{"id":820,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=820"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"das-zauberross","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/das-zauberross\/","title":{"rendered":"Das Zauberro\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Der Vater war gestorben und hatte seinem Jungen nichts hinterlassen als ein Schwert; damit zog er fort und wollte dienen gehen. Nur einmal begegnete ihm ein alter Mann, der war auf einem Auge blind und sah auch mit dem andern nicht recht, der fragte ihn: &#8222;Wo gehst du hin, Junge?&#8220; &#8212; &#8222;Dienen!&#8220; sprach der Junge. &#8222;Ich brauche gerade so einen; willst du meine Schafe weiden?&#8220; Es war dem Jungen recht, und der Alte nahm ihn mit sich. Als er ihm die Herde \u00fcbergeben, sprach er: &#8222;H\u00fcte dich nur, in jenen Wald zu gehen, denn keiner meiner Knechte ist lebendig herausgekommen.&#8220; Der Junge hielt sich einige Zeit daran; aber bald dachte er bei sich: &#8222;Du mu\u00dft doch einmal sehen, was dort ist; was k\u00f6nnte dir schaden, du hast ja dein gutes Schwert!&#8220; Kaum hatte er den Wald betreten und die gro\u00dfe Herrlichkeit darin angesehen, so kam ein dreih\u00e4uptiger Drache auf ihn [zu] und schrie: &#8222;Menschenkind, wie kommst du herein; kein V\u00f6glein wagt es, meinen Wald zu verunreinigen, willst du ihn mit deinen Schafen ver\u00e4tzen? Du mu\u00dft mit mir schlagen oder ringen, was willst du lieber?&#8220; &#8211; &#8222;Ringen!&#8220; sprach der Junge. Da fa\u00dfte ihn der Drache und schlug ihn bis zu den Knien in den Erdboden. Der Junge fa\u00dfte darauf sein Schwert und hieb dem Drachen die drei H\u00e4upter ab und trug sie nach Hause und hing sie auf die Zaunpf\u00e4hle. &#8222;Was hast du da?&#8220; fragte der Alte, denn er konnte es nicht <br \/>sehen. &#8222;Drei H\u00e4upter von einem Bock, den ich im Walde erschlagen!&#8220; &#8211; &#8222;Du Junge, das mag dir schlecht frommen; gehe nicht mehr in den Wald!&#8220; Aber am anderen Tage trieb die Lust den Knaben noch tiefer hinein; da war es noch stiller und herrlicher; nur einmal kam ein sechsh\u00e4uptiger Drache: &#8222;Ha, Menschenkind, kein V\u00f6glein kommt in unsern Wald, du hast ihn mit deinen Schafen verunreinigt und mir meinen Bruder umgebracht; du mu\u00dft mit mir schlagen oder ringen; was willst du lieber ?&#8220; &#8211; &#8222;Ringen!&#8220; Da fa\u00dfte ihn der Drache und schlug ihn bis an den Nabel in den Erdboden. Der Junge ergriff sein Schwert und hieb dem Drachen alle H\u00e4upter ab und trug sie nach Hause und steckte sie auf die Zaunpf\u00e4hle. &#8222;Was hast du da?&#8220; fragte der Alte. &#8222;Sechs H\u00e4upter von einem Bock, den ich im Wald erschlagen!&#8220; &#8211; &#8222;Das mag dir schlecht frommen, gehe nicht mehr in den Wald!&#8220; Tags darauf hatte der Knabe noch viel gr\u00f6\u00dfere Lust und ging tiefer in den Wald, und es war da noch stiller und herrlicher. Nur einmal kam ein neunh\u00e4uptiger Drache: &#8222;Ha, Menschenkind, kein V\u00f6glein kommt in unsern Wald, du hast ihn verunreinigt und meine Br\u00fcder umgebracht; du mu\u00dft mit mir schlagen oder ringen; was willst du lieber?&#8220; &#8211; &#8222;Ringen!&#8220; Da fa\u00dfte ihn der Drache und schlug ihn bis unter die Achseln in den Erdboden. Der Knabe konnte sein Schwert noch schwingen und hieb dem Drachen alle H\u00e4upter ab, trug sie nach Hause und steckte sie zu den \u00e4ndern auf die Zaunpf\u00e4hle. &#8222;Was hast du da wieder ?