{"id":825,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=825"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"die-beiden-geschwister-und-die-drei-hunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/die-beiden-geschwister-und-die-drei-hunde\/","title":{"rendered":"Die beiden Geschwister und die drei Hunde"},"content":{"rendered":"<p>Ein M\u00fcller und seine Frau starben nacheinander; sie hinterlie\u00dfen aber zwei Kinder, einen Knaben und ein M\u00e4dchen, und diesen zum Erbe nichts andres als eine Ziege und einen Hahn. Da wollten die Kinder beide Tiere verkaufen, damit sie zu leben h\u00e4tten, und es band der Knabe der Ziege den Hahn zwischen die H\u00f6rner und trieb sie zum Jahrmarkt. Auf der Stra\u00dfe traf er zu einem Fleischhauer, der wollte gerade Vieh kaufen und f\u00fchrte drei Hunde mit sich, einen schwarzen, einen wei\u00dfen und einen gefleckten. &#8222;Willst du nicht mit mir tauschen?&#8220; sprach er zum Knaben. Der sah sich die Hunde an, und weil sie ihm sehr gut gefielen, schlug er ein. Der Fleischhauer gab ihm noch ein Pfeifchen und sagte: &#8222;Wenn du dieses blasest, so kommen die Hunde, wo sie auch immer sind, dir zu Hilfe!&#8220; Damit kehrte er nach Hause. Aber seine Schwester fing an zu weinen, als sie sah, da\u00df ihr Bruder kein Brot brachte. &#8222;So m\u00fcssen wir jetzt doch verhungern!&#8220; rief sie einmal \u00fcber das andere. <br \/>Die Hunde aber hatten alles verstanden, und sie sprangen nur einmal auf und liefen fort. In der N\u00e4he war gerade das k\u00f6nigliche Lustschlo\u00df. Da lief der schwarze in die K\u00fcche und brachte einen Braten; der wei\u00dfe lief in die Speisekammer und brachte ein Brot, der gefleckte sprang in den Keller und holte eine Flasche Wein. Nun freuten sich die beiden Kinder, a\u00dfen und tranken und hatten von da an keine Not; denn wenn sie hungrig waren, so brachten ihnen die Hunde immer Speise. Aber der K\u00f6nig hatte geh\u00f6rt, da\u00df drei Hunde so und so in seine K\u00fcche, seine Speisekammer und seine Keller einbr\u00e4chen und das Beste fortschleppten und da\u00df man sie nicht fangen k\u00f6nne. Da befahl er, man solle \u00fcberall nachsuchen, und wenn man die Hunde fange, sie und ihre Herren umbringen. Das erfuhren auch die Kinder; sie machten sich schnell auf und zogen mit den Hunden tief in einen Wald. Hier kamen sie an eine H\u00fctte, drinnen brannte eine Kerze; sie gingen hinein, und da war eine alte Frau. &#8222;Gottlob!&#8220; rief sie, &#8222;heute Nacht gibt es wieder etwas zum Umbringen! Denn wisset, hier hausen zw\u00f6lf R\u00e4uber, die bald nach Hause kommen.&#8220; Die Kinder f\u00fcrchteten sich sehr; allein dem Knaben kam es bald ein, was zu machen sei. Er lie\u00df den schwarzen Hund vor der Gassent\u00fcre, den wei\u00dfen hinterm Tor, den gefleckten vor der Haust\u00fcre Wache halten.