{"id":833,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=833"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"tristan-und-isolde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/tristan-und-isolde\/","title":{"rendered":"Tristan und Isolde"},"content":{"rendered":"<p>Auf seiner Burg zu Tintajol herrschte K&ouml;nig Marke &uuml;ber Kurnewale und England. Er war geliebt und geachtet von allen Bewohnern seines Landes, und viele hochgesinnte Ritter und sch&ouml;ne Damen scharten sich um seinen Thron. Unter ihnen war Tristan, des K&ouml;nigs Neffe. Seinen Vater Riwalin von Parmenie hatte K&ouml;nig Morgan von Bretagne erschlagen, und seine Mutter Blancheflur, K&ouml;nig Markes Schwester, war nach der Geburt des Knaben vor Gram gestorben. Weil es in Trauer geboren worden war, hatte das Kind den Namen Tristan erhalten. Riwalins Lehnsmann, der treue Marschall Rual, hatte sich seiner angenommen und ihm eine sorgf&auml;ltige Erziehung gegeben. Sp&auml;ter war Tristan nach mancherlei Irrfahrt zu seinem Oheim nach Tintajol gelangt und hatte an Markes Hof alle Herzen f&uuml;r sich gewonnen. Un&uuml;bertrefflich war er in allen ritterlichen und h&ouml;fischen K&uuml;nsten, und als er, kaum den Knabenschuhen entwachsen, den Ritterschlag erhielt, wu&szlig;te jeder im Lande, da&szlig; niemand solcher Ehre mehr wert sei als der jugendliche Tristan.<P>Bald darauf trat der junge Ritter vor K&ouml;nig Marke und bat um Urlaub, um nach Bretagne zu ziehen und den Tod seines Vaters zu r&auml;chen.<P>Das geschah, und Tristan erwarb sich hohen Ruhm. Er erschlug Herrn Morgan, den M&ouml;rder seines Vaters, und gewann sein Land zur&uuml;ck, das er dem treuen Rual zu Lehen gab.<P>Als Tristan an Markes Hof zur&uuml;ckkehrte, fand er das ganze Land in Trauer. Morolt, der Schwager des K&ouml;nigs von Irland, war gekommen und hatte einen Tribut eingefordert, den K&ouml;nig Marke von fr&uuml;her her schuldete. Drei&szlig;ig sch&ouml;ne Knaben sollten als Geiseln gestellt werden. Da beschwor Tristan K&ouml;nig Marke und seine Ratgeber, den Tribut zu verweigern und die endg&uuml;ltige Entscheidung einem Zweikampf zwischen ihm und Morolt anheimzugeben. Nach einigem Z&ouml;gern stimmte Marke zu, und in dem Kampfe, der nun stattfand, siegte Tristan &uuml;ber den starken Morolt und t&ouml;tete ihn. Indessen hatte auch Morolt seinem Gegner eine schwere Wunde an der H&uuml;fte geschlagen, und bevor er starb, sagte er Tristan, da&szlig; sein Schwert vergiftet sei und die Wunde nur durch seine Schwester Isolde, die K&ouml;nigin von Irland, geheilt werden k&ouml;nne. Morolts Leiche wurde nach Irland gebracht, wo der Held tief betrauert wurde, besonders von seiner Schwester Isolde und ihrer jungen Tochter, die den Namen der Mutter trug.<P>In Morolts Wunde fand man einen Splitter aus Tristans Schwert. Den nahm die junge Isolde an sich und bewahrte ihn in einem Schrein. Der K&ouml;nig aber erlie&szlig; ein Gebot, nach dem jeder, der aus Kurnewale nach Irland komme, es mit dem Leben b&uuml;&szlig;en m&uuml;sse.