&#8220; fragte der Alte. &#8222;Neun H\u00e4upter von einem Bock, den ich im Wald erschlagen!&#8220; &#8211; &#8222;Das mag dir schlecht frommen, gehe nicht mehr in den Wald!&#8220; Aber am folgenden Tag drang der Junge noch tiefer hinein, und es war da noch viel stiller und herrlicher. Nur einmal kam ein zw\u00f6lfh\u00e4uptiger Drache herangefahren: &#8222;Ha, Menschenkind, kein V\u00f6glein kommt in unsern Wald, du hast ihn verunreinigt und meine Br\u00fcder umgebracht; du mu\u00dft mit mir schlagen oder ringen;<br \/>was willst du lieber?&#8220; &#8211; &#8222;Schlagen!&#8220; sprach der Junge; denn er f\u00fcrchtete, der Drache werde ihn bis \u00fcber den Kopf in den Erdboden sto\u00dfen, und dann k\u00f6nne er sein Schwert nicht brauchen. Da schlug der Drache ihn mit seinem Schweif, da\u00df er zw\u00f6lf Klaftern weit fortflog. Jetzt kam aber der Junge mit seinem Schwert herbeigelaufen und hieb dem Drachen elf H\u00e4upter auf einmal ab; bis er das zw\u00f6lfte abschlug, waren die elf andern wieder gewachsen, und wenn er die elf abschlug, wuchs das zw\u00f6lfte wieder. So ging es bis gegen Abend.<br \/>Als aber die Sonne unterging, verlor der Drache alle Kraft, und die des Knaben wuchs, und so schlug er die zw\u00f6lf H\u00e4upter auf einmal ab. Als er nach Hause kam, steckte er sie zu den \u00e4ndern auf die Zaunpf\u00e4hle, und alle Pf\u00e4hle um den Hof waren jetzt besetzt. Da fragte der Alte: &#8222;Was hast du da?&#8220; &#8211; &#8222;Zw\u00f6lf H\u00e4upter von einem Bock, den ich im Wald erschlagen!&#8220; &#8211; &#8222;Das wird dir schlecht frommen, gehe nicht mehr in den Wald!&#8220; Allein jetzt war die Lust und Begierde des Knaben gerade auf das h\u00f6chste gestiegen: &#8222;Was wird noch da sein!&#8220; dachte er und ging am folgenden Tage noch tiefer hinein. Da war es viel stiller und sch\u00f6ner. Nur einmal sah er in der Ferne ein H\u00e4uschen und davor stand eine steinalte Frau, das war die Buschmutter. Er ging zu ihr und gr\u00fc\u00dfte sie freundlich. &#8222;Komm herein!&#8220; sprach die Alte. Da r\u00fchrte sie ihn in ein Zimmer, darin lag ein Toter. &#8222;Das ist mein j\u00fcngster Sohn, den du mir zuerst erschlagen hast!&#8220; Dann kamen sie in ein anders Zimmer:<br \/>&#8222;Hier liegt sein \u00e4lterer Bruder, den du zum zweitenmal erschlugst!&#8220; Sie gingen in das folgende Zimmer: &#8222;Hier liegt dessen \u00e4lterer Bruder, den du zum drittenmal erschlugst!&#8220; Sie kamen in ein anders: &#8222;Hier liegt mein \u00e4ltester Sohn, den du zuletzt erschlugst!&#8220; Sie \u00f6ffnete eine andere T\u00fcre und rief: &#8222;Und dahin kommst du!&#8220; Da wollte sie ihn packen, aber der Knabe erhob sein Schwert und schlug sie gleich zu Boden; doch konnte er sie, wie sehr er auch schlug, nicht verwunden, und die Alte verlachte und verh\u00f6hnte ihn. Wie aber seine rechte Hand erm\u00fcdet war, nahm er das Schwert in die Linke: &#8222;O weh ! O weh!&#8220; schrie sogleich die Alte, &#8222;haue nicht; ich will dir was Heilsames sagen!&#8220; &#8211; &#8222;So sprichst du gleich!&#8220; rief der Junge und hielt das Schwert gez\u00fcckt \u00fcber ihr. Die alte Hexe zitterte und sprach: &#8222;Hinter diesem Hause steht ein Baum, unter dessen Wurzel ist ein m\u00e4chtiger Stein, und darauf liegt eine Kr\u00f6te; nimm diese und bestreiche damit dreimal dem Alten die Augen und schleudre sie ihm zuletzt wider die Stirne, da\u00df sie zerplatzt; so wird er wieder sehen!