{"id":827,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=827"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"der-dreizehnte-sohn-des-koenigs-von-erinn-sigrid-frueh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/der-dreizehnte-sohn-des-koenigs-von-erinn-sigrid-frueh\/","title":{"rendered":"Der dreizehnte Sohn des K\u00f6nigs von Erinn (Sigrid Fr\u00fch)"},"content":{"rendered":"<p><P align=center><STRONG>Der dreizehnte Sohn<BR>des K\u00f6nigs von Erinn <HR><\/STRONG><P><\/P><P>Vor langer Zeit lebte einmal ein K\u00f6nig in Erinn, und der hatte dreizehn S\u00f6hne. Als sie herangewachsen waren, lie\u00df er sie in allen K\u00fcnsten unterweisen, die ihrem Rang angenmessen waren. Nun geschah es, da\u00df der K\u00f6nig eines Tages auf der Jagd zu einem See kam, darauf sah er eine Schwanenmutter mit dreizehn Jungen. Diese aber hielt nur zw\u00f6lf davon bei sich. Das dreizehnte aber trieb sie immerzu weg und lie\u00df es den andern nicht nahe kommen. Dar\u00fcber wunderte sich der K\u00f6nig sehr. Als er nun nach Hause kam, rief er seinen Ratgeber, den alten blinden Weisen, zu sich, und sprach: &#8222;Etwas Seltsames sah ich heute bei der Jagd. Da war eine Schwanenmutter mit dreizehn Jungen. Doch sie behielt nur zw\u00f6lf bei sich und trieb das dreizehnte immerzu weg. Sage mir doch du, der du weise bist, was hat das zu bedeuten? Warum sollte eine Mutter ihr dreizehntes Kind hassen und die zw\u00f6lf andern besch\u00fctzen ?&#8220; &#8222;Wisse&#8220;, sprach der alte blinde Weise, &#8222;alle Gesch\u00f6pfe der Erde, ob Tier oder Mensch, welche dreizehn .Junge haben, sollten das dreizehnte wegsto\u00dfen, damit es allein durch die Welt wandere und sein Schicksal suche, damit der Wille des Himmels sein Werk an ihm tun kann und die andern verschonen m\u00f6ge. Auch du, mein K\u00f6nig, der du dreizehn S\u00f6hne hast, mu\u00dft den dreizehnten der Diachbha, der Schicksalsgottheit, ausliefern.&#8220; &#8222;War es das, was die Schwanenmutter mir zeigen wollte, da\u00df auch ich meinen dreizehnten Sohn der Diachbha geben mu\u00df?&#8220;<BR>&#8222;Ja, so ist es&#8220;, sprach der Weise, &#8222;du mu\u00dft einen von deinen dreizehn S\u00f6hnen hergeben.&#8220;<BR>&#8222;Ach&#8220;, klagte der K\u00f6nig, &#8222;wie kann ich einen fortgeben, wenn ich sie alle liebe, und welcher sollte es denn sein?&#8220; &#8222;Ich will dir sagen, was du tun mu\u00dft&#8220;, antwortete der Weise. &#8222;Wenn heute abend deine dreizehn S\u00f6hne heimkommen, so schlie\u00dfe die T\u00fcr vor dem letzten.&#8220; Nun war aber einer der K\u00f6nigss\u00f6hne sehr langsam. Er war nicht so flink und gewandt wie seine Br\u00fcder. Es war der \u00c4lteste, und man nannte ihn Sean Ruadh (der rote Johann), und doch war er der beste und gr\u00f6\u00dfte Held von allen. An diesem Abend nun kam er als letzter heim, und als er vor der T\u00fcre stand, schlo\u00df sie sein Vater vor ihm zu. Sean Ruadh hob die H\u00e4nde auf und sprach: &#8222;Was willst du von mir, was hast du mit mir vor, Vater?&#8220; &#8222;Die Pflicht fordert von mir&#8220;, sprach der K\u00f6nig, &#8222;da\u00df ich einen meiner S\u00f6hne der Diachbha zu geben habe, und weil du heute abend der letzte warst, mu\u00dft du gehen.&#8220; &#8222;Dann will ich gehen&#8220;, sprach der Sohn. &#8222;Gib mir eine Ausr\u00fcstung f\u00fcr die Wanderung in die weite Welt.