<P>Auf Burg Tintajol aber lag der junge Tristan und siechte an seiner Wunde dahin. Kein Arzt vermochte ihm zu helfen. Darum fa&szlig;te der todwunde Mann den Entschlu&szlig;, die K&ouml;nigin Isolde aufzusuchen. Er lie&szlig; sich von seinen Getreuen nach Irland bringen und heimlich an Land setzen. Und da er sich als Spielmann ausgab, wurde er bei Hofe gut empfangen. Auch die K&ouml;nigin Isolde nahm ihn freundlich auf, und gern versprach sie, ihn zu heilen, da sie sein Saitenspiel liebte.<P>&quot;Armer Spielmann&quot;, sagte sie, &quot;von Gift bist du so wund. Doch du darfst gewi&szlig; sein, da&szlig; meine Hand dich heilen wird.&quot;<P>Da wurde Tristan so froh, da&szlig; er trotz aller Schmerzen das Saitenspiel ergriff. Die K&ouml;nigin lauschte ihm und rief ihre Tochter, die blonde Isolde, herbei. Da spielte und sang Tristan vor den sch&ouml;nen Frauen so wundersam, wie sie es noch nie in ihrem Leben geh&ouml;rt hatten.<P>K&ouml;nigin Isolde gab sich gro&szlig;e M&uuml;he, die Wunde des fremden Spielmanns, der sich Tantris nannte, zu heilen, und bald war Tristan durch ihre Kunst von seinem Siechtum genesen und gesund und stark wie je zuvor.<P>Die junge Isolde hatte diese Zeit gut genutzt; denn Tristan war ihr ein gar trefflicher Lehrmeister im Gesang und Saitenspiel gewesen.<P>Doch nun zog es den Genesenen in die Heimat zur&uuml;ck, zumal da er f&uuml;rchten mu&szlig;te, von einem der Mannen Morolts, die in Tintajol gewesen waren, erkannt zu werden. Er gab vor, er m&uuml;sse wieder zu seiner geliebten Gattin, und nahm Urlaub von der K&ouml;nigin und der sch&ouml;nen Isolde.<P>Zu Tintajol in Kurnewale herrschte gro&szlig;e Freude &uuml;ber Tristans Heilung, und der junge Held war von Herzen froh, da&szlig; er wieder am Hofe des Oheims weilen durfte.<P>K&ouml;nig Marke liebte den Neffen und &uuml;berh&auml;ufte ihn mit ritterlichen Ehren. Das erregte Neid bei manchen Gro&szlig;en seines Landes, und als das Ger&uuml;cht umlief, K&ouml;nig Marke werde den Neffen zu seinem Erben einsetzen, wurden Stimmen gegen ihn laut, die von Ha&szlig; und Mi&szlig;gunst zeugten.<P>Um dem drohenden Sturme zu entgehen, riet Tristan selbst dem K&ouml;nig Marke, sich doch noch zu verm&auml;hlen. Er empfahl dem Oheim die sch&ouml;ne junge K&ouml;nigstochter Isolde und erbot sich, die gef&auml;hrliche Brautwerbung zu wagen.<P>K&ouml;nig Marke z&ouml;gerte recht lange, da er den Neffen nicht solcher schweren Gefahr aussetzen wollte; aber schlie&szlig;lich willigte er doch ein.<P>So schiffte sich Tristan nach Irland ein und lie&szlig; sich wieder heimlich an Land setzen. Diesmal gab er sich als Kaufmann aus und fand auch Aufnahme am Hofe.<P>Damals hauste in Irland ein Drache, der das Land so bedrohte, da&szlig; der K&ouml;nig demjenigen die Hand seiner Tochter zu geben versprach, der das Untier erschlagen w&uuml;rde. Deshalb wagte Tristan heimlich den Kampf mit dem Drachen, besiegte das Untier nach schweren Gefahren und schnitt ihm die Zunge heraus, die er unter seinem Wams an seiner Brust verbarg. Dann suchte er sich ein Versteck, um von der M&uuml;hsal des Kampfes auszuruhen.