&#8220; &#8211; &#8222;Ist das alles?&#8220; sprach der Junge. &#8222;Ja!&#8220; sprach die Hexe. Kaum hatte sie es gesagt, so lie\u00df er das Schwert auf sie niederfahren, und ihr Kopf lag gleich auf dem Boden.<br \/>Nun grub er unter dem Baum bis auf den m\u00e4chtigen Stein and die Kr\u00f6te, nahm sie und eilte nach Hause, bestrich dem Alten dreimal die Augen und schleuderte sie ihm dann an die Stirne, da\u00df sie in tausend St\u00fccke zerschmettert wurde, und alsbald waren seine Augen heil, und er sah wie die Sonne. Aus der zerschmetterten Kr\u00f6te war aber auch eine kleine Gestalt hervorgesprungen; diese rief: &#8222;Ich danke dir, da\u00df du mich erl\u00f6st hast; die alte Hexe hat nicht alles gesagt; ich mu\u00dfte, in die garstige Kr\u00f6te verschlossen, auf dem Schatz der Drachenbr\u00fcder liegen und ihn bewachen!&#8220; Damit schl\u00fcpfte sie in eine Bergspalte. Nun sah der Junge gleich nach und fand richtig unter dem m\u00e4chtigen Stein den unerme\u00dflichen Schatz. &#8222;Lasse den Schatz da&#8220;, sprach der Alte, &#8222;den kannst du jederzeit heben; allein ich gebe dir eine k\u00f6stlichere Gabe daf\u00fcr, da\u00df du mir das Licht der Augen zur\u00fcckgegeben, das mir die alte Hexe genommen hatte! Nimm das Ro\u00df aus meinem Stall, damit reite in die Welt, denn du bist noch jung.&#8220; <br \/>Das Ro\u00df aber war kein gew\u00f6hnliches; es hatte acht F\u00fc\u00dfe und war wundersch\u00f6n, aber das Beste an ihm war, da\u00df es sprechen konnte und gro\u00dfe Weisheit besa\u00df. Der Junge war sehr froh, setzte sich gleich auf und ritt in die Welt. Wie er ein St\u00fcck geritten war, sah er auf der Erde eine kupferne Feder liegen. &#8222;Die mu\u00dft du aufheben!&#8220; sprach das Ro\u00df; der Junge tat es; ein wenig weiter lag eine silberne Feder und noch ein wenig weiter eine goldne. Auch diese hob er auf, wie ihn das Ro\u00df gehei\u00dfen hatte.<br \/>Nun gelangte er bald in die gro\u00dfe Stadt, wo der K\u00f6nig wohnte; er ging an den Hof und fragte, ob man keinen Knecht brauche, er wolle gerne dienen mit seinem Ro\u00df. Der K\u00f6nig nahm ihn an. Nach einiger Zeit machte man eine gro\u00dfe Jagd; da erjagte der Junge eine Menge Wild, denn mit seinem Ro\u00df konnte er alles ereilen. Das gefiel nun dem K\u00f6nig so sehr, da\u00df er den Jungen lieb gewann vor den \u00e4ndern Knechten; diese aber \u00fcberkam der Neid, und sie dachten darauf, wie sie ihren Kameraden verderben k\u00f6nnten. Der Junge hatte dem K\u00f6nig die kupferne, silberne und goldene Feder geschenkt. Da gingen eines Tages die \u00e4ndern Knechte zu ihrem Herrn und sagten: &#8222;Der Jungknecht hat sich ger\u00fchmt: ja es w\u00e4re ihm ein leichtes, auch die drei V\u00f6gel zu bekommen, von denen die Federn w\u00e4ren.&#8220; Den K\u00f6nig \u00fcberkam sogleich die Lust und Begierde, die V\u00f6gel zu besitzen; er lie\u00df den Jungen rufen und sagte:<br \/>&#8222;Wenn du mir in drei Tagen die V\u00f6gel nicht zur Stelle schaffst, so ist es aus mit deinem Leben!&#8220; Da war der Junge traurig und wu\u00dfte sich nicht zu helfen. Wie er in den Stall trat, fragte ihn sein Ro\u00df: &#8222;Warum bist du so traurig?&#8220; Da erz\u00e4hlte es der Junge. &#8222;Gehe zum K\u00f6nig&#8220;, sprach das Ro\u00df, &#8222;und verlange von ihm einen kupfernen, silbernen und goldnen Vogelkorb.