{"id":830,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=830"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"die-siebenkoepfige-schlange-sigrid-frueh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/die-siebenkoepfige-schlange-sigrid-frueh\/","title":{"rendered":"Die siebenk\u00f6pfige Schlange (Sigrid Fr\u00fch)"},"content":{"rendered":"<p><P>Die siebenk\u00f6pfige Schlange<BR>Es war einmal und zu einer gewissen Zeit ein K\u00f6nig. Der versammelte einst seine Flotte mit der ganzen Mannschaft um sich und trat eine weite Reise an. Er fuhr Tag und Nacht immer vorw\u00e4rts, bis er an einen Ort kam, der dicht mit B\u00e4umen bewachsen war, und an jedem Baume lag ein L\u00f6we. Als er sich mit seinen Leuten ausschiffte, da st\u00fcrzten sich mit einemmal die L\u00f6wen auf sie und wollten sie verschlingen. Nach langem Kampfe gelang es ihnen endlich, die wilden Tiere zu erlegen, aber auch von ihnen waren die meisten get\u00f6tet worden. Die \u00dcbriggebliebenen zogen nun durch den Wald hindurch und fanden auf der anderen Seite einen wundersch\u00f6nen Garten, darin standen alle Gew\u00e4chse, die es in der Welt gibt. Es waren auch drei Quellen hier, und die eine von ihnen rieselte Silber, die andere Gold und die dritte Perlen. Da nahmen sie ihre Reises\u00e4cke und f\u00fcllten sie mit diesen k\u00f6stlichen Dingen. Es war auch ein gro\u00dfer See in der Mitte des Gartens. Als sie auf diesen zugingen, fing er an zu reden und sagte zu ihnen: &#8222;Was macht ihr hier, Kinder, und wen sucht ihr? Verlangt ihr nach unserem K\u00f6nig?&#8220;<BR>Sie aber erschraken sehr und antworteten nichts.<BR>Da sprach der See abermals zu ihnen: &#8222;Ich sehe, da\u00df ihr euch f\u00fcrchtet, aber ihr seid auch zu eurem Unheil hier hereingekommen. Unser K\u00f6nig, der sieben K\u00f6pfe hat, schl\u00e4ft jetzt. In wenigen Minuten wird er aufwachen und hierher kommen, sein Bad zu nehmen. Wehe dem, der hier im Garten von ihm angetroffen wird! Es ist unm\u00f6glich, ihm zu entrinnen. Macht&#8217;s indessen, um euch zu retten, also: legt alle eure Kleider ab und breitet sie. auf den Weg aus von dem Schlosse an bis hierher. Der K\u00f6nig wird dann weich gehen, was er sehr liebt, und so wird er euch nicht fressen. Er wird euch nur eine Strafe auferlegen und dann euch ziehen lassen.&#8220;<BR>So taten sie denn und warteten den Ausgang ab. Um Mittag dr\u00f6hnte die Erde und barst an vielen Stellen, es erschienen L\u00f6wen, Tiger und andere wilde Tiere und umringten das Schlo\u00df, und tausend und aber tausend Tiere kamen aus seinem Inneren heraus mit ihrem K\u00f6nig, der siebenk\u00f6pfigen Schlange. Dieser schritt \u00fcber die Kleider hinweg, kam zum Sec und fragte ihn, wer die weichen Sachen auf den Weg gebreitet habe. Der See antwortete, das h\u00e4tten Leute getan, die gekommen w\u00e4ren, ihm ihre Ehrerbietung zu bezeigen. Alsbald befahl der K\u00f6nig, da\u00df die Leute vor ihn kommen sollten. Sie nahten sich ihm auf den Knien und erz\u00e4hlten ihm mit wenigen Worten ihre Geschichte.<BR>Er aber sprach zu ihnen mit gewaltiger furchtbarer Stimme: &#8222;Weil ihr hier hereingekommen seid, lege ich euch zur Strafe die Verpflichtung auf, mir jedes Jahr aus eurem Volke zw\u00f6lf M\u00e4dchen und zw\u00f6lf J\u00fcnglinge zum Fra\u00dfe zu bringen. Und wenn ihr das nicht tut, werde ich euer ganzes Volk vertilgen.