{"id":818,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=818"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"aschenhans-und-der-urlindwurm-sigrid-frueh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/aschenhans-und-der-urlindwurm-sigrid-frueh\/","title":{"rendered":"Aschenhans und der Urlindwurm (Sigrid Fr\u00fch)"},"content":{"rendered":"<p>Es lebte einmal ein Bauer auf Leegarth, der hatte sieben S\u00f6hne und eine Tochter. Der j\u00fcngste Sohn aber wurde nur der Aschenhans genannt. Den ganzen Tag ging er in abgerissenen Kleidern und reit ungek\u00e4mmtem Haar umher, aus dem jeder Windsto\u00df eine Aschenwolke blies. Sogar nachts schlief er in der Asche. Aschenhans n-iu\u00dfte tagein, tagaus den Boden fegen, Torf f\u00fcr das Feuer holen und alle niedrigen Arbeiten verrichten. Von seinen Br\u00fcdern erhielt er oft Schl\u00e4ge und b\u00f6se Worte, sie verlachten und verspotteten ihn. Nur seine Schwester hatte ihn von Herzen lieb. Sie lauschte gerne den Geschichten von Helden, Riesen und Trollen, die er so gut wie kein anderer zu erz\u00e4hlen wu\u00dfte. Eines Tages geschah es, da\u00df des K\u00f6nigs Boten zu dem Bauern kamen und ihre sagten, er solle seine T\u00f6chter an des K\u00f6nigs Hof senden, auf da\u00df sie dessen einziger Tochter als Magd und Gef\u00e4hrtin diene. So wurden dem M\u00e4dchen die besten Kleider angelegt, und dann ritt sie mit den Boten fort. Von da an sprach Aschenhans kaum mehr ein Wort, und er lie\u00df traurig den Kopf h\u00e4ngen. Als eine Zeit vergangen war, breitete sich unheilvolle Kunde im Lande aus, Es hie\u00df, der gro\u00dfe Lindwurm n\u00e4here sich der K\u00fcste. Diese Nachricht lie\u00df selbst die K\u00fchnsten unruhig werden. Wahrhaftig reckte das Untier schon sein Haupt gegen das Ufer, ri\u00df seinen greulichen Rachen auf und g\u00e4hnte schrecklich. Als der Lindwurm das Maul wieder schlo\u00df, da erbebte die Erde. Dies tat er, um zu zeigen, er werde das Land vernichten, wenn man ihm nichts zu fressen g\u00e4be.<br \/>Dieser Lindwurm war der gr\u00f6\u00dfte und erste, der Vater von allen \u00dcbrigen, deshalb hie\u00df er der Urlindwurm. Er konnte mit seinem giftigen Atem jede lebende Kreatur, die er anhauchte, t\u00f6ten und alles, was wuchs und gr\u00fcnte, verdorren lassen, Furcht befiel jedes Herz, und Klagen erhoben sich im ganzen Land.<br \/>Drei Tage lang berieten der K\u00f6nig und das Thing, was in dieser grollen Not zu tun sei. Keiner aber wu\u00dfte einen Weg dem Untier ZU entkommen. Nun gab es in dein K\u00f6nigreich einen m\u00e4lchtigen Zauberer, von dem die Leute sagten, da\u00df er um alle Dingo wisse. Der K\u00f6nig allein hielt ihn f\u00fcr einen hinterlistigen R\u00e4nkeschmied und mi\u00dftraute ihm aus ganzer Seele,<br \/>Als das Thing nun Weder ein noch aus wu\u00dfte, trat auf einmal die K\u00f6nigin in die Versammlung.<br \/>Sie war herrschs\u00fcchtig, kalt und b\u00f6se, und sie sprach. Ihr seid alle tapfere M\u00e4nner und k\u00fchne Krieger, solange ihr nur sterblichen Gegnern gegen\u00fcbersteht. jetzt aber steht ein Feind vor euch, der eurer Kraft spottet, denn vor ihm sind eure Waffen wie Stroh. Nicht durch Schwert und Speer kann dieses Ungeheuer \u00fcberwunden werden, sondern nur durch Zaubermittel. Ihr solltet euch Rat holen bei denn gro\u00dfen Zauberer, der von allen diesen Dingen wei\u00df. Denn Klugheit siegt, wo Kraft und St\u00e4rke versagen.