{"id":645,"date":"2004-07-23T18:26:56","date_gmt":"2004-07-23T18:26:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/?p=645"},"modified":"2004-07-23T18:26:56","modified_gmt":"2004-07-23T18:26:56","slug":"der-drachenhort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drachenserver.de\/wordpress\/2004\/07\/der-drachenhort\/","title":{"rendered":"Der Drachenhort"},"content":{"rendered":"<p>Wird ein Drache erschlagen, so ist dem Helden dessen ungeheuer reichhaltiger Schatz sicher. Die sch&ouml;nsten Preziosen, die gr&ouml;&szlig;ten Karfunkel, alle finden sich angeh&auml;uft in seiner H&ouml;hle und bewacht bis zu dessen Tode.<\/p>\n<p>Warum aber sammeln Drachen dieser Kleinodien, warum h&auml;lt sich hartn&auml;ckig die Aussage von den goldgierigen Monstern?<\/p>\n<p>Im Kapitel &quot;Sind Drachen gierig?&quot;<sup>[<a href=\"#der-drachenhort-n-1\" class=\"footnoted\" id=\"to-der-drachenhort-n-1\">1<\/a>]<\/sup> haben wir bereits eine m&ouml;gliche Erkl&auml;rung angedeutet, n&auml;mlich die mythische. Drachen sind so alt wie die Zeit selbst. Alles was sie einst kennen und lieben lernten verging neben Ihnen und hinterlie&szlig; Risse in Ihren Herzen. Edelsteine jedoch sind geduldig. Sie &uuml;berdauern Verfall und Epochen genau wie Drachen es zu tun pflegen. In ihnen sieht der Drache einen Begleiter durch sein Leben. Viele Prunkst&uuml;cke verbindet er mit Epochen oder bestimmten Ereignissen seines Lebens. Er kann diese Erinnerungen in seinen Lieblingen fokussieren und wieder zu neuem Leben erwecken, denn die Erinnerung in Ihnen ist stark. So stellt es sich im Laufe seines Langen Lebens ein, dass der Drache beginnt eben diese Steine zu sammeln und zu verteidigen, sind sie doch seine einzige Erinnerung an fr&uuml;here Glanz und Glorie.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich hatten diese Steine auch einen praktischen Nutzen f&uuml;r den Drachen. Wie im Kapitel &quot;Der Bauch des Drachen&quot;<sup>[<a href=\"#der-drachenhort-n-2\" class=\"footnoted\" id=\"to-der-drachenhort-n-2\">2<\/a>]<\/sup> beschrieben, war der Bauch des Drachen aus verschiedenen Gr&uuml;nden eine sehr labile Konstruktion, die es um jeden Preis zu sch&uuml;tzen galt. Viele Drachen machten es sich deswegen zur Gewohnheit Ihr Preziosen auf der Unterseite Ihres K&ouml;rpers zu befestigen, wodurch diese nicht nur besser gesch&uuml;tzt war, sondern auch die Edelsteine selbst einen gewissen Schutz vor Pl&uuml;nderungen genossen. Der Hort konnte also tats&auml;chlich nur &uuml;ber die Leiche des Drachen ergattert werden.<\/p>\n<p>Eine ganz und gar andere Theorie kann man jedoch aufstellen, wenn man das Ph&auml;nomen des Gold hortens auf biologischer Ebene betrachtet.<\/p>\n<p>Der Drache als solcher ist ein Wesen mit einer gar unglaublichen K&ouml;rperchemie. Der Drachenatem, das Drachenblut, das Drachengas, welches ihn fliegen l&auml;sst, all diese Faktoren sollte uns eines vor Augen f&uuml;hren. Was passiert mit den Nebenprodukten? Diese m&uuml;ssen nat&uuml;rlich auch von einem Drachen ganz normal ausgeschieden werden. Das Ergebnis ist mit Sicherheit ein Chemiecocktail sonder gleichen, den der Drachen, &auml;hnlich wie der Mensch st&auml;ndig &quot;ausschwitzt&quot;. Binnen k&uuml;rzester Zeit w&uuml;rde jede Umgebung in der sich der Drache l&auml;nger aufh&auml;lt in eine Sickergrube verschiedenster Chemikalien verwandelt werden. Drachen sind Hort Bauer, sie verbringen oftmals viele Jahrhunderte in ihren H&ouml;hlen und sammeln deswegen auch eine Menge des oben genannten Schlamms an. Das dies auch nicht spurlos an ihnen vor&uuml;ber gehen kann, ist folglich logisch, denn auch f&uuml;r den Menschen w&auml;re ein st&auml;ndiger Aufenthalt in seinen Ausscheidungen kein positives Unterfangen.