&#8220;<BR>Hierauf teilte er ihnen eines seiner Tiere zu, um ihnen den Weg aus dem Garten zu zeigen, und verabschiedete sie. So zogen sie von dannen. In ihr Land zur\u00fcckgekehrt, erz\u00e4hlten sie das Geschehene. Und schon r\u00fcckte die Zeit heran, da sie die M\u00e4dchen und J\u00fcnglinge dem K\u00f6nig der Tiere bringen mu\u00dften. Es erging also der Befehl im Lande, da\u00df zw\u00f6lf M\u00e4dchen und ebensoviel J\u00fcnglinge sich opfern sollten, um das Vaterland zu retten. Sogleich eilten J\u00fcnglinge und Jungfrauen in gro\u00dfer Zahl herbei, viel mehr als n\u00f6tig waren. Man baute ein neues Schiff und versah es mit schwarzen Segeln. Auf dem schifften sie die f\u00fcr den K\u00f6nig der Tiere bestimmten J\u00fcnglinge und M\u00e4dchen ein und fuhren nach seinem Lande ab. Dort angekommen, gingen sie wieder auf den See zu, aber weder die L\u00f6wen regten sich diesmal, noch rieselten die Quellen, und auch der See redete nicht. Sie warteten also, und es dauerte nicht lange, da dr\u00f6hnte die Erde noch gewaltiger als das erste Mal, das Ungeheuer kam ohne Begleitung heran, schaute den Fra\u00df und verschlang ihn mit einem Male. Die \u00dcberbringer kehrten darauf in ihre Heimat zur\u00fcck, und so geschah es noch viele Jahre hindurch.<\/P><P>Verlassen wir jetzt das Ungeheuer und nehmen wir den K\u00f6nig des ungl\u00fccklichen Landes dran! Der wurde alt, und auch die K\u00f6nigin alterte, und Kinder hatten sie nicht. Eines Tages nun sa\u00df die K\u00f6nigin am Fenster und weinte, weil sie kinderlos war und sah, da\u00df der Thron in fremde H\u00e4nde \u00fcbergehen werde.<BR>Da auf einmal erschien vor ihr ein altes M\u00fctterchen, das hatte einen Apfel in der Hand und fragte: &#8222;Was ist dir, meine K\u00f6nigin, da\u00df du weinst und dich h\u00e4rmst?&#8220; &#8222;Ach, liebe Alte&#8220;, erwiderte jene, &#8222;es betr\u00fcbt mich sehr, da\u00df ich keine Kinder habe.&#8220;<BR>&#8222;Ei&#8220;, sprach die Alte, &#8222;dar\u00fcber h\u00e4rmst du dich? H\u00f6r mich an. Ich bin eine Nonne aus dem Kloster Gnothi, und meine selige Mutter hat mir als Erbschaft den Apfel hier hinterlassen: Wer den i\u00dft, der bekommt ein Kind.&#8220; Die K\u00f6nigin gab der Alten viele Taler und kaufte daf\u00fcr den Apfel. Dann sch\u00e4lte sie ihn, a\u00df ihn und warf die Schalen zum Fenster hinaus. Eine Stute aber, die im Hofe umherlief, fra\u00df die Schalen. Die K\u00f6nigin ward darauf schwanger, und zur selben Zeit ward auch die Stute tr\u00e4chtig. Als die Zeit kam, gebar die K\u00f6nigin ein Kn\u00e4blein, die Stute aber warf ein m\u00e4nnliches F\u00fcllen. Der Knabe und das F\u00fcllen wuchsen zusammen auf und wurden gro\u00df und liebten einander wie Br\u00fcder. Da starb der K\u00f6nig, sein Weib folgte<BR>ihm nach, und so blieb der Sohn allein, der damals neunzehn Jahre z\u00e4hlte.<BR>Eine Tages nun, da er sich mit seinem Pferde abgab, sprach dieses zu ihm: &#8222;Wisse, da\u00df ich dich lieb habe und da\u00df ich dein Wohl und das deines Landes will. So h\u00f6re mich. Wenn du fortf\u00e4hrst, jedes Jahr zw\u00f6lf M\u00e4dchen und zw\u00f6lf J\u00fcnglinge dem K\u00f6nig der Tiere auszuliefern, so wird dein Volk in wenigen Jahren zugrunde gegangen sein. Auf, setz dich auf meinen R\u00fccken, ich werde dich zu einer Frau bringen, die dir angibt, wie du das Ungeheuer t\u00f6ten kannst.