&#8220;<br \/>Also wurde der Zauberer gerufen. Er sah h\u00e4\u00dflich aus wie ein Gespenst, und sein Anblick war furchterregend. Ernst sei die Frage, und schwierig sei sie zu beantworten, sagte er zu den M\u00e4nnern des Things, doch werde er am folgenden Tage bei Sonnenaufgang seinen Rat mitteilen.<br \/>Am n\u00e4chsten Morgen gab der Zauberer bekannt, es g\u00e4be nur einen einzigen Weg, den gro\u00dfen Lindwurm zufriedenzustellen und das Land zu retten. Es m\u00fc\u00dften ihm einmal in der Woche sieben Jungfrauen zum fra\u00df vorgeworfen werden. Wenn dieses Mittel nicht ausreiche, dann bliebe nur<br \/>noch ein weiteres, das aber sei so furchtbar, da es gar nicht ausgesprochen werden d\u00fcrfe, es sei denn, das andere versage.<br \/>So sprach der Zauberer, und sein Rat wurde angenommen und als Gesetz, verk\u00fcndet. Jeden Samstag wurden sieben M\u00e4dchen gebunden auf einen Felsen gelegt, und das Untier streckte seine Lange Zunge heraus und schlang sie alle in seinen furchtbaren Rachen. Eines Samstags stiegen die Leute von Leegarth auf einen H\u00fcgel, und sie sahen, wie der gro\u00dfe Lindwurm sieben<br \/>Jungfrauen mit flaut und Haaren auffra\u00df. Da weinten die Frauen, und die Gesichter der M\u00e4nner wurden grau. W\u00e4hrend alle jammerten und klagten, ob es denn keine andere Rettung f\u00fcr das Land g\u00e4be, erhob sich Aschenhans und sprach: &#8222;Ich bin bereit, mit dem Drachen zu k\u00e4mpfen, denn ich f\u00fcrchte den Tod nicht.&#8220; Da gab ihm sein \u00e4ltester Bruder einen schrecklichen Hieb und befahl ihm, sich nach Hause zu scheren in sein Aschenloch. Aschenhans aber wiederholte seine Worte. Dar\u00fcber gerieten die Br\u00fcder in so gro\u00dfen Zorn, da\u00df sie mit Steinen nach ihm warfen, bis er davonlief. Zur Nachtzeit bekamen sie ihn in der Scheune zu fassen und h\u00e4tten ihn im Stroh erstickt, wenn nicht der Vater zu Hilfe gekommen w\u00e4re.<br \/>Aschenhans aber sprach: &#8222;Du h\u00e4ttest mir nicht helfen m\u00fcssen, Vater, denn mit Leichtigkeit h\u00e4tte ich mich meiner Br\u00fcder erwehren k\u00f6nnen, wenn ich es nur gewollt h\u00e4tte.&#8220;<br \/>Da lachten sie alle und fragten voller Hohn. &#8222;Und warum hast du es dann nicht versucht?&#8220;<br \/>&#8222;Weil ich all meine Kraft f\u00fcr den Kampf mit dem Urlindwurm aufsparen will&#8220;, antwortete Aschenhans. Darauf hielten sie sich vor Lachen den Bauch, und der Mater sagte: &#8222;Du wirst mit dem gro\u00dfen Lindwurm k\u00e4mpfen, wenn ich L\u00f6ffel aus den H\u00f6rern des Mondes mache!<br \/>\u00dcberall aber im Land erhob sich gro\u00dfe Trauer und Wehklagen \u00fcber den Tod so vieler Jungfrauen. Die Leute sagten, es werde bald keine Frau mehr sein, um Kinder zu geb\u00e4ren.