Kindchenschema bei Drachen

Habt ihr in Bio aufgepasst? Das Kindchenschema bezeichnet einen Schlüsselreiz bei höheren Tieren und Menschen, ein Fürsorgeverhalten gegenüber ihren Jungen zu entwickeln. Meistens ist das Kindchenschema durch eine hohe Stirn, tief liegende Gesichtszüge mit große Augen, kleiner Nase, einem kleinen Kinn, und rundlichen Wangen geprägt. Was das mit Drachen zu tun hat? Das frage ich mich allerdings auch. Schaue ich aber etwas länger mal in die Auswüchse des Massenmediums Film, dann offenbahrt sich eindeutig der Zusammenhang. Beinahe jeder kommerziell erfolgreiche Film in dem ein Drache erscheint, verwendet ein dem Kindchenschema entsprechendes Modell. Demgegenüber sind Filme in denen der Drache ein Widersacher ist entweder nicht kommerziell erfolgreich, oder werden von den „Drachenfans“ als schlecht bezeichnet. Beispiele? Gerne!

  • Eragon: Kindchenschema sowohl als frisch geschlüpftes, als auch ausgewachsenes Exemplar! (Bild 1+2)
  • Mein Freund der Wasserdrache: Auf Teufel komm raus auf niedlich getrimmt! (Bild 3)
  • Dragonheart 1+2:  Kindchenschema…und auch noch Kulleraugen… (Bild 4+5)
  • Drachenzähmen leicht gemacht: Auch hier wurde das Schema angewandt. (Bild 6)
  • Die unendliche Geschichte: Auch Fuchur zeigt eindeutig obige Merkmale (Bild 7)
Kindchenschema bei DrachenKindchenschema bei DrachenKindchenschema bei DrachenKindchenschema bei DrachenKindchenschema bei Drachen
Kindchenschema bei DrachenKindchenschema bei Drachen

Aber es gibt auch Filme mit Drachenmodellen, die nicht niedlich, süß oder beschützenswert sind, im Gegenteil. Drachen, so jedenfalls unsere Überlieferung seit einigen Jahrhunderten, sind böse und ein Werk des Teufels. Gute Filme mit bösen Drachen? Auch die gibt es.

  • Disneys Dragonslayer: Diesen Film kennt leider kaum jemand, er ist aber ein wahrer Klassiker! (Bild 1)
  • Herrschaft des Feuers: Ein genialer Film, aber die Fans nehmen ihn nicht in den Olymp und ihre Herzen auf. (Bild 2)
  • Age of Dragons: Die schuppige Neuverfilmung von Moby Dick kam in Deutschland weder in die Kinos noch in die Videotheken. (Bild 3)
  • D-Wars: Eine trashiger Science Fiction – Fantasy – Mix, mit vielen ungewöhnlichen, asiatischen Drachen. (Bild 4)
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Man erkennt deutlich die Abweichung zu obigen Beispielen: Spitze Schnauzen, Reisszähne, schlitzförmige- oder Repitilienaugen, gestreckter, rauptierähnlicher Körperbau. Mir persönlich gefielen stets Filme mit eben jenen bösartig aussehenden Drachen am besten, weil sie meiner Vorstellung  am ehesten entsprechen. Zum Glück flimmert mein liebstes Schuppentier verhältnismäßig oft über die große Leinwand oder auf dem heimischen Fernseher, auch wenn ich meine Favoriten meist nur in Statistenrollen oder als Werkzeuge der Zerstörung betrachten darf. Ich hoffe auf einen Film der sich auf eine Stufe mit Herrschaft des Feuers oder Dragonheart stellt und mir keinen sprechenden pummelbäuchigen Liebhabdrachen präsentiert. Bis dahin muss ich wohl Nischenprodukte betrachten oder mich im Internet umschauen, denn auch dort gibt es einige Kurzfilme mit teilweise hervorragenden visuellen Ergebnissen, wie zum Beispiel:

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4 Kommentare zu „Kindchenschema bei Drachen“

  • Alcira:

    Das Böse und Gut verschieden aussehen/wirken ist doch klar. Die Netten Drachen werden selten Narben zerfucht, mit blutigem Fang und widerlichem Aussehen auftreten, da die Leute die den Film schauen sie ja mögen sollen. Oft sind sie ja auch Hauptpersonen in den Storys, daher ist es wichtig, dass die Zuschauer Bezug zu ihnen finden und sie für sympathisch empfinden. Bei bösen Charakteren ist das nicht unbedingt so wichtig, denke ich. Diese Drachen sind ja, wie du schon sagtest, meist nur „Nebendarsteller“.