&#8220; Da bestieg der J\u00fcngling sein Ro\u00df, das trug ihn weit fort zu einem Berg, in dem eine H\u00f6hle war, sie dehnte sich unter der Erde aus gleich einer gro\u00dfen Ebene. Darin sa\u00df eine Alte und spann. Es war das ein Nonnenkloster, und die Alte war die \u00c4btissin. Und weil sie in einem fort spann, davon hatte das Kloster den Namen Gnothi (Spinnheim) erhalten. An den W\u00e4nden der H\u00f6hle befanden sich ringsum steinerne, aus dem Fels ausgehauene Betten, auf denen schliefen die Nonnen. In der Mitte aber brannte ein Licht. Das mu\u00dften die Nonnen abwechselnd h\u00fcten, damit es nie verl\u00f6sche, und wenn eine von ihnen es ausgehen lie\u00df, so wurde sie von den \u00fcbrigen get\u00f6tet. Sobald nun der K\u00f6nigssohn der spinnenden Alten gewahr wurde, fiel er ihr zu F\u00fc\u00dfen und bat sie, ihm doch zu sagen, wie er das Ungeheuer t\u00f6ten k\u00f6nne. Sie aber hob den J\u00fcngling auf, umarmte ihn und sprach &#8222;Wisse, mein Sohn, da\u00df ich es gewesen bin, die die Nonne zu deiner Mutter sandte und so bewirkte, da\u00df du geboren wurdest, und mit dir auch das Ro\u00df, auf da\u00df du mit seiner Hilfe die Welt von dem Ungeheuer befreien k\u00f6nntest. La\u00df dir also jetzt sagen, was du zu tun hast. Belade dein Ro\u00df mit Baumwolle, und schlage mit ihm den und den Weg eine&#8220; &#8211; hierbei bezeichnete sie ihm einen heimlichen Weg, der nach dem Palast der Schlange f\u00fchrte und auf dem man den rei\u00dfenden Tieren verborgen blieb -, &#8222;du wirst den K\u00f6nig schlafend antreffen auf einem Bett, an dem ringsum Glocken angebracht sind; und \u00fcber ihm in der Mitte seines Lagers wirst du ein Schwert h\u00e4ngen sehen. Nur mit diesem Schwerte ist es m\u00f6glich, die Schlange zu erlegen, denn seine Klinge, wenn sie auch bricht, ersetzt sich immer wieder bei jedem neuen Kopfe, der dein Ungeheuer w\u00e4chst, also, da\u00df du damit alle sieben H\u00e4upter ihn abschlagen kannst. Um das nun aber dem K\u00f6nige zu entwenden, mu\u00dft du&#8217;s also machen. Schleiche dich ganz leise hinauf in sein Schlafgemach, und verstopfe alle Glocken, die sein Lager umgeben, mit Baumwolle, hierauf nimm ganz sacht das Schwert herab und versetze damit dem Ungeheuer rasch einen Schlag auf seinen Schweif. Da wird es erwachen und, sobald es dich erblickt, sofort dich angreifen. Du aber hau ihm nun den einen Kopf ab, und warte dann, bis der zweite hervorw\u00e4chst. Dann schlag ihm auch den ab, und so fahre fort, bis du alle sieben K\u00f6pfe abgeschlagen.&#8220;<BR>Hierauf gab die Alte dem K\u00f6nigssohne ihren Segen. Der machte sich nun auf den Weg, gelangte in dem Schlosse des Ungeheuers an und war so gl\u00fccklich, es zu erlegen. Als die Tiere des Gartens den Tod ihres K\u00f6nigs erfuhren, da eilten sie alle nach dem Schlosse, aber der J\u00fcngling sa\u00df schon l\u00e4ngst wieder auf seinem Pferd und war bereits weit von ihrem Reiche entfernt. Sie verfolgten ihn zwar hitzig, konnten ihn aber nicht mehr einholen. Er gelangte gl\u00fccklich heim, und so hatte er sein Land von gro\u00dfer Gefahr befreit.<BR>[M\u00e4rchen aus Griechenland]<\/P><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die siebenk\u00f6pfige SchlangeEs war einmal und zu einer gewissen Zeit ein K\u00f6nig. Der versammelte einst seine Flotte mit der ganzen Mannschaft um sich und trat eine weite Reise an. Er fuhr Tag und Nacht immer vorw\u00e4rts, bis er an einen Ort kam, der dicht mit B\u00e4umen bewachsen war, und an jedem Baume lag ein L\u00f6we. 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