<\/p>\n<p>Hier kommen wir nun erneut an die Stelle an der wir uns Fragen m&uuml;ssen, warum Drachen begannen Gold zu sammeln. Es scheint keinen bekannten angeborenen ausl&ouml;senden Mechanismus irgendeines uns bekannten Tieres zu geben, der ein &auml;hnliches Verhalten zur Folge h&auml;tte, weswegen wir nicht von vererbtem Wissen sprechen k&ouml;nnen. Auch scheint der Gedanke an durch Elternpaare gepr&auml;gtes Wissen eher abwegig zu sein, da Drachen bekannterma&szlig;en Einzelg&auml;nger sind und h&auml;ufig ohne einen elterlichen Schutz aufwachsen. Trotzdem, eine Gier nach Preziosen entwickelt sich bei fast allen Drachen schon fr&uuml;h, wodurch wir schlie&szlig;en k&ouml;nnen, dass wir uns einem Lernprozess des Drachen gegen&uuml;ber finden. F&uuml;hren wir an dieser Stelle noch einmal die angebliche Vorliebe des Drachen an, die wir schon im Kapitel &quot;Drachen und Jungfrauen&quot; angesprochen haben. In vielen der uns bekannten Sagen und Legenden werden den Drachen Jungrauen edlen Geschlechts vorgesetzt, um diesen f&uuml;r eine gewisse Zeitspanne zu bes&auml;nftigen. Diese Jungfrauen werden, als eine Folge des Volksglaubens, reich mit Gold und Edelsteinen geschm&uuml;ckt und vom Drachen, dessen Gier nach Gold noch nicht so stark ausgepr&auml;gt ist, verschlungen. Der Metabolismus des Drachen, also dessen Stoffwechselvorg&auml;nge, sind so ausgelegt, dass sie dessen Nahrung bestm&ouml;glich zersetzen, wozu auch die starke Drachens&auml;ure ihren Beitrag leistet. Interessant jedoch erscheint, dass Gold und Edelsteine in hohem Ma&szlig;e resistent gegen die zersetzende Wirkung der Magens&auml;uren eines Drachen sind. Sie werden, im Falle des Goldes, haupts&auml;chlich unver&auml;ndert wieder ausgeschieden oder aber bleiben, im Falle der Edelsteine, im Magen des Drachen zur&uuml;ck.<\/p>\n<p>Scheidet ein Drache auch relativ wenig von seiner Nahrung wieder aus, so ist dies beim Gold definitiv der Fall. Dieses Gold sammelt sich nat&uuml;rlich mit der Zeit in dessen Hort an. Fr&uuml;her oder sp&auml;ter bemerkt dies der Drache und er stellt auch fest, dass das weiche Gold sich hervorragend daf&uuml;r eignet, um darauf zu ruhen. Die relativ weiche Erscheinungsart reinen Goldes macht es ihm dadurch m&ouml;glich sich eine Unterlage ohne f&uuml;r seinen ungesch&uuml;tzten Unterleib gef&auml;hrliche Spitzen und Kanten zu erzeugen. Unser Drache lernt. Er beginnt zu verstehen, dass das goldene Metall, welches sein jungfr&auml;uliches Futter stets zu tragen pflegt, sich au&szlig;erordentlich gut dazu eignet, die eigenen Schuppen vor dem erw&auml;hnten Schlamm zu sch&uuml;tzen und beginnt seinerseits mit der Suche nach mehr Gold, welches ihm die versch&uuml;chterte Landbev&ouml;lkerung nat&uuml;rlich auch prompt liefert, sobald er deren Herden und Felder terrorisiert.<\/p>\n<p>F&uuml;r die Edelsteine in des Drachen Bauch gibt es indes einen anderen Verwendungszweck. Wie wir aus dem Kapitel &quot;Drachen und der Flammenatem&quot;<sup>[<a href=\"#der-drachenhort-n-3\" class=\"footnoted\" id=\"to-der-drachenhort-n-3\">3<\/a>]<\/sup> wissen, ben&ouml;tigen Drachen um zu fliegen und Feuer zu speien ein selbst produziertes Gas, welches durch die Reaktion von Salzs&auml;ure und den Knochenw&auml;nden entsteht. Dem Drachen d&uuml;rfte schon recht fr&uuml;h im Laufe seiner Entwicklung aufgefallen sein, dass er anschlie&szlig;end erheblich besser fliegen kann, wenn er Kalkgestein zu sich nimmt. Doch selbst f&uuml;r die Drachens&auml;ure und die starken Muskeln des Drachen sollte es, wenn schon nicht schwer fallen, so doch zumindest lange dauern, bis diese zersetzt werden und der Drache das enthaltene Kalzium an seinen Knochen ablagern und f&uuml;r die Gasproduktion verwenden kann. Die harten Edelsteine in seinem Magen jedoch beginnen ab einer gewissen Menge wie nat&uuml;rliche Mahlsteine zu wirken und diesen Vorgang zu beschleunigen. Im Zusammenspiel mit den Magenw&auml;nden zerkleinern sie die gefressenen Steine viel effektiver und schneller, wodurch sie der Drache schneller verwerten kann. Ein m&ouml;glicherweise entscheidender Vorteil!