&#8220; Die Ausr\u00fcstung wurde gebracht, und Sean Ruadh legte alles an. Zuletzt gab ihm der Vater noch ein schwarzes Ro\u00df, das so schnell war, da\u00df es den Wind vor sich \u00fcberholen und den Wind hinter sich weit zur\u00fccklassen konnte. Sean Ruadh bestieg das Ro\u00df und ritt davon, ohne zu rasten und zu ruhen.<BR>Eines Morgens nahm er ein paar alte Kleider, die er in seinem B\u00fcndel am Sattel hatte, heraus, zog sie an, lie\u00df sein<BR>Pferd im Wald zur\u00fcck und ging auf eine Lichtung.<BR>Er mu\u00dfte nicht lange warten, bis ein fremder K\u00f6nig heranritt und zu ihm sprach: &#8222;Wer bist du, und wohin gehst du?&#8220; &#8222;Oh&#8220;, sagte Sean Ruadh, &#8222;ich streife nur so umher, ich wei\u00df nicht, was ich tun soll, und habe kein Ziel.&#8220;<BR>&#8222;Wenn es so mit dir steht&#8220;, meinte der K\u00f6nig, &#8222;dann komm mit mir.&#8220;<BR>&#8222;Wozu soll ich mit dir gehen?&#8220; fragte Sean Ruadh.<BR>&#8222;Ich habe eine gro\u00dfe Herde K\u00fche&#8220;, sagte der K\u00f6nig, &#8222;und ich habe keinen Hirten f\u00fcr sie. Doch habe ich noch eine andere Sorge und einen gro\u00dfen Kummer. Meine Tochter wird n\u00e4mlich bald eines schrecklichen Todes sterben, denn tief ins Meer lebt eine riesige Seeschlange, und dieses Ungeheuermu\u00dfallesieben Jahreeine K\u00f6nigstochterbekonmmen, die es verschlingt. Alle sieben Jahre taucht das Untier aus dem Meere auf, um seinen Tribut zu fordern, und dieses Mal ist die Reihe an meiner Tochter. An welchem Tag genau das Ungeheuer auftauchen wird, wissen wir nicht. Das ganze Land trauert mit mir um mein ungl\u00fcckliches Kind.&#8220; &#8222;Vielleicht wird einer kommen, der sie retten wird&#8220;, sprach Sean Ruadh.<BR>&#8222;Ach&#8220;, sprach der K\u00f6nig, &#8222;es ist schon ein ganzes Heer von K\u00f6nigss\u00f6hnen da. Alle haben versprochen, sie zu retten, aber ich f\u00fcrchte, keiner von ihnen wird den Kampf mit der Seeschlange bestehen.&#8220; Sean Ruadh kam mit dem K\u00f6nig \u00fcberein, da\u00df er ihm sieben Jahre dienen wolle, und ging mit ihm heim. Ani n\u00e4chsten Morgen trieb Sean Ruadh des K\u00f6nigs K\u00fche auf die Weide. Nun aber lebten nicht weit von der Burg des K\u00f6nigs drei Riesen. Sie hausten in drei Schl\u00f6ssern. Sean Ruadh trieb die Herde bis zum Weideland der Riesen, stie\u00df ein St\u00fcck der Umfassungsmauer um und lie\u00df die K\u00fche hinein. Das Gras war sehr hoch und dreimal so gut wie auf den besten Weiden des K\u00f6nigs. Als Scan Ruadh nun dasa\u00df und die K\u00fche h\u00fctete, kam ein Riese auf ihn zu und schrie laut: &#8222;Ich wei\u00df nicht, soll ich dich in die L\u00fcfte blasen, da\u00df du in tausend St\u00fccke zerf\u00e4llst, oder soll ich dich mit einem Bissen verschlingen!&#8220; &#8222;Pralle nicht&#8220;, sprach Sean Ruadh, &#8222;du sollst wissen, da\u00df ich hergekommen bin, dir das Lebenslicht auszublasen.&#8220; &#8222;Welche Art des Kampfes willst du?&#8220; fragte der Riese. &#8222;Auf den grauen Steinen oder mit scharfen Schwertern?&#8220;<BR>&#8222;K\u00e4mpfen will ich mit dir auf den grauen Steinen!&#8220; rief Sean Ruadh, &#8222;wo deine ungeschlachten Beine immer tiefer einsinken, meine aber oben bleiben werden.&#8220; Sie fingen an zu k\u00e4mpfen. Beim ersten Mal dr\u00fcckte Sean Ruadh den Riesen bis zu den Knien zwischen die harten grauen Steine, beim zweiten bis zum G\u00fcrtel und beim dritten bis zu den Schultern.