{"id":803,"date":"2007-04-27T20:46:28","date_gmt":"2007-04-27T20:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=803"},"modified":"2007-04-27T20:46:28","modified_gmt":"2007-04-27T20:46:28","slug":"der-bauer-und-der-drache-ciruelo-cabral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2007\/04\/der-bauer-und-der-drache-ciruelo-cabral\/","title":{"rendered":"Der Bauer und der Drache (Ciruelo Cabral)"},"content":{"rendered":"<p>Eines Tages wurde ein Drache auf seinem Heimflug von einem schlimmen Sturm \u00fcberrascht. Der Wind heulte, und der Regen kam mit einer solchen Wucht hernieder, da\u00df selbst die st\u00e4mmigsten Eichen entwurzelt und wie Strohhalme geknickt wurden. Trotz seiner enormen Gr\u00f6\u00dfe wurde der Drache in alle Richtungen geschleudert und verlor in der Dunkelheit die Orientierung. Verzweifelt versuchte er immer wieder, gegen den Sturm anzuk\u00e4mpfen, doch zuletzt fiel er ersch\u00f6pft zu boden. <br \/>W\u00e4hrend er so bewu\u00dftlos im Schlamm lag, kam ein Bauer aus einer kleinen H\u00fctte in der N\u00e4he des Weges. Als der Bauer, der Lukas hie\u00df, das Ungeheuer erblickte, das wie tot am Boden lag, tat es ihm sogar ein wenig leid. Er n\u00e4herte sich dem bewegungslosen K\u00f6rper und stellte fest, da\u00df der Drache noch immer am Leben war. Mit der Hilfe seines Pferdes schaffte er den Drachen zu einer alten Scheune. Dort legte er den Drachen vorsichtig nieder und bedeckte ihn mit einem geflickten Laken, dann rannte er nach Hause und bat seine Frau, etwas zu Essen vorzubereiten. Sie war sehr besorgt:&#8220;Du bist wohl verr\u00fcckt, einem solchen Ungeheuer Nahrung und Schutz zu gew\u00e4hren. Er w\u00e4re besser, es zu t\u00f6ten, der K\u00f6nig w\u00fcrde uns f\u00fcr seine Haut belohnen.&#8220;- &#8222;Sei still, Frau&#8220;, entgegnete Lukas, &#8222;der Drache ist schwach und krank. Es w\u00e4re unchristlich, einem Bed\u00fcrftigen Hilfe zu verweigern, egal welcher Rasse er auch angeh\u00f6ren mag.&#8220; &#8222;Sei doch nicht dumm, Mann&#8220;, rief die Bauersfrau,&#8220; diese Kreatur ist weder Christ noch Mensch, sie wird dich fressen, sobald es ihr besser geht.&#8220; Ohne auf die Warnung seiner Frau zu achten, machte sich der Bauer daran, den Drachen zu pflegen und zu f\u00fcttern. Seine Bem\u00fchungen trugen bald Fr\u00fcchte, der Drache erholte sich und dankte dem Mann f\u00fcr die Rettung. &#8222;Es gibt nichts, wof\u00fcr du dich bedanken m\u00fc\u00dftest&#8220;, sagte der gute Mann, &#8222;wir sind alle Gottes Gesch\u00f6pfe.&#8220; &#8211; &#8222;Dennoch h\u00e4tten mich viele Menschen in deiner Lage get\u00f6tet und meine wertvolle Haut verkauft.&#8220; &#8222;Jeder, der aus dem Ungl\u00fcck anderer Vorteile zieht, ist b\u00f6se. Ein solches Verhalten w\u00e4re eines Ritters unw\u00fcrdig.&#8220; <br \/>Als die Bauersfrau, die an der T\u00fcre gelauscht hatte, die Worte ihres Mannes vernahm, mu\u00dfte sie laut lachen. &#8222;Seht euch diesen Narren an, der sich selbst die Ritterw\u00fcrde verleiht, obwohl er ein Almosenempf\u00e4nger ist!&#8220; kicherte sie in ihrem Versteck. &#8222;Du wirst anders reden, wenn die Steuereintreiber kommen und dir dein Pferd nehmen, schlie\u00dflich haben wir unsere Steuern nicht bezahlt.&#8220; &#8222;Es ist Ehre und nicht Reichtum, die einen Mann zum Ritter macht&#8220;, entgegnete Lukas mit leiser Stimme. Da der Drache das Gespr\u00e4ch mitangeh\u00f6rt und die Armut des Bauern erkannt hatte, bot er ihm eine Belohnung f\u00fcr seine M\u00fchen an. &#8222;Ich k\u00f6nnte kein Geld ablehnen, denn der Steuereintreiber wird bald erscheinen, und ich habe nichts, womit ich ihn bezahlen k\u00f6nnte. Doch das war nicht der Grund, aus dem ich dir geholfen habe, mein Freund.&#8220; &#8222;Das wei\u00df ich wohl, doch ich bin nun kr\u00e4ftig genug, um Heim fliegen zu k\u00f6nnen. Komm mit in meine H\u00f6hle und such dir aus, was immer dir gefallen mag.