<P>Das Gift der Drachenzunge begann jedoch zu wirken, und er versank in eine tiefe Ohnmacht.<P>Bald darauf kam ein anderer Ritter, der Truchse&szlig; des K&ouml;nigs, an die Stelle, wo Tristan den Drachen erschlagen hatte. Der wollte auch die sch&ouml;ne Isolde gewinnen und hieb und stach auf den Drachen ein, obgleich das Untier schon tot war. Dann suchte er lange nach dem Sieger, um den Entkr&auml;fteten zu t&ouml;ten, doch Tristan fand er nicht.<P>Trotzdem ritt der Truchse&szlig; stolz an seines K&ouml;nigs Hof und begehrte als Drachent&ouml;ter den Siegespreis, die Hand der K&ouml;nigstochter.<P>Da war die sch&ouml;ne Isolde tief bek&uuml;mmert, da&szlig; sie den anma&szlig;enden Mann heiraten sollte. Die Mutter aber tr&ouml;stete sie, da ihr ein Traum offenbart hatte, da&szlig; ein anderer den Drachen besiegt habe.<P>So ritt am n&auml;chsten Morgen die K&ouml;nigin mit ihrer Tochter und ihrer Nichte Brang&auml;ne und einem Knappen in den Wald, um den Drachent&ouml;ter zu suchen. Sie fanden ihn bewu&szlig;tlos in seinem Versteck. Die M&auml;dchen hielten ihn f&uuml;r tot; doch die K&ouml;nigin erkannte, da&szlig; der unbekannte Ritter unter der Wirkung eines Zaubers stand, und sie fand und entfernte die Drachenzunge an seinem Leibe, so da&szlig; Tristan alsbald wieder zu sich kam.<P>Mit freudigem Erstaunen erkannten die Frauen in ihm ihren Spielmann wieder, und obwohl Tristan diesmal zugab, da&szlig; er aus Kurnewale stammte, sicherte ihm die edle K&ouml;nigin Schutz f&uuml;r Leben und Leib zu.<P>Die Frauen nahmen nun Tristan mit auf die Burg. Als der Truchse&szlig; wiederum die Hand der K&ouml;nigstochter zu fordern wagte, wurde sie ihm verweigert, und die K&ouml;nigin verk&uuml;ndete, da&szlig; der Drachent&ouml;ter sich am dritten Tage dem Truchse&szlig; zum Kampfe stellen werde.<P>Indessen waren die Frauen treulich besorgt, den vom Kampf ermatteten Helden zu st&auml;rken.<P>Da f&uuml;gte es der Zufall, da&szlig; die junge Isolde, w&auml;hrend Tristan schlief, sein Schwert in die Hand nahm, und sie erschrak, weil sie eine Scharte entdeckte. Sie holte eilends den Splitter, den man in Morolts Wunde gefunden hatte, herbei, und siehe, er pa&szlig;te genau.<P>Nun war der Besieger ihres geliebten Oheims in ihrer Hand, und sie empfand gl&uuml;henden Ha&szlig; gegen Tristan.<P>&quot;Dieser ist Tristan, der M&ouml;rder deines Bruders&#8220;, rief sie der Mutter, die hereintrat, in wilder Erregung zu und hob den Arm, um den Schlafenden mit dem Schwerte zu durchbohren. Die K&ouml;nigin aber ermahnte sie, da&szlig; man Tristan Schutz f&uuml;r Leib und Leben zugesichert habe. Da lie&szlig; die sch&ouml;ne Isolde das Schwert fallen und brach in bittere Tr&auml;nen aus.<P>G&uuml;tig redete ihr die Mutter zu und gab zu bedenken, da&szlig; Isolde, wenn Tristan tot w&auml;re, dem Truchse&szlig; als Siegespreis verfallen sei.