<\/p>\n<p>Werfen wir einen Blick zur&uuml;ck auf unsere mythischere These. Ein Drache besetzt seinen Bauch mit Edelsteinen, um ihn zu sch&uuml;tzen? Auf den ersten Blick mag dies durchaus so wirken. Ein Drache hinterl&auml;sst seinem Bezwinger seinen Hort? Selbstverst&auml;ndlich! Denn wurde der Drache besiegt, was ja zumeist durch einen Streich gegen seinen Bauch vollzogen wurde, so quellen dem k&uuml;hnen Recken pl&ouml;tzlich die &uuml;ber die Jahrhunderte gesammelten Edelsteine entgegen. Die These des Edelstein-Gespickten Bauches dr&auml;ngt sich nun f&ouml;rmlich auf und auch der bis zum Tode bewachte Hort erscheint uns pl&ouml;tzlich logisch verst&auml;ndlich zu werden.<\/p>\n<p>Wie aber erkl&auml;ren wir folgende Ungereimtheit, die sich aus diesem Zusammenhang ergibt? Trotz eines relativ langen Lebens erscheint es unwahrscheinlich wenn nicht gar unm&ouml;glich solch unglaubliche Massen an Gold anzusammeln, wie sie manchen Drachen zugesprochen werden. Den Versuch zur L&ouml;sung bei reichen anwohnenden Menschen anzusetzen f&uuml;hrt uns in eine Sackgasse, denn diese m&ouml;gen vielleicht Ihre &quot;Opfergaben&quot; reichhaltig schm&uuml;cken, doch geschieht auch dies nur einmal alle paar Monate oder gar Jahre und auch Drachen werden nicht j&uuml;nger. Der Ansatz am Zahn der Zeit f&uuml;hrt dabei schon ein klein wenig weiter, denn der Drache hat ein sehr langes leben w&auml;hrend dessen er eine Menge Gold ansammeln kann. Hierbei st&ouml;rt jedoch die Tatsache, dass Drachen dazu geschaffen wurden, um zu fliegen. Mit einer gr&ouml;&szlig;eren Menge an Edelsteinen im Bauch ist dies jedoch nur bedingt bis gar nicht mehr m&ouml;glich. Mit der Zeit w&uuml;rde der Drache also immer verwundbarer werden.<\/p>\n<p>Verwundbarer also! Eventuell auch verwundbarer gegen&uuml;ber den Versuchen eines jungen Drachen ihm sein Revier und seine sichere Schutzh&ouml;hle streitig zu machen? W&auml;re es nicht also gut m&ouml;glich gewesen, dass unser alter Drache, schwer durch die Last der vielen Edelsteine und beh&auml;big durch sein langes Leben durch einen j&uuml;ngeren, kr&auml;ftigeren Drachen ersetzt wurde, nachdem dieser den alten Drachen t&ouml;tete und somit dessen Hort erbte? War es vielleicht sogar m&ouml;glich, dass im Laufe der Jahrhunderte viele Drachen auf eben diese Art und Weise ersetzt wurden und sich deswegen immer mehr Gold und Edelsteine ansammelten, die ein einzelner Drache niemals h&auml;tte anh&auml;ufen k&ouml;nnen?<\/p>\n<p>F&uuml;r welche These man sich auch letztendlich entscheidet, der Hort eines Drachen ist und bleibt eine Ansammlung der wertvollsten Preziosen, die f&uuml;r viele M&ouml;chtegern Helden einen Anreiz auf ein Abenteuer bildeten.<\/p>\n\n<ol class=\"footnotes\">\n\t<li class=\"footnote\" id=\"der-drachenhort-n-1\"><strong><sup>[1]<\/sup><\/strong>s. <a href=\"http:\/\/drachenserver.de\/cms\/index.php?option=content&#038;task=view&#038;id=389\">Sind Drachen gierig<\/a><a class=\"note-return\" href=\"#to-der-drachenhort-n-1\">&#x21A9;<\/a><\/li>\n\t<li class=\"footnote\" id=\"der-drachenhort-n-2\"><strong><sup>[2]<\/sup><\/strong>s. <a href=\"http:\/\/drachenserver.de\/cms\/index.php?option=content&#038;task=view&#038;id=372\">Der Bauch des Drachen<\/a><a class=\"note-return\" href=\"#to-der-drachenhort-n-2\">&#x21A9;<\/a><\/li>\n\t<li class=\"footnote\" id=\"der-drachenhort-n-3\"><strong><sup>[3]<\/sup><\/strong>s. <a href=\"http:\/\/drachenserver.de\/cms\/index.php?option=content&#038;task=view&#038;id=378\">Flammenatem<\/a><a class=\"note-return\" href=\"#to-der-drachenhort-n-3\">&#x21A9;<\/a><\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird ein Drache erschlagen, so ist dem Helden dessen ungeheuer reichhaltiger Schatz sicher. 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