<BR>&#8222;Halt ein! Zieh mich raus!&#8220; schrie der Riese. &#8222;Ich will dir auch mein Schlo\u00df und alles, was ich besitze, geben. Mein Lichtschwert will ich dir geben, das jeden Gegner mit einem einzigen Streich t\u00f6tet. Mein schwarzes Pferd will ich dir geben, das schneller ist als der Wind. All dies findest du in meinem Schlo\u00df.&#8220;<BR>Sean Ruadh t\u00f6tete den Riesen und ging hinauf zum Schlo\u00df. Dort sprach die Magd zu ihm: &#8222;Sei von Herzen willkommen, du hast mich aus der Gewalt des schrecklichen Riesen befreit. Komm mit mir, ich will dir all seine Sch\u00e4tze zeigen.&#8220;<BR>Sie \u00f6ffnete die T\u00fcr zur Kammer des Riesen und sagte: &#8222;Hier sind die Schl\u00fcssel des Schlosses. Alles ist dein.&#8220; &#8222;Behalte sie, bis ich wiederkomme. Ich lege mich jetzt zurrt Schlafe nieder. Wecke mich bei Sonnenuntergang&#8220;, sprach Sean Ruadh und legte sich in des Riesen Bett. Er<BR>schlief, bis die Sonne sich dem Untergang neigte. Dann weckte ihn die Magd, und er trieb des K\u00f6nigs Herde nach Hause. Noch nie hatten die K\u00fche soviel Milch gegeben wie an diesem Abend. Sie gaben soviel Milch wie sonst in einer Woche.<BR>Sean Ruadh aber ging zum K\u00f6nig und fragte: &#8222;Ist die schreckliche Seeschlange wieder aus dem Meere aufgetaucht?&#8220;<BR>&#8222;Nein, noch ist meine Tochter am Leben&#8220;, antwortete der K\u00f6nig. &#8222;Aber wer wei\u00df, vielleicht kommt das Ungeheuer schon morgen.&#8220;<BR>&#8222;Vielleicht kommt es auch morgen nicht, sondern erst an<BR>einem anderen Tag&#8220; , sprach Sean Ruadh und ging wieder in den Stall. Und der K\u00f6nig hatte keine Ahnung, wie stark Sean Ruadh war, denn er ging barfu\u00df, zerlumpt und abgerissen.<BR>Am zweiten Morgen trieb Sean Ruadh des K\u00f6nigs K\u00fche auf des zweiten Riesen Land. Auch dieser kam herausgerannt mit denselben Fragen und Drohungen wie der erste, und der Kuhhirte gab die gleichen Antworten wie am Tage zuvor. Wieder fingen sie an zu k\u00e4mpfen, und als der Riese bis zu den Schultern in dem harten grauen Felsen steckte, sprach er: &#8222;Wenn du mir das Leben schenkst, will ich dir mein Lichtschwert und mein rotes Pferd<BR>eben.&#8220;<BR>&#8222;Wo ist dein Lichtschwert?&#8220; fagte Sean Ruadh.<BR>&#8222;Es h\u00e4ngt \u00fcber meinem Lager&#8220;, antwortete der Riese.<BR>Da lief Sean Ruadh zum Schlo\u00df des Riesen, nahm das Schwert von der Wand, und laut schrillte das Schwert, als er es packte, doch er lie\u00df es nicht los, eilte zum Riesen zur\u00fcck und fragte: &#8222;Wie kann ich des Schwertes Schneide pr\u00fcfen?&#8220;<BR>&#8222;An einem Stock&#8220;, war die Antwort.<BR>&#8222;Keinen besseren Stock seh ich als deinen Hals&#8220;, sagte Sean Ruadh und schlug dem Riesen den Kopf ab. Darauf ging er wieder in das Schlo\u00df und hing das Schwert auf. &#8222;Segen \u00fcber dich, da\u00df du den Riesen get\u00f6tet.&#8220; rief die Magd. &#8222;Komm, und ich will dir all seine Sch\u00e4tze zeigen.&#8220; In diesem Schlo\u00df fand Sean Ruadh noch gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4tze als im ersten. Wieder gab er der Magd, nachdem er alles gesehen hatte, die Schl\u00fcssel, damit sie diese f\u00fcr ihn aufbewahre, bis er- sie brauche. Wieder schlief er wie ans Tag zuvor. Am Abend trieb er wieder die Herde nach Hause. Der K\u00f6nig aber sprach: &#8222;Seit du hier bist, lacht mir das Gl\u00fcck. Meine K\u00fche haben heute dreimal soviel Milch gegeben wie gestern.