<br \/>Also wurde wiederum das Thing einberufen, und die M\u00e4nner riefen nach dem Zauberer und begehrten auch, das zweite Mittel zu erfahren. Der Zauberer reckte seine h\u00e4\u00dfliche Gestalt. Der Bart hing ihm bis zu den Knien, und sein Haar war wie ein Mantel um ihn. Und er sprach: &#8222;Mit der gr\u00f6\u00dften Trauer spreche ich es aus, es gibt nur ein einziges Heilmittel. Oh, da\u00df ich nie geboren w\u00e4re oder doch nicht so lange gelebt h\u00e4tte, um den Tag zu sehen, an dem ich hier stehe, dieses Heilmittel zu verk\u00fcnden. Des K\u00f6nigs ein zige Tochter Gemdelovely mu\u00df dem Lindwurm geopfert werden. Dann erst wird das Ungeheuer unser Land verlassen.&#8220;<br \/>Lange Zeit schwiegen alle Versammelten. Endlich erhob sich der K\u00f6nig kummervoll, doch gro\u00df und aufrecht, und er sprach: &#8222;Gemdelovel ist mein einziges Kind. Sie ist das Liebste, was ich auf Erden habe. Sie sollte einmal mein Reich erben, Wenn aber ihr Tod das Land retten kann, so soll sie sterben. Es ist wohl ihre Pflicht, als die Letzte aus denn \u00e4ltesten Geschlecht des Landes ihr Leben f\u00fcr ihr Volk hinzugeben.&#8220;<br \/>Da erhob sich der \u00c4lteste des Thing und fragte, ob dies der Wille aller sei. Keiner sprach, aber alle hoben sie die Hand. Sie taten es in gro\u00dfem Kummer, denn Gemdelovely wurde von allen geliebt. Darauf sprach des K\u00f6nigs Waffenmeister: &#8222;Wenn das Untier auch dann nicht das Land verl\u00e4\u00dft, nachdem es die Prinzessin verschlungen hat, so soll der Zauberer das n\u00e4chste Opfer sein.&#8220;<br \/>Dem stimmten alle mit Beifallsrufen zu.Bevor der Spruch des Things verk\u00fcndet wurde, bat der K\u00f6nig um einen Aufschub von drei Tagen. Dies Wurde gew\u00e4hrt. Dann gab der \u00c4lteste den Spruch des Things bekannt. Leer K\u00f6nig sandte Boten in alle Lande, um kundzutun, da\u00df derjenige, dem es gel\u00e4nge, den Lindwurm mit Waffengewalt oder List aus denn Lande zu bringen, Gemdelovely zur Frau bek\u00e4me. Obendrein solle er das K\u00f6nigreich erben und das Schwert Sicherbei\u00dfer, mit dem der gro\u00dfe Oddie seine Feinde besiegt und ans andere Ende der Welt getrieben hatte. <br \/>Manch ein F\u00fcrst und gro\u00dfer Streiter hielt diesen dreifachen Preis wohl wert. Aber die Gefahr, die dem drohte, der diese drei gewinnen wollte, die wollte keiner auf sich nehmen. Und auch des K\u00fchnsten Herr erstarrte vor Furcht. Als der Bauer von Leegarth vom Thing zur\u00fcckkam mit der Kunde, da\u00df die sch\u00f6ne Gemdelovely dem Untier vor geworfen werden sollte, hob ein gro\u00dfes Jammern und Klagen an, denn alle Menschen, au\u00dfer der K\u00f6nigin, die ihre Stiefmutter war, liebten die Prinzessin. Aschenhans aber schwieg.Sechsunddrei\u00dfig gro\u00dfe Helden kamen zum Haus des K\u00f6nigs in der Hoffnung, den Preis zu gewinnen. Aber zw\u00f6lf von ihnen fielen in Ohnmacht, als sie den Lindwurm erblickten, zw\u00f6lf weitere waren so entsetzt, da\u00df sie heim liefen in ihr eigenes Land. Zw\u00f6lf schlie\u00dflich blieben am Hofe des K\u00f6nigs, aber Herz und Mut waren ihnen tief gesunken.<br \/>Am Vorabend des Tages, an dem die Prinzessin geopfert werden sollte, gab der K\u00f6nig f\u00fcr die zw\u00f6lf Helden und seine M\u00e4nner ein gro\u00dfes Mahl. Doch Trauer hatte alle er fa\u00dft, und so wurde wenig gegessen und noch weniger gesprochen. Wenn sie auch dem Wein zusprachen, so war doch keinem nach Scherzen zumute. Der K\u00f6nig aber verbarg sein Antlitz vor ihnen. Als sich alle bis auf den K\u00f6nig und seinen Waffenmeister zur Ruhe begeben hatten, \u00f6ffnete der K\u00f6nig seine gro\u00dfe Truhe und nahm das Schwert Sicherbei\u00dfer in seine H\u00e4nde. &#8222;Warum nehmt Ihr Sicherbei\u00dfer aus der Truhe?