{"id":822,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=822"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"grimm-der-teufel-und-seine-grossmutter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/grimm-der-teufel-und-seine-grossmutter\/","title":{"rendered":"(Grimm) Der Teufel und seine Gro\u00dfmutter"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein gro\u00dfer Krieg, und der K\u00f6nig hatte viel Soldaten, gab ihnen aber wenig Sold, so da\u00df sie nicht davon leben konnten. Da taten sich drei zusammen und wollten ausrei\u00dfen. Einer sprach zum andern: \u00bbWenn wir erwischt werden, so h\u00e4ngt man uns an den Galgenbaum: wie wollen wir&#8217;s machen?\u00ab Sprach der andere: \u00bbSeht dort das gro\u00dfe Kornfeld, wenn wir uns da verstecken, so findet uns kein Mensch: das Heer darf nicht hinein und mu\u00df morgen weiterziehen. \u00ab Sie krochen in das Korn, aber das Heer zog nicht weiter, sondern blieb rundherum liegen. Sie sa\u00dfen zwei Tage und zwei N\u00e4chte im Korn und hatten so gro\u00dfen Hunger, da\u00df sie beinah gestorben w\u00e4ren; gingen sie aber heraus, so war ihnen der Tod gewi\u00df. Da sprachen sie: \u00bbWas hilft uns unser Ausrei\u00dfen, wir m\u00fcssen hier elendig sterben. \u00ab Indem kam ein feuriger Drache durch die Luft geflogen, der senkte sich zu ihnen herab und fragte sie, warum sie sich da versteckt h\u00e4tten. Sie antworteten: \u00bbWir sind drei Soldaten und sind ausgerissen, weil unser Sold gering war; nun m\u00fcssen wir hier Hungers sterben, wenn wir liegenbleiben, oder wir m\u00fcssen am Galgen baumeln, wenn wir herausgehen. \u00ab \u00bbWollt ihr mir sieben Jahre dienen\u00ab, sagte der Drache, \u00bbso will ich euch mitten durchs Heer f\u00fchren, da\u00df euch niemand erwischen soll. \u00ab \u00bbWir haben keine Wahl und m\u00fcssen&#8217;s annehmen\u00ab, antworteten sie. Da packte sie der Drache in seine Klauen, f\u00fchrte sie durch die Luft \u00fcber das Heer hinweg und setzte sie weit davon wieder auf die Erde; der Drache war aber niemand als der Teufel. Er gab ihnen ein kleines Peitschchen und sprach: \u00bbPeitscht und knallt ihr damit, so wird so viel Geld vor euch herumspringen, als ihr verlangt: ihr k\u00f6nnt dann wie gro\u00dfe Herrn leben, Pferde halten und in Wagen fahren; nach Verlauf der sieben Jahre aber seid ihr mein eigen. Dann hielt er ihnen ein Buch vor, in das mu\u00dften sie sich alle drei unterschreiben. \u00bbDoch will ich euch\u00ab, sprach er, \u00bberst noch ein R\u00e4tsel aufgeben, k\u00f6nnt ihr das raten, sollt ihr frei sein und aus meiner Gewalt entlassen. Da flog der Drache von ihnen weg, und sie reisten fort mit ihren Peitschchen, hatten Geld die F\u00fclle, lie\u00dfen sich Herrenkleider machen und zogen in der Welt herum. Wo sie waren, lebten sie in Freuden und Herrlichkeit, fuhren mit Pferden und Wagen, a\u00dfen und tranken, taten aber nichts B\u00f6ses. Die Zeit verstrich ihnen schnell, und als es mit den sieben Jahren zu Ende ging, ward zweien gewaltig angst und bang, der dritte aber nahm&#8217;s auf die leichte Schulter und sprach: \u00bbBr\u00fcder, f\u00fcrchtet nichts, ich bin nicht auf den Kopf gefallen, ich errate das R\u00e4tsel.\u00ab Sie gingen hinaus aufs Feld, sa\u00dfen da, und die zwei machten betr\u00fcbte Gesichter. Da kam eine alte Frau daher, die fragte, warum sie so traurig w\u00e4ren. \u00bbAch, was liegt Euch daran, Ihr k\u00f6nnt uns doch nicht helfen. \u00ab \u00bbWer wei\u00df\u00ab, antwortete sie, \u00bbvertraut mir nur euern Kummer.\u00ab Da erz\u00e4hlten sie ihr, sie w\u00e4ren des Teufels Diener gewesen, fast sieben Jahre lang, der h\u00e4tte ihnen Geld wie Heu geschafft, sie h\u00e4tten sich ihm aber verschrieben und w\u00e4ren ihm verfallen, wenn sie nach den sieben Jahren nicht ein R\u00e4tsel aufl\u00f6sen k\u00f6nnten. Die Alte sprach: \u00bbSoll euch geholfen werden, so mu\u00df einer von euch in den Wald gehen, da wird er an eine eingest\u00fcrzte Felsenwand kommen, die aussieht wie ein H\u00e4uschen, in das mu\u00df er eintreten, dann wird er Hilfe finden.