&#8220;<BR>&#8222;Kam das Ungeheuer heute?&#8220; fragte Sean Ruadh.<BR>&#8222;Auch heute ist es nicht aus dem Meer aufgetaucht&#8220;, antwortete der K\u00f6nig, &#8222;aber es kann sein, da\u00df es morgen kommt.&#8220;<BR>Ani dritten Morgen trieb Sean Ruadh des K\u00f6nigs K\u00fche aus, und er trieb sie auf das Land des dritten Riesen. Auch dieser kam sogleich herbei und k\u00e4mpfte mit dem Hirten einen noch wilderen Kampf als die beiden anderen. Aber Sean Ruadh stie\u00df den Riesen bis zu den Schultern in die grauen Steine.<BR>Da rief der Riese: &#8222;La\u00df mich am Leben, und ich schenke dir mein Lichtschwert und mein wei\u00dfes Pferd mit der silbernen M\u00e4hne, das schneller ist als der Gedanke des Menschen.&#8220;<BR>Sean Ruadh aber t\u00f6tete den Riesen. Auch in dessen Schlo\u00df wurde er von der Magd mit Freude und Segensw\u00fcnschen empfangen. Sie zeigte ihm alle Sch\u00e4tze und \u00fcbergab ihm die Schl\u00fcssel. Doch auch diese lie\u00df er ihr zur Bewahrung, his er sie brauchen w\u00fcrde.<BR>Am Abend gaben des K\u00f6nigs K\u00fche noch mehr Milch als zuvor.<BR>Als der vierte Tag gekommen war, zog Sean Ruadh wieder mit der Herde aus. Er machte halt vor dem Schlo\u00df des ersten Riesen, und die Magd mu\u00dfte ihm das Gewand des Riesen bringen. Dieses war tiefschwarz. Er legte es an und<BR>war schwarz wie die Nacht, und er g\u00fcrtete sich das Lichtschwert um. Dann bestieg er das schwarze Ro\u00df, das schneller war als der Wind, und zwischen Himmel und Erde dahinsausend machte er nicht eher halt, als bis er zum Meeresstrand kam. Dort sah er Hunderte und aber Hunderte von K\u00f6nigss\u00f6hnen, die alle den sehnlichen Wunsch hatten, des K\u00f6nigs Tochter zu retten. Zugleich aber hatten sie solche Angst vor dem schrecklichen Ungeheuer, da\u00df sie sich nicht in seine N\u00e4he trauten.<BR>Als Sean Ruadh die K\u00f6nigstochter und die zitternden Ritter gesehen hatte, ritt er auf seinem schwarzen Ro\u00df zum<BR>Schlo\u00df, und der K\u00f6nig erblickte einen sch\u00f6nen Fremdling, der zwischen Himmel und Erde heranritt und vor ihm halt machte.<BR>&#8222;Ist am Meeresufer ein Markt oder ein gro\u00dfes Kampfspiel ?&#8220; fragte der Fremde.<BR>&#8222;Hast du nicht geh\u00f6rt&#8220;, antwortete der K\u00f6nig, &#8222;da\u00df heute ein Ungeheuer, die gro\u00dfe Seeschlange aus dem Meer auftauchen wird, um meine Tochter zu verschlingen ?&#8220; &#8222;Nein, ich habe nichts vernommen&#8220;, sprach der Fremde, wandte sein Ro\u00df und verschwand. In kurzer Zeit war der schwarze Reiter bei der K\u00f6nigstochter, die allein auf einem Felsen \u00fcber dem Meere sa\u00df. Wie sie den Fremden erblickte, dachte sie, er sei der sch\u00f6nste Mann auf Erden, und ihr Herz frohlockte.<BR>&#8222;Hast du denn keinen, der dich retten kann&nbsp;fragte der Reiter.<BR>&#8222;Nein, niemanden&#8220;, antwortete die K\u00f6nigstochter.<BR>&#8222;So erlaube, da\u00df ich mein Haupt in deinen Scho\u00df lege, bis das Ungeheuer kommt, dann wecke mich auf.