Messebericht Spiel 2010

Die Spielemesse in Essen findet jedes Jahr ziemlich genau eine Woche nach meinem Geburtstag statt. Ich schenke mir den Aufenthalt dort stets selbst. Dieses Jahr habe ich meinen 30. Geburtstag feiern dürfen. Dabei musste ich mir doch mehr als einmal anhören, dass ich jetzt abgehangen, vollreif oder auch einfach nur alt sei. Aber bin ich deswegen auch zu alt für die Spielemesse? Dies gilt es herauszufinden. Vollgepackt mit allen Dingen, die mir meine jahrelange Erfahrung vorschreibt, mache ich mich auf den Weg Richtung Essen. Meine niegelnagelneue Kamera ist aufgeladen, Hose, Schuhe und Jacke sind bequem und meine Freundin für alle Eventualitäten instruiert. (Was ist zu tun wenn mir das Geld ausgeht? Was musst du tun wenn ich mehr als 20 Minuten auf ein Bild starre oder wenn ich wildfremden Menschen an den Hals springe?) Mit dem Alter kommt schließlich auch die Weisheit…sagt man.

Zunächst einmal stand der obligatorische Zwischenstopp im Messebasislager Löhne an. Die Bahn fuhr mich und mein Küken dorthin und nach einem kleinen Einfall im Süßigkeitenlager Metro mit anschließendem Verzehr aller Güter und dem was die Mannschaftsköchin Julie zauberte, konnte der erste Abend als „gelungen“ bezeichnet und abgehakt werden. Die Nacht war kurz und hundig. Dank Granufink und seniler Bettflucht habe ich nach nur wenigen Stunden Schlaf das Licht des Tages erneut gesehen und den Aufstieg auf den Berg Essen schnell wieder aufgenommen.

Die Messe als solche hat sich über die Jahre kaum verändert. Alles findet sich an Ort und Stelle. Mehrmalige Besucher wissen halt wo sie Würfel, Drachenbilder, Crêpes und Furries finden, falls sie sie suchen.  Allenfalls das Publikum wandelt sich. Waren es vor wenigen Jahren noch die alles dominierenden Elfen und Orks, die , Herr der Ringe sei Dank, die Messehallen bevölkerten, so konnte man anno 2010 nur noch wenige Schwarzpelze bewundern. Generell war das Aufgebot an gewandeten Besuchern eher mau. Einige wenige (zugegeben sehr gelungene) Tauren stapften durch die Halle. Umso mehr wurde ich von Naruto’s, Digilords und sonstigem Mangagedöns behelligt. Zugegeben, ich kann damit nichts anfangen. Mir gefällt High/Dark Fantasy immernoch besser als lila Haarsprayfrisuren. Leider konnte ich mich dieses Jahr auch nicht wirklich in einen befriedigenden Kaufrausch hineinsteigern, denn außer Monte Moore und seiner Gattin, war kein ausländischer Fantasykünstler zugegen. Ciruelo war bereits letzten Monat auf der Frankfurter Buchmesse und Larry Elmore hatte vergessen seinen Reisepass rechtzeitig zu verlängern. Spitze gemacht Larry 🙂 Auch Chimera Publishing, bei denen ich bisher jedes Jahr dreistellige Beträge gegen bedrucktes Papier eintauschte, war nicht Teil der Messe. Sehr schade. Dafür kann ich jedem Liebhaber der Fantasyliteratur empfehlen, die zwei bis drei Antiquariatstände zu besuchen. Die eine oder andere Perle füllte für den Rest des Tages beschwerend meinen Rucksack.

Aber, Essen ist nicht nur Fantasie, Brettspiel und Shopping, Essen ist für mich die alljährliche Möglichkeit einige liebe Freunde wieder zu sehen. Zumindest auf dieser Seite wurde ich nicht enttäuscht. Egal ob Freunde aus alten Drachenforumszeiten oder jahrelange Weggefährten, Admins und Mods aus Atrahor, sie alle kann ich jedes Jahr in Essen treffen. Egal wie alt ich werde und egal wieviele junge Mangalümmel meinen Weg kreuzen, wegen diesen Menschen würde ich jedes Jahr aufs Neue meinen Weg nach Essen antreten. Jetzt gerade sitze ich im ICE nach Berlin, morgen früh schon fliege ich bereits wieder über die Welt, aber mein wohliges Gefühl bleibt, dass ich mal wieder für einige Stunden zu Hause war.

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