{"id":646,"date":"2008-10-25T09:04:52","date_gmt":"2008-10-25T09:04:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=646"},"modified":"2008-10-25T09:04:52","modified_gmt":"2008-10-25T09:04:52","slug":"der-versteinernde-blick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2008\/10\/der-versteinernde-blick\/","title":{"rendered":"Der versteinernde Blick"},"content":{"rendered":"<p>In der Mythologie finden sich vornehmlich zwei Legenden, die von Versteinerungen durch den puren Anblick eines Wesens berichten, die Gorgonen und die Basilisken.<\/p>\n<p>Der griechischen Mythologie entstammen die Gorgonen Stheno, Euryale und Medusa. Die bekannteste Gorgo ist wohl zweifelsohne die sterbliche Medusa, denn einst war die Tochter der Keto und des Phorkys eine sch&ouml;ne Frau. Als Pallas Athene Medusa jedoch bei ihrer Liebschaft mit Poseidon &uuml;berraschte, erz&uuml;rnte sie und gab ihr die Gestalt ihrer Schwestern. Fortan erschien sie als gefl&uuml;geltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren, langen Eckz&auml;hnen, einem Schuppenpanzer, gl&uuml;henden Augen und gespaltener Zunge. Der gr&auml;&szlig;liche Anblick der Medusa lie&szlig; jeden zu Stein erstarren. Nur Perseus, dem Sohn des Zeus und der Danae gelang es mit einer List die Medusa zu enthaupten.<\/p>\n<p>Der Basilisk gilt als der K&ouml;nig der Schlangen und wird in B&uuml;chern meist als Hybride mit dem Oberk&ouml;rper eines Hahns und dem Unterleib einer Schlange dargestellt.Auf dem Kopf tr&auml;gt der &quot;kleine K&ouml;nig&quot; eine Krone. Sein Blick versteinert oder t&ouml;tet. Sein Atem ist t&ouml;dlich giftig. Im Mittlealter wurde diese Beschreibung noch erweitert, so dass man seitdem gemeinhin annimmt, dass der Basilisk aus dem Ei eines alten Hahnes oder aus einem dotterlosen H&uuml;hnerei schl&uuml;pfe, welches von einer Kr&ouml;te, einer Schlange oder im Mist ausgebr&uuml;tet wird. Sein stinkender Atem ist unertr&auml;glich und sein Blick soll versteinern k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Erstmals schriftlich erw&auml;hnt wird der Basilisk von Plinius dem &Auml;lteren in seinem Buch Naturalis Historia.<br \/>\n<br \/>&quot;<em>Durch sein Zischen verjagt er alle Schlangen und bewegt nicht, wie die anderen, seinen K&ouml;rper durch vielfache Windungen, sondern geht stolz und halb aufgerichtet einher. Er l&auml;sst die Str&auml;ucher absterben, nicht nur durch die Ber&uuml;hrung, sondern auch schon durch den Anhauch, versengt die Kr&auml;uter und sprengt Steine: eine solche St&auml;rke hat dieses Untier. Man glaubte, dass jemand ihn einst zu Pferde mit einem Speer erlegt habe und dass das wirkende Gift an diesem emporstieg und nicht nur dem Reiter, sondern auch dem Pferd den Tod brachte. Und dieses gewaltige Ungeheuer &#8211; denn h&auml;ufig haben K&ouml;nige es tot zu sehen gew&uuml;nscht &#8211; wird durch die Ausd&uuml;nstung des Wiesels umgebracht: so sehr gefiel es der Natur, nichts ohne etwas Gegenkraft zu lassen. Man wirft die Wiesel in die H&ouml;hlen [der Basilisken], die man leicht an dem ausged&ouml;rrten Boden erkennt. Diese t&ouml;ten durch ihren Geruch, sterben aber zugleich selbst, und der Streit der Natur ist bereinigt.