{"id":823,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=823"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"die-geraubte-koenigstochter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/die-geraubte-koenigstochter\/","title":{"rendered":"Die geraubte K\u00f6nigstochter"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal ein reicher und m\u00e4chtiger K\u00f6nig. Der hatte eine einzige Tochter und die war so sch\u00f6n, da\u00df selbst die zarteste Rose, der wei\u00dfe Schnee und der blaue Himmel vor ihrer Sch\u00f6nheit verbla\u00dften. Wenn sie aus dem Schlosse in den Garten heraustrat, dufteten alle Blumen lieblicher, und die V\u00f6gel sangen ihr zu Ehren wie aus goldenen Kehlen. Eines Tages aber, als die Prinzessin bei der Quelle im Park sa\u00df und mit ihrem goldenen Balle spielte, brach pl\u00f6tzlich ein Drache aus dem Walde hervor, fa\u00dfte die Jungfrau mit seinen Krallen und entf\u00fchrte sie weit \u00fcbers Meer in seine H\u00f6hle. <\/p>\n<p>Nun hielt er sie schon f\u00fcnf Jahre dort gefangen, und hundertmal schon hatte er sie gefragt, ob sie seine Frau werden wolle. Doch ihr graute davor, wie sehr er sie auch bat und sich um sie bem\u00fchte. Neben vielen andern Kostbarkeiten, mit denen er ihr Herz zu gewinnen suchte, schenkte er ihr auch drei prachtvolle Kleider &#8211; die herrlichsten, die es auf der Welt gab: auf dem einen war die Sonne abgebildet, auf dem andern der Mond, auf dem dritten die Sterne. Aber auch damit lie\u00df sie sich nicht verlocken, das Weib des Drachen zu werden. <\/p>\n<p>Eines Tages, es waren gerade sieben Jahre um, verirrte sich ein wandernder Schneidergeselle in diese Gegend und war sehr erstaunt, als er die sch\u00f6ne Frau ganz allein in der Drachenh\u00f6hle antraf. Er fragte, ob sie sich auch verirrt habe wie er. Da sch\u00fcttelte sie traurig den Kopf und erz\u00e4hlte ihm, wer sie sei und wie sie hierher in diese einsame, d\u00fcstere Felsenwildnis gekommen. &#8211; &#8222;O w\u00e4r&#8216; ich doch aus den Klauen des b\u00f6sen Drachen und wieder daheim auf dem v\u00e4terlichen Schlosse!&#8220; klagte die Prinzessin. &#8211; &#8222;Wir wollen miteinander fliehen und deine Heimat suchen, und ich will dich besch\u00fctzen bei Tag und bei Nacht gegen alle Not und Gefahr, die dich bedrohen k\u00f6nnte&#8220;, sagte der Schneidergeselle. Dar\u00fcber war die K\u00f6nigstochter voller Freude und versprach ihm, seine Frau zu werden wenn er sie gl\u00fccklich wieder in ihres Vaters Schlo\u00df zur\u00fcckbringe. Nun pa\u00dften sie auf, zu welcher Zeit der Drache am l\u00e4ngsten ausblieb, und als sie das herausgefunden hatten, flohen sie eines Abends miteinander in aller Heimlichkeit. <\/p>\n<p>Der Schneider hatte die drei sch\u00f6nen Kleider der Prinzessin in seinen Ranzen gesteckt, und so wanderten sie nun eilig dahin, bis sie sicher waren, da\u00df der Drache sie nicht mehr einholen werde. Jetzt endlich g\u00f6nnten sie sich Ruhe, legten sich im Walde nieder und schlie- fen ein. Ihre M\u00fcdigkeit war so gro\u00df, da\u00df sie erst am Morgen des \u00fcbern\u00e4chsten Tages wieder erwachten; nun aber schritten sie r\u00fcstig aus und gelangten bald darauf an den Strand des Meeres. Dort lag gerade ein kleines Schiff