&#8220; fragte der Waffenmeister, &#8222;morgen werden es vier mal zwanzig und sechzehn Jahre, da\u00df Ihr in die Welt kamt, und manche heldenhafte Tat habt Ihr getan in dieser Zeit. Aber die Tage, da Ihr in den Kampf zogt, sind vor\u00fcber. La\u00dft Sicherbei\u00dfer ruhen, mein Herr und K\u00f6nig. Ihr seid zu alt, seine Klinge jetzt noch zu schwingen.&#8220; &#8222;Schweig! sprach der K\u00f6nig, &#8222;oder ich werde meine Kraft an deinem Leibe versuchen. Glaubst du, da\u00df ich, der ich von dem gro\u00dfen Oddie abstamme, ertragen k\u00f6nnte, da\u00df mein einziges Kind von einem Ungeheuer verschlungen wird und ich keinen Streich wagte f\u00fcr mein eigen Fleisch und Blut? Ich sage dir, und ich schw\u00f6re es dir reit meinem Daunen kreuzweise auf Sicherbei\u00dfers Spitze : dieses gute Schwert und ich, wir werden untergehen, ehe meine Tochter stirbt. Und nun, mein treuer Waffenmeister, begib dich beim ersten Hahnenschrei eilends hinunter ans Meeresufer. Bringe mein Boot zu Wasser, richte den Mast auf, halte die Segel bereit und wende den Bug seew\u00e4rts. Bewache es gut, bis ich komme. Dies wird der letzte Dienst sein, den du mir erweisen kannst. Schlafe nun wohl, mein alter Freund und Gef\u00e4hrte.&#8220; Auch auf Leegarth traf man Vorbereitungen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag, denn alle sollten hingehen am n\u00e4chsten Morgen, den Tod Gemdelovelys mitanzusehen, alle, au\u00dfer Aschenhans, der mu\u00dfte zu Hause bleiben und die G\u00e4nse h\u00fcten. wie er nun in der Asche lag, bedr\u00fcckten ihn so viele Gedanken, und es wollte kein Schlaf \u00fcber ihn kommen. Da h\u00f6rte er Vater und Mutter auf ihrem Lager miteinander sprechen. Er h\u00f6rte, wie die Mutter sagte : &#8222;So wollt ihr also morgen alle hingehen und zusehen, wie die Prinzessin aufgefressen wird?&#8220; &#8222;Ja, wahrhaftig, Frau und du sollst auch mitkommen. Du sollst hinter mir auf Teetang reiten, auf dem schnellsten Pferd im Lande, und keiner wird uns zuvorkommen.&#8220; Da antwortete sinnend die Frau: &#8222;Ich habe manchmal gedacht, du liebst mich doch nicht so sehr, wie ein Mann seine Frau lieben soll.&#8220;&#8220;Wie kannst du einen solchen Gedanken hegen&#8220;, rief der Mann, &#8222;habe ich jemals etwas getan oder gesagt, das dich glauben machen k\u00f6nnte, ich liebte dich nicht mehr als alle anderen Frauen auf Erden ?&#8220; &#8222;Nicht, was du sagst, sondern was du nicht sagst, l\u00e4\u00dft mich an deiner Liebe zweifeln. Seit f\u00fcnf Jahren schon habe ich dich wieder und wieder gebeten, mir zu sagen, wie du Teetong zu so schnellem Lauf antreibst, da\u00df er jedes andere Pferd im Lande schl\u00e4gt, aber ich k\u00f6nnte ebensogut den Stein in der Mauer fragen. Ist das ein Zeichen wahrer Liebe?