wald\/","title":{"rendered":"Der Dachenstich zu Furth im Wald"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Fest, das allj&auml;hrlich am Sonntag nach dem Fronleichnamsfest begangen wird, verdanktseinen Ursprung wahrscheinlich einer jener alten Lindwurmsagen, die ehedem fast in allenGebirgsl&auml;ndern unter dem Volk verbreitet waren. Das Schauspiel, das zum Nutzen der Wirte,B&auml;cker und Metzger noch immer sehr viele Zuseher aus der Umgegend herbeizieht, geht in denersten Nachmittagsstunden des genannten Tages auf dem gro&szlig;en Stadtplatz vor sich.<P>Die auftretenden Personen sind: Ein Rittersmann zu Pferd, in Harnisch und Blechhaube, umgeben voneiner Schar Trabanten; dann eine K&ouml;nigstochter aus unbekanntem Land, die zum Zeichen ihreshohen Standes ein Goldkr&ouml;nlein auf dem Haupt tr&auml;gt und mit soviel Silbergeschn&uuml;r undSchaum&uuml;nzen beh&auml;ngt ist, als man nur immer auftreiben kann. Eine Ehrendame, die&raquo;Nachtreterin&laquo; genannt, begleitet die Prinzessin. Letztere nimmt auf einer erhabenenenB&uuml;hne Platz, und ihr gegen&uuml;ber stellt sich in einiger Entfernung der Drache auf, eingreuliches Unget&uuml;m mit dickem ungestaltetem Leib; freilich nur ein Holzgerippe, mit bemalteLeinwand &uuml;berzogen und von zwei im Inneren verborgenen M&auml;nnern bewegt. Ein dichtesGew&uuml;hl sammelt sich jedesmal um diese abenteuerliche Erscheinung, und dann macht sich deDrache bisweilen den Jux, mit weit aufgesperrtem Rachen unter die Menge zu rennen, die eiligzur&uuml;ckweicht und dabei in den possierlichsten Lagen &uuml;bereinander purzelt. DeHauptspa&szlig; aber ist, wenn es dem Unget&uuml;m gelingt, eine B&ouml;hmin aus dem Haufenherauszupacken und ihr mit den Z&auml;hnen die breite Tellerhaube vom Kopf zu rei&szlig;en.<P>Inzwischen sprengt der Ritter zur Prinzessin heran, und es entspinnt sich zwischen beidennachfolgender Dialog in Knittelversen:<P><TABLE align=\"center\"><TR><TD align=\"right\" VALIGN=TOP><I>Ritter<\/I><\/TD><TD>Gr&uuml;&szlig; Gott, gr&uuml;&szlig; Gott, Ihr k&ouml;nigliche Tochter mein!<BR>Was macht Ihr auf diesem harten Stein?<BR>Mich d&uuml;nkt&#8217;s, Ihr seid ganz trauervoll,<BR>Die Sach&#8216;, die Sach&#8216; steht nicht gar wohl.<\/TD><\/TR><TR><TD align=\"right\" VALIGN=TOP><I>Prinzessin<\/I><\/TD><TD>Ach, edler, treuer Rittersmann,<BR>Mein&#8216; Not und Treu&#8216; zeig ich Euch an.<BR>Ich wart&#8216; dahier auf Drachengreul,<BR>Er wird mich schlucken in schneller Eil&#8216;.<\/TD><\/TR><TR><TD align=\"right\" VALIGN=TOP><I>Ritter<\/I><\/TD><TD>Schad&#8217;t nicht, schad&#8217;t nicht, seid wohlgemut!<BR>Die Sach&#8216;, die Sach&#8216; wird b&#8217;w&auml;hrt und gut;<BR>Rufet zu mir, und betet zu Gott,<BR>Er wird uns helfen aus aller Not.<\/TD><\/TR><TR><TD align=\"right\" VALIGN=TOP><I>Prinzessin<\/I><\/TD><TD>Ach, edler, treuer Rittersheld,<BR>Flieht weit hinweg; flieht weit ins Feld!