vor Anker; das hatte allerhand Waren geladen, die es nach jenem Lande bringen wollte, in dem der Vater der Prinzessin K\u00f6nig war. Aber als das Schiff eine Tagereise weit drau\u00dfen auf dem Meere schwamm, erhob sich ein so gewaltiger Sturm, da\u00df es gegen eine Felseninsel getrieben wurde und zerschellte. Nur wenige Menschen, darunter auch die Prinzessin, konnten in einem Boot gerettet werden, und als am andern Morgen ein fremdes Schiff vor\u00fcberfuhr, nahm es die Verungl\u00fcckten auf und brachte sie wohlbehalten in den sicheren Hafen. Die K\u00f6nigstochter konnte sich aber \u00fcber ihre Rettung doch nicht freuen, war vielmehr betr\u00fcbt und traurig in ihrem Herzen; denn sie dachte nicht anders, als da\u00df der gute Geselle im Meer ertrunken sei. Doch auch er war mit knapper Not mit dem Leben davongekommen. Er hatte sich an den Balkentr\u00fcmmern des gekenterten Schiffes festgehalten, war tagelang von den wilden Wogen umhergetrieben und endlich v\u00f6llig ermattet an ein fremdes Ufer gesp\u00fclt worden. Ein alter Fischer nahm ihn in seiner H\u00fctte auf, gab ihm zu essen und beherbergte ihn eine Woche lang. Dann wies er ihm den Weg in die gro\u00dfe Stadt, die eine Tagereise entfernt am Strome lag. <\/p>\n<p>Wie er nun dort so durch die Stra\u00dfen ging, sah er vor einem Hause das Zunftschild eines Schneiders hangen. Da bekam er pl\u00f6tzlich wieder Lust zu seinem Handwerk, fragte bei dem Meister um Arbeit nach und wurde gleich als Geselle eingestellt. Kaum war er eiin paar Wochen hier, da h\u00f6rte er eines Feierabends einen Herold in den Stra\u00dfen ausrufen, da\u00df der K\u00f6nig demjenigen zehntausend Gulden bezahlen werde, der seiner Tochter binnen drei Monaten drei Kleider zu liefern verm\u00f6ge, auf denen Sonne, Mond und Sterne sich spiegelten. Da fiel dem Schneidergesellen ein, da\u00df er ja noch die drei Kleider der Prinzessin in seinem Ranzen habe und mit ihnen den Beutel voll Gold werde verdienen k\u00f6nnen. &#8211; &#8222;Doch ach&#8220;, dachte er im stillen bei sich, &#8222;nun wird eine andere die drei kostbaren Kleider tragen. Mag sie gleich auch eine K\u00f6nigstochter sein, so ist sie doch nicht die allersch\u00f6nste und liebste, die nun schon lange auf dem k\u00fchlen Meeresgrunde ruht.&#8220; Ging aber doch zu seinem Meister und sagte, er k\u00f6nne die drei Kleider f\u00fcr die Tochter des K\u00f6nigs machen. Dar\u00fcber war der Meister sehr erfreut, meldete dem k\u00f6niglichen Kanzler, da\u00df er mit seinem Gesellen die Kleider anfertigen wolle und erhielt gleich tausend Gulden im voraus. Die gab er dem Gesellen, damit er sich alles kaufen k\u00f6nne, was er n\u00f6tig habe. &#8222;Ja&#8220;, sagte der, &#8222;Geld ist dazu schon n\u00f6tig und nicht wenig!&#8220; und nahm die tausend Gulden mit Dank an. Weil ja aber die Kleider schon fertig waren, konnte er die Goldv\u00f6gel fliegen lassen, wie und wohin es ihn beliebte, ging also ins Wirtshaus, a\u00df und trank mit seinen Freunden nach Herzenslust und fuhr zu jeder Tages- und Nachtzeit in einer vornehmen Kutsche in der Gegend umher. Als der erste Monat beinahe vergangen und weit und breit noch nichts von einem Kleide zu sehen war, wurde dem Meister angst und bange. Er stellte darum den Gesellen zur Rede und sagte: &#8222;\u00dcbermorgen soll das erste Kleid fertig sein, und du hast noch keine Nadel eingef\u00e4delt! Wei\u00dft du, da\u00df es uns den Kopf kostet, wenn das Kleid nicht rechtzeitig abgeliefert wird?