&#8220; Er legte sein Haupt in ihren Scho\u00df und fiel in tiefen Schlaf. Doch w\u00e4hrend er schlief, nahm die K\u00f6nigstochter drei Haare von seinem Haupt und barg sie an ihrem Busen. Kaum hatte sie das getan, da tauchte das Ungeheuer aus dem Meere auf. Es war gro\u00df wie eine Insel, und w\u00e4hrend es herankam, blies es das Wasser gen Himmel. Sie weckte den Fremden, und dieser sprang in die H\u00f6he. Die gro\u00dfe Seeschlange n\u00e4herte sich der K\u00f6nigstochter und ri\u00df den Rachen auf, so weit wie ein Br\u00fcckenbogen.<BR>Aber schon stand der schwarze Ritter da und rief: &#8222;Diese Jungfrau geh\u00f6rt inir, r\u00fchre sie nicht an!&#8220;<BR>Dann zog er sein Lichtschwert und hieb dem Ungeheuer mit einem einzigen Streich das Haupt ab. Aber siehe, das Haupt fuhr zur\u00fcck an seinen Platz und wuchs wieder an. In einem Augenblick hatte der Seedrache sich umgewendet und eilte ins Meer zur\u00fcck. Und im Forteilen schrie er<BR>noch: &#8222;Morgen werde ich wiederkommen und die ganze Welt verschlingen !&#8220;<BR>&#8222;Vielleicht&#8220;, sprach der schwarze Ritter, &#8222;wird ein anderer als ich dir hier entgegentreten.&#8220;<BR>Sean Ruadh aber bestieg sein schwarzes Pferd und war auf und davon, ehe die K\u00f6nigstochter ihn hindern konnte. Und ihr Herz war traurig, als sie ihn schneller als der Wind zwischen Himmel und Erde davoneilen sah. Sean Ruadh ritt zum Schlo\u00df des ersten Riesen, brachte das Pferd in den Stall, legte Kleider und Schwert ab. Dann schlief er auf des Riesen Bett, bis die Magd ihn am Abend weckte. Und er trieb die K\u00fche heim wie jeden Tag. Er begegnete dem K\u00f6nig und fragte: &#8222;Wie ist es deiner Tochter heute ergangen ?&#8220;<BR>&#8222;Oh, das Ungeheuer stieg aus dem Meer, um sie zu holen, aber ein wundersch\u00f6ner schwarzer Held kam zwischen Himmel und Erde angeritten und rettete sie.&#8220; &#8222;Wer ist denn dieser Held gewesen?&#8220; &#8222;Unter den Rittern sind viele, die behaupten, sie h\u00e4tten sie<BR>gerettet. Aber noch ist meine Tochter nicht in Sicherheit,<BR>denn morgen wird der Meeresdrache wiederkommen.&#8220; &#8222;F\u00fcrchte dich nicht, sicher kommt morgen ein anderer Ritter.&#8220;<BR>Fr\u00fch am n\u00e4chsten Tag trieb Sean Ruadh des K\u00f6nigs Herde auf das Land des zweiten Riesen. Er machte halt vor dem Schlo\u00df, und die Magd mu\u00dfte ihm das Gewand des zweiten Riesen bringen. Dieses war rot. Er legte es an und war rot wie die aufgehende Sonne. Und er g\u00fcrtete sich das Lichtschwert um. Dann bestieg er das rote Ro\u00df, das schneller war als der Blitz, und zwischen Himmel und Erde dahinsausend machte er nicht eher halt, als bis er zum Meeresstrand kam, wo er wieder die K\u00f6nigss\u00f6hne und Ritter zittern sah. Die K\u00f6nigstochter aber sa\u00df allein auf dem Felsen.<BR>Wieder ritt Sean Ruadh zum K\u00f6nig und fragte: &#8222;Ist am Meeresufer ein Markt oder ein gro\u00dfes Kampfspiel?&#8220; Und wieder erhielt er die gleiche Antwort wie am Tag zuvor. &#8222;Ist denn kein Held da, sie zu retten?&#8220; &#8222;Ritter und K\u00f6nigss\u00f6hne sind genug da&#8220;, antwortete der K\u00f6nig. &#8222;Alle versprechen, sie zu retten, und alle behaupten, sie w\u00e4ren sehr tapfer, doch keiner wird zu seinem Wort stehen und dem Ungeheuer entgegentreten, wenn es sich aus dem Meer erhebt.&#8220; Ehe der K\u00f6nig sich versah, war der Fremde verschwunden. In kurzer Zeit war der rote Reiter bei der K\u00f6nigstochter, die allein auf dem Felsen \u00fcber dem Meer sa\u00df.<BR>&#8222;Hast du denn keinen, der dich retten kann?