<br \/>Bald kamen sechs R\u00e4uber und fluchten und tobten. Die alte R\u00e4ubergro\u00dfmutter wollte hinaus und ihre Leute warnen; allein der gefleckte Hund knurrte, sprang gegen sie und lie\u00df sie nicht heraus. Als aber die sechs an das Haus kamen, sprang der schwarze Hund auf, ri\u00df sie nieder und brachte alle um. Dann legte er sich zwischen die Toten und lauerte wieder. Nach kurzer Zeit kamen auch die sechs anderen; der schwarze ri\u00df sie ebenfalls nieder und w\u00fcrgte sie; nur einer von den R\u00e4ubern, ein junger Kaufmann, war nicht ganz tot. Der schleppte sich noch zum Tor hinein. Da ri\u00df ihn der wei\u00dfe Hund zu Boden. Die alte R\u00e4ubergro\u00dfmutter mu\u00dfte jetzt alles zeigen, was zu sehen war. In einer Kammer lagen gro\u00dfe Haufen gestohlener Sch\u00e4tze, und an einer Wand hing ein gro\u00dfes Schwert, das h\u00fcpfte in der Scheide. Der Knabe nahm es und band es sich an die Seite. Der Keller war voll von Toten; dahin mu\u00dfte die Alte auch die Erschlagenen schleppen; allein den halbtoten jungen Kaufmann verschlo\u00df sie unbemerkt in die Kammer.<br \/>Am andern Morgen nahm der Knabe seinen schwarzen Hund und ging fort, um die Gegend zu beschauen. Die Schwester blieb mit den beiden anderen Hunden in der R\u00e4uberh\u00fctte. Da nahm die Alte einen Topf, ging hinaus in die Kammer, schmierte den Kaufmann, und alsbald war er frisch und gesund; beide kamen nun zur Schwester und \u00fcberredeten sie, sie solle den Kaufmann heiraten und hier wohnen und alle Sch\u00e4tze besitzen. Ihren Bruder sollten sie umbringen, doch m\u00fc\u00dften sie erst die Hunde fortschaffen. Das sei aber leicht; sie solle nur einzeln dieselben in die Kammer nach Mehl schicken, da werde sie die Alte einsperren. Dem M\u00e4dchen gefiel der junge Kaufmann, und es willigte ein, und dieser versteckte sich. Als ihr Bruder nach Hause kam, erschien ihm seine Schwester ver\u00e4ndert, sie sprach auch ganz anders; nur einmal schickte sie die Hunde hinaus in die Kammer nach Mehl. Da merkte sich der Knabe etwas; er ging hinaus und wollte in die Kammer; diese aber war fest verschlossen. Da erinnerte er sich an das Pfeifchen, das ihm der Fleischhauer gegeben; er nahm es hervor und blies. Auf einmal sprang die T\u00fcr entzwei, und die drei Hunde waren um ihn. Nun ging er wieder in die H\u00fctte. Da stand seine Schwester und der junge Kaufmann und wollten den Knaben eben angreifen und umbringen. Aber er zog sein Schwert und hieb dem Kaufmann den Kopf ab, ging dann in die Kammer und tat an der Alten ein Gleiches; darauf befahl er seiner Schwester, die Toten in den Keller zu schleppen, warf sie dann selbst hinein und sprach, indem er sie einschlo\u00df: &#8222;Bis du den jungen R\u00e4uber nicht aufgegessen hast, sollst du immer hier bleiben!&#8220;<br \/>Dann nahm der Knabe seine drei Hunde und zog fort. Er kam aber in eine Stadt, wo die H\u00e4user alle mit schwarzem Flor \u00fcberzogen waren. Er fragte gleich, was das zu bedeuten h\u00e4tte. Da erz\u00e4hlte ihm der Wirt: In der N\u00e4he sei ein siebenh\u00e4uptiger Drache; dem m\u00fc\u00dfte jedes Jahr eine Jungfrau dargebracht werden, und jetzt sei es an der Tochter des K\u00f6nigs, und darum sei die Stadt in Trauer. Da geschah es, da\u00df die K\u00f6nigstochter hinausfuhr ohne Begleitung; nur der Kutscher war auf dem. Wagen. Der Knabe nahm seine Hunde und zog auch dahin; er kam auf einem Umwege noch eher zur St\u00e4tte. Der Kutscher aber getraute sich nicht, nahe zu fahren; er hielt schon von weitem still, und die K\u00f6nigstochter mu\u00dfte zu Fu\u00dfe die \u00fcbrige Strecke zur\u00fccklegen. Als sie anlangte, kam ihr der Knabe entgegen und sprach: &#8222;F\u00fcrchte dich nicht, ich will den Drachen bestehen!