<P>Da verbarg die sch&ouml;ne Isolde ihren Ha&szlig;, und als Tristan erwachte, lie&szlig;en sich die beiden Frauen nichts anmerken und redeten freundlich mit ihm.<P>Nun berichtete der Held von der Botschaft, um deretwillen er nach Irland gekommen war.<P>&quot;Seit meiner R&uuml;ckkehr aus Irland habe ich zu Tintajol das Lob der blonden Isolde gesungen, und ich bin hierher gesandt, um f&uuml;r meinen Herrn, K&ouml;nig Marke, um die Hand der K&ouml;nigstochter zu freien.&#8220;<P>Und auf den Rat der Mutter nahm Isolde die Werbung an.<P>Der Zweikampf fand nicht mehr statt, weil der Truchse&szlig; sich aus Feigheit zur&uuml;ckzog. Da gab auch der K&ouml;nig seine Einwilligung zur Verm&auml;hlung seiner Tochter mit K&ouml;nig Marke, und die blonde Isolde zog zu Schiff, von Tristan und ihrer Freundin Brang&auml;ne begleitet, in K&ouml;nig Markes Land.<P>Die K&ouml;nigin aber, die das Gl&uuml;ck ihrer Tochter f&uuml;r alle Zeiten sichern wollte, hatte ihrer Nichte Brang&auml;ne einen Liebestrank anvertraut, den diese Marke und Isolde nach vollzogener Verm&auml;hlung zu trinken geben sollte.<P>&quot;Niemand darf zugleich mit ihnen beiden von dem Minnetrank genie&szlig;en&quot;, hatte sie das M&auml;dchen ermahnt.<P>Eines Tages, w&auml;hrend der &Uuml;berfahrt, sa&szlig; Tristan in Isoldes Schiffsgemach und erz&auml;hlte ihr von K&ouml;nig Marke und dem Hof zu Tintajol. Da geschah es, da&szlig; Tristan nach einem Trunk begehrte, und da Brang&auml;ne nicht im Gemache anwesend war, bot eine Dienerin ihm das Gef&auml;&szlig; mit dem Liebestrank, den sie f&uuml;r Wein hielt. Tristan reichte den Becher in ritterlicher Weise zuerst der K&ouml;nigstochter, die zaudernd trank, dann geno&szlig; auch Tristan davon.<P>Als Brang&auml;ne dazukam und den Becher geleert fand, brach sie in bittere Klagen aus. Was half es, da&szlig; sie das Gef&auml;&szlig; ergriff und ins Meer schleuderte! Schon sp&uuml;rten Tristan und Isolde die Wirkung des Zaubers, und beide f&uuml;hlten, da&szlig; sie zusammen nur ein Herz bes&auml;&szlig;en, und wagten doch aus Scham und Zweifel nicht, sich die seltsame Wandlung einzugestehen.<P>Wohl versuchte Tristan, den schweren Kampf zu bestehen, um der Treue, der Pflicht und der Ehre zu gen&uuml;gen, aber die Liebe zu Isolde brannte hei&szlig; in seinem Herzen. Blickte er ihr in die Augen, so waren alle festen Vors&auml;tze dahin.<P>Nicht anders erging es Isolde. Auch sie lag in Liebesbanden. Bald vermochte sie an nichts anderes mehr zu denken als an Tristan.<P>In dem qu&auml;lenden Widerstreit zwischen Verlangen und Pflichtgef&uuml;hl siegte die Liebe, und noch ehe Isolde in Markes Land kam, hatte sie dem zuk&uuml;nftigen Gatten die Treue gebrochen.<P>Brang&auml;ne erz&auml;hlte den beiden von dem Zaubertrank und versprach ihnen ihre Hilfe und Verschwiegenheit.<P>Als das Schiff sich der K&uuml;ste n&auml;herte, sandte Tristan Boten nach Tintajol, und mit gro&szlig;em Gepr&auml;nge lie&szlig; K&ouml;nig Marke seine junge Braut in die Stadt geleiten. Gar bald verm&auml;hlte er sich mit ihr.