&#8220; fragte der Reiter. &#8222;Nein, niemanden.&#8220; &#8222;So erlaube, da\u00df ich mein Haupt in deinen Scho\u00df lege, bis das Ungeheuer kommt, dann wecke mich auf.&#8220; Er legte sein Haupt in ihren Scho\u00df und fiel in tiefen Schlaf. Doch w\u00e4hrend er schlief, nahm die K\u00f6nigstochter die drei Haare aus ihrem Busen, verglich sie mit seinem Haar und sprach zu sich selbst: &#8222;Es ist derselbe Ritter, der gestern hier war.&#8220;<BR>Als der Seedrache \u00fcber das Wasser heranbrauste, weckte die K\u00f6nigstochter den Fremden. Der sprang auf und eilte zum Ufer. Noch schneller als am Tag vorher raste das Ungeheuer heran. Noch mehr Wasser warf es in die H\u00f6he, und mit aufgerissenem Rachen kam es an Land. Wieder stellte sich Sean Ruadh in den Weg und schlug mit einem Schwertstreich das Ungeheuer in zwei H\u00e4lften. Doch die beidem H\u00e4lften schlossen sich wieder und waren eins wie zuvor.<BR>Das Untier wandte sich zum Meer und schrie: &#8222;Alle Helden auf Erden werden die Jungfrau morgen nicht vor mir retten.&#8220;<BR>Sean Ruadh schwang sich auf sein Pferd und ritt zur\u00fcck. Fort war er und lie\u00df die K\u00f6nigstochter in Verzweiflung zur\u00fcck. Sie raufte sich ihr Haar und vergo\u00df Str\u00f6me von Tr\u00e4nen \u00fcber den Verlust des roten Ritters, des einzigen Mannes, der Mut genug besessen hatte, f\u00fcr sie zu k\u00e4mpfen. Sean Ruadh aber zog im Schlo\u00df seine alten Kleider an und trieb die K\u00fche heim wie jeden Abend. Der K\u00f6nig erz\u00e4hlte ihm: &#8222;Ein fremder Ritter, ganz in Rot gekleidet, hat heute meine Tochter gerettet. Doch sie weint sich die Seele aus dem Leib, weil er fort ist. Aber noch ist meine Tochter nicht in Sicherheit, denn morgen wird der Meeresdrache wiederkommen.&#8220; &#8222;F\u00fcrchte dich nicht, denn morgen kommt sicher wieder ein anderer Ritter&#8220;, antwortete Sean Ruadh. Fr\u00fch am n\u00e4chsten Tag trieb Sean Ruadh die Herde auf das Land des dritten Riesen. Er machte halt vor dem Schlo\u00df, und die Magd mu\u00dfte ihm das Gewand des dritten Riesen bringen. Dies war wei\u00df mit Gold und Silber. Er legte es an und war strahlend sch\u00f6n wie der lichte Tag. Er g\u00fcrtete sich das Lichtschwert um und bestieg das wei\u00dfsilberne Pferd, das schneller ist als der Gedanke des Menschen. Als er fort reiten wollte, sprach die Magd zu ihm: &#8222;Heute wird das Ungeheuer so voller Wut sein, da\u00df niemand es aufhalten kann. Wenn es sich aus dem Wasser heben wird, werden drei gro\u00dfe Schwerter aus seinem Rachen kommen, und diese verm\u00f6gen die ganze Welt in St\u00fccke zu hauen und zu vernichten, wenn sie ihm zur Schlacht entgegentr\u00e4te. Nur einen Weg gibt es, den Seedrachen zu \u00fcberwinden. Nimm diesen roten Apfel, steck ihn an deinen Busen, und wenn das Untier vom Meer gegen dich anst\u00fcrmt, dann wirf ihm den Apfel in den offenen Rachen, und du wirst sehen, der gro\u00dfe Drache wird sich aufl\u00f6sen und auseinander flie\u00dfen und auf dem Strand sterben.&#8220; Sean Ruadh flog auf seinem wei\u00dfsilbernen Ro\u00df zwischen Himmel und Erde dahin, dreimal so schnell wie am Tage zuvor. Wieder sah er die Jungfrau allein auf dein Felsen sitzen. Wieder sah er die zitternden K\u00f6nigss\u00f6hne und Ritter in der Ferne warten, um alles mit anzuschauen, was geschehen w\u00fcrde. Sean Ruadh ritt wieder zum K\u00f6nig und fragte: &#8222;Ist am Meeresufer ein Markt oder ein gro\u00dfes Kampfspiel?