&#8220; Sein Schwert h\u00fcpfte schon in der Scheide und sehnte sich nach dem Drachenblut. Bald kam der f\u00fcrchterliche Wurm schnaubend herangefahren. Der Knabe erhob sein Schwert, und auf einen Hieb waren alle H\u00e4upter unten. Er blieb aber unbedacht auf der Stelle stehen, und nun traf ihn der zappelnde Schweif des Drachen, so da\u00df er wie tot hinfiel. Die Hunde sprangen nun auf den Drachen und machten ihn in kurzem vollends tot; nur zuckten die Glieder, bis die Sonne unterging. Die K\u00f6nigstochter aber sank hin zur Leiche und weinte sehr. Da kamen auch die Hunde und weinten und wu\u00dften keinen Rat. Endlich erinnerten sich der wei\u00dfe und gefleckte Hund an den Topf, aus dem die Alte im Wald den Kaufmann lebendig gemacht. Wie sie es erz\u00e4hlten, gab ihnen der schwarze einen derben Schlag, warum sie nicht eher daran gedacht h\u00e4tten, und sie mu\u00dften gleich hinlaufen und den Topf bringen.<br \/>Als die K\u00f6nigstochter den Toten geschmiert hatte, schlug er die Augen auf, war frisch und gesund, und es schien ihm, als erwache er aus einem tiefen Schlafe. &#8222;Du hast mich gerettet und sollst nun auch meine Hand haben, wie es mein Vater versprochen hat!&#8220; rief die K\u00f6nigstochter. Der Knabe freute sich des, aber er wollte sie pr\u00fcfen, ob sie ihm auch treu sein w\u00fcrde, und sprach daher: &#8222;Ich mu\u00df noch in der Welt herumziehen und Drachen bek\u00e4mpfen; aber unter Jahr und Tag komme ich, dann wollen wir Hochzeit halten!&#8220; <br \/>Die K\u00f6nigstochter schnitt darauf ihren Namen aus dem Taschentuch und gab ihn dem Knaben, und jedem der Hunde legte sie ein seidenes Band um den Hals, dem schwarzen ein wei\u00dfes, dem wei\u00dfen ein schwarzes und dem gefleckten ein gestreiftes; dann schnitt der Junge noch die Zungen aus den Drachenh\u00e4uptern, steckte sie ein und ging weiter; die K\u00f6nigstochter aber weinte. Als der Kutscher sah, da\u00df der Drache erlegt und der Junge fort war, lief er auch hin und fragte die K\u00f6nigstochter, warum sie weine, da sie jetzt befreit sei. Wie sollte sie nicht weinen, sprach sie, da ihr Retter sie verlassen habe. Der Kutscher aber baute hierauf gleich einen b\u00f6sen Plan. Er drohte der K\u00f6nigstochter, wenn sie nicht verspreche zu sagen, da\u00df er den Drachen erlegt habe, so wolle er sie auf der Stelle umbringen. In der Not versprach es die K\u00f6nigstochter. Da nahm er die H\u00e4upter vom Drachen, lud sie auf den Wagen und fuhr mit der K\u00f6nigstochter heim. Alles Volk jubelte, als man sie wieder sah, und pries ihren Retter, und f\u00fcr den gab sich der Kutscher aus. Der K\u00f6nig wollte auch gleich Wort halten und ordnete an, da\u00df die Hochzeit gefeiert werde. Aber seine Tochter bat ihn sehr, er solle ihr noch ein Jahr freie Zeit g\u00f6nnen, und so lie\u00df er&#8217;s geschehen.<br \/>Eben war das Jahr zu Ende und der Hochzeitstag da; die ganze Stadt war festlich geschm\u00fcckt, und in der k\u00f6niglichen K\u00fcche und im Keller war alles besch\u00e4ftigt. Der Knabe war ebenfalls auf die verabredete Zeit in die Stadt gekommen. Der Gastwirt erz\u00e4hlte ihm nun, warum die ganze Stadt heute so fr\u00f6hlich sei:<br \/>Der Kutscher des K\u00f6nigs habe vor einem Jahr den Drachen erlegt, und heute erst, weil es die K\u00f6nigstochter so gew\u00fcnscht, solle die Hochzeit gefeiert werden. Da sah der Knabe, wie treu ihm die K\u00f6nigstochter gewesen und da\u00df ein sch\u00e4ndlicher Betrug im Spiele sei. Er sagte aber nichts von sich und von dem, was er vorhabe; nur behauptete er, er werde heute das Beste von der K\u00f6nigstafel essen und trinken und am Ende werde ihn der alte K\u00f6nig selbst mit vier wei\u00dfen Hengsten zum Hochzeitsmahle f\u00fchren. Der Wirt glaubte nicht, da\u00df dieses m\u00f6glich sei, und wettete auf sein ganzes Verm\u00f6gen.