{"id":804,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=804"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"der-drache-aus-mont-blanc-ciruelo-cabral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/der-drache-aus-mont-blanc-ciruelo-cabral\/","title":{"rendered":"Der Drache aus Mont Blanc (Ciruelo Cabral)"},"content":{"rendered":"<p>Die ruhige kleine Stadt Mont Blanc war ein zufriedenes Pl\u00e4tzchen. Sie wurde von einem g\u00fctigen und weisen K\u00f6nig regiert und f\u00fchrte einen bl\u00fchenden Handel. Der K\u00f6nig hatte eine wundersch\u00f6ne Tochter, die von allen geliebt und geachtet wurde. Als einzige Wolke am Horizont wirkte die Tatsache, da\u00df die Einwohner nicht besonders fromm waren und \u00f6fter einmal verga\u00dfen, den G\u00f6ttern zu opfern, wodurch die heidnischen Priester oft ver\u00e4rgert wurden. So berichtet die Legende, da\u00df sich an einem Mittsommertag pl\u00f6tzlich ein gigantischer Drache mit gr\u00fcnlich-blau schimmernden Schuppen aus den Tiefen des Flusses erhob.<br \/>Die schreckliche Bestie erschien vor den ver\u00e4ngstigten Bewohnern und sprach zu ihnen: &#8222;Von nun an verlange ich in jedem Monat von euch eine sch\u00f6ne Jungfrau f\u00fcr mein Mahl&#8220;, seine klagende Stimme klang fast wie trauriger Gesang, &#8222;sonst werde ich eure H\u00e4user und Felder und euer Vieh zerst\u00f6ren. Wenn ihr mir aber gehorcht, so verspreche ich, niemandem ein Leid zuzuf\u00fcgen und euch in Frieden leben zu lassen.&#8220; Die verst\u00f6rten Stadtbewohner liefen zum Palast des K\u00f6nigs, um ihm von ihrem Ungl\u00fcck zu berichten. Zu seinem Leidwesen mu\u00dfte er wohl oder \u00fcbel die Forderungen des Drachen akzeptieren. Vergeblich versuchten die Einwohner, die G\u00f6tter um Befreiung von diesem Ungeheuer anzuflehen, selbst die Priester der heidnischen Kultst\u00e4tten konnten nicht weiterhelfen. Die Monate vergingen, und mit jedem Neumond wurde dem hungrigen Drachen eine neue Jungfrau zugef\u00fchrt. Die Lage wurde unertr\u00e4glich. Die Menschen sa\u00dfen in ihren H\u00e4usern, und wenn sie nicht \u00fcber eine tote Tochter weinten, so waren sie zumindest in gr\u00f6\u00dfter Sorge um das Schicksal ihrer Kinder. Die M\u00e4dchen warfen sich in die Arme des erstbesten Mannes, den sie trafen, auf da\u00df sie ihre Jungfr\u00e4ulichkeit verlieren w\u00fcrden. Diejenigen M\u00e4dchen, die als zuk\u00fcnftige Opfer ausgew\u00e4hlt worden waren, mu\u00dften eingeschlossen und bewacht werden, damit sie sich nicht selbst t\u00f6teten, um ihren furchtbaren Los zu entgehen. Nach einiger Zeit gab es keine Jungfrauen mehr. Die einzigen, die aus der Lage noch einen Nutzen ziehen konnten, waren die heidnischen Priester, denn die Menschen kehrten zur Religion zur\u00fcck und opferten den G\u00f6ttern.