<\/em>&quot;<\/p>\n<p>Wendet man sich nun dem versteindernden Blick zu und l&auml;sst die Option auf &quot;Magie&quot; au&szlig;er Acht, so kann man selbst mit viel Fantasie keine Begr&uuml;ndung finden warum sich ein Lebewesen in Stein verwandeln sollte. In der Natur gibt es jedoch durchaus &auml;hnliche Ph&auml;nomene zu beobachten, n&auml;mlich die Hypnose, Paralyse oder die Schreckstarre.<br \/>\n<br \/>Allerdings sollte man die Hypnose oder das versetzen in einen trance&auml;hnlichen Zustand aus den Beobachtung auslassen. Zwar gibt es die sogenannte Blitzinduktion, die eine leichte Trance innerhalb weniger Sekunden induzieren kann, aber eine hohe Erwartungshaltung des Hypnotisanden und ein &Uuml;berraschungsmoment ben&ouml;tigen.&nbsp; Obwohl der &Uuml;berraschungsmoment zweifelsohne gegeben ist, wird es selbst dem besten Hypnotiseur nicht gelingen einen Menschen gegen seinen Willen zu hypnotisieren, sondern diesen nur unterst&uuml;tzen, sich selbst in Trance zu versetzen. Auch Reptilien k&ouml;nnen ihre Beute nicht hypnotisieren. Dieser Irrglaube liegt in den gro&szlig;en lidlosen Augen begr&uuml;ndet. Somit scheidet die Hypnose als Ursache f&uuml;r den &quot;versteindernden Blick&quot; aus.<br \/>\n<br \/>Unter der Paralyse oder Plegie versteht man eine teilweise oder vollst&auml;ndige L&auml;hmung der Skelettmuskeln. Diese entstehen meist durch Nervensch&auml;digungen wie sie bspw. bei deren Zerst&ouml;rung oder der Anwendung von Giften auftreten k&ouml;nnen. Schlangen haben dieses Prinzip zur Jagd perfektioniert. Ihr Biss und das damit eingef&uuml;hrte Gift kann das zentrale Nervensystem ihrer Opfer derart sch&auml;digen, dass diese paralysiert sind. Wird das Gift hingegen ausgespiehen, so geschieht dies meist nur zur Verteidigung und f&uuml;hrt bei den Opfern meistens zur Erblindung, da das Gift sehr treffsicher auch &uuml;ber gr&ouml;&szlig;ere Entfernungen in Richtng der Augen verschossen werden kann.<br \/>\n<br \/>Die Schreckstarre ist die meiner Meinung nach die wahrscheinlichste Herkunft des versteindernden Blickes, denn es handelt sich um das verhaltensbiologische Ph&auml;nomen eines Zustandes v&ouml;lliger Bewegungsunf&auml;higkeit die eintreten kann, wenn ein Tier von einem Fressfeind bedroht wird oder einer extremen Stresssituation ohne erkennbaren Ausweg konfrontiert wird. Da viele Fressfeinde ihre Beute prim&auml;r durch deren Bewegung erkennen k&ouml;nnen ist dieses Verhalten ein biologisch zweckm&auml;&szlig;iger Reflex und als Instinkt auch beim Menschen zu beobachten. Menschen die in eine solche Situation geraten sind k&ouml;nnten sp&auml;ter davon berichtet haben, dass sie sich in Gegenwart eines Basilisken nicht bewegen konnten, sie waren f&ouml;rmlich wie versteinert und n&auml;hrten somit den Mythose des &quot;versteinernden Blicks&quot;.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Mythologie finden sich vornehmlich zwei Legenden, die von Versteinerungen durch den puren Anblick eines Wesens berichten, die Gorgonen und die Basilisken. Der griechischen Mythologie entstammen die Gorgonen Stheno, Euryale und Medusa. Die bekannteste Gorgo ist wohl zweifelsohne die sterbliche Medusa, denn einst war die Tochter der Keto und des Phorkys eine sch&ouml;ne Frau. 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