{"id":840,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=840"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"kadmos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/kadmos\/","title":{"rendered":"Kadmos"},"content":{"rendered":"<p>Kadmos war ein Sohn des ph\u00f6nizischen K\u00f6niges Agenor, ein Bruder der Europa. Als Zeus, in einen Stier verwandelt, diese entf\u00fchrt hatte, sandte ihr Vater den Kadmos und dessen Br\u00fcder aus, sie zu suchen, und ohne sie erlaubte er ihnen nicht wieder zur\u00fcckzukommen. Lange hatte Kadmos vergebens die Welt durchirrt, ohne des Zeus Schliche entdecken zu k\u00f6nnen. Als er die Hoffnung verloren hatte, seine Schwester wieder aufzufinden, scheute er seines Vaters Zorn, wandte sich an das Orakel des Ph\u00f6bos Apollo und forschte, welches Land er insk\u00fcnftige bewohnen sollte. Apollo gab ihm die Weisung: \u00bbDu wirst ein Rind auf einsamen Auen treffen, das noch kein Joch geduldet hat. Von diesem sollst du dich leiten lassen, und an dem Platze, wo es im Grase ruhen wird, erbaue Mauern und nenne die Stadt Theben.\u00ab Kaum hatte Kadmos die Kastalische H\u00f6hle verlassen, wo Apolls Orakel war, als er schon auf der gr\u00fcnen Weide eine Kuh sich bed\u00e4chtig ergehen sah, die noch kein Zeichen der Dienstbarkeit um den Nacken trug. Lautlos zu Ph\u00f6bos betend, folgte er mit langsamen Schritten den Spuren des Tieres. Schon hatte er die Furt des Kephissos durchwatet und war \u00fcber eine gute Strecke Landes gekommen, als auf einmal das Rind stillestand, sein Geh\u00f6rn gen Himmel streckte und die Luft mit Br\u00fcllen erf\u00fcllte; dann schaute es r\u00fcckw\u00e4rts nach der Schar der M\u00e4nner, die ihm folgte, und kauerte sich endlich im schwellenden Grase nieder. <\/p>\n<p>Voll Dankes warf sich Kadmos auf der fremden Erde nieder und k\u00fc\u00dfte sie. Hierauf wollte er dem Zeus opfern und hie\u00df die Diener sich aufmachen, um ihm Wasser aus lebendigem Quell zum Trankopfer zu holen. Dort war ein altes Geh\u00f6lz, das noch von keinem Beile jemals ausgehauen worden war; mitten darin bildete durch zusammengef\u00fcgtes Felsgestein, mit Gestr\u00fcppe und Strauchwerk verwachsen, eine Kluft, reich an Quellwasser, ein niedriges Gew\u00f6lbe. In dieser H\u00f6hle versteckt ruhte ein grausamer Drache. Weithin sah man seinen roten Kamm schimmern, aus den Augen spr\u00fchte Feuer, sein Leib schwoll von Gift, mit drei Zungen zischte er und mit drei Reihen Z\u00e4hne war sein Rachen bewaffnet. Wie nun die Ph\u00f6nizier den Hain betreten hatten und der Krug, niedergelassen, in den Wellen pl\u00e4tscherte, streckte der bl\u00e4uliche Drache pl\u00f6tzlich sein Haupt weit aus der H\u00f6hle und erhub ein entsetzliches Zischen. Die Sch\u00f6pfurnen entglitten der Hand der Diener, und vor Schrecken stockte ihnen das Blut im Leibe. Der Drache aber verwickelte seine schuppigen Ringe zum schl\u00fcpfrigen Kn\u00e4uel, dann kr\u00fcmmte er sich im Bogensprunge, und \u00fcber die H\u00e4lfte aufgerichtet schaute er auf den Wald herab. Darauf reckte er sich gegen die Ph\u00f6nizier aus, t\u00f6tete die einen durch seinen Bi\u00df, die andern erdr\u00fcckte er mit seiner Umschlingung, noch andere erstickte sein blo\u00dfer Anhauch, und wieder andere brachte sein giftiger Geifer um. <\/p>\n<p>Kadmos wu\u00dfte nicht, warum seine Diener solange zauderten. Zuletzt machte er sich auf, selbst nach ihnen zu schauen. Er deckte sich mit dem Felle, das er einem L\u00f6wen abgezogen hatte, nahm Lanze und Wurfspie\u00df mit sich, dazu ein Herz, das besser war als jede Waffe. Das erste, was ihm beim Eintritt in den Hain aufstie\u00df, waren die Leichen seiner get\u00f6teten Diener, und \u00fcber ihnen sah er den Feind mit geschwollenem Leibe triumphieren und mit der blutigen Zunge die Leichname belecken. \u00bbIhr armen Genossen\u00ab, rief Kadmos voll Jammer aus, \u00bbentweder bin ich euer R\u00e4cher oder der Gef\u00e4hrte eures Todes!