{"id":717,"date":"2004-12-12T22:55:24","date_gmt":"2004-12-12T22:55:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=717"},"modified":"2004-12-12T22:55:24","modified_gmt":"2004-12-12T22:55:24","slug":"die-edda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2004\/12\/die-edda\/","title":{"rendered":"Die Edda"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/wp-content\/images\/Drachen\/Books\/die_edda.jpg\" hspace=\"6\" alt=\"\" title=\"\" border=\"0\" style=\"float: left;\" \/>Die vorliegende Rezension wurde von lostlobo geschrieben und wird mit dessen Erlaubnis verwendet.<br \/>Die Edda (dt. &#8222;Urgro&szlig;mutter&quot;) ist eine Sammlung altnordischer Erz&auml;hlungen mythologischen Inhalts. Im Jahr 1851 wurde das Werk erstmals vollst&auml;ndig ins Deutsche &uuml;bersetzt ver&ouml;ffentlicht. Als Autor zeichnete Karl Simrock, Germanist und Dichter. 2004 gibt Manfred Stange im Marixverlag eine &uuml;berarbeitete Ausgabe von Simrocks 8. Auflage heraus. Literaturgeschichtlich wird das Mythenkompendium in die &Auml;ltere und J&uuml;ngere Edda unterteilt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die &Auml;ltere Edda entstand aus urspr&uuml;nglich oral tradierten Liedern, Versen und Geschichten aus der Zeit zwischen 800 und 1200. Ihre Sprache ist das Altnordische, wie es norwegische Eroberer in Island, Gr&ouml;nland oder in Exklaven auf den britischen Inseln verwendeten. Um 1270 schrieb ein unbekannter Verfasser die &Auml;ltere Edda auf 45 Pergamentb&ouml;gen nieder. Erster verb&uuml;rgter Besitzer dieses so genannten Codex Regius war Bischof Sveinsson im Jahre 1643. Seit 1971 liegt das kostbare mittelalterliche Werk im Isl&auml;ndischen Handschrifteninstitut von Reykjavik.<\/p>\n<p>Stilistisch kommt in der &Auml;lteren Edda eine sehr poetische Ausdrucksweise zum Tragen, die in Bildern, Vergleichen und Umschreibungen (= Kenningar) schwelgt. Einige Beispiele f&uuml;r Kenningar: &#8222;Speergewitter&quot; f&uuml;r Kampf, &#8222;Wundenflamme&quot; oder &#8222;Blutschlange&quot; statt Schwert bzw. anstelle von Gold &#8222;Sifs Haar&quot; (nach den strahlend blonden Locken gleichnamiger G&ouml;ttin). Es herrscht ein ausgepr&auml;gtes Versma&szlig; mit vielen Endreimen. &Uuml;berraschender Weise breiten sich die Geschichten nicht episch aus, sondern sind kurz, pointiert und oft in Dialogform. Stellenweise erinnern die G&ouml;tter- und Heldenlieder an moderne Interviews, etwa dann wenn einer der gar nicht so wissenden Asen Ratschlag bei einer weisen Riesin einholt. Philosophisch gibt die &Auml;ltere Edda das Weltbild des germanischen Heidentums wieder, in dem Blutsfehden, G&ouml;tterintrigen und das all&uuml;bergeordnete Schicksal das Leben bestimmen.<\/p>\n<p>Anders die J&uuml;ngere Edda, die Snorri Gurluson 1220 auf Altisl&auml;ndisch festhielt. Snorri war bereits &uuml;berzeugter Christ und stand der alten Welt des germanischen Pantheon gelassen bis heiter gegen&uuml;ber. Die allzu menschlich agierenden G&ouml;ttinnen und G&ouml;tter sind nur das T&uuml;pfelchen am i im m&auml;rchenhaften Kosmos des Snorri, der von Zwergen, Alben, Drachen und riesigen W&ouml;lfen bev&ouml;lkert wird. Snorri Gurluson legte ebenfalls gro&szlig;en Wert auf Kenningar. Er wollte angehenden Skalden (sangesgewandten Dichtern, &auml;hnlich den keltischen Barden oder mittelalterlichen Minnes&auml;ngern) Beispiele in der Reimkunst geben, eine Art Handbuch f&uuml;r poetische Umschreibung und Versma&szlig; abliefern.<\/p>\n<p>In der Edda treffen wir all jene Gestalten wieder, mit denen wir von Kindheit an aus Sagen bestens vertraut sind. Da st&ouml;&szlig;t der Leser zum einen auf Sigurd (Siegfried), der den Drachen Fafnir t&ouml;tet, wie auf H&ouml;gni (Hagen), Gunnar (Gunther) oder Atli (Etzel), alles Figuren des Nibelungenliedes. Zum anderen trifft er die rivalisierenden G&ouml;ttergeschlechter der kriegerisch gepr&auml;gten Asen und der eher b&auml;uerlichen Wanen, die sich sp&auml;ter hin vers&ouml;hnen und verheiraten; eine poetische Symbiose f&uuml;r den historischen &Uuml;bergang von der Nomadenkultur zur Sesshaftigkeit. Oberster Gott der Asen ist Odin. Er ist mit zahlreichen Attributen ausgestattet, wie dem Speer Gungnir, der nie sein Ziel verfehlt, Sleipnir, dem sechsbeinigen Pferd, seinen