Messebericht Spiel 2006

Der Ranf

Der alljährliche subjektive Augenzeugenbericht von Doc und Dragonslayer!

Verglichen mit den vergangenen Jahren begann die diesjähriger Spiel nicht in Kälte und Regen, sondern mit beinahe sommerlichen 16° Außentemperatur und Sonne.

Somit war es den berliner Teilnehmern der „Rally um die kaputtesten Beine“ eine wahre Wonne sich am Freitagnachmittag der ersten Teilstrecke des Wochenendes zu widmen. 4 Stunden reiner Fahrtzeit später (ok, es kamen noch mal 3 Stunden Stau hinzu, aber das übersieht man bei guter Laune gerne) kamen wir an unserem ersten Zwischenstop an, der Basis- und Futterstation Löhne. Genug Zeit also, um sich eben diese mit mehr oder minder sinnvollen Beschäftigungen zu vertreiben. Zumindest sind wir jetzt alle LoccoRocco geschädigt und haben unsere eigene 10 Punkte Survival Regeln für den am Samstag stattfindenden Gewaltmarathon aufgestellt…

  1. Bring dir Zeit mit. Die Messe öffnet um 10:00 Uhr und schließt um 19:00 Uhr. Das ist gerade genug für ein Fünftel des Angebots. Wer vorher schlappmacht, der ist ’ne Lusche.
  2. Bring ordentliches Schuhwerk mit. Unter diese Kategorie fallen jegliche Arten von Fußbedeckung die es einem ermöglichen unter 1. genannte Zeitspanne stehend und schleichend zu überstehen. Idealerweise haben sie Stahlkappenspitzen falls jemand im Gedränge drauf treten sollte. Außerdem sollten sie am Ende des Tages bei Entnahme des mittlerweile recht degenerierten Inhaltes schlagartig komatöse Zustände bei allen Umstehenden im Umkreis von fünf Metern erzeugen. Sollte dieser Effekt ausbleiben, dann bist Du nicht genug gelaufen, gehe sofort zurück und mach weiter.
  3. Nimm Geld mit. Du hast dir ein Limit gesetzt? Du hältst es eh nicht ein, nimm dir mehr Geld mit.
  4. Befreie dich von der Meinung dass Dein Rucksack im Laufe des Tages leichter wird weil Du ja die Dinge darin aufisst/austrinkst. Das ist ein Irrglaube. Freivolumen wird sofort durch eine höherwertige Masse/Volumenkombination an erworbenen Gegenständen ersetzt. Um es klar auszudrücken Er wird nur schwerer. Nicht vergessen: E=mc²!
  5. Bist Du auch sicher, dass Du genug Geld dabei hast? … Nein, hast Du nicht!
  6. Nimm Dir ausreichend andere Leute mit. Diese dienen nicht wie gemeinhin angenommen dem geselligen Beisammensein, sondern schlicht der strategischen Positionierung in den Warteschlangen über die ganze Messe hinweg. Wer sich auf gut Glück irgendwo anstellt…der hat sowieso verloren. Mehr Leute sind außerdem als Packesel immer gut zu gebrauchen.
  7. Du hast ja immer noch nicht genug Geld dabei …
  8. Wälze sämtliche Listen der Veröffentlichungen der Messe, memorisiere den gesamten Plan des Geländes und den Standort jedes einzelnen Stands. Fertige Dir einen exakten Laufplan für das Abklappern sämtlicher POIs (Points Of Interest) an. Halte diesen dann beim Betreten der Messe nicht ein!
  9. Dies ist eine Spiele-Messe. Dort werden Spiele gespielt. Dein Messeerlebnis ist nicht komplett, wenn Du nicht mindestens ein Spiel ausgeliehen und ausprobiert hast – selbst, wenn es nur das drei Jahre alte Restspiel eines Standes ist, das vielleicht mal auf der Liste der Überlegungen stand, welche Spiele man für die Nominierung zum Spiel des Jahres überlegen könnte.
  10. Vergiss die Punkte 1-9 und mach alles nach Gefühl.

