{"id":774,"date":"2008-07-16T08:31:30","date_gmt":"2008-07-16T08:31:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=774"},"modified":"2008-07-16T08:31:30","modified_gmt":"2008-07-16T08:31:30","slug":"die-legende-von-beowulf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2008\/07\/die-legende-von-beowulf\/","title":{"rendered":"Die Legende von Beowulf"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<p>Hw&aelig;t! W&eacute; G&aacute;rdena in g&eacute;ardagum &thorn;&eacute;odcyninga &thorn;rym gefr&uacute;non h&uacute; &eth;&aacute; &aelig;&thorn;elingas ellen fremedon. Was dem Deutschen sein Nibelungenlied ist dem Angelsachsen sein Beowulf. Helden, K&ouml;nige, Powerfrauen, Drachen &#8211; es ist alles mit drin. Ich k&ouml;nnte jetzt sch&ouml;n auf so Sachen eingehen wie den netten Ringschluss, dass die Welle von Fantasyfilmen, die Peter Jacksons &quot;Der Herr der Ringe&quot; hervorbrachte, nun N&auml;hrboden f&uuml;r eine Verfilmung des Beowulf-Gedichts stellt, welches seinerzeit entscheidende Inspiration f&uuml;r Tolkiens Werk war, aber eigentlich m&ouml;chte ich nur erz&auml;hlen, wie schei&szlig;e und gleichzeitig total lustig Robert Zemeckis&#8216; &quot;Die Legende von Beowulf&quot; ist. Mit der anfangs zitierten Zeile, sprich der literarischen Vorlage hat der Film n&auml;mlich nicht mehr viel gemein.<\/p>\n<p>Dabei ist die Story ja durchaus noch erkennbar. Partyl&ouml;we K&ouml;nig Hrothgar schmei&szlig;t ein Fest bei sich zuhause und feiert mit seinen Leuten so laut, dass er das Nachbarsmonster Grendel um den wohlverdienten Schlaf bringt, welches einen auf Spielverderber macht und die Party mit einem kleinen Gemetzel beendet. Um die nun offene Nachbarschaftsfehde zu beenden, bedarf es eines Helden &#8211; Stichwort f&uuml;r Beowulf, den krassesten Monsterchecker der Welt, der mit seinen Astrogauten &uuml;ber die See geschippert kommt, um den Kammerj&auml;ger zu spielen. Grendel m&ouml;chte erneut die B&ouml;ser-Hausmeister-Nummer abziehen, leiht aber stattdessen Beowulf ein H&auml;ndchen, beziehungsweise seinen ganzen Arm und geht zu Mami heulen bzw. sterben. Deine Mutter sieht das gar nicht gerne und verarbeitet Beowulfs Mannen zu R&auml;ucherfleisch, woraufhin der Held vom Erdbeerfeld ihr einen Hausbesuch abstattet, um eine f&ouml;rmliche Beschwerde in Form mehrerer Schwerthiebe vorzubringen. Mutti verwandelt sich jedoch in die attraktivste Frau, die f&uuml;nfzehn Jahrhunderte sp&auml;ter auf Erden wandelt, was die Verwendung von Beowulfs anderem Schwert n&ouml;tig macht. Der Beweis solcher Manneskraft reicht aus, um ihn zum K&ouml;nig zu kr&ouml;nen und die Geschichte um mehrere Jahrzehnte vorzuspulen, wo Beowulf nur noch ein alter Sack ist. Dem kommt es da schon fast gelegen, dass sein au&szlig;ereheliches Sch&auml;ferst&uuml;ndchen einen Sohn hervorgebracht hat. Da ja hier jeder macht, was er will, verwandelt sich der Wonneproppen kurzerhand in einen Drachen, der gerne Beowulfs K&ouml;nigreich niederbrennen und seine Frauen verschnabulieren w&uuml;rde. Also wird es Zeit, den Sohnemann mal richtig ans Herz zu nehmen und ganz fest zuzudr&uuml;cken.<\/p>\n<p>Na ja, so gro&szlig; sind die Abwandlungen zum Heldenliedchen ja vielleicht doch nicht. Eigentlich reicht das ja, um (wie angek&uuml;ndigt) eine d&uuml;stere und damit halbwegs akzeptable Fantasyverfilmung des Stoffes hervorzubringen. Dabei ist Herr Zemeckis ganz weit &uuml;ber das Ziel hinaus geschossen. Anscheinend untersteht er dem Wahn, er habe mit der Motion Capture-Technik aus &quot;Der Polarexpress&quot; ein neues Zeitalter des Kinos eingel&auml;utet, dessen n&auml;chster Vorreiter jetzt &quot;Beowulf&quot; sein soll. Schlie&szlig;lich findet sich auch hier nichts Reales, sondern nur computeranimierte Figuren, die Pers&ouml;nlichkeiten wie Anthony Hopkins, John Malkovich oder Angelina Jolie erschreckend &auml;hnlich sehen. Anscheinend ist es nur ein grandioser Fall von Selbst&uuml;bersch&auml;tzung, wenn er seine