<P>Doch der Zauber, dem Tristan und Isolde auf dem Schiffe verfallen waren, erlosch nicht. Nie wieder konnten die Liebenden voneinander lassen, und immer wieder mu&szlig;te Isolde K&ouml;nig Marke die Treue brechen.<P>Keinen andern Gedanken hegten die Liebenden als den, wie sie h&auml;mischem Argwohn entgehen und Isoldes Gatten t&auml;uschen konnten.<P>Zun&auml;chst gelang es ihnen mit Brang&auml;nes Hilfe, doch dann sch&ouml;pfte Marke Verdacht. Marjodo, der Truchse&szlig;, hatte das Liebespaar einmal &uuml;berrascht. Der ging zu K&ouml;nig Marke und verd&auml;chtigte die beiden Liebenden.<P>&quot;Es geht um deine Ehre&quot;, sagte der Truchse&szlig;, den die Eifersucht um Isolde, die Blonde, verzehrte, und Marke lie&szlig; sich, von Argwohn gequ&auml;lt, &uuml;berreden, seinem Weibe eine Falle zu stellen.<P>Die wachsame Brang&auml;ne war jedoch Marjodos Treiben auf die Spur gekommen und warnte ihre Herrin. Deshalb zeigte sich Isolde, als K&ouml;nig Marke ihr pI&ouml;tzlich ank&uuml;ndigte, da&szlig; er sie einer Pilgerfahrt wegen f&uuml;r lange Zeit verlassen m&uuml;sse, tief bek&uuml;mmert. Der K&ouml;nig, der ihr Tristans Gesellschaft w&auml;hrend seiner Abwesenheit empfahl, f&uuml;hlte sich von Argwohn und Eifersucht befreit, als sein Weib Abscheu gegen Tristan heuchelte, und in seinem Herzen bat Marke der blonden Isolde das Unrecht ab, das er ihr mit seinem Verdacht angetan zu haben meinte.<P>Marjodo, dem Truchse&szlig;, hielt er triumphierend die Treue seines Weibes vor. Der aber lie&szlig; sich nicht t&auml;uschen und erbot sich mit sp&ouml;ttischem L&auml;cheln, die Liebenden zu &uuml;berlisten. Marke sollte Tristan von der K&ouml;nigin trennen und &uuml;ber Land schicken; dann werde er sehen, was gesch&auml;he. Blutenden Herzens befolgte Marke den Rat des Truchse&szlig;.<P>Da litten Tristan und Isolde die brennenden Qualen der Trennung und Sehnsucht. Brang&auml;ne aber ersann eine kluge List, wie sie ihrer Herrin und Tristan helfen k&ouml;nnte.<P>Durch den Garten von Tintajol flo&szlig; ein klarer Bach, dar&uuml;ber hatte man einen Turm gebaut, in dem jetzt Isolde zu ihrer Erholung auf Brang&auml;nes Rat Wohnung nahm. Da lie&szlig; Tristan Rindenst&uuml;cke den Bach hinabtreiben, an denen Isolde erkennen konnte, bei welchen B&auml;umen des Gartens sie der Geliebte zur Nacht erwartete, bei den Pinien, im Ulmenhain oder bei den Eichen.<P>So trafen sich die Liebenden jede Nacht im Garten der Burg. Der b&ouml;se Zwerg Melot, den Marjodo beauftragt hatte,Tristans Weg zu verfolgen, konnte sich jedoch wie ein Eichh&ouml;rnchen von Ast zu Ast schwingen und entdeckte das Geheimnis der Rindenst&uuml;cke und offenbarte es K&ouml;nig Marke.<P>Da sahen sich die Liebenden im Ulmenhain zu mittern&auml;chtiger Stunde pl&ouml;tzlich von den Mannen K&ouml;nig Markes umstellt, und das Geheimnis ihrer Liebe wurde enth&uuml;llt.<P>Das erbitterte Volk und alle Barone des Landes forderten ein Gottesgericht, wie es auf einer Insel im Meer stattzufinden pflegte. Dort sollte Isolde ihre Unschuld erweisen.