&#8220; Und wieder erhielt er die gleiche Antwort wie am Tage zuvor. Ehe der K\u00f6nig sich versah, war der Freinde verschwunden.<BR>In kurzer Zeit war der wei\u00dfe Ritter bei der K\u00f6nigstochter. &#8222;Hast du denn keinen, der dich retten kann?&#8220; &#8222;Nein, niemanden.&#8220;<BR>&#8222;So erlaube, da\u00df ich mein Haupt in deinen Scho\u00df lege, bis das Ungeheuer kommt, dann wecke mich auf.&#8220; Er legte sein Haupt wieder in ihren Scho\u00df und fiel in tiefen Schlaf. Doch w\u00e4hrend er schlief, verglich die K\u00f6nigstochter die drei Haare mit seinem Haar und sprach wieder &#8222;Es ist derselbe Ritter, der mich schon zweimal gerettet hat.&#8220;<BR>Als der Seedrache kam, weckte die K\u00f6nigstochter den Fremden. Der sprang auf die F\u00fc\u00dfe und lief zum Meeresufer. Furchtbar war das Untier anzuschauen. Es war von ungeheurer Gr\u00f6\u00dfe und hatte ein Maul so riesig, da\u00df es die ganze Welt h\u00e4tte verschlingen k\u00f6nnen, und aus dem Maul kamen drei scharfe Schwerter hervor. Mit wildem Br\u00fcllen<BR>st\u00fcrzte sich das Untier Sean Ruadh entgegen. Aber dieser schleuderte ihm den roten Apfel in den Rachen. Da fiel das Untier am Strande nieder, l\u00f6ste sich auf und flo\u00df auseinander.<BR>Sean Ruadh sprach zur K\u00f6nigstochter: &#8222;Dieser Drache wird niemals mehr Unheil anrichten.&#8220; Die K\u00f6nigstochter lief zu ihm hin und wollte ihn festhalten. Aber er sa\u00df schon auf dein wei\u00dfsilbernen Ro\u00df und war auf und davon, zwischen Himmel und Erde dahinreitend, ehe sie ihn hindern konnte. Sie hatte jedoch einen seiner Stiefel aus purem Silber so fest umklammert, da\u00df Sean Ruadh ihn in ihrer Hand zur\u00fccklassen mu\u00dfte.<BR>Als er an diesem Abend die K\u00fche heim trieb, kam der K\u00f6nig aus dem Schlo\u00df, und Sean Ruadh fragte: &#8222;Was gibt es Neues von dem Seedrachen?&#8220;<BR>&#8222;Oh&#8220;, sprach der K\u00f6nig, &#8222;ich habe nichts wie Gl\u00fcck, seit du gekommen bist. Ein Ritter, sch\u00f6n wie der lichte Tag auf einem wei\u00dfsilbernen Ro\u00df, zwischen Himmel und Erde dahinreitend, hat heute das Ungeheuer vernichtet. Meine Tochter ist f\u00fcr alle Zeiten vor ihm sicher. Doch sie ist in gro\u00dfer Trauer und weint bittere Tr\u00e4nen, weil ihr Retter verschwunden ist.&#8220;<BR>Am Abend dieses Tages gab es ein Fest in dem K\u00f6nigsschlo\u00df, wie es noch nie eins gegeben hatte. In den Hallen ergingen sich die vielen K\u00f6nigss\u00f6hne und Rittet&#8216;, und Jeder von ihnen prahlte: &#8222;Ich bin der, der die K\u00f6nigstochter errettet hat.&#8220;<BR>Der K\u00f6nig aber sandte nach dem alten blinden Weisen und fragte, was er tun sollte, uni den Mann zu finden, der seine Tochter wirklich errettet habe.<BR>Da sprach der alte Weise: &#8222;La\u00df Botschaft ergehen an alle Welt, da\u00df der Mann, an dessen Fu\u00df der silberne Stiefel pa\u00dft, der Held sei, der den Drachen vernichtet habe, und da\u00df du ihm deine Tochter zur Frau geben wolltest.&#8220; Da lie\u00df der K\u00f6nig Botschaft und Kunde ausgehen durch alle Lande, jeder Mann solle kommen und den Stiefel zur Probe anlegen. Aber er war zu gro\u00df f\u00fcr die einen und zu klein f\u00fcr die andern.