Filme ab jetzt immer in diesem befremdlichen Stil dreht und meint, Prophet einer neuen Kino&auml;ra zu sein. Nat&uuml;rlich sieht es schick aus und so weiter, aber mal ehrlich: Was soll der Mist? So einen Look erwarte ich bei Computerspielen, aber nicht im Kino. Aber dann ist es ja auch offensichtlich, dass die Optik sehr auf einen 3D-Effekt getrimmt ist, den man in normalen Kinos nicht erleben kann &#8211; mit Spezialbrille sieht es also wahrscheinlich noch viel toller und so aus. In allererster Linie ist &quot;Beowulf&quot; jedenfalls eine Stil&uuml;bung, die jedoch weniger &Auml;sthetikcharakter besitzt wie bspw. das diesj&auml;hrige &quot;300&quot;, sondern einfach nur merkw&uuml;rdig aussieht. Inhaltlich wird die ganze Sache noch viel merkw&uuml;rdiger, denn kaum ein Film in letzter Zeit nahm sich gleichzeitig so bierernst und war so unglaublich trashig. Irgendwann kann man da nur noch kichern, sp&auml;testens, wenn Beowulf von einem riesigen Seemonster verschluckt wird, sich Sekunden sp&auml;ter durch dessen gro&szlig;es Auge herausschneidet und von einer riesigen Blutfont&auml;ne begleitet laut &quot;Ich bin Beowulf!&quot; gen Kamera schreit, weil das jetzt einfach mal gesagt werden musste. Seiner Identit&auml;t muss sich der Held noch h&auml;ufiger w&auml;hrend der Geschichte lautstark versichern &#8211; wahrscheinlich hat der so &#8217;nen Kleinen, hi hi! Den sieht man leider nicht, auch wenn sich Beowulf vor seinem Kampf mit Grendel allen Ernstes splitternackt auszieht, was in zahlreichen Kameraeinstellungen resultiert, auf die selbst Austin Powers neidisch w&auml;re. Auch wenn Beowulf keine einzige Gelegenheit ausl&auml;sst, sich sein Hemd aufzurei&szlig;en und sein Sixpack zu zeigen &#8211; 3D-Dick bleibt uns erspart. Daf&uuml;r darf man sp&auml;ter wenigstens ungehindert auf Angelina Jolies nackte Titten starren &#8211; 1:0 f&uuml;r die M&auml;nner!<\/p>\n<p>Aber allen Schabernack beiseite nimmt sich &quot;Beowulf&quot; selbst tats&auml;chlich total ernst. Wahrscheinlich versteht sich der Film als ernsthafte Interpretation des Gedichts, die selbst Elemente wie die damalige Christianisierung aufgreift. Da werden dann Grendel, Mami, der Drache und auch Beowulf zum Symbol f&uuml;r eine archaische Zeit voller Wunder, die sich im Zeichen des Kreuzes als Relikte der Vergangenheit sehen. Es w&auml;re ja ach so melancholisch und Zeugs, wenn es nicht zwischendurch so v&ouml;llig auf Overdrive schalten w&uuml;rde. Sorry, aber einen Film, in dem der Held drei Minuten lang in den Hals eines fliegenden Drachen greift, um dort dessen Herz zu zerquetschen, welches er vorher mit einem Dolch nicht erreichen konnte, kann ich einfach nicht so ernst nehmen, wie der es an anderer Stelle gerne h&auml;tte. Meine Erdkundekenntnisse m&ouml;gen auch nicht die besten sein, aber 1000 Meter hohe Gebirge machen sich in D&auml;nemark doch auch eigentlich eher rar? Man sollte das Kino also mit einer geh&ouml;rigen Portion Humor betreten und &uuml;ber die Stellen, in denen langweilig ernsthafte Dialoge vorgetragen werden, einfach mal &uuml;bersehen. Dann wird man durch lustige Actioneinlagen von tollk&uuml;hnen Legenden ganz gut unterhalten. Oder man schaut sich zuhause nochmal &quot;300&quot; an &#8211; da hei&szlig;t es dann nicht mehr &quot;ICH BIN BEOWULF!&quot;, sondern &quot;DAS IST SPARTA!&quot; Kann man sich aussuchen, was man jetzt intelligenter findet.<\/p>\n<p>Vielen Dank an <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.die-subkultur.net\">Doc<\/a> f&uuml;r die Rezension<br \/>\n    <\/p>\n<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hw&aelig;t! W&eacute; G&aacute;rdena in g&eacute;ardagum &thorn;&eacute;odcyninga &thorn;rym gefr&uacute;non h&uacute; &eth;&aacute; &aelig;&thorn;elingas ellen fremedon. Was dem Deutschen sein Nibelungenlied ist dem Angelsachsen sein Beowulf. Helden, K&ouml;nige, Powerfrauen, Drachen &#8211; es ist alles mit drin. 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