<P>Heimlich gab Isolde durch die treue Brang&auml;ne ihrem Geliebten Nachricht.<P>Als die K&ouml;nigin in ihrem Schifflein nahe der Insel landete und von Rittern ans Ufer getragen werden sollte, lehnte sie es ab, sich von ihnen, die sie so hart beschuldigten, ber&uuml;hren zu lassen.<P>Am Ufer stand, in seine Kutte geh&uuml;llt, ein fremder Pilger. Der wurde herbeigerufen, und man befahl ihm, die K&ouml;nigin durch das seichte Wasser an den Strand zu tragen. Der Fremde folgte willig der Aufforderung, nahm die sch&ouml;ne Isolde in seine Arme und trug sie durch das Wasser an Land. Isolde, die in dem Pilgersmann l&auml;ngst den Geliebten erkannt hatte, raunte ihm ins Ohr, er solle am Ufer straucheln, so da&szlig; sie beide zu Fall k&auml;men. Das geschah, und so lag die sch&ouml;ne K&ouml;nigin f&uuml;r einen Augenblick an der Seite des Pilgers in seinen Armen. Die Ritter wollten den Pilgrim f&uuml;r seine Unachtsamkeit mit Ruten z&uuml;chtigen; doch die K&ouml;nigin bat f&uuml;r ihn um Gnade. Da lie&szlig;en sie von ihm ab.<P>Als man Isolde auf dem Gerichtstag zwang, ihre Unschuld zu beschw&ouml;ren, bekr&auml;ftigte sie mit einem Eid, da&szlig; sie nie in eines anderen Mannes Armen gelegen habe als in denen ihres Gemahls und des Pilgers, der sie an Land getragen habe.<P>Darauf wurde ihr befohlen, die Hand auf das gl&uuml;hende Eisen zu legen, und siehe, ihre Haut blieb unverbrannt.<P>So war die Wahrheit von Isoldes Worten vor aller Augen bewiesen, und K&ouml;nig Marke nahm sein Weib wieder in Gnaden auf.<P>Auf der Burg sah Tristan auch Kaedins sch&ouml;ne Schwester, Isolde mit den wei&szlig;en H&auml;nden. Da trat das Bild der fernen Geliebten ihm so lebendig vor die Seele, da&szlig; er sich um des gleichen Namens willen mit Isolde Wei&szlig;hand verm&auml;hlte, aber seine Sehnsucht nach der blonden Isolde wurde nicht gestillt.<P>Tristan begleitete von nun an seinen Schwager Kaedin auf dessen Kriegsz&uuml;gen. Eines Tages weilten sie auf einer Burg und mi&szlig;brauchten in der Abwesenheit des Ritters das Gastrecht, weil Kaedin sich um die Liebe der Burgherrin bewarb. Der Ritter, der sich betrogen f&uuml;hlte, verfolgte sie nach seiner R&uuml;ckkehr, stellte sie zum Kampfe und rannte Kaedin den Speer in den Leib, da&szlig; er tot vom Pferde sank. Daf&uuml;r erschlug ihn Tristan. Aber die &Uuml;bermacht der Feinde war zu gro&szlig;, und Tristan erhielt eine schwere Wunde, so da&szlig; er nur mit M&uuml;he den Verfolgern entkam.<P>Isolde Wei&szlig;hand pflegte den sehr Wunden, der mit dem Tode rang. Kein Arzt und keine Arzenei vermochten ihm zu helfen. Da sandte Tristan einen getreuen Boten an K&ouml;nig Markes Hof und lie&szlig; die blonde Isolde bitten, seine Todesnot zu lindern. Der Bote brachte die traurige Kunde nach Tintajol; Isolde z&ouml;gerte keinen Augenblick und bestieg sofort das Schiff.