<BR>Sonst m&uuml;&szlig;t Ihr Euer ritterliches Leben<BR>Mit nur bis in den Tod aufgeben.<\/TD><\/TR><TR><TD align=\"right\" VALIGN=TOP><I>Ritter<\/I><\/TD><TD>Ich als starker Rittersmann,<BR>Das grausam Tier macht mir nicht bang;<BR>Mit meinem Degen und Rittershand<BR>Will ich ihn r&auml;umen aus dem Land.<\/TD><\/TR><TR><TD align=\"right\" VALIGN=TOP><I>Prinzessin<\/I><\/TD><TD>Seht, seht, Ihr Ritter und Herr:<BR>Das grausam Tier tritt schon daher.<\/TD><\/TR><\/TABLE><P>W&auml;hrend dieser Worte r&uuml;ckt der Drache gegen die B&uuml;hne vor und stellt sich an, alswollte er die Prinzessin verschlingen. Doch der k&uuml;hne Ritter sprengt ihm entgegen undst&ouml;&szlig;t seine Lanze tief in den Rachen des Ungeheuers. Bei diesem Man&ouml;ver mu&szlig;aber derjenige, der die Rolle des Ritters spielt (immer ein junger B&uuml;rgerssohn) sich wohl inacht nehmen, da&szlig; er die in der Gaumenh&ouml;hlung verborgene Blase trifft. Das Volk will heuteBlut sehen &#150; sei es auch nur unschuldiges Ochsenblut&nbsp;&#150;, und wenn der Held des Tagesfehl sticht, so &uuml;bersch&uuml;ttet ihn ein Hagel von Spottreden. Ist der Lanzensto&szlig;gl&uuml;cklich beigebracht, so zieht der Ritter sein Schwert und haut den Drachen ein paarmal&uuml;ber den Sch&auml;del, dann macht er ihm mit einem Pistolenschu&szlig; vollends den Garaus.<P>Nachdem er auf diese Weise das Scheusal unsch&auml;dlich gemacht hat, kehrt er zu der Prinzessinzur&uuml;ck und ruft siegesfroh aus:<P><TABLE align=\"center\"><TR><TD>&nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/TD><TD>Freud&#8216;, Freud&#8216;, Ihr k&ouml;nigliche Tochter mein,<BR>Jetzt k&ouml;nnt Ihr frisch und fr&ouml;hlich sein!<BR>Dem Drachen hab&#8216; ich geben seinen Rest,<BR>Weil er die Stadt hat lang gepre&szlig;t.<\/TD><\/TR><\/TABLE><P>Die Prinzessin dankt ihm darauf mit diesen Worten:<P><TABLE align=\"center\"><TR><TD>Ach, edler, treuer Rittersheld,<BR>Weil er den Drachen hat angef&auml;llt,<BR>Zu seinem Degen und Ritterlanz&#8216;<BR>Verehr&#8216; ich ihm ein sch&ouml;n Ehrenkranz.<\/TD><\/TR><\/TABLE><P>Hiermit steigt sie von der B&uuml;hne herab und spricht, indem sie dem Ritter den Kranz um den Armbindet, die Schlu&szlig;verse:<P><TABLE align=\"center\"><TR><TD>Der Herr Vater und Frau Mutter werden kommen sogleich<BR>Und werden uns geben das halbe K&ouml;nigreich.<\/TD><\/TR><\/TABLE><P>Die Trabanten nehmen jetzt den Ritter und die Prinzessin in die Mitte und geleiten sie in dieHerberge zum Rittertanz. Auch die Zuschauer zerstreuen sich in die Schenken, und das Fest endet wiedie Volksfeste immer: mit einem allgemeinen Trinkgelage.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Fest, das allj&auml;hrlich am Sonntag nach dem Fronleichnamsfest begangen wird, verdanktseinen Ursprung wahrscheinlich einer jener alten Lindwurmsagen, die ehedem fast in allenGebirgsl&auml;ndern unter dem Volk verbreitet waren. 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