&#8220; Nun , liebes Weib&#8220;, antwortete der Mann, &#8222;wenn dich dies so sehr bedr\u00fcckt, so will ich dir das Geheimnis verraten. Wenn ich will, da Teetong stillsteht, gebe ich ihm einen Schlag auf die linke Schulter, wenn ich will, da\u00df er recht schnell geht, gebe ich ihm zwei Schl\u00e4ge auf die rechte Schulter, Soll er aber aus Leibeskr\u00e4ften rennen, dann blase ich durch die Luftr\u00f6hre einer Gans. Ich habe stets ein solches St\u00fcck Drossel in meiner rechten Rocktasche, auf da\u00df es notfalls zur Hand ist. Wenn Teetang meinen Pfiff h\u00f6rt, dann l\u00e4uft er wie der Wind. So, nun wei\u00dft du alles. La\u00df uns noch ein wenig schlafen, denn es ist schon sp\u00e4t.&#8220; Aschenhans aber hatte alles geh\u00f6rt. Er wartete, bis die Eltern eingeschlafen waren. Dann aber hielt es ihn nicht mehr auf seinem Lager. Er nahm die G\u00e4nsedrossel heimlich aus seines Vaters Rocktasche und schlich sich in den Stall. Dort z\u00e4umte er Teetang und f\u00fchrte ihn hinaus. Aschenhans schwang sich in den Sattel und gab dem Pferd zwei Schl\u00e4ge auf die rechte Schulter. Da scho\u00df es wie ein Pfeil davon und wieherte dabei laut. Davon erwachte der Bauer. Er weckte eilends seine S\u00f6hne, und sie sch rangen sich auf ihre Pferde und galoppierten hinter Aschenhans und Teetong her, allen voran der Vater, und der rief. Halt, halt, he Teetore steh! Als Teetong diesen Ruf vernahm, blieb er stehen wie ein Fels. Doch Aschenhans setzte die G\u00e4nsedrossel an die Lippen und blies mit aller Macht darauf. Da scho\u00df Teetong, davon wie der Wind, und der Vater und die Br\u00fcder hatten das Nachsehen. Bei Sonnenaufgang kahl Aschenhans zum Meeresufer. Er pflockte sein Pferd an und ging in eine kleine H\u00fctte hinein, Dort nahm er ein brennendes St\u00fcck Torf aus dem 1-euer und gab es in einen alten Topf. Damit ging er an die Stelle, wo des K\u00f6nigs Boot an einem Stein vert\u00e4ut war- Der Diener, der das Boot bewachen sollte, bis der K\u00f6nig k\u00e4me, zitterte vor K\u00e4lte, denn die Nacht war eisig gewesen. &#8222;Warum kommst du nicht an Land und l\u00e4ufst ein wenig umher, um dich aufzuw\u00e4rmen?&#8220; fagte ihn Aschenhans. &#8222;Der Waffenmeister- hat es mir verboten. &#8218;Wenn er mich nicht in, Boot findet, schl\u00e4gt er weich halb tot..&#8220; &#8222;Dein Waffenmeister ist ein weiser Mann&#8220;, sagte Aschenhans, ich aber will mir ein Feuer anz\u00fcnden und Seeschnecken r\u00f6sten.&#8220;<br \/>Er begann, ein Loch in den Boden zu schlagen, um darin das Feuer zu entfachen, irrt selben Augenblick aber rief er laut: Gold, Gold! So wahr ich der Sohn meiner Mutter bin, hier ist Gold in der Erde !&#8220;<br \/>Als der Mann im Boot das h\u00f6rte, sprang; er an Land und stier Aschenhans zur Seite. W\u00e4hrend er in dem Loch stocherte, packte Aschenhans seinen Topf, liste das Haltetau, sprang in das Boot und stie\u00df es ab ins tiefe Wasser, der Mann am Strand mochte schreien, so laut er wollte. Als die<br \/>Sonne \u00fcber die Berge heraufstieg, setzte Aschenhans seift Segel und steuerte geradewegs auf das Haupt des Lindwurms zu.<br \/>Das Scheusal lag vor ihm wie ein gro\u00dfer, hoher Berg. Seine Augen gl\u00fchten und spr\u00fchten wie ein Leuchtfeuer. Sein Leib erstreckte sich \u00fcber die halbe Welt. Seine furchtbare Zunge war Hunderte von Metern lang und konnte ganze St\u00e4dte ins Meer fegen. Diese schreckliche Zunge war gespalten. Mit den beiden Spitzen konnte das Ungeheuer seine Beute packen, die gr\u00f6\u00dften Schiffe wie Eierschalen zerdr\u00fccken und die Mauern der gr\u00f6\u00dften Burgen Arie N\u00fcsse zerknacken.