    Btw merkst du das auch bei D&D gut. Nimm mal den Schwarzen Drachen und den Silberdrachen als Beispiel – ich denke man merkt den Unterschied. Das Böse soll abschrecken (Schwarzer Drache: Schädelkopf, stinkend, dunkles, unheimliches Aussehen, krumme Zähne und seltsame Auswüchse/Verformungen des Körpers) das Gute sympathisch sein (Silberdrachen: Reine, silberne Schuppen, selten mit Narben dargestellt, keine bizarr abstehenden Hörner/Stacheln, schönes anstatt schauriges Design und Proportionen).

    • Das ist ja genau das was ich bemängele. Muss man die Gesinnung eines Drachen immer an seinem Äußeren ablesen können? Mich würde mal etwas neues reizen und dazu würde schon gehören dass ein fies aussehendes Geschöpf nett ist oder andersherum. Was mich nur faszinierte und zu diesem Post bewogen hatte war die Tatsache, dass Filme mit niedlichen Drachen erfolgreicher zu sein scheinen als andere. Aber bei multimillionenschweren Produktionen kann ich bis zu einem gewissen Grad auch verstehen, dass die Filmstudios lieber auf Nummer sicher gehen und den x-ten Aufguss eines bewährten Konzeptes anbieten, ehe sich an etwas neues zu wagen.

  • Alcira:

    Ich glaube auch da geht es weniger um die Gesinnung an sich. Wenn die Leute eine Hauptperson nicht mögen, wird auch der Film nicht so gut bewertet. Es ist daher für den finanziellen Erfolg des Films wichtig, das Charaktere wie Saphira, Draco usw entsprechend Wirkung auf den Zuschauer haben. Ein bösartig aussehender, aber netter Drache, würde vermutlich trotz seiner Gesinnung weniger gemocht werden, weil er eben einfach nicht dem entspricht was die Mehrheit mag. Ich persönlich mag auch die bösen Drachen, finde auch deren Design faszinieren und „schön“. Allein die von HdF aber auch der von Disneys Dragonslayer *g* die sind einfach…wow. Aber bin halt in der Kategorie der Ausnahmen :/ die Masse ist da anders, mögen Drachen auch nicht sooo sehr wie wir zwei, also muss man den Drachen so bauen und auftreten lassen, das die Leute ihn mögen werden. Bestes, jüngstes Beispiel war da ja Ohnezahn. Der Süss-Effekt ist dem ja quasi schon auf die Stirn gepappt. Man schaut leider zuerst auf die Masse. Doch anders würden sich so Filme auch einfach nicht lohnen. Kostet ja massig Geld so ein Film (und ein schöner, animierter Drache) :/

  • Dragonlord:

    Na na… Drachen sind doch nicht böse oder hässlich 😀 . Auf jedenfall sind aber beide Schienen schlecht und langweilig, egal ob böse und unrealistisch verunstaltet oder kindlich und lächerlich. Es gibt ausnahmen in beide Richtungen, welche filmisch, gestalterisch oder storytechnisch Massstäbe setzen. Deine gewählten Beispiele sind dabei vorwiegend nicht von der Sorte oder schlicht weg trashig. Ausnahme dabei ist DS, aber nicht wegen der Geschichte sondern wegen der Technik (Stop Motion). Jedenfalls kenn ich nur eine paar Top Filme mit Drachen in der Besetzung, und die sind (bis auf einen) nicht in deiner Liste. Würde es aber auch bevorzugen, wenn mal Drachen mal kreativ in Film und Spiel umgesetzt würden. Leider ist da aber seit einigen Jahren massiv Fehlanzeige am laufen.

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