{"id":744,"date":"2006-02-19T11:28:20","date_gmt":"2006-02-19T11:28:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=744"},"modified":"2006-02-19T11:28:20","modified_gmt":"2006-02-19T11:28:20","slug":"jo-walton-der-clan-der-klauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2006\/02\/jo-walton-der-clan-der-klauen\/","title":{"rendered":"Jo Walton Der Clan der Klauen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-content\/images\/shopping\/books\/jo_walton_der_clan_der_klauen.jpg\" hspace=\"6\" alt=\"\" title=\"\" border=\"0\" style=\"float: left;\" \/>Der alte Drache Bon Agornin ist tot, und wie es bei den Drachen Tradition ist, sollen seine Verwandten den Leichnam verspeisen, um daraus Kraft und Wachstum zu beziehen. Doch der nur entfernt verwandte, m&auml;chtige Drache Daverak nimmt f&uuml;r sich und seine Sippe einen Gro&szlig;teil von Agornins Leiche ein.<br \/>\nDessen Sohn Avan kocht vor Wut ob dieser Unversch&auml;mtheit und beschlie&szlig;t, sein gesamtes Verm&ouml;gen, ja sogar sein Leben auf&#8217;s Spiel zu setzen und Daverak beim Gericht anzuklagen.<\/p>\n<p>\nW&auml;hrenddessen wird Avans Schwester Selendra ein unversch&auml;mter Heiratsantrag gemacht, der beinahe zum Verlust ihrer Jungfr&auml;ulichkeit f&uuml;hrt. Bevor Selendra zu den adligen Benandis und ihre Schwester Haner zu den Daveraks zieht, schw&ouml;ren sich die beiden, keinen Mann zu heiraten, mit dem die andere nicht auch einverstanden ist.<br \/>\nIn Bernandi angekommen, wird Selendra jedoch mit dem attraktiven Oberhaupt der Familie, Sher, konfrontiert, welcher auch an ihr Interesse findet. Seine Mutter hat jedoch etwas gegen diese Beziehung, ist Selendra doch von weit geringerem Stand und zu keiner angemessenen Mitgift f&auml;hig.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Romane, in denen anthropomorphisierte Tiere die Hauptrolle spielen und Menschen h&ouml;chstens am Rande vorkommen, wenn &uuml;berhaupt, k&ouml;nnen meiner Meinung nach nur in zwei verschiedenen Variationen funktionieren. Entweder wird diese nicht-menschliche Welt der Tiere mit einer angemessenen Fremdartigkeit beschrieben, in der man sich nicht allzu sehr an menschliche Verhaltensweisen erinnert f&uuml;hlt, was beispielsweise in Tad Williams&#8216; Deb&uuml;toman Traumj&auml;ger und Goldpfote ganz gut funktioniert hat. Oder die Parallelen zu einer menschlichen Gesellschaft sind so &uuml;berspitzt dargestellt, dass die Geschichte eine Parabelfunktion aus&uuml;bt, bestes Beispiel: Orwells Animal Farm.<br \/>\nDer Clan der Klauen, bei dem menschliche Akteure fast restlos durch Drachen ersetzt wurden, versagt bei beiden Varianten kl&auml;glich. Einerseits ist das Bild, welches von der Gesellschaft der Drachen gezeichnet wird, schon ein wenig fremdartig, schlie&szlig;lich ist es bei den Feuerspeiern Gang und G&auml;be, die Schwachen und Toten zu fressen, man bewegt sich fliegend fort, die eigene Machtposition wird an der Gr&ouml;&szlig;e gemessen und so weiter. Andererseits tragen diese Drachen Kleidung und H&uuml;te, sie gehen zur Kirche, &uuml;ben Berufe aus, haben ein Rechtssystem, fahren Kutsche und leben in einer Adelsgesellschaft. Das spr&auml;che gegen die Verfremdung und f&uuml;r die Parabelhaftigkeit des Romans. Drachen, die dadurch wachsen und an Macht gewinnen, dass sie ihresgleichen verspeisen, dies mag durchaus ein am&uuml;santes Bildnis sein, welches aber letztendlich in leerem Raum steht, ist es doch das einzige, das der Roman zu bieten hat.<br \/>\nLetztendlich hat man also weder das Gef&uuml;hl, ein wirklich andersartiges noch ein ironisch verfremdetes Bild der menschlichen Gesellschaft zu betrachten. Schlimmer noch: W&uuml;rde man s&auml;mtliche Drachen durch menschliche Charaktere austauschen und Details wie das Fliegen, Feuerspeien und Fressen der eigenen Artgenossen entfernen, an der Geschichte w&uuml;rde sich rein gar nichts &auml;ndern, so extrem ist die Vermenschlichung der Charaktere und der sozialen Umst&auml;nde. Autorin Jo Walton wollte einen viktorianischen Roman mit besonderer Note schreiben, aber was hilft es, dass diese Note so f&uuml;rchterlich sinnlos ist?