<br \/>Der Monat April kam ins Land, beinahe ein Jahr nach dem Erscheinen des Ungeheuers. Das n\u00e4chste Opfer w\u00fcrde die Tochter des K\u00f6nigs sein, denn sie hatte darauf bestanden, in die Auswahl der Jungfrauen, die dem Drachen geopfert werden sollten, aufgenommen zu werden. Ergeben in ihr Schicksal verbrachte das M\u00e4dchen, das kurz zuvor zum Christentum bekehrt worden war, die Nacht in stillem Gebet. Am Morgen, angetan mit wei\u00dfen Gew\u00e4ndern und gekr\u00f6nt mit einem Blumenkranz, sagte sie ihren gramgebeugten Eltern und den weinenden B\u00fcrgern Lebewohl. Gefestigt in ihrem Glauben und vertrauend auf den Beistand der Jungfrau Maria machte sich die Prinzessin allein auf den Weg zur Drachenh\u00f6hle, wo sie ruhig und in Gebete versunken auf ihr Ende wartete. Die B\u00fcrger versammelten sich entlang der Stadtmauern und warteten darauf, da\u00df die Bestie aus ihrer H\u00f6hle hervorkommen w\u00fcrde &#8211; alle wollten Zeuge dieser Trag\u00f6die sein. Pl\u00f6tzlich galoppierte ein unbekannter Ritter in wildem Tempo auf einem wei\u00dfen Ro\u00df mit silberner M\u00e4hne einher. Es wird berichtet, da\u00df seine Waffen wie reines Silber in der Sonne gl\u00e4nzten, sein Umhang aber war rot wie Feuer. Auf seinem Schild prangte ein rotes Kreuz auf goldenem Grund. Ohne sein Ro\u00df zu z\u00fcgeln, raste der Fremde auf das Ungeheuer zu. \u00dcberw\u00e4ltigt von der Kraft des stolzen Ritters zog sich der Drache zur\u00fcck und legte sich friedlich nieder. &#8222;Werte Dame&#8220;, sagte der Fremde, &#8222;schlingt den G\u00fcrtel eueres Gewandes um den Nacken des Drachen, und er wird uns friedsam folgen.&#8220; Ohne Furcht befolgte das M\u00e4dchen die Anweisung &#8211; der Drache konnte gef\u00fchrt werden und leistete keinen Widerstand. Die seltsame Prozession machte ihren Weg zu den Toren der Stadt, wo die B\u00fcrger in ungl\u00e4ubigem Staunen warteten. Das M\u00e4dchen lief, um seine Eltern zu umarmen, w\u00e4hrend sich die heidnischen Priester damit r\u00fchmten, das Monster durch ihre Opfergaben und Rituale besiegt zu haben. Der Ritter aber bat um Ruhe, die ganze Stadt lauschte den Worten des geheimnisvollen und mutigen Retters: &#8222;Ich bin Georg, ein Soldat Christi&#8220;, sagte er, &#8222;und reite unter seinem Schutz. Diese junge Christin betete um den Beistand von Maria und ihrem Sohn, dem Erl\u00f6ser, daher erhielt ich den Auftrag, sie vor dem Tode zu erreten. M\u00f6ge das Kreuz, welches dich gerettet hat, f\u00fcr immer diese Stadt kr\u00f6nen. Verla\u00dft eure falschen G\u00f6tter und ihr werdet niemals mehr einen Drachen f\u00fcrchten m\u00fcssen.&#8220; Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, schlug der junge Ritter das Zeichen des Kreuzes \u00fcber dem Ungeheuer. Der Drache war in einen Rosenbusch verwandelt, dessen Bl\u00fcten rot wie Blut leuchteten. Auch heute noch wird in Katalonien der Name des Heiligen Georg mit Rosen in Verbindung gebracht, als Erinnerung an jenen Ritter, der sie f\u00fcr immer vor dem Drachen errettet hat.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ruhige kleine Stadt Mont Blanc war ein zufriedenes Pl\u00e4tzchen. Sie wurde von einem g\u00fctigen und weisen K\u00f6nig regiert und f\u00fchrte einen bl\u00fchenden Handel. Der K\u00f6nig hatte eine wundersch\u00f6ne Tochter, die von allen geliebt und geachtet wurde. 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