\u00ab Die zwei traurigen dachten: \u00bbDas wird uns doch nicht retten\u00ab, und blieben sitzen, der dritte aber, der lustige, machte sich auf und ging so weit in den Wald, bis er die Felsenh\u00fctte fand. In dem H\u00e4uschen aber sa\u00df eine steinalte Frau, die war des Teufels Gro\u00dfmutter und fragte ihn, woher er k\u00e4me und was er hier wollte. Er erz\u00e4hlte ihr alles, was geschehen war, und weil er ihr wohl gefiel, hatte sie Erbarmen und sagte, sie wollte ihm helfen. Sie hob einen gro\u00dfen Stein auf, der \u00fcber einem Keller lag, und sagte: \u00bbDa verstecke dich, du kannst alles h\u00f6ren, was hier gesprochen wird, sitz nur still und rege dich nicht; wann der Drache kommt, will ich ihn wegen der R\u00e4tsel befragen: mir sagt er alles; und dann achte auf das, was er antwortet.\u00ab Um zw\u00f6lf Uhr nachts kam der Drache angeflogen und verlangte sein Essen. Die Gro\u00dfmutter deckte den Tisch und trug Trank und Speise auf, da\u00df er vergn\u00fcgt war, und sie a\u00dfen und tranken zusammen. Da fragte sie ihn im Gespr\u00e4ch, wie&#8217;s den Tag ergangen w\u00e4re und wieviel Seelen er kriegt h\u00e4tte. \u00bbEs wollte mir heute nicht recht gl\u00fccken\u00ab, antwortete er, \u00bbaber ich habe drei Soldaten gepackt, die sind mir sicher.\u00ab \u00bbJa, drei Soldaten\u00ab, sagte sie, \u00bbdie haben etwas an sich, die k\u00f6nnen dir noch entkommen.\u00ab Sprach der Teufel h\u00f6hnisch: \u00bbDie sind mein, denen gebe ich noch ein R\u00e4tsel auf, das sie nimmermehr raten k\u00f6nnen. \u00ab \u00bbWas ist das f\u00fcr ein R\u00e4tsel?\u00ab fragte sie. \u00bbDas will ich dir sagen: In der gro\u00dfen Nordsee liegt eine tote Meerkatze, das soll ihr Braten sein; und von einem Walfisch die Rippe, das soll ihr silberner L\u00f6ffel sein; und ein alter hohler Pferdefu\u00df, das soll ihr Weinglas sein. \u00ab Als der Teufel zu Bett gegangen war, hob die alte Gro\u00dfmutter den Stein auf und lie\u00df den Soldaten heraus. \u00bbHast du auch alles wohl in acht genommen?\u00ab \u00bbJa\u00ab, sprach er, \u00bbich wei\u00df genug und will mir schon helfen.\u00ab Darauf mu\u00dfte er auf einem andern Weg durchs Fenster heimlich und in aller Eile zu seinen Gesellen zur\u00fcckgehen. Er erz\u00e4hlte ihnen, wie der Teufel von der alten Gro\u00dfmutter w\u00e4re \u00fcberlistet worden und wie er die Aufl\u00f6sung des R\u00e4tsels von ihm vernommen h\u00e4tte. Da waren sie alle fr\u00f6hlich und guter Dinge, nahmen die Peitsche und schlugen sich so viel Geld, da\u00df es auf der Erde herumsprang. Als die sieben Jahre v\u00f6llig herum waren, kam der Teufel mit dem Buche, zeigte die Unterschriften und sprach: \u00bbIch will euch mit in die H\u00f6lle nehmen, da sollt ihr eine Mahlzeit haben; k\u00f6nnt ihr mir raten, was ihr f\u00fcr einen Braten werdet zu essen kriegen, so sollt ihr frei und los sein und d\u00fcrft auch das Peitschchen behalten. \u00ab Da fing der erste Soldat an: \u00bbIn der gro\u00dfen Nordsee liegt eine tote Meerkatze, das wird wohl der Braten sein.\u00ab Der Teufel \u00e4rgerte sich, machte \u00bbhm! hm! hm!\u00ab und fragte den zweiten: \u00bb Was soll aber euer L\u00f6ffel sein?\u00ab \u00bbVon einem Walfisch die Rippe, das soll unser silberner L\u00f6ffel sein.\u00ab Der Teufel schnitt ein Gesicht, knurrte wieder dreimal \u00bbhm! hm! hm!\u00ab und sprach zum dritten: \u00bbWi\u00dft ihr auch, was euer Weinglas sein soll?\u00ab \u00bbEin alter Pferdefu\u00df, das soll unser Weinglas sein.\u00ab Da flog der Teufel mit einem lauten Schrei fort und hatte keine Gewalt mehr \u00fcber sie; aber die drei behielten das Peitschchen, schlugen Geld hervor, soviel sie wollten, und lebten vergn\u00fcgt bis an ihr Ende.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein gro\u00dfer Krieg, und der K\u00f6nig hatte viel Soldaten, gab ihnen aber wenig Sold, so da\u00df sie nicht davon leben konnten. Da taten sich drei zusammen und wollten ausrei\u00dfen. Einer sprach zum andern: \u00bbWenn wir erwischt werden, so h\u00e4ngt man uns an den Galgenbaum: wie wollen wir&#8217;s machen?\u00ab Sprach der andere: \u00bbSeht dort [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-822","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/822","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=822"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/822\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}