<\/p>\n<p>\nDie Auswirkungen auf die restlichen Aspekte des Romans sind katastrophal.<br \/>\nAnfangs wird der Leser in eine Gesellschaft mit vielen neuen Vokabeln und Namen geworfen, die er noch nicht kennt, die aber auch nicht mal ansatzweise erkl&auml;rt werden. Was beispielsweise ist ein \u201eErhabener\u201c, wer ist Sebeth und wer geh&ouml;rt zu wessen Familie? Walton legt fr&ouml;hlich mit ihrer Geschichte los, l&auml;sst den Leser aber ratlos an der Startlinie zur&uuml;ck. Die ersten 150 Seiten werden zur Qual, und zwar zu einer Qual, wie ich sie bisher fast noch nie bei einem Roman durchgemacht habe. M&uuml;hsam muss man sich die Verwandtschaftsbeziehungen, die St&auml;nde, Berufe und Ziele der einzelnen Drachen einpr&auml;gen, bevor man sich wirklich auf die Ereignisse konzentrieren kann. Diese motivieren den Leser jedoch ganz und gar nicht dazu, mit dem Buch &uuml;berhaupt fortzufahren, denn es passiert einfach nichts von Interesse, dreht sich doch alles nur um Heiratsintrigen, Adelsst&auml;nde und dergleichen. Der furchtbar &ouml;de Stil Waltons beschreibt weder Orte und Landschaften noch Charaktere so ausreichend, dass man sich etwas darunter vorstellen kann. Vielmehr h&auml;lt sie sich damit auf, breit darzulegen, wie denn jetzt die eine Figur in Beziehung zu der anderen steht oder was jene f&uuml;r eine Mitgift braucht, um dort eingeheiratet zu werden, was meist eh nicht geschehen kann, weil sie zu arm ist und so weiter \u2013 v&ouml;llig sekund&auml;re Informationen also. Zeitweise kam es mir so vor, als w&uuml;rde ich eine trockene Familienchronik oder gar in der Bibel lesen, in der Distanziertheit des Stils ist das vergleichbar. Spannung gibt es n&auml;mlich mal gar keine, und in den Szenen, in denen es m&ouml;glich gewesen w&auml;re, welche zu erzeugen, erstickt Walton binnen weniger Zeilen s&auml;mtliche Aufregung im Keim. Zudem scheint sie ihren Roman nicht mal wirklich ernst zu nehmen. Der \u201efeine Humor\u201c, der auf der R&uuml;ckseite des Buchs angepriesen wird, ist nicht existent, aber wenn Walton im Text ihren Leser fast direkt anspricht oder am Rande zugibt, die &Uuml;bersicht &uuml;ber die Zahl der gestellten Heiratsantr&auml;ge verloren zu haben, dann fragt man sich, ob die Autorin selbst &uuml;berhaupt wei&szlig;, was sie mit diesem Roman eigentlich will.<br \/>\nOffensichtlich m&ouml;chte Der Clan der Klauen mehr Liebesroman sein als spannungsgeladene oder humoristische Fantasy. Doch vergrault das Buch dadurch, dass es zwischen den St&uuml;hlen viktorianischer Roman und Fantasy-Buch angesiedelt ist, beide Leserschaften. Fantasy- oder Drachenfans, die aufregende Geschichten mit den geschuppten Kreaturen erwarten, werden &uuml;ber dem Buch binnen k&uuml;rzester Zeit einschlafen. Liebhaber viktorianischer Liebesromane werden von den kalten, farblosen Charakteren und der fast v&ouml;llig emotionslosen Herangehensweise an das Thema Beziehungen abgeschreckt sein.<\/p>\n<p>\nKurzum, Der Clan der Klauen ist ein Desaster auf ganzer Linie, einer der langweiligsten und &uuml;berfl&uuml;ssigsten Romane, die ich je gelesen habe, kann ich mir doch keine Zielgruppe vorstellen, die an diesem Buch ernsthaft Gefallen finden k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Vielen Dank an den <a href=\"http:\/\/www.die-subkultur.net\" target=\"_blank\">Doc<\/a> f&uuml;r die Rezension&nbsp;<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der alte Drache Bon Agornin ist tot, und wie es bei den Drachen Tradition ist, sollen seine Verwandten den Leichnam verspeisen, um daraus Kraft und Wachstum zu beziehen. 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