<BR>Da sich nun keiner gefunden hatte, dem der Stiefel gepa\u00dft h\u00e4tte, sprach der alte blinde Weise: &#8222;Nun haben alle versucht, den Stiefel anzuziehen, nur der Kuhhirte nicht.&#8220; &#8222;Ach, der ist ja immer mit den K\u00fchen unterwegs&#8220;, sagte der K\u00f6nig, &#8222;den brauchen wir nicht zu fragen.&#8220;<BR>&#8222;Schicke trotzdem zwanzig Mann aus&#8220;, sprach der alte Weise, &#8222;und la\u00df den Kuhhirten holen.&#8220; Da sandte der K\u00f6nig zwanzig Mann aus, und die fanden<BR>den Hirten im Schatten einer Mauer schlafend. Da machten sie sich daran, ein Heuseil zu drehen, um ihn zu binden. Aber er erwachte und hatte zwanzig Seile gedreht, bevor sie eines fertig hatten. Dann band er die zwanzig zu einem B\u00fcndel zusammen und hing das B\u00fcndel an der Mauer auf. Im Schlo\u00df warteten sie lange Zeit. Als die zwanzig mit dem Kuhhirten noch immer nicht kamen, da sandte der K\u00f6nig schlie\u00dflich zwanzig weitere aus, um zu sehen, warum es so lange dauere. Als sie den Kuhhirten gefunden hatten, begannen auch diese ein Heuseil zu drehen. Doch es erging ihnen wie den andern. Auch sie wurden in ein B\u00fcndel zusammengebunden und zu den andern zwanzig geh\u00e4ngt.<BR>Als nun weder die einen noch die andern heimkamen, sprach der alte blinde Weise zum K\u00f6nig: &#8222;Geh jetzt nur selbst. Wirf dich vor dem Kuhhirten auf die Knie, denn er hat je zwanzig Mann in zwei B\u00fcndel aneinandergebunden.&#8220;<BR>Da ging der K\u00f6nig auf die Weide und warf sich vor dem Kuhhirten nieder.<BR>Der hob ihn sogleich auf und fragte: &#8222;Was soll das bedeuten ?&#8220;<BR>&#8222;Komm mit und lege den silbernen Stiefel an!&#8220;<BR>&#8222;Wie kann ich mitgehen, wenn ich hier meine Arbeit zu tun habe?&#8220;<BR>&#8222;Oh, das soll dich nicht hindern, du kommst bald genug zur\u00fcck, um deine Arbeit fertig zu machen.&#8220; Sean Ruadh band die vierzig Mann los und ging mit dem K\u00f6nig. Als er zum Schlo\u00df kam, sah er des K\u00f6nigs Tochter in ihrer Kammer im Turm am Fenster sitzen, und der silberne Stiefel stand auf der Fensterbank vor ihr. Im selben Augenblick sprang der Stiefel durch die Luft und legte sich von selbst an seinen Fu\u00df. Die K\u00f6nigstochter aber lief die Treppen hinunter und umarmte und k\u00fc\u00dfte ihn. Der ganze Platz aber stand voller K\u00f6nigss\u00f6hne und Ritter. &#8222;Was wollen diese M\u00e4nner hier?&#8220; fragte Sean Ruadh.<BR>&#8222;Sie haben versucht, den Stiefel anzuziehen, und hofften, da\u00df er passe.&#8220;<BR>&#8222;Macht euch hinweg, ihr Feiglinge, ihr Prahler&#8220;, rief Sean Ruadh, &#8222;damit mein Zorn nicht \u00fcber euch komme.&#8220;<BR>Da stoben sie in alle Winde davon. Der K\u00f6nig aber sandte Boten an alle K\u00f6nige und K\u00f6niginnen, auch an Diarmuid, den Sohn des obersten Herrschers des Lichts. Sie sollten zur Hochzeit seiner Tochter mit Sean Ruadh kommen. Nach der Hochzeit ging Sean Ruadh mit seiner Frau in das K\u00f6nigreich der Riesen und lebte da und lie\u00df seinen Schwiegervater K\u00f6nig in seinem eigenen Land bleiben.<BR>[M\u00e4rchen aus Irland]<\/P><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der dreizehnte Sohndes K\u00f6nigs von Erinn Vor langer Zeit lebte einmal ein K\u00f6nig in Erinn, und der hatte dreizehn S\u00f6hne. Als sie herangewachsen waren, lie\u00df er sie in allen K\u00fcnsten unterweisen, die ihrem Rang angenmessen waren. 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