&#8220;<br \/>Als er die drei K\u00e4fige hatte, sprach das Ro\u00df weiter: &#8222;Jetzt setze dich auf mich und reite ins Feld&#8220;, und wie sie dort angelangt waren, sprach es wieder. &#8222;Nun rufe einmal nach allen vier Weltgegenden:, V\u00f6gel her!'&#8220; Kaum war das geschehen, so kamen eine Menge V\u00f6gel von allen Seiten herbei und auch der Vogelk\u00f6nig erschien und fragte den Jungen, was er befehle. &#8222;Kannst du mir nicht sagen, wo die drei V\u00f6gel zu finden, von denen diese Federn sind &#8222;- &#8222;Die geh\u00f6ren nicht meinem Reiche an&#8220; sprach der Vogelk\u00f6nig, &#8222;gleich will ich aber bei meinem Volke fragen, ob niemand Bescheid wei\u00df.&#8220; Aber kein Vogel konnte Auskunft geben. &#8222;Fehlt niemand?&#8220; fragte der K\u00f6nig. Als man jetzt nachz\u00e4hlte, so fehlten drei V\u00f6gel, die kamen eben herbeigeflogen und waren sehr m\u00fcde. &#8222;Wir h\u00f6rten wohl den Ruf, aber wir konnten nicht so leicht kommen; denn wir waren am Weitende!&#8220; sprachen sie und erz\u00e4hlten nun von den Wunderdingen, die sie gesehen, der eine vom kupfernen Drachen und kupfernen Vogel, der andere vom silbernen Drachen und silbernen Vogel und der dritte vom goldnen Drachen und vom goldnen Vogel, wie die Drachen sich gesonnt und wie die drei V\u00f6gel sie in den Schlummer gesungen h\u00e4tten.<br \/>Das war dem Jungen sehr angenehm zu h\u00f6ren, und der Vogelk\u00f6nig befahl, da\u00df die drei ihm den Weg zeigen sollten. Auf seinem schnellen Ro\u00df war er bald an Ort und Stelle, und mit seinem Schwert erschlug er die Drachen alsbald, und der kupferne und silberne und goldne Vogel lie\u00dfen sich leicht fangen. Der K\u00f6nig freute sich sehr, als der Junge ihm nur einmal die V\u00f6gel brachte, und von da an liebte er ihn noch viel mehr; aber die anderen Knechte wurden um so neidischer und falscher und suchten immer, wie sie ihn verderben k\u00f6nnten. Da sprachen sie eines Tages wieder zum K\u00f6nig: &#8222;Der Jungknecht hat sich ger\u00fchmt, es sei ihm ein leichtes, die sch\u00f6ne Meerjungfrau seinem Herrn zu verschaffen.&#8220; Den K\u00f6nig ergriff sogleich ein unendliches Verlangen, das sch\u00f6ne Weib zu besitzen; er lie\u00df den Knaben vor sich kommen und sprach: &#8222;Wenn du in drei Tagen mir nicht die sch\u00f6ne Meerjungfrau bringst, so hat dein Leben ein Ende; bringst du sie aber, so sollst du mein halbes K\u00f6nigreich und meine Schwester zum Weibe bekommen!&#8220; Der Junge freute sich \u00fcber das letzte, wie er aber an das erste, an den schweren Auftrag dachte, ward er sehr betr\u00fcbt. Da fragte ihn wieder sein Ro\u00df, warum er so traurig sei. Er erz\u00e4hlte ihm&#8217;s. &#8222;Gehe hin zum K\u00f6nig und verlange von ihm ein ganz wei\u00dfes Brot und eine Flasche vom besten Wein.&#8220; <br \/>Als der Junge das Brot und den Wein brachte, sprach das Ro\u00df wieder: &#8222;Nun setze dich auf mich und reite zum Meere !&#8220; Als sie da anlangten, sagte es weiter: &#8222;Jetzt lege Brot und Wein ans Ufer, sobald das Meer dann anf\u00e4ngt zu steigen, wird die Meeresjungfrau kommen und vom Brot essen und vom Wein trinken. Sobald das geschehen, rufe gleich aus dem Versteck: &#8222;Gesehen, gefangen!&#8220; aber ja nicht eher, als bis sie gegessen und getrunken, denn es w\u00e4re dann umsonst und sie verschw\u00e4nde schnell in der Flut, aber ja fr\u00fcher, als bis ihren Fu\u00df wieder die Welle genetzt hat. Dann ist sie gebannt und mu\u00df uns zu Hofe nachfolgen.