\u00ab Mit diesen Worten ergriff er ein Felsst\u00fcck und sandte es gegen den Drachen. Mauern und T\u00fcrme h\u00e4tte wohl der Stein ersch\u00fcttert, so gro\u00df war er. Aber der Drache blieb unverwundet, sein harter schwarzer Balg und die Schuppenhaut schirmten ihn wie ein eherner Panzer. Nun versuchte es der Held mit dem Wurfspie\u00df. Diesem hielt der Leib des Ungeheuers nicht stand, die st\u00e4hlerne Spitze stieg tief in sein Eingeweide nieder. W\u00fctend vor Schmerz drehte der Drache den Kopf gegen seinen R\u00fccken und zermalmte dadurch die Stange des Wurfspie\u00dfes, aber das Eisen blieb im Leibe stecken. Ein Streich vom Schwerte steigerte noch seine Wut, der Schlund schwoll ihm auf, und wei\u00dfer Schaum flo\u00df aus dem giftigen Rachen. Aufrechter als ein Baumstamm scho\u00df der Drache hinaus, dann rannte er mit der Brust wieder gegen die Waldb\u00e4ume. Agenors Sohn wich dem Anfalle aus, deckte sich mit der L\u00f6wenhaut und lie\u00df die Drachenz\u00e4hne an der Lanzenspitze sich abm\u00fcden. Endlich fing das Blut an, denn Untier aus dem Halse zu flie\u00dfen, und r\u00f6tete die gr\u00fcnen Kr\u00e4uter umher; aber die Wunde war nur leicht, denn der Drache wich jedem Sto\u00df und Stiche aus und verstattete den Streichen nicht, fest zu sitzen. Zuletzt jedoch stie\u00df ihm Kadmos das Schwert in die Gurgel, so tief, da\u00df es hinterw\u00e4rts in einen Eichbaum fuhr und mit dem Nacken des Ungeheuers zugleich der Stamm durchbohrt wurde. Der Baum wurde von dem Gewichte des Drachen krummgebogen und seufzte, weil er seinen Stamm von der Spitze des Schweifes gepeitscht f\u00fchlte. Nun war der Feind \u00fcberw\u00e4ltigt. <\/p>\n<p>Kadmos betrachtete den erlegten Drachen lange; als er sich wieder umsah, stand Pallas Athene, die vom Himmel herniedergefahren war, zu seiner Seite und befahl ihm, sofort die Z\u00e4hne des Drachens als Nachwuchs k\u00fcnftigen Volkes in aufgelockertes Erdreich zu s\u00e4en. Er gehorchte der G\u00f6ttin, \u00f6ffnete mit dem Pflug eine breite Furche auf dem Boden und fing an, die Drachenz\u00e4hne, wie ihm befohlen war, die \u00d6ffnung entlang auszustreuen. Auf einmal begann die Scholle sich zu r\u00fchren, und aus den Furchen hervor blickte zuerst nur die Spitze einer Lanze, dann kam ein Helm hervor, auf welchem ein farbiger Busch sich schwenkte, bald ragten Schulter und Brust und bewaffnete Arme aus dem Boden, und endlich stand ein ger\u00fcsteter Krieger da, vom Kopf bis zum Fu\u00dfe der Erde entwachsen. Dies geschah an vielen Orten zugleich, und eine ganze Saat bewaffneter M\u00e4nner wuchs vor den Augen des Ph\u00f6niziers empor. <\/p>\n<p>Agenors Sohn erschrak und war gefa\u00dft darauf, einen neuen Feind bek\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. Aber einer von dem erdentsprossenen Volke rief ihm zu: \u00bbNimm die Waffen nicht, menge dich nicht in innere Kriege!\u00ab Sofort holte dieser auf einen der ihm zun\u00e4chst aus der Furche hervorgekommenen Br\u00fcder mit einem Schwertstreich aus; ihn selbst streckte zu gleicher Zeit ein Wurfspie\u00df nieder, der aus der Ferne geflogen kam. Auch der, welcher ihm den Tod gegeben, verhauchte unter einer Wunde den kaum empfangenen Lebensatem bald wieder. Der ganze M\u00e4nnerschwarm tobte in f\u00fcrchterlichem Wechselkampfe; fast alle lagen mit zuckender Brust auf dem Boden, und die Mutter Erde trank das Blut ihrer eben erst geborenen S\u00f6hne. Nur f\u00fcnf waren \u00fcbriggeblieben. Einer davon &#8211; er ward sp\u00e4ter Echion genannt &#8211; warf zuerst auf Athenes Gehei\u00df die Waffen zur Erde und erbot sich zum Frieden; ihm folgten die anderen. <\/p>\n<p>Mit dieser f\u00fcnf erdentsprossenen Krieger Hilfe baute der ph\u00f6nizische Fremdling Kadmos die neue Stadt, dem Orakel des Ph\u00f6bos gehorsam, und nannte sie, wie ihm befohlen war, Theben.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kadmos war ein Sohn des ph\u00f6nizischen K\u00f6niges Agenor, ein Bruder der Europa. Als Zeus, in einen Stier verwandelt, diese entf\u00fchrt hatte, sandte ihr Vater den Kadmos und dessen Br\u00fcder aus, sie zu suchen, und ohne sie erlaubte er ihnen nicht wieder zur\u00fcckzukommen. 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