<P>Indessen wurde der todwunde Tristan von Isolde Wei&szlig;hand gepflegt. Sie gr&auml;mte sich, da&szlig; Tristan die blonde Isolde rufen lie&szlig;, und oft mu&szlig;te sie auf Tristans Bitte ans Fenster treten, um nach dem wei&szlig;en Segel, das Isoldes Ankunft k&uuml;nden sollte, Ausschau zu halten.<P>Als sie das Schiff endlich kommen sah und das wei&szlig;e Segel in der Sonne gl&auml;nzte, verk&uuml;ndete sie es Tristan; aber von dem Segel sagte sie nichts. &quot;Liebe Isolde, sage an, wie ist das Segel?&quot; fragte Tristan.<P>Isolde Wei&szlig;hand sprach in dieser Not nicht die Wahrheit und antwortete: &quot;Ein schwarzes Segel sah ich.&quot;<P>Da brach der Tod Tristan das Herz. Vergebens beteuerte Isolde Wei&szlig;hand in ihrem Schmerz, da&szlig; sie nicht wahr gesprochen habe.<P>Tristan lag tot und h&ouml;rte sie nicht mehr.<P>Als Isolde, die Blonde, und ihre Begleiter ans Ufer gelangt waren, vernahmen sie gro&szlig;e Klage in der Stadt und erfuhren den Grund.<P>Da stand die sch&ouml;ne Isolde stumm vor Schmerz und sank ohnm&auml;chtig nieder. Tristans Tod hatte auch ihr die Lebenskraft genommen.<P>Als sie wieder zu sich kam, hatte sie nur den Wunsch, den Toten zu sehen. So gingen sie alle ins M&uuml;nster, wo Tristan auf der Bahre lag. Sie nahm das Tuch von seinem Antlitz, warf sich an der Bahre nieder und k&uuml;&szlig;te es.<P>So lag sie Mund an Mund mit dem toten Tristan; da brach auch ihr das Herz, und sie starb den Minnetod.<P>Die K&ouml;rper der Liebenden wurden einbalsamiert und in S&auml;rge gelegt, und Isolde Wei&szlig;hands Vater, Herzog Jovelin, dachte den zweien ein w&uuml;rdiges Begr&auml;bnis zu geben.<P>Inzwischen aber hatte K&ouml;nig Marke den Tod der Liebenden erfahren und war zu Schiff nach Burg Karke gekommen.<P>Als er von der treuen Brang&auml;ne vernommen hatte, wie alles geschehen war, von dem Trank der Minne, der die Herzen bezaubert hatte, da&szlig; sie nicht mehr voneinander lassen konnten, da brach er in laute Klage aus und rief: &quot;O weh, Tristan, h&auml;ttest du von Anfang an alles bekannt, ich h&auml;tte dir Isolde zur Frau gegeben. So w&auml;re ich rein von S&uuml;ndenschuld geblieben, und ihr w&auml;ret gerettet.&quot;<P>Marke f&uuml;hrte die Leichen auf seinem Schiff mit sich nach Tintajol. Dort lag das ganze Land in Trauer. Der K&ouml;nig lie&szlig; zwei marmorne S&auml;rge anfertigen und die Toten darein legen. Im Burggarten von Tintajol wurden sie begraben.<P>K&ouml;nig Marke gab sein Reich einem seiner Barone und ging ins Kloster.<P>Er hatte aber auf Tristans Grab einen Rosenstock pflanzen lassen und auf Isoldes eine Weinrebe. Als Rebe und Rose wuchsen, neigte sich &uuml;ber den Gr&auml;bern jeder Zweig dem andern zu, und dicht ineinander verflochten und verwachsen waren Rose und Rebe.<P><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf seiner Burg zu Tintajol herrschte K&ouml;nig Marke &uuml;ber Kurnewale und England. Er war geliebt und geachtet von allen Bewohnern seines Landes, und viele hochgesinnte Ritter und sch&ouml;ne Damen scharten sich um seinen Thron. 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