&#8220; <br \/>Also tat der Knabe, wie ihn das weise Ro\u00df gelehrt hatte. Die Jungfrau kam langsam, sah zuerst genau um sich, horchte, endlich trat sie aus dem Wasser ans Ufer, nahm von dem Brot und trank von dem Wein, und schon wollte sie zur\u00fcck; nun erscholl der Ruf: &#8222;Gesehen, gefangen!&#8220; Da stand sie bleich und festgebannt, und der Junge mit dem Ro\u00df sprang schnell hervor, gr\u00fc\u00dfte sie sch\u00f6n und bat sie zu folgen, denn sie solle die Gemahlin seines K\u00f6nigs werden. Die Jungfrau folgte, weil sie mu\u00dfte, aber sie trug mit sich gro\u00dfen Zorn. Als der K\u00f6nig sie sah, gr\u00fc\u00dfte er sie fein und freute sich sehr und h\u00e4tte gerne bald Hochzeit gehalten; allein die Meerjungfrau blickte finster und sprach: &#8222;Zuerst mu\u00dft du mir noch meinen Fohlenhengst und mein Gest\u00fcte hieher schaffen.&#8220; Da ging der K\u00f6nig wieder zum Knaben und sagte: &#8222;Hast du mir die Meerjungfrau gebracht, so mu\u00dft du mir auch ihren Fohlenhengst und ihr Gest\u00fcte hieher r\u00fchren, sonst hat dein Leben ein Ende; ist das aber vollbracht, so will ich nichts mehr von dir verlangen, und dann sollst du den versprochenen Lohn haben!&#8220;<br \/>Der Knabe ward wieder ganz betr\u00fcbt, und wie er so in den Stall kam, fragte ihn wieder sein Ro\u00df, was ihm fehle. Er erz\u00e4hlte ihm von dem neuen Auftrag, &#8222;Gehe zum K\u00f6nig und verlange von ihm zw\u00f6lf B\u00fcffelh\u00e4ute und zw\u00f6lf Pfund Harz, dann klebe diese zusammen und \u00fcberziehe mich damit.&#8220; Als das geschehen war, sprach das Ro\u00df weiter: &#8222;Jetzt sitze auf mich und ziehe ans Meer!&#8220; Als sie da angekommen waren, sprach das Ro\u00df wieder: &#8222;Jetzt nimm meinen Halfter und verkrieche dich; dann will ich den Hengst herbeilocken und mit ihm k\u00e4mpfen; wenn du siehst, da\u00df er zur Erde f\u00e4llt, so komme und lege ihm den Halfter an.&#8220; Kaum hatte sich der Junge versteckt, so stampfte das Ro\u00df und wieherte. Nur einmal kam der Fohlenhengst herbeigerannt und schnaubte Feuer und Flammen; da fing der Kampf an; er durchbi\u00df ein B\u00fcffelfell nach dem andern, als er aber das zw\u00f6lfte durchbissen hatte, sank er vor Ermattung nieder; jetzt lief der Junge hinzu und legte ihm den Halfter an. &#8222;Nun schnell auf und davon!&#8220; fl\u00fcsterte ihm sein Ro\u00df zu. Der Junge schwang sich auf, und der Fohlenhengst mu\u00dfte aufstehen und nachfolgen. Da stampfte er einmal gewaltig und wieherte so laut, da\u00df es dem Jungen durch Mark und Bein ging. Nach einiger Zeit sprach das Ro\u00df : &#8222;Sieh zur\u00fcck, merkst du nichts?&#8220; &#8211; &#8222;Ich sehe eine Wolke aufsteigen.&#8220; &#8211; &#8222;Das ist das Gest\u00fct, wenn das uns erreicht, so sind wir verloren, denn wir werden von ihm zertreten!&#8220; Da stampfte der Fohlenhengst noch einmal und wieherte. &#8222;Siehe zur\u00fcck!&#8220; sprach das Ro\u00df. &#8222;Ich sehe schon die vielen Pferdeh\u00e4upter!&#8220; Da rannten sie aus allen Kr\u00e4ften, und als sie durchs Schlo\u00dftor zogen, so stampfte der Fohlenhengst zum drittenmal und wieherte. Alsbald waren auch die Stuten da und kamen in den Schlo\u00dfhof. <br \/>Der Junge aber hatte sein Ro\u00df schnell in den Stall gebunden und hatte dem K\u00f6nig die Nachricht gebracht, der Auftrag sei vollf\u00fchrt; der freute sich sehr; die Meerjungfrau jedoch sah noch viel wilder und entsetzlicher aus als fr\u00fcher. &#8222;Bis du nicht alle Stuten gemolken und in der siedenden Milch dich gebadet hast, werde ich dein Weib nicht!