Drachenstich 2010

P1000695Donnerstag, 22:00 Uhr
Ich habe alles gepackt, Proviant ist ein- die Kamera aufgeladen, die Tickets gedruckt und das Navi mit neuesten Karten bestückt. Morgen früh um 6:00Uhr klingelt mein Wecker und damit beginnt für meine Freundin und mich das Wochenende in Furth im Wald zum Drachenstich 2010! Gute Nacht.

Freitag 6:58 Uhr
Du Schatz wieso klingelt der Wecker eigentlich ni-FUCK. Nun, es scheint schöne Tradition zu sein dass auf meinen Kurzreisen irgendetwas schief geht. Seien es kaputte Autos, vergessene Kameras oder falsch gebuchte Rückreisedaten. Das ist natürlich Absicht, nur so weiß ich, dass meinen Körper auch genug Adrenalin durchströmt, um für all das bereit zu sein was ich mir vornehme (und dann doch nicht schaffe).

Freitag 7:42Uhr
Nach einer sträflich kurzen Katzenwäsche waren wir nur genau 42 Minuten zu spät auf der Straße. Um dennoch pünktlich anzukommen, müssen jetzt laut Navi nur noch eben genau diese 42 Minuten wieder herausgefahren werden. Ein Klacks!

Freitag 13:00Uhr
Pünktlich erreichen wir den Further Nachbarort Rimbach, wo auch schon vier Zimmer und meine Löhner Horde samt Doc auf uns warten, genau wie Sauna, Massage und Pool. Genau das richtige um die müden Knochen *hust* für den kommen Tag vorzubereiten.

Samstag, der Tag des Drachenstichs
Bei herrlichem Wetter fielen wir gegen Mittag in Furth ein. Ein Segen, denn die ganze Woche hatte es wie aus Kübeln geregnet. Besonders gut konnte man diesen Umstand auf dem Cave Gladium begutachten, denn der Acker auf dem die tausende Besucher vieler Mittelaltervereine campierten war ein riesiges Matschfeld. Der Basar-artigen Stimmung und dem „Rattern der Latexwaffen“ (aus dem Neudoc’schen für LARP Anm. d. Autors) tat dies keinen Abbruch und so wurde schon bald geschachert was das Zeug hielt. Es wurden Statuen, Met und Stockfisch erstanden (und ebenso schnell wieder vernichtet), Äxte auf Holzgestelle und freilaufende Menschen geworfen und Turniere beobachtet. Stets begleitet von der immer wärmer scheinenden Sonne, stand auch ein Besuch des Drachenmuseums an, welches mich positiv überraschte. Man hatte im Vergleich zum Vorjahr noch weitere Etagen geöffnet und z.B. mit drachigen Glasexponaten befüllt. Auch ein Blick vom Glockenturm war möglich und nach vielen Stufen eröffnet sich ein toller Blick auf Furth im Wald, was bei näherer Betrachtung eher „Furth in der Nähe von ein bisschen Wald“ heißen sollte 😉

Das Beste kommt zum Schluss“ sagt man gemeinhin und dem kann ich mich nur anschließen. Für Furth und alle seine Besucher muss der diesjährige Drachenstich etwas ganz besonderes gewesen sein, denn es ist das Jahr des neuen High Tech Drachen Tradinno gewesen. Der alte Trekker – entschuldigung – Drache wurde gegen ein neues 11 Tonnen Hightechmonster ausgetauscht welches mit allem erdenklichen Schnickschnack ausgestattet ist und mit seinen fast 5m Höhe, 11m Länge, Nebelmaschine, Flammenwerfer, Blutdüsen und Stereoanlage (s. Video) den momentan weltgrößten frei laufenden Roboter darstellt. Optisch orientiert er sich ganz klar an den klassischen westlichen Drachen mit sechs Gliedmaßen und der Kopf scheint von Denis Beauvais Bildern inspiriert worden zu sein. Was hätte man mit diesem toll designten Ungetüm nicht alles anstellen können, doch die Further hatten die Rechnung ohne die deutsche Bürokratie gemacht. Selbst vor Drachen macht der TÜV nicht halt. Mit knapp über 1km/h brauste der Drache förmlich in die Arena und verlangte den Darstellern einiges ab um diese lange Zeit irgendwie zu überbrücken. Zum Glück wurde das Stück ein wenig umgeschrieben, um den Drachen etwas präsenter zu machen. Wurde er in der bisherigen Fassung nur knapp die letzten 10 Minuten gezeigt, so spielt er nun gleich zu Beginn eine Rolle. Das eigentlich politische Thema des Stücks wird so ein wenig moderner und gleitet in den Bereich Fantasy über, natürlich um ein größeres Publikum anzusprechen. Am Ende legt man dem Drachen dann noch einen Blumenstrauss in das weit geöffnete Maul. Die Gefahr ist gebannt, oder wie ich meine: Um auch den letzten verbliebenen Respekt vor dem „Ungetüm“ zu zerstören, schließlich schauen ja auch Kinder zu.

Abschließend kann ich nur wiederholen, dass der Drachenstich eine Reise wert ist (oder auch zwei oder drei). Ich fand toll, dass das Stück verändert und den neuen Gegebenheiten angepasst wurde, der Drache Tradinno ist eine Wucht und das Cave Gladium hat sehr viel Spass bereitet. Es bleibt nur eine Bitte an die Stadtverwaltung:
Gewährt eurem Drachenstich einen neuen Austragungsort! Der Drache braucht Platz damit er endlich so schnell laufen kann wie es sich gehört, Feuer speien kann wie es sich geziemt und um sich aufzubäumen und mit den Flügeln zu schlagen, damit allen Zuschauern der Atem stockt. Dann bin ich auch gern noch einmal dabei. Vielleicht beim Drachenstich 2011?

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