&#8220; Obwohl ihn seine Frau bat, nicht zu gehen, stieg Lukas furchtlos auf den R\u00fccken des Drachen. &#8222;Wenn du mitten im Wald bist, wird er dich fressen, und ich werde hier allein sein!&#8220; jammerte sie. <br \/>Der Drache aber schaffte den Bauern in seine H\u00f6hle und bewirtete ihn f\u00fcr drei Tage. Als es f\u00fcr den Bauern Zeit zur Heimkehr wurde, lud sich der Drache einen gro\u00dfen Sack voller Gold und Edelsteine auf den R\u00fccken und brachte den Bauern zu seiner H\u00fctte zur\u00fcck. &#8222;Du kannst zu mir kommen, wann immer es dir schlecht geht&#8220;, sagte der Drache zum Abschied. <br \/>Lukas fand seine Frau klagend und in Trauerkleider vor, sie hielt ihren Mann f\u00fcr tot. Von den Geschenken des Drachen konnten sich die Bauersleute einen sch\u00f6nen Hof mit vielen Tieren leisten, doch die Frau wurde mit der Zeit immer verschwenderischer. Eines Tages sagte sie zu ihrem Mann:&#8220;Wenn wir nur etwas mehr Geld h\u00e4tten, k\u00f6nnten wir gutes Land erwerben und andere darauf arbeiten lassen. Dann k\u00f6nnten wir einen Sohn haben, der Ritter werden k\u00f6nnte. Warum fragst du nicht den Drachen nach etwas mehr Gold?&#8220; Lukas weigerte sich zun\u00e4chst, doch dann gab er nach und ging zum Drachen. Dieser hielt das Anliegen f\u00fcr berechtigt und war froh, seinem Freund ein weiteres Mal helfen zu k\u00f6nnen. Doch es verging kaum ein Jahr, da h\u00f6rte man von der Frau:&#8220;Wenn wir uns ein Schlo\u00df und ein paar Ortschaften leisten k\u00f6nnten, w\u00fcrde man uns bestimmt zu Grafen ernennen.&#8220; Lukas war das N\u00f6rgeln seiner Frau schnell leid und ging wieder zur H\u00f6hle des Drachen. Das Paar erhielt eine Grafschaft. Wenig sp\u00e4ter w\u00fcnschte sich die Frau, bei Hofe zu leben. Eines Tages sah die neue Herzogin, wie die K\u00f6nigin in ihrer goldenen Kutsche vorfuhr, gekleidet in Samt und Seide und mit den kostbarsten Juwelen geschm\u00fcckt. Ihre Augen gl\u00e4nzten Vor Neid und Gier, sie sagte:&#8220;Mein lieber Lukas, ich habe mir Gedanken gemacht. Wenn wir einen Sohn h\u00e4tten und es w\u00e4re Krieg, dann m\u00fc\u00dfte er als Offizier an die Front und k\u00f6nnte in der Schlacht fallen. Es w\u00e4re viel besser, wenn wir Monarchen w\u00e4ren, dann w\u00e4re unser Sohn nicht in Gefahr. Dein Freund der Drache wird uns sicher diesen Wunsch erf\u00fcllen.&#8220; &#8222;Frau, rede keinen Unsinn!&#8220; schimpfte Lukas, doch seine Frau weinte und bedr\u00e4ngte ihn, bis er wieder den Drachen besuchen ging, der ihn freundlich empfing.<br \/>&#8222;Freund&#8220;, sagte der Drache, nachdem er sich die Geschichte angeh\u00f6rt hatte, &#8222;deine Frau ist zu ehrgeizig. Sie wird niemals genug bekommen und immer noch mehr w\u00fcnschen. Aber ich wei\u00df eine L\u00f6sung, komm in meine H\u00f6hle.&#8220; Der Drache f\u00fchrte seinen Gast in einen gem\u00fctlichen Raum, wo wunderh\u00fcbsche junge Frauen tanzten und sangen. &#8222;Nun bist du mein Gefangener. Diese M\u00e4dchen werden die Gesellschaft leisten und daf\u00fcr sorgen, da\u00df jeder deiner W\u00fcnsche erf\u00fcllt wird, denn sie sind meine Sklavinnen. Du wirst aber niemals in der Lage sein, die H\u00f6hle anders als in meiner Begleitung zu verlassen, und du wirst nie zu deiner Frau zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen.&#8220; Von nun an lebte der brave Mann gl\u00fccklich mit dem Drachen und seinen Gespielinnen. Lukas Frau aber mu\u00dfte sich in Trauer kleiden, denn sie nahm an, da\u00df ihr Gatte nun doch noch vom Drachen gefressen worden w\u00e4re.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines Tages wurde ein Drache auf seinem Heimflug von einem schlimmen Sturm \u00fcberrascht. Der Wind heulte, und der Regen kam mit einer solchen Wucht hernieder, da\u00df selbst die st\u00e4mmigsten Eichen entwurzelt und wie Strohhalme geknickt wurden. Trotz seiner enormen Gr\u00f6\u00dfe wurde der Drache in alle Richtungen geschleudert und verlor in der Dunkelheit die Orientierung. 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