&#8220; Da kam der K\u00f6nig wieder zum Knaben und sprach: &#8222;Melke die Stuten sogleich in einen gro\u00dfen Kessel, und wenn du es nicht tust, so ist dein Leben am Ende.&#8220; &#8211; &#8222;O K\u00f6nig&#8220;, sprach der Junge, &#8222;h\u00e4ltst du so dein Versprechen?&#8220; Er ward traurig, ging in den Stall und klagte seinem Ro\u00df. &#8222;Was gibt es denn wieder?&#8220; fragte dieses. Er sagte ihm vom neuen Auftrag. &#8222;F\u00fchre mich in den Hof, so wirst du gleich melken k\u00f6nnen!&#8220; Kaum war das geschehen, blies das Ro\u00df aus seinem linken Nasenfl\u00fcgel solche K\u00e4lte heraus, da\u00df die F\u00fc\u00dfe der Stuten an die Erde anfroren; so molk der Knabe leicht, denn die Stuten standen ruhig wie L\u00e4mmer. <br \/>Als der Kessel voll war, machte man Feuer darunter, und als die Milch siedete, zitterte der K\u00f6nig, denn er merkte, es k\u00f6nne sein Leben kosten. Da rief die Meerjungfrau: &#8222;Der Knecht soll zuerst baden, der mich und meinen Fohlenhengst und mein Gest\u00fct hieher gebracht hat!&#8220; Denn sie ha\u00dfte ihn deshalb und wollte ihn zuerst verderben. &#8222;Ja&#8220;, rief der K\u00f6nig, &#8222;nur schnell, steige hinein.&#8220; Der Junge dachte: &#8222;Nun ist es aus mit dir&#8220;, und war ganz niedergeschlagen; &#8222;lasse mich nur einmal noch mein Ro\u00df sehen!&#8220; Das wurde ihm gestattet. Als er hinkam, sagte ihm das Ro\u00df: &#8222;F\u00fchre mich nur zum Rande des Kessels und f\u00fcrchte dich dann nicht.&#8220; Also tat der Knabe, und sowie er in den Kessel stieg, blies das Ro\u00df auf einmal so viel K\u00e4lte hinein, da\u00df die Milch lauwarm wurde; es d\u00fcnkte ihn sehr gut, und er rief: &#8222;Wie tut das so wohl!&#8220; Als der K\u00f6nig sah, da\u00df sein Knecht unversehrt blieb, bekam er Mut und sprach: &#8222;Heraus mit dir, da\u00df ich jetzt einsteige.&#8220; Kaum war der Junge heraus, so war auch der K\u00f6nig schon drinnen, und das Bad schien ihm angenehm. Aber nun bliss das Ro\u00df aus dem rechten Nasenfl\u00fcgel auf einmal so viel Glut in den Kessel, da\u00df die Milch gleich hoch aufsiedete und der K\u00f6nig verbrannte. <br \/>Da l\u00e4chelte die Meerjungfrau und dachte, der Junge werde nun ihr Gemahl werden, doch er ging hin und nahm. die Schwester des K\u00f6nigs; die stolze Meerjungfrau aber, die ihn hatte verderben wollen, machte er zu ihrer Dienstmagd. Als er nun Herr und K\u00f6nig war, sagte das Ro\u00df zum Jungen: &#8222;Noch einen Dienst kann ich dir tun, setze dich auf mich und nimm den Fohlenhengst und alle Stuten und bringe dir den Schatz her.&#8220; Da zog der Knabe hin und brachte den unerme\u00dflichen Schatz, der unter dem Baum lag. Als das geschehen war, sprach das Ro\u00df; &#8222;Von nun an bedarfst du meiner nicht&#8220;, und verschwand vor den Augen des Jungen. Wahrscheinlich zog es wieder zu jenem alten Mann, seinem Herrn; die Meerjungfrau aber, ihren Fohlenhengst und ihre Stuten behielt der neue K\u00f6nig immerfort in seinem Dienst und war reich und m\u00e4chtig, gl\u00fccklich und zufrieden. <\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Vater war gestorben und hatte seinem Jungen nichts hinterlassen als ein Schwert; damit zog er fort und wollte dienen gehen. Nur einmal begegnete ihm ein alter Mann, der war auf einem Auge blind und sah auch mit dem andern nicht recht, der fragte ihn: &#8222;Wo gehst du hin, Junge?&#8220; &#8212; &#8222;Dienen!&#8220; sprach der Junge. 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