<br \/>Aschenhans aber war ohne Furcht.<br \/>W\u00e4hrenddessen waren der K\u00f6nig und seine Krieger zum Strand gekommen. Als der einig sein Boot weit drau\u00dfen sah, geriet er in gro\u00dfen Zorn, Aschenhans fuhr von der Seite an den Kopf des Lindwurms heran, dann lie\u00df er das Segel herunter und sa\u00df still da seit eingelegten Rudern und hing seinen Gedanken nach, Als der erste Sonnenstrahl die Augen des Ungeheuers traf, g\u00e4hnte es. Es war das erste von sieben Malen, die der Lindwurm vor seinen grausigen Mahlzeiten zu g\u00e4hnen pflegte. Jedesmal, wenn das Untier g\u00e4hnte, scho\u00df eine Wasserwoge in sein aufgesperrtes Maul hinein. Aschenhans ruderte so nahe wie m\u00f6glich an des Lindwurms Maul heran, und beim n\u00e4chsten G\u00e4hnen wurde wies Boot an der einw\u00e4rts st\u00fcrzenden Flutwelle mitgerissen und in den finsteren Schlund des Drachen hinunter<br \/>gesp\u00fclt. Weiter und weiter, tiefer und tiefer hinunter fuhr Aschenhans. Er steuerte sein Boot in der Mitte des Schlundes, bis das Wasser seichter wurde und der Mast sich mit<br \/>der Spitze oben an der Wandung verfing und der Kiel auf denn Grund festsa\u00df.<br \/>Aschenhans sprang aus dem Boot. Er watete vorw\u00e4rts, bis er zu der Leber des Ungeheuers kam. Er zog sein Messer<br \/>und schnitt ein Loch in die Leber und schob seinen glimmenden Torf in das Loch.. Er blies den Torf an, bis er dachte, seine Lippen m\u00fc\u00dften zerspringen. Der Torf flammte auf, und die Flamme ergriff das Fett der Leber. Ein gewaltiges Feuer entstand, Da lief Aschenhans zu seinem Boot zur\u00fcck, und wie nun der Lindwurm die Hitze des Feuers sp\u00fcrte, fing er an, furchtbare Fluten aus seinem Magen zu speien. Eine von ihnen erfa\u00dfte das Boot, zerbrach den Mast und warf Boot und Mann heil und trocken an Land. Der K\u00f6nig und seine Leute zogen sich auf einen hohen H\u00fcgel zur\u00fcck, wo sie sicher waren vor den Fluten und vor den schrecklichen Feuer- und Rauchst\u00f6\u00dfen, die das Ungeheuer von sich gab. Es war ein grauenvoller Anblick. Hinter den Flutwellen brachen aus dem Maul des Ungeheuers riesige Rauchwolken hervor, die waren schwarz wie Pech. Als das Feuer in ihn gr\u00f6\u00dfer wurde, streckte es seine schreckliche Zunge heraus und schwang sie hin und her. Es umklammerte ein Horn des Mondes mit den gegabelten Enden, und als die Gabel ans Horn des Mondes abglitt und wieder herabst\u00fcrzte, spaltete sie die Erde und schuf ein gro\u00dfes St\u00fcck Meer, wo vorher trockenes Land gewesen. Dieses Meer trennt noch heute D\u00e4nemark von Schweden und Norwegen. Am Ende dieses Meeres sind zwei gro\u00dfe Meerbuchten, die von den beiden Spitzen der gegabelten Zunge des Lindwurms herr\u00fchren. Darauf zog der Lindwurm seine lange Zunge ein, und wie er sich nun wand und ringelte, bebte die ganze Erde. Schlie\u00dflich zog er sich langsam zu einem riesengro\u00dfen Klumpen zusammen, und dabei peinigte ihn das Feuer in seinem Innern so sehr, da\u00df er sein Haupt zu den WoIken aufwarf und es sogleich wieder ins Meer fallen lie\u00df, Mit einer Gewalt, die die ganze Welt ersch\u00fctterte.