{"id":826,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=826"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"die-koenigstochter-in-der-flammenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/die-koenigstochter-in-der-flammenburg\/","title":{"rendered":"Die K\u00f6nigstochter in der Flammenburg"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal ein armer Mann, der hatte so viele Kinder, als L\u00f6cher sind in einem Sieb, und hatte alle Leute in seinem Dorfe schon zu Gevatter gehabt; als ihm nun wieder ein S\u00f6hnlein geboren wurde, setzte er sich an die Landstra\u00dfe, um den ersten besten zu Gevatter zu bitten. Da kam ein alter Mann in einem grauen Mantel die Stra\u00dfe, den bat er, und dieser nahm den Antrag willig an, ging mit und half den Knaben taufen. Der alte Mann aber schenkte dem Armen eine Kuh mit einem Kalb; das war an demselben Tage, an welchem der Knabe geboren, zur Welt gekommen und hatte vorn an der Stirne einen goldnen Stern und sollte dem Kleinen geh\u00f6ren. Als der Knabe gr\u00f6\u00dfer war, ging er mit seinem Rind, das war nun ein gro\u00dfer Stier geworden, jeden Tag auf die Weide. Der Stier aber konnte sprechen, und wenn sie auf dem Berg angekommen waren, sagte er zum Knaben: &#8222;Bleibe du hier und schlafe, indes will ich mir schon meine Weide suchen!&#8220; Sowie der Knabe schlief, rannte der Stier wie der Blitz fort und kam auf die gro\u00dfe Himmelswiese und fra\u00df hier goldne Sternblumen. Als die Sonne unterging, eilte er zur\u00fcck und weckte den Knaben, und dann gingen sie nach Hause. Also geschah es jeden Tag, bis der Knabe zwanzig Jahre alt war. Da sprach der Stier eines Tages zu ihm:<br \/>&#8222;Jetzt sitze mir zwischen die H\u00f6rner, und ich trage dich zum K\u00f6nig; dann verlange von ihm ein sieben Ellen langes eisernes Schwert und sage, du wollest seine Tochter erl\u00f6sen.&#8220;<br \/>Bald waren sie an der K\u00f6nigsburg; der Knabe stieg ab und ging vor den K\u00f6nig und sagte, warum er gekommen sei. Der gab gern das verlangte Schwert dem Hirtenknaben; aber er hatte keine gro\u00dfe Hoffnung, seine Tochter wiederzusehen, denn schon viele k\u00fchne J\u00fcnglinge hatten es vergeblich gewagt, sie zu befreien. Es hatte sie n\u00e4mlich ein zw\u00f6lfh\u00e4uptiger Drache entf\u00fchrt, und dieser wohnte weit weg, wohin niemand gelangen konnte; denn erstens war auf dem Wege dahin ein hohes un\u00fcbersteigliches Gebirge, zweitens ein weites und st\u00fcrmisches Meer und drittens wohnte der Drache in einer Flammenburg. Wenn es nun auch jemandem gelungen w\u00e4re, \u00fcber das Gebirg und das Meer zu kommen, so h\u00e4tte er doch durch die m\u00e4chtigen Flammen nicht hindurchdringen k\u00f6nnen, und w\u00e4re er gl\u00fccklich durchgedrungen, so h\u00e4tte ihn der Drache umgebracht.<br \/>Als der Knabe das Schwert hatte, setzte er sich dem Stier zwischen die Homer, und im Nu waren sie vor dem gro\u00dfen Gebirgswall. &#8222;Da k\u00f6nnen wir wieder umkehren&#8220;, sagte er zum Stier, denn er hielt es f\u00fcr unm\u00f6glich, hin\u00fcber zu kommen. Der Stier aber sprach: &#8222;Warte nur einen Augenblick!&#8220; und setzte den Knaben zu Boden. Kaum war das geschehen, so nahm er einen Anlauf und schob mit seinen gewaltigen H\u00f6rnern das ganze Gebirge auf die Seite, also, da\u00df sie weiterziehen konnten.<br \/>Nun setzte der Stier den Knaben sich wieder zwischen die H\u00f6rner, und bald waren sie am Meere angelangt. &#8222;Jetzt k\u00f6nnen wir umkehren!&#8220; sprach der Knabe, &#8222;denn da kann niemand hin\u00fcber!&#8220; &#8211; &#8222;Warte nur einen Augenblick!&#8220; sprach der Stier, &#8222;und halte dich an meinen H\u00f6rnern.&#8220; Da neigte er den Kopf zum Wasser und soff und soff das ganze Meer auf, also da\u00df sie trocknen Fu\u00dfes wie auf einer Wiese weiterzogen. Nun waren sie bald an der Flammenburg. Aber da kam ihnen schon von weitem solche Glut entgegen, da\u00df der Knabe es nicht mehr aushalten konnte. &#8222;Halte ein!&#8220; rief er dem Stiere zu, &#8222;nicht weiter, sonst m\u00fcssen wir verbrennen.&#8220; Der Stier aber lief ganz nahe und go\u00df auf einmal das Meer, das er getrunken hatte, in die Flammen, also da\u00df sie gleich verl\u00f6schten und einen m\u00e4chtigen Qualm erregten, von dem der ganze Himmel mit Wolken bedeckt wurde. Aber nun st\u00fcrzte aus dem f\u00fcrchterlichen Dampfe der zw\u00f6lfh\u00e4uptige Drache voll Wut hervor. &#8222;Nun ist es an dir!&#8220; sprach der Stier zum Knaben, &#8222;siehe zu, da\u00df du auf einmal dem Ungeheuer alle H\u00e4upter abschl\u00e4gst!&#8220; Der nahm alle seine Kraft zusammen, fa\u00dfte in beide H\u00e4nde das gewaltige Schwert und versetzte dem Ungeheuer einen so geschwinden Schlag, da\u00df alle H\u00e4upter herunterflogen. Aber nun schlug und ringelte sich das Tier auf der Erde, da\u00df sie erzitterte. Der Stier aber nahm den Drachenrumpf auf seine Homer und schleuderte ihn nach den Wolken, also, da\u00df keine Spur mehr von ihm zu sehen war. Dann sprach er zum Knaben: &#8222;Mein Dienst ist nun zu Ende. Gehe jetzt ins Schlo\u00df, da findest du die K\u00f6nigstochter und f\u00fchre sie heim zu ihrem Vater!&#8220; Damit rannte er fort auf die Himmelswiese, und der Knabe sah ihn nicht wieder. Der Junge aber fand die K\u00f6nigstochter drinnen, und sie freute sich sehr, da\u00df sie von dem garstigen Drachen erl\u00f6st war. Sie fuhren nun zu ihrem Vater, hielten Hochzeit, und es war gro\u00dfe Freude im ganzen K\u00f6nigreiche.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein armer Mann, der hatte so viele Kinder, als L\u00f6cher sind in einem Sieb, und hatte alle Leute in seinem Dorfe schon zu Gevatter gehabt; als ihm nun wieder ein S\u00f6hnlein geboren wurde, setzte er sich an die Landstra\u00dfe, um den ersten besten zu Gevatter zu bitten. Da kam ein alter Mann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-826","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/826","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=826"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/826\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=826"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=826"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=826"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}