W&ouml;lfen Geri und Freki oder den Raben Hugin (&#8222;Gedanke&quot;) und Munin (&#8222;Erinnerung&quot;), die allmorgendlich ausfliegen, um am Abend ihrem Herren &uuml;ber die Geschehnisse in der Welt Bericht zu erstatten. Odin ist zudem ein&auml;ugig, da er dem Riesen Mimir eines seiner Augen als Pfand f&uuml;r einen Schluck aus dessen Brunnen der Allwissenheit verpf&auml;ndete. Die Herrin der Wanen ist die sch&ouml;ne Freya, eine Vegetationsg&ouml;ttin, deren Wagen von Katzen (einem Fruchtbarkeitssymbol) gezogen wird. Herausragend ist auch die Figur des Loki, eines undurchschaubaren R&auml;nkeschmieds, der einmal abgrundtief verschlagen das Ende der Asen herbeisehnt, dann wieder den verhassten Verwandten hilft.<\/p>\n<p>Der Altnordische Kosmos &#8211; wie er in der Edda beschrieben steht &#8211; ist ein einfaches Modell. Am Anfang war nur der Raum Ginnungagap. In seinem Norden entwickelte Niflheim, eine st&uuml;rmische Eiswelt, im S&uuml;den das feurige Muspelheim. Wo die beiden Extrema sich ber&uuml;hrten, entstand der Urriese Ymir, aus dessen K&ouml;rper die ersten G&ouml;tter die Erde schufen. Auf dieser dreht sich alles Wesentliche um die Weltenesche Yggdrasil, &uuml;ber deren Bl&auml;tterdach sich Asgard, das Reich der G&ouml;tter, mit Walhalla, der pr&auml;chtigen Halle gefallener Krieger, befindet. Midgard (mal um den Baumstamm, ein andermal unter einer seiner drei Hauptwurzeln liegend) ist der Wohnort der Menschen. Unter dem Baum liegt Hel, das Land der Toten. Als G&ouml;tterbote l&auml;uft das quirlige Eichh&ouml;rnchen Ratatoskr den Baum auf und ab, w&auml;hrend unterm Wurzelwerk der Drache Nidh&ouml;ggr die Yggdrasil zum Einsturz bringen will, um die G&ouml;tterd&auml;mmerung, das Weltenende Ragnar&ouml;k einzul&auml;uten.<\/p>\n<p>Viele Worte der altnordischen Religion leben bis dato fort, so die Namen der G&ouml;tter Odin und Thor, die im s&uuml;dgermanischen Raum (dem heutigen Deutschland und England) Wotan bzw. Donar genannt wurden. Der englische Name f&uuml;r Mittwoch, Wednesday, hei&szlig;t &uuml;bersetzt &#8222;Wotanstag&quot;. Donnerstag wiederum war urspr&uuml;nglich dem Donar geweiht, jenem Asen, der seinen Blitze spr&uuml;henden Hammer Mj&ouml;lnir schwingt. Und der Freitag hat nichts mit arbeitsfrei, sondern mit G&ouml;ttin Freya zu tun. Auch das Wort H&ouml;lle hat seine Wurzel im nordischen Totenreich Hel.<\/p>\n<p>J.R.R. Tolkien, Vater des Fantasy-Genres, lie&szlig; die Edda in Namensgebung und Motiven im &#8222;Herr der Ringe&quot; ebenso kr&auml;ftig Niederschlag finden.<\/p>\n<ul>\n<li>Aus den Alben (&#8222;Lichtgestalten&quot;) der Edda wurden Elben.<\/li>\n<li>&nbsp;Mimirs Brunnen ist das Pendant zum Spiegel der Galadriel<\/li>\n<li>Der Name des Tolkienschen Zwergenkriegers Gimli erinnert stark an Gimili, eine vor Feuer sch&uuml;tzende H&ouml;hle.<\/li>\n<li>Shadowfax, der Hengst des Magiers Gandalf, endet auf &#8222;fax(i)&quot;, das altnordische Wort f&uuml;r Pferd.<\/li>\n<li>Sauron, der Feind alles Guten auf Tolkiens Mittelerde, hausend im vulkanischen Land Mordor, ist nichts anderes als ein Abbild des Feuerriesen Surtur, der Midgard mit Vernichtung &uuml;berzieht.<\/li>\n<li>Last but not least sei Andwaranaut erw&auml;hnt, ein verfluchter Ring, der samt dem Schatz der Niflungen auf den Grund eines Flusses fiel. Auch bei Tolkien wird &#8222;der eine Ring, der alle zu knechten trachtet&quot;, am Grund eines Flusses gefunden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Summa summarum macht die Edda wohl neben Ilias, Odyssee und dem Artus-Sagenkreis die wichtigsten Anf&auml;nge europ&auml;ischer Literatur aus, deren weitverzweigtes Netzwerk an Mythen bis in die Gegenwart hineinreicht. <br \/><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3937715142\/dragonslayer-21\">Die Edda<\/a> kann man bei Amazon f&uuml;r ca. 7.95\u00a4 kaufen<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vorliegende Rezension wurde von lostlobo geschrieben und wird mit dessen Erlaubnis verwendet.Die Edda (dt. &#8222;Urgro&szlig;mutter&quot;) ist eine Sammlung altnordischer Erz&auml;hlungen mythologischen Inhalts. Im Jahr 1851 wurde das Werk erstmals vollst&auml;ndig ins Deutsche &uuml;bersetzt ver&ouml;ffentlicht. 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