<br \/>Als es Mittag war und es hie\u00df, da\u00df alle schon an der k\u00f6niglichen Tafel s\u00e4\u00dfen, schickte der Knabe seinen schwarzen Hund hin, er solle von dem Teller der K\u00f6nigstochter den Braten bringen. Der Hund lief in einem fort, ri\u00df alle Wachen, die ihm wehren wollten, nieder, und eben hatte man der K\u00f6nigstochter das beste St\u00fcck vorgelegt, als der Hund es packte und damit fortlief und es seinem Herrn brachte. Die K\u00f6nigstochter aber hatte den Hund an dem wei\u00dfen Bande gleich erkannt und freute sich im Herzen, da\u00df ihr Retter nahe sei. Nun wollte der Knabe auch Brot haben; das mu\u00dfte der wei\u00dfe Hund holen; der machte es ebenso wie der schwarze, nahm es der K\u00f6nigstochter neben dem Teller her fort und lief hinaus; der alte K\u00f6nig, der Br\u00e4utigam und die G\u00e4ste erstaunten und waren zornig; nur die K\u00f6nigstochter freute sich. &#8222;Jetzt will ich aber auch trinken!&#8220; sprach der Knabe, als er gegessen hatte. Der gefleckte Hund mu\u00dfte den Wein holen, der vor der K\u00f6nigstochter auf dem Tische stand. Er machte es ebenso wie der schwarze und wei\u00dfe Hund; die K\u00f6nigstochter freute sich, als sie auch ihn sah; aber der alte K\u00f6nig konnte seinen Zorn nicht mehr zur\u00fcckbehalten; er gab Befehl, man solle den Herrn der Hunde erforschen und gleich gebunden vor ihn bringen. Sogleich gingen eine Menge Soldaten hin und her und suchten ihn und kamen so auch ins Wirtshaus.<br \/>As sie die Hunde hier sahen und ihren Herrn daneben, wollten sie ihn packen und fortf\u00fchren; allein die Hunde fielen gleich \u00fcber sie her und warfen sie zu Boden. Als man dem K\u00f6nig das meldete, stieg sein Zorn aufs h\u00f6chste; er schickte alle seine Soldaten hin, um den Frevler herbeizuholen; allein auch diese konnten nichts machen; die Hunde rissen alle nieder. Da lie\u00df der Knabe sagen, der K\u00f6nig solle gleich mit vier wei\u00dfen Hengsten nach ihm kommen und ihn zur k\u00f6niglichen Tafel f\u00fchren. Der K\u00f6nig hatte seinen Zorn zwar aufgegeben; denn er sah ein, da\u00df er es mit einem m\u00e4chtigen Herrn zu tun habe; allein sein Stolz lie\u00df es ihm nicht zu, selbst hinzufahren. Er schickte nur einen Minister und einen Hofwagen mit zwei Pferden; aber der Knabe wies diesen zur\u00fcck und lie\u00df dem K\u00f6nig sagen, er solle gleich selbst kommen und mit einem Viergespann, so wie es verlangt worden, sonst w\u00fcrde es ihm nicht gut gehen. Die K\u00f6nigstochter redete ihrem Vater zu, er solle nicht sein Leben aufs Spiel setzen, und so bemeisterte er seinen Zorn und fuhr hin. Als der k\u00f6nigliche Wagen von vier wei\u00dfen Hengsten gezogen vor dem Wirtshause hielt, lief der Wirt wie wahnsinnig zum Knaben und sprach: &#8222;Du hast die Wette gewonnen; ich aber bin ein ruinierter Mann!