Derart vorbereitet kann ja nun wirklich nichts mehr schief gehen. Auf zur EuroTeddy, der Heimat der Naziteddys

spiel_2006_022

…oder nee, lieber doch noch zwei Hallen weiter und dann ab ins Spiel-Getümmel an diesem Samstag, dem per Definition stets leersten und gemütlichsten Tag *hust* einer Messe. Kaum in der Halle fällt mir sofort die Studie ein, dass das deutsche Volk langsam aber sicher ausstirbt. Dies gilt hier garantiert nicht und schon gar nicht für die kuriose Unterart der LARPer, die sich von Jahr zu Jahr explosionsartig zu vermehren scheint und die Wanderkanäle der Messe wie gigantische Korken zustopfen. Zugegeben, einen Vorteil haben unserer lieben Legolasse, Saurons und Orks ja. Sollte einem die gemütliche Messeatmosphäre aufs Gemüt drücken, so findet man an jeder Ecke geeignetes Latex-Material um dem Frust mit der Waffe in der Hand aktiv Luft zu machen – ohne, dass sich jemand daran stören würde. Ehrlich gesagt scheinen sie sich sogar noch drüber zu freuen. Daraus folgt: Willst Du neue Freunde haben, dann immer feste druff!

spiel_2006_009spiel_2006_056

Zu doof nur, dass die Messepreise für Verpflegung sich proportional zur Anzahl der anwesenden LARPer zu verhalten scheinen. Aber auch darüber kann man sich nach obigem Vorbild geeignet beschweren.

Ansonsten hielt die Spiel was sie auch sonst immer verspricht: Viele versteckte aber nicht minder interessante Drachenschätze, Bücher, Bilder und nette, photoscheue Menschen.

Wie immer wurden Bücher in kg gekauft, zumal die Autoren nicht selten live vor Ort sitzen und artig signieren…bis auf Marcus Heitz. Der Autor des Buchs „Die Mächte des Feuers“ sollte eigentlich irgendwo auf der Messe zu finden sein. Laut der Standleitung bei „Pegasus Spiele“ trägt der Mann dunkle Haare, eine graues Hemd und eine Brille. Was für ein Glück, ohne diese Beschreibung hätte ich ihn mit Sicherheit gefunden…

Auch der obligatorische Besuch in der Casa del Ciruelo war wie immer sehr lustig, auch wenn El Senor de los Dragones zu Hause weilen musste, so waren doch zumindest Monte Moore und der Weihnachhts-Elmore für jeden Mist zu haben und ließen sich zu einer spontanen „Wish you were here“ Aktion hinreissen, an der sich momentan noch meine Photoshop Künstler zu schaffen machen.

Doch trotz Abwesenheit Ciruelos tat dies der Stimmung und Kauflust…Ok, Kaufwut…ok, ja, dem Fanatismus keinen Abbruch und es wurde viel Geld umgesetzt, viele Photos geschossen und Messehostessen begutachtet *yumyum*.

Gut, eigentlich hätte das Spielen und die Spiel selbst ja Spaß machen sollen, schaut man sich jedoch folgende Bilder an, lässt sich erkennen, wie schnell aus Spaß furchtbarer Ernst werden kann. Wirklich glücklich sah man nach wenigen Stunden Schlaf und mittlerweile wesentlich mehr Stunden Fußmarsch eigentlich nicht mehr aus.

 spiel_2006_026 spiel_2006_045spiel_2006_043

Der Eindruck täuscht jedoch gewaltig. Noch während diese Zeilen entstehen und der Tag sich dem Ende neigt, wird mit den neuen Spielen gespielt oder Bücher durchblättert. Die Müdigkeit verdrängt den Schmerz in den Muskeln, der Hypotalamus schüttet ein paar kg Endorfine aus und die Zirbeldrüse spritzt eine Jahresration Melatonin. Wer in Bio gut aufgepasst hat der weiß, wir schlafen mit einem dämlichen Grinsen auf den Lippen beinahe am Tisch ein.

spiel_2006_079

Die Spiel 2006 ist beendet unser Hort an gesammelten Gütern größer denn je. Anstelle einer Auflistung lassen wir ein Bild sprechen, denn die sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte.

Kommen wir wieder? Keine Frage! Und dann krieg ich auch die Ische hinter ihrem Pult vor…versprochen!



Beitrag weiterempfehlen:

Kommentieren ist momentan nicht möglich.

Stöbere im Archiv