&#8220; &#8211; Der aber gab zur Antwort: &#8222;Ich kann nur bei Nacht, wenn ich Wein getrunken habe, an dem Kleid arbeiten, und darum mu\u00df ich den Tag \u00fcber ins Wirtshaus gehen. Und in der Kutsche fahre ich nicht zum Vergn\u00fcgen, sondern um Sonne, Mond und Sterne zu betrachten, damit ich sie sch\u00f6n und natur- getreu widergeben kann. So ist das, Meister! &#8211; und dreinreden lasse ich mir nicht! Basta !&#8220; Am andern Morgen aber \u00fcbergab er dem Meister das erste Kleid, auf dem die Sonne dargestellt war. Der bewunderte und lobte die sch\u00f6ne Arbeit und trug sie eigenh\u00e4ndig ins Schlo\u00df hinauf. Als die Prinzessin das Gewand sah, erkannte sie im Augenblick das Kleid, das der Drache ihr einst geschenkt hatte, und bat den Meister, ihr auch das zweite bald abzuliefern. &#8211; Darauf erhielt er vom Schatzkanzler wieder tausend Gulden ausbezahlt, als Vorschu\u00df f\u00fcr das zweite Kleid. Der Meister gab das Geld dem Gesellen und der machte es kein Haar anders als das erstemal, &#8211; er verjubelte es bis auf den letzten Groschen. Der Monat war wieder gerade zu Ende, als er endlich dem Meister das zweite Kleid \u00fcbergab, das wie der Mond schimmerte. Diesmal freute sich die Prinzessin noch mehr, nahm den Meister beiseite und fragte ihn: &#8222;Habt Ihr selber dieses Kleid gearbeitet?&#8220; Da wurde er unsicher, wich ihrem Blick aus, setzte zum Sprechen an und konnte doch die richtigen Worte nicht finden. &#8211; &#8222;Redet die Wahrheit, Meister! Denn sie wird mir, der Tochter des K\u00f6nigs, doch nicht verborgen bleiben!&#8220; fuhr sie fort. Und da gestand er ihr, da\u00df er vor einem Vierteljahr einen wandernden Gesellen bei sich aufgenommen habe; der habe die beiden Kleider angefertigt, ganz allein und ohne da\u00df er ihm dabei h\u00e4tte zusehen k\u00f6nnen. Da lie\u00df die Prinzessin ihm zweitausend Gulden ausbezahlen, tausend f\u00fcr ihn und tausend f\u00fcr den Gesellen, und verlangte, da\u00df das letzte Kleid der Geselle selber aufs Schlo\u00df bringen solle. Der Monat ging wieder dahin mit Trinkgelagen, Festen und Spazierfahrten, und am letzten Tag machte sich der Schneidergeselle auf den Weg zum Schlo\u00df und \u00fcberbrachte der K\u00f6nigstochter das Sternenkleid. Kaum hatte er einen Schritt \u00fcber die Schwelle ihres Gemachs getan, so hatte die Prinzessin ihn auch schon erkannt, fiel ihm um den Hals und k\u00fc\u00dfte ihn und weinte vor Gl\u00fcck und Wiedersehensfreude. Sie f\u00fchrte ihn zu ihrem greisen Vater, erz\u00e4hlte ihm, wie er sie einst aus der H\u00f6hle des Drachen befreit und wie sie einander auf dem wilden Meere verloren und l\u00e4ngst f\u00fcr tot gehalten h\u00e4tten. Nun aber hatten sie sich wiedergefunden, hielten Hochzeit und wurden nach dem Tode des alten Vaters K\u00f6nig und K\u00f6nigin \u00fcber das ganze, gro\u00dfe Reich.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein reicher und m\u00e4chtiger K\u00f6nig. 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