&#8220; Allein der Knabe tr\u00f6stete ihn gleich: &#8222;Also du glaubst mir jetzt? Nun, ich schenke dir wieder alles, was du verspielt hast!&#8220; Damit ging er hinaus und setzte sich neben den K\u00f6nig, und seine drei Hunde sprangen auch in den Wagen; sobald er fortrollte, rief der Wirt: &#8222;So einen Gast habe ich in meinem Leben nie beherbergt!&#8220;<br \/>Als sie im K\u00f6nigssaale anlangten, setzte sich der Knabe sogleich der Braut gegen\u00fcber, und neben dieser sa\u00df der Br\u00e4utigam. Nun a\u00df man und war lustig. Zuletzt kam man nach mancherlei Gespr\u00e4chen auf die Beantwortung von Fragen. Als die Reihe zu fragen an den Knaben kam, sprach er: &#8222;Was verdient der, welcher den K\u00f6nig auf das sch\u00e4ndlichste betr\u00fcgt?&#8220; Der Br\u00e4utigam rief sogleich: &#8222;Der verdient, da\u00df man ihn an den Schweif eines wilden Pferdes binde und durch die Stadt schleife.&#8220; Da erhob sich der Knabe: &#8222;Du hast dir selbst dein Urteil gesprochen, denn wisse, ich bin der Drachent\u00f6ter, nicht du!&#8220; Der Kutscher aber behauptete noch fort, da\u00df er ihn get\u00f6tet habe, und lie\u00df zum Beweise die sieben Drachenh\u00e4upter hereinbringen. Noch waren die G\u00e4ste auf seiner Seite. Da sprach aber der Knabe, man solle dem Drachen in den Mund sehen. Da fanden sie keine Zungen darin. &#8222;Wo sind denn die Zungen&#8220;, fragte der Knabe, &#8222;wenn du den Drachen get\u00f6tet hast?&#8220; Darauf war der Kutscher nicht gefa\u00dft und behauptete dreist, Drachen h\u00e4tten keine Zungen. Den G\u00e4sten kam das nun doch sonderbar vor; allein sie wu\u00dften nicht, wie die Sache w\u00e4re. Da lie\u00df man den Koch hereinrufen, und der K\u00f6nig fragte diesen, ob er ein Tier kenne, das keine Zunge h\u00e4tte. Der Koch sprach, er kenne keines; alle Tiere m\u00fc\u00dften auch eine Zunge haben, denn womit sollten sie sonst schmecken. &#8222;Nun!&#8220; sprach aber der Knabe, &#8222;will ich es noch mehr beweisen, da\u00df die Drachen Zungen haben&#8220;, nahm damit sein Tuch heraus, wickelte es auf und legte sieben Drachenzungen vor, und als man sie in den Mund hielt, pa\u00dften alle genau.<br \/>Der Kutscher fing nun an zu zittern und wollte hinaus: allein man hielt ihn fest. &#8222;Jetzt aber wird auch die K\u00f6nigstochter es bezeugen, da\u00df ich den Drachen get\u00f6tet habe.&#8220; Damit nahm er den Namen aus ihrem Taschentuch und sprach: &#8222;Ist das deine Arbeit? Siehe die Halsb\u00e4nder der Hunde, kennst du sie? Erz\u00e4hle!&#8220; Jetzt, da die Sache ohne ihr Zutun schon heraus war, hielt sie sich ihres Eides f\u00fcr los und ledig und erz\u00e4hlte alles vom Drachenkampf und wie sie ihrem Befreier den Namen aus ihrem Schnupftuch gegeben und den Hunden die Halsb\u00e4nder umgelegt habe; wie dann der Kutscher hingekommen und gedroht habe, sie umzubringen, wenn sie ihm nicht eidlich verspreche, ihn f\u00fcr den Drachent\u00f6ter auszugeben. Da wurde der Kutscher ergriffen und die Strafe, die er sich selbst bestimmt hatte, an ihm vollzogen.<br \/>Der Knabe aber hielt nun Hochzeit mit der K\u00f6nigstochter; und diese war \u00fcber alle Ma\u00dfen froh und gl\u00fccklich. Als der alte K\u00f6nig starb, folgte ihm der Knabe im Reiche nach, und er herrschte weise und gerecht.