<br \/>Von der Wucht des Niederst\u00fcrzens flogen ihm viele Z\u00e4hne aus de m Maul, und diese bildeten die Orkneyinseln. Noch mehr Z\u00e4hne spie das Untier ins Meer, und aus diesen wurden die Shetlandinseln. Und zum drittenmal schleuderte es Z\u00e4hne aus seinem Maul, und aus diesen wurden die F\u00e4r\u00f6erinseln. Danach rollte er sich zu einem m\u00e4chtigen Koloss zusammen, und daraus entstand Island. Endlich hauchte der Urlindwurm sein Leben aus. Aber noch brennt das Feuer unter Island, und dieses Feuer ist es, das die feuerspeienden Berge der Insel speist. Da nahm der K\u00f6nig Aschenhans in seine Arme, k\u00fc\u00dfte und segnete ihn. Er legte ihm seinen eigenen Mantel um die Schultern und nahm Gemdelovelys Hand und legte sie in die seinige und gab sie zusammen als Mann und Frau. Und er g\u00fcrtete Aschenhans mit dem Schwert Sicherbei\u00dfer. Aschenhans schwang sich auf Teetong und ritt an Gemdelovelys Seite. Als sie alle voller Freude zum Schlo\u00df geritten kamen, trat ihnen die Schwester von Aschenhans entgegen und fl\u00fcsterte der Prinzessin etwas ins Ohr, und diese gab es an ihren Vater weiter. Da verfinsterte sich des K\u00f6nigs Antlitz, denn er hatte vernommen, da\u00df die K\u00f6nigin den ganzen Morgen mit dem Zauberer gebuhlt habe,&#8220;Ich werde den Zauberer t\u00f6ten!&#8220; rief der K\u00f6nig aus, &#8222;Ach&#8220;, antwortete das M\u00e4dchen, &#8222;sie sind geflohen, auf den beiden besten Pferden sind sie hinweg geritten<br \/>&#8222;So schnell k\u00f6nnen sie nicht geritten sein, da\u00df ich sie nicht einholen k\u00f6nnte&#8220;, sprach Aschenhans und sprengte auf Teetong davon wie der Wind. Bald hatte er das unselige Paar erreicht.<br \/>Der Zauberer aber h\u00f6hnte: &#8222;Diesem Kn\u00e4blein werde ich sogleich den Kopf abschlagen, denn er wu\u00dfte wohl, da\u00df sein Leib gefeit war gegen jedes gew\u00f6hnliche Eisen. Aschenhans aber zog das Schwert Sicherbei\u00dfer und stie\u00df es denn falschen Unhold ins Herz, da\u00df sein schwarzes Blut zu Boden rann.<br \/>Die K\u00f6nigin wurde bis zum Ende ihrer Tage in einen hohen Turm gesperrt. Aschenhans und Gendelovely<br \/>wurden miteinander verm\u00e4hlt, und sie feierten ein Hoch-<br \/>zeitsfest, das dauerte neun Wochen lang. Des K\u00f6nigs Skalde dichtete ein Langes Heldenlied, und die Hofs\u00e4nger Stimmten einen neuen Gesang an, und dies war der Kehrreim<br \/>Der beste Stein im ganzen Land liegt \u00fcber des K\u00f6nigs Tor. Er kam aus einem Aschenloch, dort lag er lang zuvor.<br \/>Sp\u00e4ter wurden Aschenhans und Gemdelovely K\u00f6nig und K\u00f6nigin, und sie lebten lange in Glanz und Freude, und ihre Herrschaft war eine gesegnete.<br \/>[M\u00e4rchen aus Schottland]<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lebte einmal ein Bauer auf Leegarth, der hatte sieben S\u00f6hne und eine Tochter. Der j\u00fcngste Sohn aber wurde nur der Aschenhans genannt. Den ganzen Tag ging er in abgerissenen Kleidern und reit ungek\u00e4mmtem Haar umher, aus dem jeder Windsto\u00df eine Aschenwolke blies. Sogar nachts schlief er in der Asche. 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