{"id":828,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=828"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"das-ungeheuer-tarasque-sigrid-frueh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/das-ungeheuer-tarasque-sigrid-frueh\/","title":{"rendered":"Das Ungeheuer Tarasque (Sigrid Fr\u00fch)"},"content":{"rendered":"<p>Vor langer, langer Zeit, als die Rhone noch ungest\u00fcm dahin flo\u00df und gewaltige W\u00e4lder ihre Ufer s\u00e4umten, geschah es, da\u00df eines Tages ein riesiges Ungeheuer dem Meere entstieg und die Rhone zu seinem neuen Reich machte. Es war eine Dr\u00e4chin, halb Landtier, halb Fisch, gr\u00f6\u00dfer und st\u00e4rker als zw\u00f6lf Elefanten, mit Z\u00e4hnen wie Schwerter und mit einer Haut wie von Eisen. Sie war die Brut des Leviathan, des grausamen Meeresdrachen, und der schrecklichen Riesenschlange Onachus, und sie hie\u00df Tarasque. Wohin das Untier kam, verbreitete sich Angst und Schrecken. Es flohen vor ihm die Fische und die V\u00f6gel und alle Tiere und Menschen. Wenn das Ungeheuer Wasser trank und wieder ausspie, so zerbarsten die Schiffe, und es ertranken die F\u00e4hrleute. Mit einem einzigen Hieb ihrer riesigen Pranken konnte die Tarasque H\u00e4user zusammenst\u00fcrzen lassen und mit ihrem Atem alles ringsum in ein Flammenmeer verwandeln.<BR>K\u00fchn und tapfer waren die S\u00f6hne der Provence, und so mancher wagte den Kampf gegen das Ungeheuer. Doch keinem gelang es, die Tarasque zu besiegen, und sie verloren alle ihr junges Leben.<BR>Sieben Jahre schon w\u00fctete das Untier, verheerte das Land und bracht Not, Tod und Ungl\u00fcck \u00fcber die Menschen. Da sah eines Tages ein Sch\u00e4fer die Drachenhaut im Sonnenlicht gl\u00e4nzen, und er glaubte nicht anders, als da\u00df die Tarasque tot sei. Es war aber nur ihre abgestreifte Haut, die am Boden lag, denn die Dr\u00e4chin mu\u00dfte sich alle sieben Jahre gleich einer Schlange h\u00e4uten.<BR>Weitere sieben Jahre zogen ins Land, und die Menschen litten mehr denn je unter der Grausamkeit der Tarasque, denn sie ri\u00df alle Br\u00fccken ein und t\u00f6tete jeden, der von einem Ufer der Rhone zum andern wollte. So mu\u00dften die Menschen voneinander getrennt leben, und es war des Jammerns und des Klagens kein Ende. Endlich beschlossen sie, das Ungeheuer mit Hilfe einer List zu besiegen: Unweit der Stadt Avignon n\u00e4mlich war<BR>ein tiefer, tiefer Sumpf, und wer da hineingeriet, der war f\u00fcr immer verloren. Dorthin wollten sie die Dr\u00e4chin locken. Also banden sie auf dem Wege zu jenem Sumpf Pferde, Schafe, Ochsen und Ziegen an B\u00e4umen fest. In der Tat folgte das Ungeheuer dieser F\u00e4hrte mit den leichten<BR>Beutetieren. Aber als die Tarasque den Sumpf erreichte, geschah etwas Seltsames: Die Tarasque achtete nicht auf ihr letztes dargebotenes Opfer, einen jungen Stier, sondern br\u00fcllte dreimal donnernd, da\u00df die Erde erzitterte, drehte sich uni und ging geradewegs zur Rhone zur\u00fcck. Den entt\u00e4uschten und verwunderten Menschen blieb nur noch die Flucht \u00fcbrig. Der tiefe Sumpf n\u00e4mlich war ein Ort des Teufels, und auch die Tarasque war ein Satansgesch\u00f6pf, und so konnte er ihr nichts anhaben.<BR>Noch weitere peinvolle sieben Jahre folgten diesem Ereignis.<BR>Da gelangte eines Tages die heilige Martha in jene Gegend, in der das Ungeheuer hauste. Sie kam vor die Tore von Jarnegues, und weil die Bewohner jener herrlichen Stadt schon viel von ihren Wundertaten geh\u00f6rt hatten, fielen sie vor ihr auf die Knie und baten, sie von dem Ungeheuer zu befreien.<BR>Da machte sich Martha auf und ging in die W\u00e4lder am Ufer der Rhone. Sie ging ganz allein, barfu\u00df und wei\u00dfgewandet, und sie hatte keine Waffe zu ihrem Schutze bei sich als ein Kr\u00fcglein mit Weihwasser.<BR>Endlich fand sie das Ungeheuer. Als dieses die Jungfrau<BR>gewahrte, br\u00fcllte es vor Freude \u00fcber das neue Opfer und bewegte sich auf Martha zu. Sie aber erhob ihre H\u00e4nde und formte das Zeichen des Kreuzes. Da brach die Gewalt der Tarasque, so wie die wilde Brandung sich an felsigen Gestaden bricht. Noch einmal erhob Martha ihre H\u00e4nde und besprengte das Haupt der Dr\u00e4chin mit Weihwasser. Da wurde diese sanft wie ein Lamm. Martha band ihr ihren blauen G\u00fcrtel um den Hals und f\u00fchrte sie mit sich, gleich wie plan ein Pferd am Halfter f\u00fchrt. So ging die sch\u00f6ne Jungfrau mit dem Untier auf die Stadt Jarnegues zu. Die Tore waren weit ge\u00f6ffnet, und gro\u00df war der Jubel des Volkes. Gro\u00df war aber auch der Zorn der Menschen \u00fcber die Tarasque, die so viel Ungl\u00fcck und Leid \u00fcber sie gebracht hatte. So t\u00f6teten sie die Dr\u00e4chin mit Lanzen und Steinen. Wenngleich Martha dar\u00fcber bittere Tr\u00e4nen vergo\u00df, so verzieh sie doch den Bewohnern von Jarnegues, die ihr zu Ehren eine Kirche errichteten und ihre Stadt von nun an Tarascon nannten.<BR>[M\u00e4rchen aus S\u00fcdfrankreich] <\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor langer, langer Zeit, als die Rhone noch ungest\u00fcm dahin flo\u00df und gewaltige W\u00e4lder ihre Ufer s\u00e4umten, geschah es, da\u00df eines Tages ein riesiges Ungeheuer dem Meere entstieg und die Rhone zu seinem neuen Reich machte. 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