<br \/>Aber ein Kummer nagte doch an seinem Herzen; er dachte an seine Schwester, und obgleich diese so b\u00f6se an ihm gehandelt, so hatte er ihr jetzt doch verziehen, und er wollte sie, wenn m\u00f6glich, auch noch gl\u00fccklich machen. Er zog daher mit seinen Hunden nach dem Waldh\u00e4uschen. Da fand er sie im Keller; sie hatte alle Toten verzehrt, nur den Kaufmann nicht, und das wollte sie auch nicht, lieber sterben. Der Bruder nahm sie jetzt mit an seinen K\u00f6nigshof und machte sie zum ersten Hoffr\u00e4ulein. Allein sie hatte ihre Falschheit noch nicht aufgegeben; ihr Bruder sollte es b\u00fc\u00dfen, da\u00df er sie so gestraft habe. Sie lie\u00df bei einem Schmied ein scharfes Messer machen und stellte dieses in das Bett des K\u00f6nigs. Als dieser abends m\u00fcde sich auf das Bett warf, ging es ihm durch und durch, und er war alsbald tot. Am Morgen aber, wie man h\u00f6rte, da\u00df der K\u00f6nig ermordet w\u00e4re, wurde das ganze Land von der h\u00f6chsten Trauer erf\u00fcllt; die Schwester aber hatte ihr b\u00f6ses Gewissen vom Hofe fortgetrieben, und so war man \u00fcberzeugt, da\u00df sie es getan habe. Die K\u00f6nigin aber warf sich auf die Leiche, rang die H\u00e4nde und konnte nicht weinen vor Schmerz; die Hunde lagen um sie, winselten in der Trauer um ihren Herrn und \u00e4chzten. Da erinnerten sie sich an den Topf mit der lebendig machenden Salbe. Schnell liefen sie nach der Stelle, wo der Drache gelegen, fanden hier noch die Scherben und brachten sie, und es war noch so viel Salbe drinnen, da\u00df man den K\u00f6nig bestreichen konnte. Da schlug er wieder die Augen auf und war gesund. Alles war voller Jubel, allein niemand freute sich mehr als die K\u00f6nigin. Als man dem K\u00f6nig sagte, was mit ihm vorgefallen und da\u00df seine Schwester entwichen sei, rief er:<br \/>&#8222;Ja, die b\u00f6se Schlange, das hat sie getan!&#8220; Er lie\u00df sie wieder aufsuchen und ins Waldhaus einsperren bei ihrem toten Kaufmann; da mu\u00dfte sie nun fort an der Leiche sitzen; bis sie verhungerte.<br \/>Es geschah aber, da\u00df die Hunde jetzt vor den K\u00f6nig traten und sprachen: &#8222;Von nun an k\u00f6nnen wir dir nichts weiter n\u00fctzen, haue uns die H\u00e4upter ab.&#8220; \u2014 &#8222;Nein, nie und nimmermehr, das w\u00e4re ein sch\u00f6ner Dank f\u00fcr so treue Dienste!&#8220; Wenn sie ihm auch weiter keinen Dienst mehr erweisen k\u00f6nnten, so wolle er sie doch getreu pflegen bis an ihren Tod. Da baten sie ihn aber so sehr und so lange, da\u00df er gerade den gr\u00f6\u00dften Dank ihnen damit erweise, wenn er ihren Wunsch erf\u00fclle, und so fa\u00dfte er endlich betr\u00fcbten Herzens sein Schwert und hieb jedem das Haupt ab. Siehe, da standen nur einmal drei K\u00f6nigss\u00f6hne: &#8222;Dank dir, du hast uns erl\u00f6st; wir waren so lange verzaubert, bis zum Dank f\u00fcr geleistete Dienste ein junger Held uns das Haupt abschlagen w\u00fcrde, und das hast du getan!&#8220; Damit zog jeder fort in seine Heimat, und so waren jetzt alle froh und zufrieden.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein M\u00fcller und seine Frau starben nacheinander; sie hinterlie\u00dfen aber zwei Kinder, einen Knaben und ein M\u00e4dchen, und diesen zum Erbe nichts andres als eine Ziege und einen Hahn. 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